Das Schicksal meines Vaters
eilte ich voller Angst im Schnellzug zu ihm:
Vielleicht kann ich ihm noch irgendwie helfen
oder wenigstens vor ihm niederknien.
Meine Schwestern sagten zu mir:
„Was ist denn mit dir?
Du verstehst doch selbst — er ist nicht mehr jung.“
Doch f;r mich ist es furchtbar zu leben
mit dem Gedanken, wie rasend die Jahre vergehen.
Er war noch keine f;nfundvierzig,
als das Ungl;ck geschah.
Bei der Arbeit als Elektriker im Stromnetz
st;rzte ein morscher Mast auf seinen R;cken.
Und Mutter brachte ihn ;berallhin,
wo man vielleicht helfen konnte.
„Um der Kinder willen!“, flehte sie Tag und Nacht,
„Ihr G;tter, helft mir um der Kinder willen!“
Viele Tage vergingen, bis man Vater zur;ckbrachte
mit k;nstlichen Wirbeln aus Plastik.
Zum Gl;ck nicht v;llig gel;hmt —
doch seine Beine w;rden nie mehr allein gehen.
Der hilflose Vater lernte,
unter h;llischen Schmerzen auf Kr;cken zu stehen.
Und Mutter verga; ihre Jugend, ihr eigenes Gl;ck
und wurde ihm Arme und Beine zugleich.
…Dann ging es Papa langsam etwas besser.
Er stand wieder auf, gest;tzt auf Kr;cken,
half Mutter im Haushalt
und arbeitete sp;ter sogar im Garten zwischen
Staub und Erde.
Und danach kam alles: Leid und Sorgen,
selten blitzte auch Freude auf
in dieser gro;en, geplagten Familie —
wie ein Sonnenstrahl, der das Herz verbrennt.
Wir besuchten unsere Eltern oft.
Die W;rme des Elternhauses zieht die Seele an.
Und nicht umsonst erwartete man dort
die Enkelkinder —
vom Blick der Mutter wurde alles heller.
Doch unsere jungen Jahre flogen dahin.
Auch f;r uns kam die Zeit, das halbe Leben zu z;hlen.
Und eigentlich kannten wir das Gl;ck bis heute kaum.
Wenn nicht die Kinder w;ren —
etwas Kostbareres gibt es nicht.
Und nun… liegt Vater auf dem Krankenbett.
In seinen w;ssrigen Augen
liegt die Trauer schwerer Gedanken.
Tabletten und Gl;ser stehen am Bett,
und jedes fremde Ger;usch erschreckt ihn.
Ich trat zu ihm, ohne die Augen zu heben.
Vor Mitleid schmerzte mir der Kopf.
„Papa, lieber Papa, jetzt verstehe ich,
wie ungl;cklich dein Leben gewesen ist.
Wir tragen keine Schuld — und doch verzeih uns,
dass dir ein so bitteres Schicksal zufiel.
Vielleicht sieht niemand,
wie sehr ich leide,
wenn ich still auf dich blicke…“
Nun, ein Vierteljahrhundert sp;ter,
da du schon lange nicht mehr bei uns bist,
verstand ich endlich deine Worte,
durchdrungen von alter Bitterkeit:
„Wenn ich nicht streng mit euch gewesen w;re,
h;ttet ihr mich l;ngst auf den M;ll geworfen.
Oder schlimmer noch — ihr h;ttet euch
auf meinen Hals gesetzt
und dabei noch stolz auf euch selbst gewesen.“
…Nun bin ich selbst zur Invalidin geworden.
Ein schweres Schicksal hat Gott mir auferlegt…
Hilf mir, dennoch als Siegerin daraus hervorzugehen!
Hilf mir, Herr, weiterzuleben — trotz allem!
1994
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