Anna Pawlowna
Anna Pawlowna stellte ein Schaelchen mit Kirschkonfituere auf den Tisch und drohte der alten Radiotruhe spielerisch mit dem Faestchen. Wie aus Scham fand die Nadel daraufhin die richtige Rille.
"Ich fahre in die Stadt Anapa an den Strand, / mit meiner Sehnsucht, ausser Rand und Band."
– Waren Sie schon einmal in Anapa, Schaetzchen?
– Nein, es hat sich nicht ergeben, – seufzte Wika und warf heimlich einen Blick auf ihre Armbanduhr.
„Fast drei. Eine Stunde fuer das Interview. Eineinhalb Stunden bis ans andere Ende von Moskau, wenn ich Glueck habe. Wenn nicht – dann glatte zwei. Es ist knapp, aber ich schaffe es zur Schliessung des Kindergartens.“
– Wissen Sie, – fuegte sie hinzu, um das heimliche Nachschauen zu verbergen, – ich war eher auf der Krim. Jalta, Alupka.
– Sie muessen unbedingt nach Anapa fahren, – Anna Pawlowna beruehrte leicht Wikas Schulter. – Probieren Sie die Konfituere. Das ist hervorragende Konfituere aus Poltawa-Kirschen. Ich habe sie selbst gemacht, – sagte Anna Pawlowna stolz, als haette sie nicht einfach eine Konfituere eingekocht, sondern eine Rekordmenge an Gusseisen geschmolzen.
Wika tat etwas Konfituere in ein Porzellanuntertasschen, das so duenn war, dass es vollstaendig durchscheinend war.
"Welle um Welle wird eilen, um leise bei mir zu verweilen", – ein heiserer Bariton erzaehlte die Geschichte des Besuchs in der Stadt Anapa.
– Sonne, Meer, heisser goldener Sand, ein schattiger Boulevard, – Anna Pawlowna laechelte, – wie schoen es dort vor dem Krieg war.
Sie ass einen Loeffel Konfituere, beugte sich vor und nippte am Tee in ihrer Tasse. Das alles tat sie erstaunlich grazioes, mit einer natuerlichen Eleganz. Wika fuehlte sich mit ihren noch nicht ganz dreissig Jahren unbeholfen und schwerfaellig neben der siebzigjaehrigen ehemaligen Ballerina.
„Ballerinas“, dachte Wika, waehrend sie Anna Pawlowna betrachtete, die da sass, ohne die Rueckenlehne des Stuhls zu beruehren, „sind niemals ehemalig.“
– Unsere Truppe tourte durch die Staedte der Region Stawropol und Krasnodar. Sie wissen ja, wie das ist, – Anna Pawlowna zeichnete eine fliessende Linie in die Luft, – ein halb kommerzielles, halb kulturelles Unternehmen. Heutzutage nennt man das Abgrasen, aber damals wagten wir es nicht, zynisch zu sein. Der Enthusiasmus, Schaetzchen, herrschte ueber alles.
Wika nickte zustimmend. Anna Pawlowna ass einen Loeffel Konfituere, trank einen Schluck aus der Tasse.
– Eine koestliche Konfituere, nicht wahr?
– Sehr koestlich, – bestatigte Wika bereitwillig.
– In Anapa hat es uns gefallen. Wir blieben eine ganze Woche dort, oder etwas laenger. Abends gaben wir Konzerte im Haus der Offiziere, und tagsueber genossen wir das warme Meer und den heissen Sand, – Anna Pawlowna holte stockend Atem. – Viktor hat mir den Hof gemacht. Ein Held. Ein Ordenstraeger. Er befand sich nach dem Lazarettaufenthalt zur Genesung dort. Er war bei einem Grenzkonflikt irgendwo am Amur verwundet worden. Wollen Sie, dass ich ihn Ihnen zeige? – Anna Pawlowna blickte Wika an.
„Ich muss es wollen“, entschied Wika, als sie im Blick der alten Ballerina die Sehnsucht nach Gesellschaft und die Trauer um die vergangene Jugend auffing.
– Natuerlich will ich das, – rief Wika mit uebertriebener Munterkeit aus.
