Weihnachtsmaerchen

Einst fuhr ein Auto durch einen dunklen Winterwald in einem einfachen, klaren Interesse – so schnell wie moeglich aus dem dunklen Wald herauszukommen. Am Steuer des Wagens sass der Vater der kleinen Nastja, der beschlossen hatte, den Weg durch den Wald abzukuerzen.

 Auf dem Ruecksitz hatte es sich die kleine Nastja bequem gemacht. Wegen ihrer Launen hatte der Vater beschlossen, den kurzen Weg zu nehmen. Doch nicht jeder kurze Weg fuehrt, wie wir wissen, dorthin, wo wir hinmuessen.

Der Vater der kleinen Nastja schimpfte leise ueber die Narren und die Strasse, waehrend die kleine Nastja gebannt auf das schaurige Wintermaerchen blickte, das am Fenster vorbeizog. Und dieses Maerchen gefiel Nastja ganz und gar nicht. Mal huschte ein unheilvoller grauer Schatten durch das Dickicht, mal flog lautlos und sanft wie im Traum ein grosser, zottiger Vogel vorbei, mal rannte ein weisses Haeschen auf eine verschneite Lichtung. Im zitternden Mondlicht erschien es Nastja wie ein verkleideter boeser Bandit. Man musste es scharf im Auge behalten. Kaum drehte man sich weg, wuerde das Haeschen ein scharfes Messer aus der Tasche ziehen oder ein suesses, schlechtes Bonbon herausholen.

- Waeren wir doch besser bei Oma geblieben, seufzte Nastja, als der falsche Hase verschwunden war.

- Keine Angst, Nastjoena, wir schaffen das -, meldete sich der Vater munter, - nur noch ein paar Kilometer.

- Na ja, mal sehen -, sagte Nastja im Tonfall einer klugen und vorsorglichen kuenftigen Mutter.

Hinter der Kurve erfasste der Scheinwerferkegel einen dicken Baumstamm in der Dunkelheit, der die halbe Fahrbahn versperrte. Nastjas Vater trat scharf auf die Bremse und riss gleichzeitig das Lenkrad nach links. Das Auto sprang aus der Spur und brach am Strassenrand mit den Hinterraedern aus. Gegenueber dem Baumstamm gab der Vater Vollgas. Wahrend der Schnee in kleinen Fontaenen unter den Raedern aufwirbelte, kroch das Auto langsam in die Spur zurueck. Ein kleines bisschen fehlte es an Pferdestaerken. Es rollte zurueck, und alle weiteren Versuche, sich aus der Schneefalle zu befreien, fuehrten nur zu einem tieferen Einsinken. Nach vielen Bemuehungen gab der Vater den Kampf gegen die Elemente auf.

- Wir sitzen fest -, sagte er und drehte sich zu Nastja um, - ohne Traktor kommen wir hier nicht raus.

- Das habe ich mir gedacht-, seufzte das Maedchen.

- Nichts Schlimmes -, beruhigte sie der Vater, - wir rufen den Notdienst, und in einer Stunde ziehen sie uns raus. In dieser Stunde wiederholen wir das Thema 'Wetter'. In der Woche hast du es sicher gut gelernt.

Die ganze Woche ueber hatte Nastja mit Filzstiften Prinzessinnen und Prinzen gezeichnet, mit der Oma Piroggen gebacken und an langen Abenden verzueckt Maerchen gelauscht; an das Thema Wetter auf Englisch hatte sie im Traum nicht gedacht. Doch dem Vater gestand sie das nicht, sie zuckte nur mit den Schultern.

Der Vater holte das Telefon heraus und drueckte den Knopf, um das Geraet zum Leben zu erwecken. Der Bildschirm leuchtete blau auf, das Telefon piepste klaeglich und versank in einen hungrigen, lethargischen Schlaf.

- Mist! — rief Papa aus. — Ich habe vergessen, den Akku aufzuladen.

— Schimpf nicht, Papa — sagte Nastja streng.

— Entschuldige, ich mache es nicht mehr. Gib mir mal dein Handy.

