Drei Schwestern

Die Kirche ist still und licht. In den schraegen Strahlen des Sonnenlichts, die durch die spitzbogigen Buntglasfenster fluten, wirbeln Staubkoernchen, und es scheint, als seien es die reinen Gedanken der Glaeubigen, die kreisend gen Himmel streben, zu Jenem Einzigen, der zu troesten und zu vergeben vermag. Die Kirche atmet eine zerbrechliche Stille. Das leiseste Geraeusch bricht sich an den Waenden und verliert sich im hohen Gewoelbe. Dunkle Heiligenantlitze blicken streng von den Mauern herab.
In diesem Gotteshaus leben drei Schwestern, drei Gefaehrtinnen – jene, die die Seele hueten, von der weihnachtlichen Wiege des Menschen bis zu seinem Sterbelager.
Glaube ist die aelteste Schwester, die den Willen zum Leben schenkt. Wer, wenn nicht sie – der feste Glaube – zwingt dazu, Missgeschicke zu dulden und all die Schlaege zu ertragen, mit denen das Schicksal nicht geizt.
Die mittlere Schwester heisst Hoffnung. Die Schwester des Trostes. Die Schwester der Verheissung. Die Schwester leiser Wehmut, sollten ihre Versprechen sich als leer erweisen. Die Hoffnung wird einen in der Not niemals verlassen.
Und die juengste ist die Liebe, die ersehnte Schwester der Dichter und Saenger. Eigenwillig und launisch, leicht und aetherisch wie ein Lufthauch, verleiht sie dem Dasein seine Farben.
In meinem lichten Tempel leben drei Schwestern: die Liebe, die Hoffnung und der strenge Glaube.


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