Anna Pawlowna stand schwungvoll auf und verliess mit leichtem Schritt das Zimmer.
Wika stellte sich das unzufriedene Gesicht von Swetlana Jurjewna vor, Serjoshenkas Erzieherin, ihre gerunzelten Brauen, die zusammengepressten Lippen. Sie stellte sich selbst vor, wie sie erroetete, Entschuldigungen stammelte, den Wunsch verspuerend, Serjoscha einfach fest an sich zu druecken und so schnell wie moeglich vor dieser boesen Frau wegzulaufen. Wika rieb sich die brennenden Wangen mit den Handflaechen, um die Vision zu vertreiben. Es half.
Sie sah sich aufmerksam im Zimmer um. Die Standardwohnung einer Neubausiedlung verriet den offensichtlichen Geschmack und den einstigen Wohlstand der Besitzerin. In der Ecke neben dem Fenster, das auf wunderliche Weise mit der Balkontuer gekoppelt war, stand eine Standuhr, viel zu massiv und hoch fuer den niedrigen sowjetischen Standard. Die Uhr tickte gleichmaessig. Daneben lehnte an der Wand eine DDR-Schrankwand aus hellem, eichenaehnlichem Furnier. Schoen und schwer zu bekommen, passte sie ueberhaupt nicht zum restlichen Mobiliar. In einer der Nischen der Schrankwand stand eine Radiotruhe, die von der sowjetischen Industrie vor etwa zehn oder gar fuenfzehn Jahren hergestellt worden war.
'Es bleibt das Meeresufer, mit seiner unerklaerlichen Sehnsucht', – beendete der Bariton das Lied ueber die Stadt Anapa, ueber den schwarzen Hut.
Die Schallplatte drehte sich weiter. Die Nadel kratzte ueber die leere Rille. Aus den Lautsprechern drang ein Rauschen, das zum Hintergrund fuer das Ticken der Uhr wurde. Wika wagte es nicht, die Radiotruhe auszuschalten.
Von der Decke hing ein Kronleuchter aus Bergkristall herab. Er beruehrte fast den runden Tisch auf geschwungenen Beinen. Entlang der anderen Wand befanden sich ein geschnitztes Klavier und ein schmales Sofa vom Typ einer Ottomane.
„Das Zimmer ist ueberladen“, entschied Wika, „jeder Gegenstand fuer sich, ausgenommen die Schrankwand, ist einzigartig, aber alles zusammen erzeugt ein Gefuehl von Ueberfluss.“
An den Waenden mit den Tapeten in froehlichem Blumenmuster, die vermutlich von den ewig unter Termindruck stehenden Bauarbeitern nachlaessig aufgeklebt worden waren, hingen Gemaelde abstrakter Malerei. Wika verstand wenig von der abstrakten Stroemung der bildenden Kunst, und sie erkannte die abstrakte Malerei selbst nur mit gewissen Vorbehalten als Kunst an, aber sie war aus irgendeinem Grund davon ueberzeugt, dass die Bilder echt waren. Keine Kopien, keine erbaermlichen Faelschungen des Abstraktionismus.
Ein Windhauch bewegte leicht die Saeume der schweren Vorhaenge aus blauem Samt. Durch die offenstehende Balkontuer drang das dumpfe Grollen der Grossstadt herein, und man hoerte das Kreischen von Jungen, die im Hof Krieg spielten.
Das Rauschen der Radiotruhe hatte aufgehoert. Wika sah sich um. Vertieft in die Betrachtung der farbigen Streifen auf einer grossen Leinwand, hatte sie nicht gehoert, wie Anna Pawlowna zurueckgekehrt war. Diese stellte den Korb mit den Keksen und die Tassen um, legte auf den frei gewordenen Platz ein Fotoalbum und lud Wika mit einer Geste ein, naeher zu kommen. Wika trat heran.
Anna Pawlowna blaetterte einige Seiten um und deutete auf ein Foto.
– Hier ist er, mein Held, mein Viktor.
