Wartet, Menschen

     Ich sah, wie Deutsche aus der Sowjetunion
     Hastig ihre Sachen packten,
     Ohne nachzudenken, alle Bande rissen
     Und flohen wie Ratten vom sinkenden Schiff.

     Ich sah, wie ein kleines M;dchen weinte,
     Als sie zum letzten Mal zum Himmel blickte.
     Dort flogen Kraniche mit klagendem Ruf
     Und schenkten allen ihren Abschiedsgru;.

     Ich sah, wie eine grauhaarige Frau
     Sich ein letztes Mal ;ber einen H;gel beugte.
     Vom Weinen ganz durchn;sst nahm sie Abschied —
     Dort schl;ft ihr Mann den ewigen Schlaf.

     Gewiss, heute lebt es sich schwer im alten Land:
     Verwirrung und Angst durchleben die Menschen.
     Doch wir sind es gewohnt, nach Tr;nen im Hemds;rmel
     Wieder aufzustehen und weiterzugehen.

     Warum Russland beschuldigen in schwerer Zeit?
     Weil wir unser Brot mit jenen teilten,
     Die schw;cher waren und ;rmer als wir? —
     Wir wollten niemals reicher leben als sie.

     Haltet ein, Menschen, flieht nicht so hastig!
     Nicht einmal V;gel verlassen ihre Heimat.
     Lieber trockenes Brot mit einem L;cheln essen
     Als Fleisch unter Tr;nen in der Fremde.
                1992


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