Sommer Es gibt Naechte im Juli
Blutig war der Sonnenuntergang – ein Vorbote des Sturms. Der Himmel loderte, im Osten ging ein transparenter Mond auf. Der Wind legte sich, und Unruhe hing in der regungslosen Luft. Im Wald verstummten die Voegel, in Vorahnung des Unheils versteckten sich die Tiere. Die Natur wartete auf den Wandel.
Kaum beruehrte die Sonne den westlichen Rand der Erde, schob sich vom oestlichen Rand eine finstere, zerzauste Wolke heran und verschlang den abnehmenden Mond. Ploetzlich wehte ein kalter Wind. Er brachte auf seinen feuchten Fluegeln den dumpfen Atem des Sturms. Der Wind bog die Graeser auf dem Feld zur Erde, zerzauste den quecksilbernen Spiegel des Flusses, und als er den Wald erreichte, droehnte und stoehnte er in den Baumkronen, riss Blaetter ab und brach Zweige. Der Wind wurde staerker, heulte in Boeen auf; die Wolke wuchs rasch und schluckte in grossen Stuecken den Raum; die Sonne verschwand hinter dem Horizont.
Und der Donner grollte. Und Finsternis fiel herab. Und blendend zuckte der Blitz, der den Himmel mit einem gezackten Zickzack aufriss. Und der Regen stuerzte herab. Und die Erde bebte.
Der Wind raste unter der Kuppel der Wolke umher und fand nirgends Ruhe. Mit straffen Peitschen hieb der Regen auf Huegel und Fluss, Wald und Feld ein. Der Donner rollte wie Kanonendonner. Boesartig funkelten die Blitze und rissen mit Ausbruechen hoellischen Feuers Momente der Schlacht der Elemente aus der pechschwarzen Finsternis. Das himmlische Feuer schlug in die Erde, in den Fluss, und das Wasser dort brodelte. Er traf die Baeume und setzte sie in Brand, doch der Regen loeschte das Feuer, und der Wind, so sehr er sich auch bemuehte, vermochte den Brand nicht anzufachen.
Die ganze kurze Sommernacht tobte der Sturm. Erst gegen Morgen begann er zu erloeschen. Die Wolke wurde duenner und kroch hinter den westlichen Rand der Erde davon, waehrend am oestlichen Rand die Sonne hervorschaute.
Der Morgen erwies sich als erstaunlich still. Mit klingender Reinheit begruesste die Natur den neuen Tag. Ueber dem Fluss stieg Nebel auf, der als flauschige, lange Wolke jede Biegung des Flusses nachzeichnete. Die Waldbewohner belebten sich. Die Tiere krochen aus ihren halb ueberfluteten Verstecken, die Voegel sangen und freuten sich ueber das Leben und die Sonne.
Die Sonne aber, nachdem sie aufgestiegen war, laechelte der gewaschenen Erde zaertlich zu, als waere sie es nicht gewesen, die gestern feige vom Schlachtfeld hinter den Horizont geflohen war.
Свидетельство о публикации №225122701725