Der Diamantenschirm
Der Diamantenschirm
Das Leben sollte nat;rlich geordnet verlaufen, doch manchmal f;hren harmlose Begegnungen zu falschen und unvorhersehbaren Folgen.
Kapitel 1. Unschuldige Begegnungen
Drau;en herrschte Winter. Gro;e Schneeflocken wirbelten ;ber den Boden. Im Zeitalter von H;chstgeschwindigkeit und Informationstechnologie war die beste Art, Geschwindigkeit zu sp;ren, eine rasante Schlittenfahrt. Und Handys f;r schnelle Kommunikation passten problemlos in die Taschen von Jogginghosen, an denen der Schnee nicht kleben blieb. Agnessa hatte sich schon immer f;r das Filmemachen begeistert. Eines Tages sah sie eine Stellenanzeige am Institut f;r Fernsehen und Rundfunk. Sie hatte gute Schulnoten, und niemand st;rte ihre Vorbereitung auf die Zulassung. Sie schrieb sich f;r das Abendstudium am Institut ein, um neben ihrer Arbeit tags;ber einen zweiten Abschluss zu erwerben. Ihr Mann Apollon war zu dieser Zeit l;ngere Zeit abwesend.
Denis Turin arbeitete seit Kurzem als Fernsehmoderator. Nach seiner bescheidenen Hochzeit mit Tatjana, zu der die Arkins nicht eingeladen waren, war er ein leidenschaftlicher und liebevoller Mann geworden, der von Frauen im ganzen Land und manchmal sogar pers;nlich verehrt wurde. Agnessa wurde die neueste Schw;rmerei eines ber;hmten Mannes. Eines Tages erblickte er ihre wundersch;nen Beine unter einem kurzen Rock, die ihm in den G;ngen des Fernsehstudios immer ;fter begegneten. Er konnte der weiblichen Anziehungskraft nicht widerstehen und bot der Besitzerin dieser Beine eine Mitfahrgelegenheit an. Sie nahm an. So verzaubert war er, dass er mit der sch;nen Frau zu einem verlassenen Stadion fuhr. Wei;er, matter Schnee umgab das Auto von allen Seiten. Es war warm im Inneren. Man h;tte fast meinen k;nnen, sie w;ren im Weltraum: Kein Licht war zu sehen. Denis fuhr. Agnessa sa; neben ihm. Sie fuhren durch die Stadt und hielten an einem verlassenen Waldstadion. Sie umrundeten die Stra;e und hielten gegen;ber dem Eingang. Das Paar wollte ;ber seine Probleme sprechen. Unaufdringlich begannen sich H;nde in das Gespr;ch einzumischen. H;nde ber;hrten Arme, H;lse und glitten unter Pullover, dorthin, wo es w;rmer und gem;tlicher war. Beine folgten Schritt f;r Schritt, ein Bein fand das andere. Lippen trafen sich. Eine Zunge drang in den benachbarten Mund ein, die zweite in den ersten, und sie tauschten eine z;rtliche Ber;hrung aus. Die beiden M;nder, die die Freude der Kommunikation erlebt hatten, schlossen sich. Die Lippen wirkten wie ein Energiespeicher. Doch die H;nde intensivierten ihre Aktivit;t und begannen, in die Tiefen der menschlichen Kleidung einzudringen.
Die H;nde sp;rten, dass sie auf zu viel Kleidung stie;en, und begannen, das ;berfl;ssige zu entfernen. Die intimsten Stellen des K;rpers sind an einem Wintertag gut von Kleidung bedeckt, doch die H;nde sind allgegenw;rtig. Und die Bollwerke der Kleidung brechen unter den H;nden zweier Liebender. Denis erreichte die intimen Stellen als Erster. Agnessa folgte ihm dicht auf den Fersen und pr;fte die Festigkeit seines G;rtels. Die Gef;hle im Auto vor dem verlassenen Stadion waren so offenherzig, dass sie an Wahnsinn grenzten. Sie waren uners;ttlich. Doch alles hat ein Ende, besonders die k;rperliche Liebe. Die umgeklappten R;cksitzlehnen dienten als Bett. Ein Kuss nach der Liebe ist kurz, wie ein Ausdruck der Dankbarkeit. Die H;nde haben das Interesse an ihrem Partner verloren und sind mit der eigenen Kleidung besch;ftigt. Die Beine entfernen sich voneinander. Die R;cksitzlehnen waren wieder aufrecht.