Nastja wuehlte in ihrem Rucksack, der wie ein lustiger Badeschwamm aus einem beliebten Zeichentrickfilm aussah. Das Telefon war nicht da. Sie schuettete den Inhalt des Rucksacks auf den Sitz. Filzstifte waren da, das Notizbuch mit den Prinzessinnen war vorhanden, Haarspangen, Ringe und Armbaender, ein Kamm, der verbotene Nagellack – alles war an seinem Platz. Das Telefon fehlte.

- Ich habe es bei Oma vergessen -, sagte Nastja schuldbewusst.

- Wir sitzen fest.

Papa schwieg lange und ueberlegte angestrengt, wie er aus der misslichen Lage herauskommen konnte, in die sie durch seine Unachtsamkeit geraten waren. Nastja stoerte ihn nicht beim Nachdenken. Schliesslich wurde er lebhafter und begann, die elektronische Karte zu studieren.“

"Wir gehen zu Fuss. Das Navi zeigt, dass es bis zur Strasse einen Kilometer, hoechstens anderthalb, ist. Irgendjemand wird uns mit in die Stadt nehmen, und morgen frueh komme ich zum Auto zurueck."

- Papa, gibt es hier Waldraeuber?

- Ach was, Nastjoena -, lachte der Vater, - alle Waldraeuber wurden laengst von guten Zauberern gefangen. Zieh deinen Pelzmantel an. Es ist Zeit, sich auf den Weg zu machen.

Der naechtliche Wald war still und raetselhaft. Kein Laut, nicht der leichteste Windhauch. Die Tannen und Kiefern, wie Braeute, standen im Festschmuck des flauschigen Schnees. Der Schnee lag wie ein dicker Teppich auf dem Boden und verbarg Unebenheiten, tote Blaetter und trockene Aeste. In Milliarden winziger Brillanten funkelte der Schnee im Mondlicht.

Gleich hinter dem Baumstamm brach die Befahrbarkeit des Weges ab. Seine Existenz liess sich nur schwach an den kaum merklichen Vertiefungen der Fahrspuren und der Woelbung dazwischen erahnen. Es war schwer, auf dem Weg zu gehen. Papa ging am Randstreifen entlang und verlor nach einiger Zeit den Weg aus den Augen. Er trug seine Tochter auf den Armen und ging bereits seit einer Stunde, doch es zeigten sich keinerlei Anzeichen einer naeher kommenden Autobahn. Er hatte sich verlaufen, doch er hatte Angst, sich das selbst einzugestehen

Papa munterte Nastja mit lustigen Geschichten aus seiner Kindheit auf. Das Maedchen spuerte die zunehmende Angst des Vaters an den Wiederholungen, am ploetzlichen Abbrechen der Rede. Sie fuehlte die Unruhe des Papas, hielt aber mit letzter Kraft durch, um nicht in Traenen auszubrechen.

Er war muede. Die Fuesse in den leichten Schuhen waren voellig durchnaesst, auch die Hose war bis zu den Knien nass. Und Nastja wurde mit jeder Minute schwerer.

- Wenn ich in fuenf Minuten kein Autogeraeusch hoere, gehe ich auf meinen eigenen Spuren zurueck. Oder -, ihm kam ploetzlich ein einfacher Gedanke, - ich mache ein Feuer. Wir ruhen uns aus, trocknen ein wenig und erst dann kehren wir zum Auto zurueck. Noch fuenf Minuten.
 
Als die selbst gesetzte Zeit fast abgelaufen war, rief Nastja aus::

- Ein Lichtchen!

- Wo! -, freute sich der Vater.
- Dort drueben -, Nastja zeigte mit dem Finger nach links, - da, es leuchtet wieder."

Zehn Minuten schnellen Schrittes, und die Gefangenen des Winterwaldes gelangten auf eine Lichtung. In deren Mitte stand ein niedriges Blockhaus: eine Treppe mit zwei Stufen, eine Tuer und daneben ein kleines Fenster. Im Fenster funkelte ein Licht.

- Wahrscheinlich das Haus eines Foersters -, sagte der Vater, - warte mal.

Er setzte Nastja in den Schnee. Um seinen Atem zu beruhigen, beugte sich der Vater vor, als wuerde er sich tief vor der Huette verneigen. In diesem Augenblick erhob sich das Haeuschen. Unter seinem Fundament kamen zwei riesige, faltige Huehnerbeine zum Vorschein.

