Meine Rose

* 9. April 2008

I. Die Rose im fremden Garten... 

Jede(r) weiss Bescheid ueber die Schoenheit der Rosengaerten. Und somit kann sich wohl kaum einer ihrer Schoenheit entziehen. Das bedeutet fuer manche ausschliesslich die Bewunderung der Lieblings-Rose aus der Ferne ohne den fremden Garten zu betreten, geschweige denn diesen zu zerstoeren.

Manche trauen sich doch, den geheimnisvollen Garten aus der Naehe kennen zu lernen - sie riechen die Blume, geniessen die Beruehrung. Und es kommt auch vor, dass die Rose willk;rlich mit-gerissen wird. Eine Blume, die sich mit ihrem D;rnern erstmal wehrt, dann auch eine Zeit lang zu Hause in einer Vase noch eine Zeit lang so tut, als ob sie lebt, hat dennoch oft ein trauriges Ende - ausgetrocknet stirbt sie auf einer Muelldeponie.

Ein besseres Schicksal erleben einige Rosen, wenn sie in einen neuen Garten sorgfaelltig mit ihren Wurzeln umgepflanzt werden. Es findet fuer sie damit ein Versuch, im neuem Beet auch ihre neue Wurzeln zu entfalten, was - eventuell - ein neues Glueck versprechen kann.

Was bedeutet es denn, eine Rose zu sein?


II. Wer bist Du? - Wer bin ich?

Eine Rose, ein Gaertner, ein Passanter oder ein geheimnisvoller Einbrecher?

Das Verstaendnis dafuer kommt oft jedoch nicht sofort mit der ersten Minute des Kennenlernens, denn es entsteht ganzheitlich im Bewusstsein eines jeden Menschen unter dem Einfluss seiner eigenen Lebensgeschichte.

Gelegentlich nur gewaehre ich mir jedoch einen scheuen Blick in den fremden Garten und traue mich dabei leider gar nicht, mich einer wunderbaren Rose anzun;hern. Sie enfaltet ihren Duft vielleicht nur fuer mich, aber woher weiss ich es? Ich weiss es nie genau... Und da fehlt mir einfach der Mut… 


III. Und doch... 

Doch bin ich vielleicht auch eine Rose, oder eine wilde Rose sogar? Es kommt mir so jetzt vor, als ich meiner Lebensgeschichte ein Revue passieren lasse...
Und eventuell kommt eines Tages auch in meinen Garten eine hinreissende G;rtnerin, und sie schaut mich an und bewundert mich – und es verwirrt mich. Umso ahrscheinlicher komme ich auch in einem bestimmten Moment nicht ganz klar mit diesem neuen Gefuehl, welches mich tief inm Herzen trifft... Mein Herz zerf;llt in kleine Stuecke, ich bin auch neugierig...
Aber was ist, wenn ich mich gewaltig irre, und es bedeutet noch lange ja gar nichts Ernstes, denn es gibt sicherlich jede Menge G;rtner und Gaertnerinnen, die auch nur noch bewundern und kein R;uberinstinkt haben und somit ueberhaupt keine Rosen moegen? Sie bewundern die Blumen kurz und gehen ihren Weg...

Dann bleibe ich doch lieber der einsame Schatten…
"Shadow, my shadow..." - hast du mich irgendwann genannt.


IV. Und doch zurueck blickend laesst sich sagen – die Hoffnung bleibt…

Die Hoffnung bleibt immer – solange das Herz schlaegt. Das menschliche Herz eines Gaertners ist sensibel und liebend.

Hat die Blume auch ein Herz? Das ist wohl eine philosophische Frage, denn sie ist anziehend sch;n, und die Schoenheit braucht oft mal auch gar kein Herz. Die Blume ist einfach schoen. Sie ist nicht egoistisch, aber rein zum Bewundern und nicht zum Lieben da, auch fuer Andere nicht, die Vorbeigehen muessen. Denn geliebt wird ja mit dem Herzen. Und sie hat statdessen ihre Sch;nheit. Sonst hat es ja keinen Sinn ueberhaupt, eine Rose im Garten zu sein.

Aber was ist, wenn die Rose vielleicht auch ihre Gefuehle fuer jemand empfindet ausser nur an ihre Schoenheit zu denken?

Die Hoffnung des sorgfaelltigen und liebenden Gaertners auf die Gegenliebe ist enorm gross, denn er geht mit seiner Blume auch so liebend um. Und sie duftet ganz schoen… Aber immerhin nicht nur f;r ihn allein – ihr Duft sprengt die Luft weit ueber die Grenzen des Gartens hinaus. Und bezaubert richtig viele, die vorbeigehen.

Nur die Mutigen wagen sich, in den fremdem Garten reinzuschauen, um sich der gewuenschten Rose anzunaehern, sie zaertlich in die Haende zu nehmen und zu liebkosen – ganz sanft, mit dem Gefuehl, welches nur einem Liebenden Herzen vom gnaedigen Gott, der groesser als alles in der Welt ist, geschenkt werden kann.

Und die Rose – sie schwenkt mit ihrem Blaettern, oeffnet sich den zarten fremden Lippen entgegen und geniesst die Zuwendung… Und vergisst ihren Gaertner, der sie gepflanzt und fleissig begossen hat. In diesem Moment wuerde sie ihren Schatten anflehen: „Hoere nur bitte nicht auf!“, - wenn sie bloss sprechen koennte…

In der herrlichen Morgenstunde vergoldet aber die Sonne den Horizont und laesst den Schatten des naechtlichen Einbrechers verschwinden. Der Morgentau schenkt der Rose eine Traene. Sie funkelt unter warmen Sonnenstrahlen, und die Rose sehnt sich unheimlich nach ihrem heimlichen Geliebten.

Die Hoffnung, dass er zurueckkommen wuerde, ist gross…


V.  Irgendwann…

Weg... Jetzt bin ich weg von ihr, von meiner Rose, die leider nicht in meinem Garten aufgewachsen ist... Diese Zeit im fremden Garten... Es faellt mir schwer, sie zu beschreiben, weil solche Momente im Leben bestimmt nur einmalig sind.
Aber wie werde ich mich wieder trauen, einen neuen, einen anderen Weg zu dieser Rose - ja, meiner Rose - einzuschlagen?

Wer weiss, ob irgendwann der Schatten zurueckkehren wuerde? Und ob er noch erwartet wird?


 


Рецензии