Nadeshda Mjagkova
*Die heute 48-j;hrige Nadeshda wurde in Kusa geboren und ist dort aufgewachsen. Von Geburt an ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Trotzdem „sind Optimismus und Lebensfreude ihr Lebenskredo“. Wer Nadeshda kennt, sp;rt sofort, wie viel warmes Licht und Menschenliebe ihre graublauen Augen ausstrahlen. Das alles kommt auch in ihren Gedichten zum Ausdruck. Seit ihrer Kindheit schreibt Nadja Gedichte und ist heute Verfasserin von vier kleinen Gedichtb;nden. Ihr Schaffen ist sowohl in ihrer Heimatstadt als auch in Tscheljabinsk gut bekannt.*
*Vor einigen Jahren erlebte Nadeshda eine schwere Trag;die: Ihre beiden Eltern sind dem Covid zum Opfer gefallen. Nun lebt Nadeshda in Kusa, unterst;tzt nur von ihrer Sozialarbeiterin. Wie sie ihr weiteres Leben sieht und es meistert, davon wird in unserem n;c
hsten Beitrag die Rede sein.*
Menschen und ihre Schicksale.
Schon lange wollte ich ;ber diese Frau schreiben, aber immer wieder kam etwas dazwischen. Hinzu kam, dass viele Aufzeichnungen unseres Gespr;chs bei meinem Umzug verloren gegangen sind, sodass ich alles von Neuem beginnen muss. F;r Anfang August haben wir wieder ein Gespr;ch geplant, und heute m;chte ich Nadeshda Mjagkova aus der Stadt Kusa in der Oblast Tscheljabinsk nur ganz kurz vorstellen.*
*Die heute 48-j;hrige Nadeshda wurde in Kusa geboren und ist dort aufgewachsen. Von Geburt an ist sie auf den Rollstuhl angewiesen. Trotzdem „sind Optimismus und Lebensfreude ihr Lebenskredo“. Wer Nadeshda kennt, sp;rt sofort, wie viel warmes Licht und Menschenliebe ihre graublauen Augen ausstrahlen. Das alles kommt auch in ihren Gedichten zum Ausdruck. Seit ihrer Kindheit schreibt Nadja Gedichte und ist heute Verfasserin von vier kleinen Gedichtb;nden. Ihr Schaffen ist sowohl in ihrer Heimatstadt als auch in Tscheljabinsk gut bekannt.*
*Vor einigen Jahren erlebte Nadeshda eine schwere Trag;die: Ihre beiden Eltern sind dem Covid zum Opfer gefallen. Nun lebt Nadeshda in Kusa, unterst;tzt nur von ihrer Sozialarbeiterin. Wie sie ihr weiteres Leben sieht und es meistert, davon wird in unserem n;chsten Beitrag die Rede sein.*
**Eltern**
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> Olga und Vladimir gingen in dieselbe Schule und wohnten in benachbarten Stra;en. Nach dem Schulabschluss begannen sie im Werk TTK (dt. Werk f;r Pr;zisionssteine f;r Uhren und Messger;te) zu arbeiten, das in der kleinen Uralstadt Kusa fast das einzige Gro;unternehmen ist. Seine Produktion ist heute weltweit bekannt (Anm. — I. K.).
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> Vladimir war Ingenieur f;r Messtechnik, Olga arbeitete als Laborantin. Beide waren f;r ihre Berufe begeistert und wurden f;r ihre flei;ige und gewissenhafte Arbeit mehrfach mit Medaillen und Ehrenurkunden ausgezeichnet.
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> Zur Zeit der Ex-Sowjetunion war es ;blich, dass Arbeiter verschiedener Betriebe im Herbst an Ernteeins;tzen teilnahmen. Bei einem solchen Kartoffeleinsatz lernten sich auch Olga und Vladimir kennen.