Die beiden wirkten unschuldig im Auto. Er fuhr los, und sie folgte ihm gehorsam vom verlassenen Stadion. In der Ferne funkelten die Lichter der Stadt. Doch das romantische Treffen im Stadion lie; auf sich warten; es gab ein Vorspiel. Agnessa erkannte das Waldstadion durch die Autofenster; hier hatte sie schon Stuntmen auftreten sehen. Sie stellte sich vor, wie das Stadion fr;her geflutet wurde und der Bev;lkerung kostenlose Unterhaltung bot. Erwachsene und Jugendliche zogen ihre eigenen oder geliehenen Schlittschuhe und Kleidung an und gingen auf die Eisbahn. Die Menschen drehten ihre Runden im Stadion und freuten sich, wenn Lichter in den Ecken aufleuchteten und Musik erklang. Auch Fu;ball wurde im Stadion oft gespielt. Ein solches Stadion eignete sich auch zum Fallschirmspringen. Im Sommer sa;en M;tter mit Kinderwagen auf den B;nken und sonnten sich. Das Waldstadion war einst erbaut worden und ideal f;r Stuntmen, die dort ihre F;higkeiten unter Beweis stellten, indem sie mehrere Autos aufreihten und mit Motorr;dern ;ber deren D;cher rasten. Dieses Stadion wurde nur selten genutzt. Es gab eine sch;ne Zeit, da verkauften Stadien Kleidung und Schuhe; die einst so beliebten Stadien verdienten Geld mit der Vermietung von Marktst;nden. Nicht alle Stadien waren leer, und Agnessa liebte diese stadion;hnlichen M;rkte; manchmal hatte sie Gl;ck beim Einkaufen. Die Stadien waren besonders hilfreich, wenn das Geld in der Familie knapp war. Je mehr Geld die Familie hatte, desto besser waren die L;den, die sie besuchte.
Zwei Wochen vergingen.
„Agnessa, fahren wir?“, fragte Denis kurz am Telefon.
„Ja“, stimmte Agnessa aufgeregt zu.
„Ich warte im Auto auf dich.“
Agnessa zog sich schnell an und verlie; das Haus. Denis, gutaussehend, sa; am Steuer. Die wei;e Mohairweste unter ihrem pr;chtigen schwarzen Haar, das von einem renommierten Friseur gestylt worden war, lockte mit ihrer Gem;tlichkeit. Es war Winter. Das Auto fuhr hinaus in die Dunkelheit des Unbekannten. Agnessas Mohairpullover aus Melange-Garn gl;nzte. Mohair und Mohair harmonierten perfekt. Die Liebeszeremonie im Dunkeln des Autos auf einer Landstra;e versprach leidenschaftlich zu werden. Doch ein entgegenkommendes Auto blendete mit den Scheinwerfern und zerst;rte die ganze Zeremonie.
Sie warfen sich hastig die Kleider ;ber und taten so, als wollten sie gehen. Denis hatte f;r ihr n;chstes Treffen eine verlassene Wohnung ausgesucht. Ein heller, neuer Pelzmantel fiel auf einen Stuhl.
„Ein neuer Mantel?“, fragte Denis grinsend.
„Den habe ich heute gekauft“, erwiderte Agnessa fr;hlich.
