Den Vater verraten

     Ich ging mit einem Freund ins Theater
     Und sah schon von weitem die Menge:
     Ein Mann wurde von Jungen geschlagen,
     Sie warfen ihn brutal in den Schnee.

     Wir traten n;her, obwohl wir es eilig hatten,
     Und sahen das Opfer der rohen Gewalt.
     Aus den Augen des Mannes flossen Tr;nen
     Auf die H;nde dieser Henker kalt.

     Da ;ffnete er pl;tzlich die Augen
     Und blickte mich schweigend an.
     Sein Blick verbrannte mich wie siedender Dampf —
     Mein Vater! Was hat man dir angetan?

     Doch ich hob nicht die H;nde zu seinem Schutz,
     Zu meinem eigenen Vater nicht.
     Ich dachte nur: Man wird mich verspotten
     Als Mutters;hnchen vor aller Sicht…

     Im Theater lief ein lustiger Film,
     Alle lachten zum Bildschirm hin.
     Doch vor meinen Augen stand immer wieder
     Der Blick meines Vaters mitten darin.

     O wie sehr ich mich selbst verachte
     F;r Schw;che und falschen Schein.
     Was f;r Kr;fte treiben mich eigentlich,
     Wenn ich feige und roh kann sein?

     Glaubt nicht dem tr;gerischen Drang,
     Gro; und stark erscheinen zu m;ssen.
     Denn wer zu wenig Leid erfahren hat,
     Hat oft am meisten B;ses begangen.
                1992


Рецензии