Die Fotografie hielt fuer alle Ewigkeit einen stattlichen Militaer mittleren Alters fest, der angespannt in die Kamera blickte, und ein Maedchen von blendender Schoenheit. Der Hintergrund der Komposition bestand aus einem sonnigen Sommertag, mit einem Stueck Himmel, einem Streifen Meer und einem hellen Strand, der dicht mit sonnenbadenden Menschen uebersaet war. Anna Pawlowna strich mit zitternder Hand ueber das Bild.
– „Aufnahme!“, sagte der Fotograf, nachdem er unter dem schwarzen Umhang hervorgekommen war.
Anja loeste sich ein wenig von Viktor und laechelte dem Fotografen zu.
– Wann werden die Aufnahmen fertig sein?
Viktor nahm eine angebrochene Schachtel 'Kasbek' aus der Brusttasche seines Waffenrocks. Er klopfte mit dem Mundstueck gegen den Daumennagel und knickte die Papirosa. Er zuendete sie an und verbarg, einer Gewohnheit folgend, das brennende Streichholz in seinen Handflaechen. Der Fotograf, ein junger Mann in Segeltuchhosen und einem verwaschenen Unterhemd, verschlang Anja foermlich mit seinen Blicken, die in ihrem Baumwollkleid mit kurzen Aermeln unwiderstehlich aussah. Anja runzelte die Stirn; der Fotograf korrigierte seine Brille und senkte den Blick.
– Morgen um dieselbe Zeit. Wie viele Abzuege soll ich Ihnen drucken?
– Zwei Bilder. Nein, nein, – rief Anja aus, – drucken Sie drei. Eines fuer mich, eines fuer Viktor und ein drittes fuer alle Faelle.
– Gut, – antwortete der Fotograf und machte sich eine Notiz in seinem Notizblock, – morgen an derselben Stelle zur selben Zeit.
Anja nahm Viktor am Arm, und sie schlenderten den schattigen Kiesweg entlang, der am Meer vorbeifuehrte. Man blickte ihnen nach: junge Frauen und Maedchen mit Neid, die Maenner – zum Groessteil Militaers – mit Bedauern. Anja plauderte ueber das Ballett, ueber die Vorzuege des progressiven Tanzes gegenueber dem reaktionaeren buergerlichen, ueber die Tournee ihrer Gruppe, ueber Requisiten und das Wetter. Viktor, der entgegenkommende Offiziere gruesste, warf gelegentlich Bemerkungen ein, kurz und treffend.
– Anja, – sagte Viktor, als sie am Ende des Weges angekommen waren, – bald ist es Abend.
– Ja, – nickte Anja und sah Viktor erwartungsvoll an.
– Wir sollten irgendwo zu Abend essen. Kurz gesagt, – er wurde ploetzlich verlegen, – ich lade Sie in ein Restaurant ein.
Anja kreischte vor Freude.
– Ich will Champagner! – sie machte zwei hohe Luftspruenge, wobei sie ihre Beine zierlich in der Luft bewegte. – Ich will Eiscreme! Ich will ein Fest!
Viktor lachte, waehrend er der tanzenden Anja zusah. Er wollte etwas Wichtiges sagen und holte bereits tief Atem, aber im letzten Moment ueberlegte er es sich anders.
– Gehen wir, – er winkelte seinen Arm an, – um das Fest steigen zu lassen.
Champagner mochte Viktor nicht. Anja sah das. Sie sah auch, dass er sich bemuehte, seinen Widerwillen zu verbergen. Sie sassen auf einer offenen Veranda an einem runden Tisch, der mit einem weissen Tischtuch gedeckt war. Der Kellner hatte die leeren Teller bereits abgeraeumt, und auf dem Tisch blieben nur zwei Glaeser, eine halbvolle Flasche Schaumwein und ein Schaelchen mit Eiscreme zurueck.
Es wurde Abend. Die rote Sonnenscheibe beruehrte das blaue Meer. Eine naechtliche Kuehle wehte herueber. Anja froestelte leicht. Viktor stand auf und legte ihr seinen Waffenrock um die Schultern.
– Danke, Viktor, – sie laechelte ihm dankbar zu.
Viktor zuendete sich eine Zigarette an.
– Anja, – sagte er und stiess den Rauch durch die Nase aus, – heiraten Sie mich.
Anja lachte mit einem silberhellen Lachen.