- Oh! -, rief Nastja.

Sie kniff die Augen zusammen und oeffnete sie wieder. Die Huette stand fest auf dem Boden. Die Schneewehen an den Waenden lagen unberuehrt da.

– Was ist mit dir, – erschrak Papa, – was hat dich so erschreckt!

– Nichts, – antwortete Nastja verwirrt, – es kam mir so vor, als ob das Haeuschen schwankt.

– Dir ist schwindelig geworden, mein Sonnenschein. Dreht sich dein Kopf nicht?

– Nein, er dreht sich nicht.

– Gehen wir, – Papa nahm seine Tochter wieder auf die Arme, – machen wir uns mit den Hausherren bekannt.

«Dieses Haeuschen ist nicht einfach», dachte Nastja, «sondern magisch. Darin leben die Waldraeuber, die von den guten Zauberern noch lange nicht eingefangen wurden»

Das Lichtlein verschwand aus dem Fenster und erschien in der mit einem Quietschen geoeffneten Tuer. Auf die Veranda trat eine gebeugte alte Frau mit einer uralten Petroleumlampe in ihrem duerren Haendchen. In Nastjas Augen sah sie nicht wie eine Waldraeuberin aus, dafuer aehnelte sie sehr einer boesen Hexe, die kleine Kinder mit einer Holzschaufel in den Ofen schiebt.

– Guten Tag, Grossmuetterchen, – sagte Papa, als er an die Veranda trat und Nastja auf den Boden stellte, – wir sind auf der Strasse steckengeblieben und haben uns dann verlaufen.

– Kommt herein, – warf die Grossmutter mit kr;chzender Stimme hin und verschwand in der dunklen Tuer;ffnung.

In der Huette war es warm. Es roch nach Kraeutern und jahrhundertealtem Staub.

– Zieh die Schlorren aus, – kommandierte die Alte Nastjas Papa, – stell die Schlappen an den Ofen. Die Socken packste zum Trocknen auf den Tuerbalken. Steck die Fuesse in die Filzstiefel, – aus einer dunklen Ecke brachte sie grosse, hohe Filzstiefel hervor, – und du, Maedele, – die Alte stellte die Lampe auf den Holztisch am Fenster und drehte sich zu Nastja um, – zieh dein Jaeckchen aus und setz dich an den Tisch. Wir halten jetzt Teestunde.

– Wie gut das tut, – sagte Papa, nachdem er die Filzstiefel angezogen hatte, – wie im Paradies. Wir muessten mal den Notdienst anrufen.

– Wa? Huch! Marsch, du Satansbraten!

Die Alte trat nach dem riesigen roten Kater, der ihr zwischen die Fuesse geraten war. Der Kater fauchte, miaute und sprang auf den warmen Ofen. Nastja war sich sicher, dass der Kater mit menschlicher Stimme sagte: „Ssselber sssatanisch“.

– Ich sage, – sagte Papa sehr laut und deutlich, – wir braeuchten ein Telefon, um in die Stadt anzurufen."

– Ich hoer dich schon, ich hoer dich, bin ja nich taub. Gibbet nich, dat Telephon, hier jibt et nich mal Jlektrisch.

– Als wir uns dem Haeuschen naeherten...

«Auf Huehnerbeinen», – fuegte Nastja gedanklich hinzu.

–...habe ich einen Traktor im Schuppen gesehen.

– Den Traktorchen? Wenn de Herren zurueckkommen, dann kannste se fragen wegen dem Traktorchen.

Waehrend des Gespraechs entfachte die Alte flink das Feuer unter dem kupfernen Samowar, stellte eine toenene Zuckerdose mit Wuerfelzucker auf den Tisch, dazu ein Schaelchen Marmelade, eine Schuessel Kekse und drei angeschlagene Tassen

– Ansehen kann man sich das Traktorchen ja mal.

– Ansehen – das kann man. Fuers Ansehen nimmt man kein Geld.

Die Alte nahm ihre uralte Leuchte und sah Nastja, die still am Tisch sass, streng an.

– Und du, Maedele, schau bloss, dass du in der Huette keinen Unfug treibst.

