Kapitel III. Das Duell 11

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In der Kanzel der „Nordischen Schlange“ hingen ebenfalls zwei Uhren. Am Kommandopult sass ein finsterer Osama. Der zweite Sessel war leer. Mit hinter dem Ruecken verschraenkten Haenden ging Chan in aeusserster Erregung am Kommandopult auf und ab. Neben dem Pult standen Ester und Dora. Letztere war, genau wie Radja, auf dem explodierten Kreuzer „Argentina“ „gefallen“. Die vier Wesenheiten beobachteten die Zeit. Offiziere und Matrosen sassen auf ihren Gefechtsstationen und warteten ungeduldig auf das Signal zum Angriff.
Als der Sekundenzeiger der zweiten Uhr bei der Marke von minus 53 Sekunden stehen blieb und langsam rueckwaerts zu kriechen begann, hielt Chan inne und sagte zu Osama gewandt:
— Schalt den Hyperantrieb ein.
— Wie du meinst, Chef, — antwortete Osama, — aber wo ist der Knopf?
— Vor dir.
Vor Osama schwebte ein grosser roter Knopf in der Luft, abgedeckt durch transparentes Plexiglas. Osama klappte die Kappe hoch, kam aber nicht dazu, den Knopf zu druecken. Ester trat vor.
— Ich lege mein Kommissars-Veto ein, — mit einer Handbewegung loeste sie den Knopf auf, — der Hyperantrieb widerspricht den bekannten physikalischen Gesetzen.
— Ach, tatsaechlich, — Chan wandte sich abrupt zu ihr um, seine Haende waren fest zu Faeusten geballt, seine Augen brannten vor Zorn, — Ojs Raum widerspricht also nicht den Gesetzen, aber mein Hyperantrieb schon? Schalt den Hyperantrieb ein!
Vor Osama erschien der Knopf erneut.
— Und wieder lege ich mein Kommissars-Veto ein, — Ester vernichtete den Knopf des Hyperantriebs zum zweiten Mal.
Dora trat zu ihr.
— Ich denke, Ester hat recht. Der Hyperantrieb widerspricht den bekannten Gesetzen.
— Was mischst du dich da ein, — Chan hatte einen Blitzableiter fuer seinen Zorn gefunden, — was verstehst du schon von Gesetzen?
— Ich verstehe nicht weniger davon als du, — Doras Stimme zitterte vor unverdienter Kraenkung, — und ich warne dich: Mit all meinen Ressourcen werde ich mich auf Esters Seite stellen.
— Ressourcen! — schrie Chan. — Mach mich nicht lacherlich, Dora. Was fuer Ressourcen haben die Latinos schon?
Dora wich zurueck wie vor einem Schlag.
— Das haettest du nicht sagen sollen, Chan, — ihre Stimme wurde eiskalt, — sie haben in letzter Zeit stark zugelegt.
— Verrat, — zischte Chan durch die Zaehne. — Du auch, Osama? — Er wandte sich zu Osama um. — Wirst du dich auch auf die Seite des Feindes stellen?
Osama war ratlos. Noch vor einer halben Stunde Echtzeit hatte er den unvermeidlichen, baldigen Sieg ausgekostet, und ploetzlich hatte sich alles geandert. Und schuld daran war sein Bruder, der Oj dieses idiotische Experiment mit dem Raum erlaubt hatte.
— Was ist mit mir, — antwortete Osama kreischend, — ich schliesse mich dem Kollektiv an.
Chan liess sich schwer in seinen Sessel sinken. Er sass da, trostlos zusammengesunken.
— Verrater, ueberall Verrater, — klagte er in den Raum hinein.
Und in diesem Moment erscholl ein entsetzlicher Schrei…


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