Drei Loewen
Je einer von diesen Tieren lag vor einem Bett meiner Schwester, der dritte an der Wand der Stirnseite des Zimmers. Gleissend hell war es im Raum. Die Sonne bestrahlte die weiss gestrichenen Waende. Zwischen Loewen und mir war genuegend Platz im Raum. Ich war unsicher ob ich hier bleiben sollte um zu meinen Schwestern zu gehen. Vorsichtig zog ich die Tuer hinter mir zu, war aber immer noch unsicher, ob es richtig war, was ich tat. Mein Verstand verbot mir weiter zu gehen, mein Herz liess mich aber einen Schritt nach vorne tun. So setzte ich einen Fuss vor den anderen und wusste nicht was passieren wuerde. Koennte ich es schaffen meine Schwestern zu befreien, oder waere ich wie sie in der Loewenzelle gefangen?
Starke Selbstzweifel plagten mich, aber die Aussichtslosigkeit der Situation, in der sich meine Geschwister befanden, trieb mich an weiter zu gehen und die Loewen zu ignorieren. „Du hast die richtige Entscheidung getroffen“, sagte ich mir. „Mach weiter du wirst es schaffen“! „Du hast Potenzial“! Potenzial? Wo, ich schaue mich um. Ich habe Potenzial? Davon habe ich bis jetzt aber nichts gemerkt. Sollte es doch da sein? Muss ich nur dazu stehen? Ich bin Mathematikerin und keine Heldin. Potenzial zum rechnen habe ich genuegend, aber auch Mut zu kaempfen?
„Ja, ich kann kaempfen“, sage ich mir und gehe mutig weiter. Schaue den Loewen dabei fest in die Augen und stelle fest, dass sie einen menschlichen Blick haben und mich freundlich ansehen. Durch diesen Blick beginnen sie mit mir zu kommunizieren. Sie lassen mich wissen, dass ich von ihnen Hilfe erwarten kann, sie sagen mir, dass sie mein Potenzial fuer die Zukunft sein wollen. Ihre Loewenkraft wollen sie mir fuer meine Aufgabe als Mutter schenken. Rufe uns, wenn du uns brauchst, wir sind fuer dich da. Gehe deinen Weg zu Ende, habe keine Angst.
Einen Moment lang halte ich inne und denke darueber nach, was gerade passiert ist, dann mache ich die naechsten Schritte vorwaerts. Unsicher bleibe ich nochmals stehen und schaue den Loewen nochmals in die Augen. Sie sehen immer noch freundlich aus. Vorsichtig strecke ich meinen linken Arm aus und streichele eines der Tiere mit meiner Hand. Jetzt ist das Eis vollends gebrochen und ich bin sicher das richtige getan zu haben. Dieser Traum hat mich gelehrt, dass es Loewen ueberall gibt, aber nicht jeder Loewe ist grausam. Ich weiss jetzt, dass ich jeden Kampf mit Loewen bestehen kann, so lang ich ihr Verhalten richtig interpretiere.
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