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> „Der Vater hat der Mutter oft Kornblumen geschenkt und so ihr Herz erobert“, erinnert sich Nadeshda heute. „Sonst hat mir die Mutter wenig dar;ber erz;hlt, weder von ihrer Hochzeit noch von anderen pers;nlichen Dingen. Ich wei; nur, dass sie sich an ihren Hochzeitstag immer mit gro;er Freude erinnerte. In unserer Familie war es n;mlich nicht ;blich, ;ber pers;nliche Dinge zu sprechen; sogar unter uns redeten wir nur selten dar;ber. Ich kann nat;rlich annehmen, dass das Leben meiner Eltern nicht leicht war, will aber nicht weiter dar;ber reden, weil es schmerzlich ist.
> **Kinder- und Schuljahre**
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> Und so kam es dann auch. Am 2. September 1973 heirateten Olga und Vladimir, und am 4. M;rz 1985 kam Nadja als einziges Kind in der Familie zur Welt.
> „Ich bin meinen Eltern sehr dankbar“, sagt sie, „denn ohne sie w;re mein Leben ganz anders.“
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> Schon bei der Geburt stellte sich heraus, dass mit dem Kind nicht alles in Ordnung war. Als Nadja erst sieben Monate alt war, stellten die ;rzte die spinale Kinderl;hmung fest; zudem wies das Kind merkliche Sprechst;rungen auf. F;r die jungen Eltern kam dies wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Es gab auch viele Leute, die nur B;ses redeten.
> „Die Mutter schenkte mir viel Sorge und Aufmerksamkeit“, erinnert sich Nadeshda, „wir besuchten viele Sanatorien in der Umgebung von Tscheljabinsk, mussten uns einmal sogar an eine Wahrsagerin wenden – nichts half!“
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> Trotzdem meint Nadja, dass sie eine gl;ckliche Kindheit hatte.
> „Der Vater k;mmerte sich besonders r;hrend um mich und war immer da, wenn ich Hilfe brauchte“, erz;hlt sie. „Auch sp;ter, als ich erwachsen wurde, fand er immer Zeit, um mich nach Tscheljabinsk zu begleiten, damit ich mich mit meinen Schriftsteller-Kollegen und anderen Freunden treffen konnte. Deshalb kannte man ihn hier gut und achtete ihn sehr.“
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> W;hrend wir sprechen, verl;sst ein charmantes L;cheln keinen Augenblick ihr Gesicht.
> „Ich hatte die gl;cklichste Kindheit, die ein Kind nur haben kann“, so Nadja. „Auch wenn unsere Stadt klein ist, liegt sie doch in der N;he des Uralgebirges. Und einmal haben wir mit dem Vater einen Ausflug ins Gebirge gemacht! Den Augenblick, als er mich in meinem Rollstuhl hinauffuhr, werde ich nie vergessen!“
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> Als die Zeit kam, in die Schule zu gehen, wurde Nadja in das KORZ eingewiesen (dt.: Kusaer Rehabilitations-Zentrum f;r Kinder mit Behinderungen).
**In der Schule**
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> „F;r mich begann ein neues Leben“, f;hrt meine Gespr;chspartnerin fort, „ich bin allen Lehrern, Erziehern und dem medizinischen Personal dankbar, die mit uns gearbeitet haben. Vor allem absolvierte ich einen Logop;diekurs und bin Larissa Borisowna sehr dankbar f;r ihre F;rsorge. Heute kann ich gut sprechen, wenn auch mit einiger Anstrengung, aber ich freue mich dar;ber, dass mich die Umgebung auch versteht.“
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> In der Schule zeigte Nadja bemerkenswerte Fortschritte. Ljubow Wassiljewna Nasarowa, Nadjas erste Lehrerin und Erzieherin, die mit ihr von der ersten bis zur vierten Klasse arbeitete, erinnert sich...