– Schsch... miau-miau, – sagte der Kater vom Ofen aus.

«Na, ich werd schon schauen», – Nastja hoerte in seinem Miauen eine gewisse Absicht.

Sie gingen hinaus. In der Huette wurde es totenstill, nur irgendwo tief im Untergrund bissen sich die Maeuse, und kaum hoerbar schnurrte der Kater, waehrend er auf Nastja aufpasste. Und Nastja schaute aus Langeweile aus dem Fensterchen. Auf den Waldrand vor der Huette lief ein Hase hinaus, hinter ihm trat aus dem dunklen Wald ein grauer Wolf wuerdevoll in das Mondlicht, und auf seinem Ruecken sass ein Uhu.

Die Tiere schlugen alle auf einmal auf dem Boden auf, schlugen ein Rad ueber den Kopf und verwandelten sich...

"Waldraeuber", sagte Nastja leise.

"Die Herrrrrschaften sind da", zischte der Kater ganz deutlich.

Der erste Waldraeuber trug einen weissen Pelz, der zweite einen grauen, und der dritte einen roten. Nastja pupste vor Angst und hielt sich ganz fest die Augen zu, damit sie verschwanden. Und alles verschwand, und dann rief sie die Stimme der Oma:

– Nastenka, – eine Stimme begann sie leicht an der Schulter zu schuetteln, – Enkelchen, du bist ja wohl im Sessel eingeschlummert.


Nastja oeffnete die Augen. Vor ihr stand die Oma. Haeuslich, vertraut bis zur letzten Falte in ihrem runden Gesicht.

– Wie dich das mitgenommen hat. Soll ich dir vielleicht das Bettchen herrichten?

– Was fuer ein Bettchen, – Papa kam in die Stube, – wir muessen fahren.

«Jetzt sagt die Grossmutter», – dachte Nastja: «Wohin wollt ihr denn so spaet in der Nacht fahren».

– Wohin wollt ihr denn so spaet in der Nacht fahren, – sagte die Grossmutter, – uebernachtet hier und fahrt am Morgen los.

«Und Papa wird sagen: Ich muss morgen zur Arbeit, zur Arbeit».

– Ich muss uebrigens morgen zur Arbeit, Glafira Petrowna, – sagte Papa.

«Und die Grossmutter wird sagen: Deine Arbeit ist kein Wolf, Alexej, sie laeuft nicht in den Wald davon».

– Deine Arbeit ist kein Wolf, Alexej, sie laeuft nicht in den Wald davon, – sagte die Grossmutter, – vielleicht ist das Kind krank geworden

«Und Papa wird antworten: Und wie sie davonlaeuft».

– Und wie sie davonlaeuft, Glafira Petrowna, – antwortete Papa, – und Nastja hat uebrigens morgen eine Vormittagsfeier. Mama hat ihr schon das Kostuem einer Schneeflocke vorbereitet.

– Das Schneeflocken-Kostuem! – quiekte Nastja und sprang flink aus dem Sessel auf, als haette sie gar nicht geschlafen, – und wie sieht es aus?

– Wie schon, wie schon... Ein weisses Kleid.

– Und die Krone?

– Eine Krone gibt es auch.
– Und welche Farbe haben die Schuhe?

– Die Schuhe, – Papa kratzte sich ratlos am Kopf, – wahrscheinlich weiss.

– Was seid ihr nur fuer Eltern, – Nastja stampfte vor Aerger mit dem Fuesschen auf, – die Schuhe muessen doch rosa sein!

– Wir rufen jetzt Mama an, – fand Papa einen Ausweg, – und klaeren alles.

– Ach, geht doch weg mit euch, – die Grossmutter winkte veraergert ab, – macht, was ihr wollt, – und ging aus der Stube in den Flur hinaus.

– Hallo. Hi, – sprach Papa ins Telefon, – hier interessieren sich einige Schneeflocken fuer die Farbe der Schuhe. Ich uebergebe das Rohr an die Wald-Schneeflocke.

– Hallo, hallo, Mama...

Und Nastja begann mit Mama ueber das Schneeflocken-Kostuem zu plaudern.
Die Grossmutter kam ins Zimmer zurueck. Sie schleppte m;hsam eine schwere chinesische Markttasche. Alexej nahm seiner Schwiegermutter die Tasche aus den Haenden und stellte sie auf den Boden. Darin klirrte etwas.