„Warte auf mich, ich bin gleich wieder da“, sagte der Mann und verschwand durch die T;r. Agnessa schritt in der Wohnung auf und ab, die, wenn ;berhaupt, nur selten bewohnt war. Alte Autoreifen lagen in der K;che. Ein sch;biger, alter Kessel stand auf dem Gasherd. Wahrscheinlich hatte hier noch nie jemand gegessen oder gekocht, und wenn doch, dann war es schon sehr lange her. Ein heller Sperrholzschrank stand im einzigen Zimmer. In der Ecke stand ein Metallbett mit kugelf;rmigen Kopfteilen. Ein runder Holztisch st;rte die museumsartige Tristesse nicht. Sie blickte aus dem Fenster auf den schneebedeckten Park. Die T;r ;ffnete sich langsam. Denis erschien, duftete nach Schnee und frischer Luft. Er hielt ein feines Service in den H;nden: Champagner, Pralinen, Bananen. Und das zu Recht, denn in dieser fremden Wohnung gab es nichts zu essen. Agnes fand Tassen und gekochten Tee. Das Bett schien angemessen, knarrte aber unertr;glich. Die Liebenden mussten auf einen harten Untergrund ausweichen – den Boden. Ohne Champagner w;ren ihre amour;sen Abenteuer in der vergessenen Wohnung tats;chlich unm;glich gewesen. Das Telefon klingelte.
Apollos zitternde Stimme fragte:
„Agnes, wann kommst du nach Hause?“
„Bald. Sehr bald.“
Der Anruf auf dem Festnetz war der jungen Frau ein R;tsel. Woher wusste ihr Mann, der zwei Jahre lang fort gewesen war, wo sie war? Agnes’ Stimmung sank etwas. Sie sah Denis an. Die Freude ;ber ein gelungenes sexuelles Abenteuer spiegelte sich in seinem Gesicht wider. Ihm standen die Haare zu Berge. Sorgf;ltig strich er sich die Haare glatt und sah noch attraktiver aus. Wow, hatte er vielleicht vor dem Champagner etwas getrunken? Vielleicht einen M;nnertrank? Das Gesicht des jungen Mannes strahlte vor Freude. Denis hatte Agnes seit ihrem letzten Treffen nicht mehr bemerkt. Agnes' Privatleben nahm Fahrt auf.
Zwei Wochen vergingen…
„Sollen wir los?“, fragte Denis am Telefon.
Agnes willigte ein. Denis fuhr etwa hundert Meter und hielt an.
„Zieh dich aus!“, befahl er grinsend. Dann f;gte er w;tend hinzu: „Wir kriegen beide ein blaues Auge.“
„Wieso?“, fragte Agnes ;berrascht und zog sich aus.
„Wir sind hier unter den Fenstern eines Geb;udes. Hier laufen Leute herum, und du tr;gst nichts au;er Stiefeln und Haaren“, erkl;rte Denis.
„Ja, aber was f;r ein K;rper! Du solltest ihn wenigstens loben. Lass uns weg von den Lichtern fahren.“
„Ha, meine Schuhe sind also getrennt von mir, also muss ich aufs Gaspedal treten!“ Du wei;t, was ich meine: Hosen sind kein Rock; man kann sie nicht ;ber den Kopf ziehen.
Die Silhouette eines kleinen Mannes huschte am Autofenster vorbei. Er sp;hte hinein und beugte sich kaum vor. ;ber der T;r brannte ein kleines Licht. Er erkannte die Leute im Wagen. Tisha kicherte zufrieden und bog um die Ecke des dunklen Geb;udes. Das verliebte Paar war in einem Auto mit get;nten Scheiben mit etwas Wichtigem besch;ftigt. Zwanzig Minuten sp;ter fuhr der Wagen langsam von der Stra;e und dem beleuchteten Geb;ude weg und hielt an einer dunklen Stelle. F;nf Minuten sp;ter flatterte ein M;dchen, das mit seiner schmalen Taille einer Libelle ;hnelte, aus dem Auto.
