Vorwort fuer Wintersschlafe
Im Sommer 1992 starb mein Papa. Er war ein Mensch, der an das Leben nach dem Tod, (oder an den lieben Gott) nicht glaubte. Ueber uebernatuerliche Themen hat er manchmal stundenlang mit Oma lauthals diskutiert. Dabei war Papa derjenige, der den Streit anfing, mit seinen bissigen Bemerkungen. Meine Oma hat uns, den Kindern, das "Vater Unser" beigebracht und war sonst aeusserst glaeubig. Irgendwann liess mein Vater unerwartet verlauten: ""Ich habe nichts gegen Gott" und ich habe auch nichts dagegen, dass meine Enkelkinder beten. Sechs Monate spaeter verstarb er. Die Trauerfeier fand nach russischer Tradition statt.
Nach der Beerdigung quaelte mich immer wieder die Frage, wo mein Papa letztendlich gelandet ist. Es beunruhigte mich, weil unser Vater nach dem einfachen, russischen Vorbild gelebt hat. Wir waren eine Grossfamilie, wir lebten mit meinen Eltern, meiner Oma und sieben Geschwistern zusammen. Unser Vater arbeitete von Morgens bis Abends. Manchmal trank er ein Glaeschen Wodka, rauchte Zigaretten und fluchte, wenn ihm das Leben mitten in das Herz spuckte. Ab und zu sagte er zu uns: "Das Leben ist hart, aber jeder Mensch muss selber entscheiden, welche Ideale er hat und machen moechte. Dieser Satz spiegelt am ehesten die Lebenseinstellung meines Vaters wider.
Die alltaegliche Realitaet versteifte sich zur Routine. Papa arbeitete als Schweinezuechter aus Leidenschaft. An seinen viel zu seltenen Urlaubstagen war er mit Glas und Glasschneider unterwegs. Er baute im ganzen Dorf Fenster ein und als Bezahlung erhielt er Obst oder andere Lebensmittel. Jedes Mal wenn er mit Obst nach Hause kam, bereitete er uns Kindern eine grosse Freude. Einige Monate nach dem Tod meines Vaters, hatte ich einen wunderschoenen Traum, welcher all meine Zweifel um den Verbleib meines Vaters, verschwinden liess. Von diesem Tag an, weiss ich ganz genau, dass etwas Hervorragendes und Majestaetisches existiert. Es gibt zwischen Himmel und Erde eine Macht, die mir Kraft gibt und mein Schicksal bestimmt. Frueher wollte ich schon immer meine Traeume in einer Art Tagebuch festhalten, aber ich hatte nie genug Zeit fuer diese taegliche Kleinigkeit.
Heute, kann ich nicht anders. Manchmal sehe ich etwas in meinen Traeumen, was mich zum Nachdenken bringt. Manchmal ist es etwas, was mich beruhigt. Gelegentlich kann ich in meinen Traeumen etwas vorhersehen, was in Kuerze passieren wird. Wie zum Beispiel, als ich einen Traum hatte, in dem ich meine Kollegin schwanger sah. Einige Monate spaeter hielt ich den lebenden Beweis in meinen Haenden. Ich interessiere mich vor allem fuer den Prozess des Traeumens, weil es die einzige Zeit ist, in der Menschen nicht denken.
Meiner Meinung nach, gibt es keine Methodik, wie man einen guten Traum bestellen kann. Es gibt auch kaum eindeutige Vorschriften wie man Traeume interpretieren darf. Aber ich glaube, dass es sehr wichtig ist, mit guter Laune und angenehmen Gedanken schlafen zu gehen. Ich vermute Traeume stellen weiterhin ein aeusserst interessantes Untersuchungsobjekt fuer die Wissenschaftler dar. Wenn ich geahnt haette, wie viel Spass mir die Arbeit an diesem Buch bereiten wuerde, haette ich das Buch frueher geschrieben. Sehr geehrte Leser, wenn Sie mir Ihre Anmerkungen fuer das Buch schicken moechten, wuerde ich mich darueber freuen.
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