**Nazarowa:** „Nadeshda war ein ernstes Kind und eine gute Sch;lerin. In jedem Unterricht konnte sie als Erste auf die schwierigste Frage antworten. Ihre Klassenkameraden staunten ;ber ihren unersch;pflichen Sinn f;r Humor und ihr gutes Ged;chtnis und beneideten sie insgeheim darum.“
Bei der Erw;hnung des Namens ihrer ersten Lehrerin l;chelt Nadja wieder:
> „An den Schultagen, an denen ich frei hatte, brachte Ljubow Wassiljewna mich oft im Rollstuhl in die Umgebung. Auf diesen Spazierg;ngen las ich ihr meine Gedichte vor, das war wunderbar"
Lieblingsf;cher von Nadja waren Literatur, Russisch und Geschichte.
> „Die Erste, die in der Schule meine Gedichte vorlas, war meine Literaturlehrerin, Valentina Antonowna Scherschnjowa. Sie versuchte, unsere kreativen F;higkeiten zu f;rdern, und gab Ratschl;ge, denen ich bis heute folge“, sagt Nadja. „;berhaupt, ;ber jeden Tag, den ich in der Schule verbrachte, k;nnte ich ein Buch schreiben. Schade, dass mir die Zeit daf;r fehlt.
***Heute ist die Schule l;ngst hinter ihr, doch Nadja erinnert sich dankbar an den Moment, als sie unerwartet Mitglied der Kusaer Stadtliteraturgruppe „Literaturnye Zori“ (dt. „Literarische Morgenr;te“) wurde.***
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> *„Das geschah 2010“, erinnert sich Nadja, „eine Verwandte von mir war zu dieser Zeit Stellvertreterin des Leiters der Literaturgruppe. So begann meine aktive literarische T;tigkeit in der Stadt.
Wie ich bereits zu Beginn erw;hnte, ist Nadeshda Mjagkowa heute Autorin von vier Gedichtb;nden. Doch die unerm;dliche Autorin will sich damit nicht zufriedengeben. Sie tr;umt von einem f;nften Buch.
> Auf die Frage, wie es aussehen und worum es gehen wird, l;chelt sie wieder:
„Du err;tst es nie. Stell dir vor, ich habe eine neue Quelle der Inspiration gefunden. Es ist der chinesische Filmschauspieler Leo Leo. Jetzt bin ich Mitglied eines russischen Fanclubs und sammle alles, was mit ihm zu tun hat. Vielleicht gelingt es mir, etwas auf der Grundlage seiner Filme zu schreiben. ;brigens, der Anfang ist schon gemacht.“
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> Ich kenne Nadeshda Mjatschkowa schon lange. Ich war zweimal bei ihr zu Gast, noch zu Lebzeiten ihrer Eltern. Deshalb kann ich mich beim Abschied nicht des Fragens enthalten:
> „Was inspiriert dich noch?“
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> Nadeshda: „Ich erinnere mich oft an meine Kindheit. An meine Eltern. An Mamas Leckereien, sie hat besonders gut den *„Grafenruinen“*-Torte gebacken. Ich erinnere mich an meine Spielzeuge, die geliebten Hasen und Elefanten. Und noch an die Blumen — wei;t du, wie sehr ich sie liebe! Wiespiel, Gartenblumen, verschiedene. Das setzt sich aus lauter kleinen St;cken zu Bildern zusammen.“
Nadeshda liebt die klassische Musik sehr. In ihrer Wohnung erklingt oft Chopin.
Es ist einfach unm;glich, ihn nicht zu lieben“, sagt Nadja, „denn er ist die Verk;rperung von Zartheit, Sturm und Trag;die. Es ist kein Zufall, dass das Buch von Jerzy Broschkiewicz *„Das Bild der Liebe“* ihr Lieblingsbuch ist, schlie;lich geht es ja um Chopin.“
Ich w;nsche Nadeshda von ganzem Herzen, dass sich alles zum Guten wendet. Sie ist ein wunderbarer Mensch, eine bemerkenswerte Frau und eine sehr talentierte Autorin. M;gen ihr kreative Erfolge beschieden sein.
I.K.
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