Agnessa winkte Denis zu und eilte zum Auto:
„Denis, wo ist mein Handschuh?“
„Was ist los, Agnessa? Ich habe deine Handschuhe nicht genommen.“
„Such weiter, meine Liebe! Der Handschuh ist neu, aus Ziegenleder. Soll ich mir etwa neue kaufen?“ „Wei;t du, ich habe mein Taschentuch aus dem Fenster geworfen, und dein Handschuh ist mitgeflogen.“
Agnessa warf ihr kastanienbraunes Haar zur;ck, winkte zum Abschied und ging schnell vom Auto weg.
W;hrend sie ging, dachte sie: „Warum habe ich nur so ein Pech? Oder hat sie Gl;ck? Hauptsache, niemand bemerkt mich neben Denis, vor allem nicht Apollon; der wird bestimmt etwas anstellen.“
Agnessa kam nach Hause und rief ihre Freundin Tatjana an:
„Tatjana, ich habe einen neuen Schwarm. Du kennst ihn doch! Er ist im Fernsehen. Gib mir blo; keine Ratschl;ge; ich wei;, dass ich etwas Falsches tue.“
„Agnessa, ich rede doch gar nicht mit dir. Er ist ber;hmt! Wozu brauchst du so einen Schwarm?“
„Er ist so toll. Wir haben so viel Leidenschaft!“
„Ich mache mir Sorgen um deine Schw;rmerei“, sagte Tatjana, h;rte aber in diesem Moment das Telefon klingeln. Das Wichtigste, was Tatjana Agnessa nicht mehr sagen konnte, war, dass Denis Turin ihr Ehemann war. Sie hatte es ihrer Freundin noch nicht einmal erz;hlt und sie nie zu sich eingeladen. Georges war wieder aufgetaucht und wurde von da an Agnes' lebenslanger Freund. Solange sie sich erinnern konnte, hatte sie immer Probleme mit ihm gehabt: Er schien bei ihr zu sein, aber irgendwie auch nicht; er war entweder ein Freund oder nicht; aber weder ein Liebhaber noch ein Ehemann. Sie konnte es nicht l;nger als eine Stunde mit ihm in derselben Wohnung aushalten, manchmal reichten schon zehn Minuten. Georges irritierte Agnes zwar manchmal, aber sie wurde ihn nicht los.
Am n;chsten Tag tauchte Georges mit einem Handschuh auf:
„Agnes, ich ging die Lindenallee entlang. Da sah ich Denis’ Auto vorbeifahren, und Handschuhe flogen heraus. Ich blieb stehen. Der Handschuh glitzerte silbern auf der Stra;e. Ich hob ihn auf und brachte ihn dir. Ich erinnere mich, dass du so einen sch;nen Handschuh getragen hast. Warst du mit Denis unterwegs?“
„Gl;ck oder Pech“, dachte Agnes und sagte:
„Georges, Denis hat mich einfach nach Hause gefahren. Das passiert jedem mal! Danke f;r den Handschuh.“
„Nein, das glaube ich dir nicht! Wo warst du gestern? Aber wenn du nicht reden willst, antworte nicht.“ Agnes erinnerte sich, dass sie im Sommer mit Georges an einen klaren See gefahren war, um Krebse zu fangen. Er a; die Krebse mit Genuss und sp;lte sie mit Flaschenbier hinunter. Sie beschloss, ihn zu bes;nftigen:
„Georges, h;ttest du gern ein Bier? Ich wei;, wo man Krebse kaufen kann. Komm, wir gehen zu dir.“ Georges l;chelte:
„Wir gehen Flusskrebse essen und trinken Bier; mein Auto steht gleich daneben.“
Die Flusskrebse f;rbten sich rot. Das Bier wurde kalt. Georges wurde milder. Doch Agnes' ;rger brodelte weiter: Sie mochte kein Bier. Sie erinnerte sich an Denis; mit ihm war es einfach gewesen, ohne Essen und Trinken auszukommen, und alles war sehr sinnlich, w;hrend es hier nur um die Verdauung ging.