– Ach, deshalb sind Sie also schon den ganzen Tag so truebsinnig. Ich dachte schon, der Feind stuende vor den Toren und Sie muessten dringend zurueck zu Ihrer Einheit, aber Sie haben nur Ihren Mut zusammengenommen.
– Was ist daran so lustig, – Viktor runzelte die Stirn, – ich habe nichts Lustiges gesagt.
Er wollte noch etwas hinzufuegen, aber Anja kam ihm zuvor und legte ihre Handflaeche auf seinen Handruecken. Beruhigend streichelte sie ihn.
– Karpow, – sagte sie gefuehlvoll, – wie stellen Sie sich das vor? In Moskau miete ich eine Zimmerecke bei fremden Leuten, und Sie fliegen irgendwo am Amur mit Ihrem Flugzeug herum. Zwischen uns liegen tausende Kilometer.
– Ich bin kein Phantast, – brummte Viktor.
– Seien Sie nicht beleidigt. Ich wollte Sie nicht kraenken.
– So stelle ich mir das vor: In meiner Einheit erwartet mich die Versetzung zur Ausbildung an die Schukowski-Akademie der Luftstreitkraefte. Uns gehoert die Zukunft. Die Partei hat sich den Beduerfnissen der Luftfahrt zugewandt. Genosse Stalin…
– Wissen Sie was, – unterbrach ihn Anja, – gehen wir baden.
– Es ist doch schon Nacht!
Viktor blickte auf den Strand, der allmachlich in der blauen Daemmerung versank, und auf den Vollmond, der in reinem Silber brannte.
– Keine Widerrede in der Formation! – rief Anja mit uebertriebener Strenge, – das ist ein Befehl, Genosse Major, und Befehlen muss man gehorchen.
– Zu Befehl! – Viktor zuckte keck mit der Hand an die Schlaefe. – Ach, mein Kopf ist ganz leer! – lachte er.
– Uhrenvergleich, – Anja blickte auf ihr leeres Handgelenk, – wie spaet ist es auf Ihrer?
– Zwanzig Uhr fuenfzig, – antwortete Viktor nach einem Blick auf seine Kommandantenuhr und griff Anjas ernst-scherzhaften Ton auf.
– Das ist nicht in Ordnung, Genosse Militaerpilot, Ihre Uhr geht zwei Minuten nach.
– Verzeihen Sie, Genosse Ballerina ersten Ranges.
– Primaballerina, – korrigierte ihn Anja.
– Verzeihen Sie, Genosse Primaballerina.
– Also gut. In einer Stunde, um einundzwanzig Uhr fuenfzig, treffen wir uns bei den fernen Steinen mit Badesachen. Ab zu den Fahrzeugen!
– Zu den Fahrzeugen!
– Und vergiss nicht, – sagte Anja, – ein Handtuch mitzunehmen.
„Ich fahre mit dem Taxi“, dachte Wika, als sie fuer einen Augenblick aus dem Sommertag von Anna Pawlowna auftauchte, „ich muss es zur Schliessung des Kindergartens schaffen.“
Die Sandaletten in der Hand, ein Buendel mit Badeanzug und Gummibadekappe im Arm, ging Anja ueber den Strand. Dann wurde sie es leid, im Sand einzusinken, und sie bewegte sich durch das warme Wasser. Kleine Wellen rollten traege ans Ufer und wuschen ihre Spuren fort. Der Strand war leer, nur ganz am Rande der Brandung sass ein Mann in einem Sakko und einem schwarzen Hut. Er blickte voller Sehnsucht auf das dunkle Meer.
Viktor wartete bereits auf sie. Anja kam der ueberm;tige Gedanke, sich unbemerkt an ihn heranzuschleichen und ihn zu erschrecken, aber er sah sie und kam ihr entgegen.
Sie plantschten im Wasser wie zwei grosse Fische. Dann lagen sie auf dem Handtuch und kuessten sich.
– Ich bin einverstanden, Witja, – sagte Anja stockend, – dich zu heiraten.
– Ich liebe dich, Anja.
– Mein geliebter Dummkopf, – Anja zerzauste Viktors Haar, – damit haettest du anfangen muessen.