– Glafira Petrowna, – sagte er vorwurfsvoll, – wozu das Ganze, wirklich. Wir haben doch alles.

– Nicht du wirst es ja schleppen, sondern das Auto, – antwortete Glafira Petrowna, – da ist doch kaum was drin: ein Glaeschen Himbeermarmelade, ein Glaeschen Salzgurken, zwei Glaeschen Pilze und ein Tuetchen von Nastjenkas geliebten Kirschpiroschki.

– Tschuess, wir kommen bald, – sagte Nastja ins Telefon und legte auf, – Papa, – sie drehte sich zu Papa und der Grossmutter um, – wir fahren sofort los.

– Auf Wiedersehen, Grossmutter, – Nastja verabschiedete sich an der Pforte von ihr, – langweile dich hier nicht ohne mich.

– Ob ich mich langweilen werde, Enkelchen, – laechelte die Grossmutter, – die Ziege melken, die Huehner fuettern, den Ofen anheizen...

– ...den Teig kneten, den Opa fuettern, Nastjenka, dem liebesten Enkelchen, ein Piroschok geben, – Nastjenka huepfte auf einem Bein.

– Vergiss deine Tasche nicht, du Wirbelwind, – lachte die Grossmutter und reichte ihr den Rucksack in Form eines drolligen Waschloppens aus Nastjas Lieblings-Cartoon.

– Nastja, ab ins Auto!

Papa schlug den Kofferraum zu und oeffnete die Hintertuer.

– Tschuess, Grossmutter, – und Nastja huschte ins Auto.

– Auf Wiedersehen, Glafira Petrowna, – sagte Papa.

– Auf Wiedersehen, Alexej.

Alexej ging um das Auto herum.

– Was fuer eine Nacht heute ist, – er schaute auf die weisse Dorfstrasse, liess seinen Blick ueber die Haeuser unter ihren Hauben aus silbernem Schnee schweifen und hob das Gesicht zum klaren Sternenhimmel, – eine magische Nacht.

Er oeffnete die Tuer.

– Aljoscha!

– Was ist?

– Sei vorsichtig auf der Strasse.

– Gut, Glafira Petrowna, ich werde vorsichtig sein.
Das Auto fuhr davon, und die Grossmutter bekreuzigte dreimal die ferner werdenden Ruecklichter.



An diesem Vorweihnachtsabend versuchten alle, nach Hause zu kommen, und es gab einen Stau. Das Auto kroch nur muehsam dahin. Nastja fing an zu quengeln, da sie das Kleidchen und die rosa Schuhe anzuprobieren wollte. Der Vater wechselte auf die rechte Spur.

- Das Navi zeigt -, sagte er, - eine Rechtskurve auf einen Waldweg an. Damit sollten wir den Stau umgehen.

Nastja blickte aus dem Fenster. Sie sah die verschneite Strasse, die in den dunklen Winterwald fuehrte. Es waren noch vier Autos bis dahin. Der Vater schaltete den Blinker ein.
In diesem Moment bemerkte Nastja, wie ein Ast wankte und tief ueber dem Boden, sanft wie im Traum, eine Eule vorbeiflog. Etwas Spitzes, wie eine Nadel, versetzte Nastja einen Stich direkt in ihr empfindsames Herzchen.

- Papa, lass uns wie alle anderen fahren.

Der Vater wunderte sich, liess es sich aber nicht anmerken.

- Wirst du nicht mehr quengeln?

- Nein, Papa.

Der Vater schaltete den Blinker aus.

- Jetzt fahren wir wie alle anderen.

Der Stau loeste sich schnell auf, und zwei Stunden spaeter waren sie zu Hause.

Am naechsten Tag tanzte Nastjenka bei der Weihnachtsfeier zur Musik eines verstimmten Klaviers die Rolle der ersten Schneeflocke. Ach, wie schoen sie war, wie gluecklich...

Und alle Waldraeuber wurden schon vor langer Zeit von guten Zauberern eingefangen
Und alle Waldraeuber wurden laengst von guten Zauberern gefangen.


Ðåöåíçèè