„Georges, ich gehe jetzt, danke f;r den Handschuh“, sagte Agnes und ging zur T;r.
„He, wag es ja nicht, die T;r zu ;ffnen! Du machst das Schloss kaputt!“, rief Georges und ;ffnete die T;r selbst.
Kurz darauf ging Agnes ihren Gesch;ften nach, doch unterwegs nahm sie eine Mitfahrgelegenheit in Georges' Auto. Pl;tzlich sackte der gro;e Mann ;ber dem Lenkrad zusammen. Der Wagen geriet au;er Kontrolle. Agnes blickte verzweifelt auf die Stra;e, auf das Lenkrad unter dem reglosen Fahrer. Sie f;hlte Angst, Todesangst, sie wollte schreien und leben! Aber wie sollte sie ;berleben? Wie nur?! Sie war eine kleine, zierliche Frau, die nicht Auto fahren konnte! Sein Fu; dr;ckte aufs Pedal, aber seine H;nde r;hrten sich nicht! Agnes sah, wie der Wagen, versteckt zwischen dem gr;nen Laubwerk, immer schiefer und schwammiger die Stra;e entlangraste. Verzweifelt riss sie den Mann aus dem Lenkrad und versuchte, die Richtung zu ;ndern. Sie war darin schlecht, aber es gelang ihr! Die Stra;e war leer, niemand konnte ihr helfen, aber auch niemand griff ein. Wie lange sie schon gefahren war, wusste sie nicht, doch pl;tzlich tauchte ein rotes Kreuz vor ihr auf. Medizinische Hilfe war in der N;he! Sie trat voll auf die Bremse. Der Wagen kam neben einer Silberpappel zum Stehen, die den Eingang zum Krankenhauskomplex bewachte. Die Sanit;ter trugen den Mann aufgrund seiner betr;chtlichen Gr;;e und des vielen Fetts nur mit M;he auf die Intensivstation. Er erlangte das Bewusstsein nicht wieder. Sie stieg in das Auto einer Freundin und fand sich in dieser Situation wieder. Was Agnes geritten hatte, wusste sie selbst nicht. Pl;tzlich st;rmte sie auf die Intensivstation. Sie st;rzte sich auf einen Mann, der an einem Herzinfarkt starb, wie ihr eine Krankenschwester mitgeteilt hatte. Sie r;ttelte an dem leblosen K;rper, der keine Lebenszeichen zeigte, und schrie mit markersch;tternder Stimme:
„Georges, lebe! Lebe, Georges! Ich will, dass du lebst! Lebe! H;r zu, lebe!“
Agnes ignorierte die Sanit;ter, die glaubten, es sei zu sp;t, den Toten wiederzubeleben. Sie begann, ihn k;nstlich zu beatmen. Sie beatmete ihn Mund zu Mund. Sie schrie ihn an. Sie begann, ihm ins Gesicht zu schlagen; niemand hielt sie auf, da ihre Bem;hungen als sinnlos galten. Doch sie schlug weiter auf ihn ein. Sie schrie ihn wie einen Fluch an:
„Georges, lebe! H;r zu, Mann, atme!“
Sie atmete f;r ihn.
Und er seufzte, als h;tte sie ihm einen Klo; im Hals zertr;mmert.
Die Sanit;ter kamen zur Besinnung und kehrten zu ihren Aufgaben zur;ck. Agnes wurde aus dem Zimmer gef;hrt. Und sie beschloss, unbedingt Autofahren zu lernen. Georges war fr;her Wachmann und hatte davor in einem M;belhaus gearbeitet. Offenbar war der Milit;rdienst schon immer die Hauptbesch;ftigung der M;nner. Jeder wei;, dass Frauen von M;nnern abstammen, also muss Agnes entwickelter sein als Georges, der Mann. Wenn Georges also ein Mann ist und nicht von Menschen abstammt, dann ist er unsterblich! Und ;rzte waren Menschen und wussten nicht, dass wahre M;nner nicht sterben! Man k;nnte argumentieren, dass M;nner l;ngst ausgestorben sind! Entschuldigung, aber wenn sie jemals existiert haben, dann m;ssen einige ihrer Nachkommen sicherlich noch in der Menschenwelt leben. Nach dem Vorfall mit dem Mann, der offensichtlich ;ber tausend Jahre Erfahrung hatte, musste Agnes die Feinheiten des Autofahrens meistern, was sich in ihrem seltsamen Leben als sehr n;tzlich erwies.