Und ein Glueck, so intensiv, dass es zu Traenen ruehrte, ueberrollte sie wie eine Welle.
– Und was geschah dann, – fragte Wika, fasziniert von der Geschichte, – haben Sie geheiratet?
– Wir haben es nicht mehr geschafft, – antwortete Anna Pawlowna mit einem traurigen Laecheln. – Viktor wurde vor Neujahr abgeholt. Erstaunlicherweise gelang es ihm, aus Lefortowo einen Zettel zu uebermitteln. Nur zwei Worte: 'Warte nicht'. Aber ich habe trotzdem gewartet und auf ein Wunder gehofft. Das Wunder geschah nicht, und dann kam der Krieg. Als die Partei ihre Schuld eingestand, wurde er posthum rehabilitiert. Und ich erfuhr, dass man ihn beschuldigt hatte, dem japanischen Geheimdienst irgendwelche Geheimnisse der Flugtechnik verkauft zu haben.
Einige Minuten sassen die Frauen schweigend und regungslos da, als waeren sie in die eisige Vorkriegszeit eingetaucht, in die Zeit der Menschen-Raedchen, die im staehlernen Leib einer Bestie von Staat zermahlen wurden.
„Was fuer ein Glueck“, dachte Wika, „dass das alles vorbei ist. Ich haette es nicht ertragen, wenn man Oleg, meinen Oleg!, verhaftet haette.“
Ein Schlagen der Uhr riss sie aus ihrer Erstarrung.
– Halb vier. Ich habe Sie ganz verquatscht, – sagte Anna Pawlowna schuldbewusst. – Lassen Sie uns mit dem beginnen, weswegen Sie gekommen sind.
– Gerne, – stimmte Wika zu und dachte: „Ich nehme ein Taxi“, – haben Sie etwas dagegen, wenn ich unser Gespraech auf Band aufnehme?
– Ich habe nichts dagegen.
Wika holte einen kleinen Kassettenrekorder aus ihrer Tasche und schloss das Mikrofon an.
– Eins, zwei, drei, – sagte sie ins Mikrofon, – Testaufnahme, heute ist der achtzehnte April.
Sie spulte das Band zurueck, hoerte sich die Testaufnahme an und war mit ihr zufrieden. Wika spulte das Band wieder an den Anfang.
– Ein paar einleitende Worte, – sagte sie und drueckte die Starttaste. – Heute ist der achtzehnte April 1985. Ich, Viktoria Sinizyna, Korrespondentin der Komsomolskaja Prawda, befinde mich in der Wohnung der Kriegsveteranin Gluschko, Anna Pawlowna, Ballerina des Bolschoi-Theaters im Ruhestand.
– Anna Pawlowna, Sie haben den ganzen Krieg mitgemacht…
– Nicht den ganzen, Viktoria, – korrigierte sie Anna Pawlowna, – im Herbst vierundvierzig wurde ich demobilisiert und kehrte an das Theater zurueck.
– Anna Pawlowna, – fuhr Wika nach einem sekundenlangen Zoegern fort, – erzaehlen Sie den Lesern der Zeitung von der Episode aus Ihrem Kriegsalltag, die Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben ist.
Wika stellte das Mikrofon naeher zu Anna Pawlowna.
– Das war, – begann Anna Pawlowna langsam, als wuerde sie nachdenken, – das geschah im August einundvierzig. Bei Smolensk griffen zwei faschistische Geier unseren Sanitaetszug an. Zu jener Zeit trieben sie ungestraft ihr Unwesen an unserem Himmel. Und wir… was konnten wir schon tun, ausser uns wie die Maeuse zu verstecken und mit den Dienstwaffen zurueckzuschiessen. Mit der ersten Bombe setzten die Deutschen die Lokomotive in Brand. Der Zug blieb stehen. Ein Waggon kippte um. Schreie, Flueche, das Stoehnen der Verwundeten, ueberall Blut und Tod, und die Messerschmitts flogen immer wieder neue Angriffe, um mit Maschinengewehrfeuer alles Lebendige zu vernichten…
Ñâèäåòåëüñòâî î ïóáëèêàöèè ¹226010501808