Echo aus Afghanistan
Einst kehrte ich heim zu den Meinen,
Zu Tr;umen aus fr;herer Zeit.
Der Flieder bog sich am kleinen
Tor sanft zu meiner Reife herab.
Da h;rte ich pl;tzlich von dr;ben
Ein Schreien, das lauter erklang.
Ich trat hinaus — bei dem Sarge
Versammelte sich schon die Bank.
Zwei junge Soldaten aus Afghanistan
Trugen den Zinksarg herbei.
Die Eltern wussten noch gar nicht,
Dass ihr Sohn tot war — vorbei.
Doch pl;tzlich wich schweigend die Menge,
Die Stimmen verstummten im Nu.
Da lief, fast den Verstand verlierend,
Saschas Mutter — kreidebleich dazu.
„Beeilt euch mit dem Begr;bnis!“,
Rief der Offizier am Tor.
„Verzeiht, doch uns fehlt die Zeit schon —
Von diesen S;rgen gibt’s zu viel davor…“
„;ffnen darf man ihn nicht, Leute!
Gesetz bleibt Gesetz — schweigt still!“
Und wieder streckten sich H;nde zum Sarge,
Die Mutter zu Sascha hineinfallen will.
O Schicksal, wie grausam ihr w;tet,
Der letzte Nerv ist entzwei.
Die Bretter des Sarges ersch;ttern —
Aus einer Spalte kriecht ein Wurm herbei…
…Und wieder vergingen die Jahre,
Und wieder war ich daheim.
Die Sorgen begleiteten schweigend,
Doch Freude trat durch die T;r herein.
Ich sah wieder Felder wie Stoffbahnen,
Atmete Bergluft so klar.
Sah wieder vertraute Gesichter
In Fenstern, die offen noch waren.
Und ich sah Saschas Mutter wieder,
Die still geworden mit der Zeit.
Mit kranker Hand winkte sie m;de —
Die Krankheit hatte sie gebeugt und entzweit.
Da begann sie mir zu erz;hlen
Von ihrem gefallenen Sohn.
Damals konnte sie nicht ahnen,
Welches Leid noch kommen w;rd’ davon.
Am n;chsten Tag nach der Beerdigung
Ging sie mit dem Vater hinaus.
Ein schreckliches Bild tat sich ihnen auf —
Der H;gel zerw;hlt rund ums Haus.
Auf staubiger Stra;e lagen Kr;nze,
Nur V;gel sangen im Wind.
„Warum nur, mein lieber Junge,
L;sst man dir keine Ruh’, mein Kind?“
Dar;ber schreibt man gew;hnlich nicht —
Wer braucht es, wozu, warum?
Doch offenbar suchte man Drogen
Statt seines K;rpers im Sarg ringsum.
Den Kelch des Leides bis zur Neige
Kann nur ein Mensch ganz verstehen.
Ein Mensch, der bis zum letzten Atem
Den Namen MUTTER wird tragen und gehen.
1901
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