Agnes war hin- und hergerissen zwischen drei Leidenschaften: ihrem Ehemann Apollon, ihrem Freund Georges und ihrem Geliebten Denis. Au;erdem hatte sie einen unbekannten Verehrer, mit dem sie nicht schlief. Er war ein kleiner, unscheinbarer Mann mit einem pockennarbigen Gesicht. Tisha, ein kleiner Mann, hatte Agnessas wohlgeformte Gestalt schon seit Jahren beobachtet. Er kannte ihre Leidenschaften und Hobbys. Er wohnte im Nachbarhaus und arbeitete im selben Geb;ude. Tisha versuchte, mit ihren Abfahrts- und Ankunftszeiten Schritt zu halten – eine Kunst f;r einen kleinen Mann. Er kleidete sich anst;ndig, besa; aber nie ein Auto. Dieser kleine Mann wusste ;ber ihre gro;en M;nner Bescheid. Er hatte keine Familie, trank nicht und vergn;gte sich mit Agnessas Hobbys.
Die Nachbarn nannten ihn Tisha. Eines Tages hatte seine Nachbarin, Oma, ihre Katze Tisha verloren. Als Tisha vom Verschwinden der Katze erfuhr, ;berlegte er kurz und fand sie im Nachbarhaus, das ihrer sehr ;hnlich sah, auf derselben Etage. Und so wurde er f;r Oma zu Tisha. Von Oma erfuhr Tisha von Agnessa. Er respektierte die alte Frau, die ihn mit Informationen belohnte. Sie wusste von seiner unerwiderten Liebe zu seiner jungen Nachbarin.
Oma schenkte seiner Zuneigung zu der Frau keine Beachtung, aber Tisha spielte mit. Ein Wagen mit get;nten Scheiben parkte vor der Haust;r. Denis vereinbarte telefonisch Agnes' Abfahrtszeit. Sie trat aus der T;r und befand sich im offenen Wagen. Zeit war verst;ndlicherweise kostbar. Das Leben ist hart f;r sch;ne Frauen; man muss st;ndig alles im Griff haben. Gut, dass sie sie nicht bei einer Firma wie „Dosuga“ eingestellt hatten. Offenbar hielt dieser Service drei M;nner f;r genug f;r eine junge Frau. Denis Turin fuhr schnell vom Geb;ude weg und raste die Autobahn entlang in Richtung Stadtzentrum. Gef;hle von Neid und Hass auf Denis stiegen in Georges auf, also musste er eine Flasche Wodka holen, sich beruhigen und einen Racheplan schmieden. Kurz darauf ereignete sich ein Verkehrsunfall; er wurde im Fernsehen gezeigt. Die Unfallursache wurde untersucht. Der ber;hmte Mann, der die dunkle Limousine mit den get;nten Scheiben fuhr, ;berlebte; ein Airbag rettete ihm das Leben. Agnessa hatte den Unfall an jenem Morgen im Fernsehen gesehen. Unter Tr;nen verlie; sie das Haus. Ihre Nachbarin, eine ;ltere Dame, brachte gerade den M;ll raus und zeigte Mitgef;hl. Agnessa erz;hlte der ersten Person, die die traurige Nachricht h;rte, und verschwieg dabei nat;rlich einige Details.
