An der Schwelle des Tages

Die ersten, die in unseren Steppengebieten erwachen, sind die Abraumhalden. Sie thronen ueber den goldenen Feldern des reifen Weizens, ueber den gruenen Baumstreifen, die sich wie Naehte durch die Felder ziehen, ueber den blauen Seenplatten; nur der Himmel ist hoeher als sie. Die Halden wurzeln tief in der Erde, wo die Kohle in Schichten lagert, wo Menschen mit dem Fleiss von Termiten Stollen graben. Man sagt, in der Kohle sei der maechtige Atem der Sonne gesammelt. Unvorstellbar, dass reines weisses Licht zu schwarzem, fettigem Stein werden konnte.

Doch nun, Freunde, es ist Morgen. Kehren wir an die Oberflaeche zurueck.

So still ist es ringsum in der Stunde vor Sonnenaufgang. Die kleinen naechtlichen Musikanten sind verstummt, und die Voegel, die ergebenen Saenger des Lichts, sind noch nicht erwacht. Sogar der leichte Wind, der die ganze Nacht hindurch traege das Laub der Pappeln bewegte, ist eingeschlafen, hat sich zur Ruhe gelegt zwischen den Zweigen. Stille. Und es scheint und man meint in der naechtlichen Stille die Bewegung kristallener Sphaeren zu hoeren: das Rauschen des Mondes, der durch die spaerlichen Wolken wandert, den Klang der weissen Sterne der siebten, letzten Sphaere.

Doch horch, der erste Vogel zwitscherte, erwachte. Und wieder Stille. Eine Blaumeise sang schrill ihre Tonfolge, ein Spatz antwortete ihr kurz und wuetend. Und ploetzlich, als gehorchten sie dem Wink eines unsichtbaren Taktstocks eines unsichtbaren Dirigenten, begannen alle Voegel auf einmal zu singen, die Annaeherung des Gestirns spuerend.
Der Osten wurde heller, und die Sterne der oestlichen Hemisphaere erloschen. Und mit rosa, blutigem Schaum bespritzte die Morgenroete den Rand des Himmels. Und die Spitzen der Abraumhalden flammten auf, wie Totenkerzen fuer die Bergleute, die unter die Erde gegangen waren.

Ueber den Halden, ueber den gelben Feldern, stieg die zornige Sonne empor und verdammte das Bergbaugebiet zu einem heissen, schweren Tag.
Ueberleben muesste man das…


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