Die ;ltere Dame rief sofort Tisha an, die gerade aus dem Haus rennen wollte, um Agnessa hinterherzulaufen. Tisha dankte der ;lteren Dame f;r die hilfreichen Informationen und versprach, ihr frisches Brot mitzubringen. Nach dem Unfall fuhren Denis' Freunde seine Limousine zu seinem Haus. Nein, er wohnte nicht in dem Luxusgeb;ude, in das er Agnessa mitgenommen hatte. Er hatte Agnessa erz;hlt, es geh;re Freunden, die ihm vor;bergehend einen Schl;ssel gegeben h;tten. Er wohnte in einem einfachen Viertel, in einem alten, hohen Geb;ude neben einem Kino. Das Geb;ude hatte kein warmes Wasser, sondern nur Warmwasserbereiter.
Denis' kleine Wohnung sah noch schlimmer aus als seine Limousine. Das Wrack stand in der N;he seines Hauses, und er wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Agnessa oder Tatjana hatten ihn besucht, aber sie hatten sich nicht gesehen. Tisha traf Agnessa und fragte scherzhaft: „Wie geht’s, Agnessa?“
Er hatte Gl;ck. Sie begr;;te ihn und erz;hlte, dass sie heute Morgen im Fernsehen einen Bericht ;ber einen Bekannten gesehen hatten, der beinahe einen Autounfall verursacht hatte. Sie kannte ihn; er wohnte in einem Geb;ude neben dem Kino. Tisha freute sich ;ber diese Worte. Er war auf einer Gesch;ftsreise und fuhr zum Kino. Er kannte die Gegend gut, fand das Kino schnell und ging um die H;user herum. Anhand des bekannten Wracks vermutete er, wo Agnessas Mann wohnte.
Tisha ging um die ;berreste des Wagens herum, dessen Fahrert;r besch;digt war. Die Scheibe war zerbrochen, aber auf seltsame Weise. Die T;r war eingedr;ckt, aber die scharfen Kanten hatten das Herz des Fahrers nicht erreicht. Der Wagen war noch zu retten, also brachten sie ihn zum Haus. Tisha hatte den Verdacht, dass Denis etwas angeh;ngt worden war, aber von wem? Sein Blick fiel auf die get;nten Scheiben. Sie waren seltsam. Tisha ging zum Auto und begann, die Scherben aufzusammeln. Interessanterweise war das Glas zwar zerbrochen, aber nicht in tausend St;cke zersplittert.
„Die Folie“, dachte Tisha, „vielleicht ist das das Geheimnis?“ Der Arbeiter h;tte die Folie auf die Scheiben kleben k;nnen, aber die Autowerkstatt hatte sie nach dem Anbringen auf Transparenz gepr;ft. Sie waren f;r ihre Arbeit verantwortlich. Die Folie war von innen angebracht worden, und hier gab es zwei Schichten.
Wer sonst k;nnte in den Unfall verwickelt gewesen sein? Bald sah Tisha Georges in der N;he des Kontrollpunkts stehen. Sein gro;er Wagen mit den neuen get;nten Scheiben parkte neben ihm. Der Mann wischte die Scheiben von au;en mit einem trockenen Tuch ab und tat so, als sei er extrem besch;ftigt. Agnessa, die sehr traurig aussah, verlie; das Geb;ude und ging zur Bushaltestelle. Georges lief ihr nicht nach; er dachte, sie w;rde schon kommen, wenn es sein musste, und er w;rde bis morgen oder ;bermorgen warten.
Zuhause erz;hlte Apollo Agnes, dass seine Nachbarin Tisha vorbeigekommen war. Er suchte denjenigen, der die Scheiben von Denis' Auto get;nt hatte. Er machte dem Arbeiter keine Vorw;rfe; alles war in der Autowerkstatt ;berpr;ft und dokumentiert worden. Scheiben werden nicht zweimal get;nt. Tisha suchte denjenigen, der die Au;enscheiben get;nt hatte, und aus irgendeinem Grund suchte er auch Agnes, erz;hlte aber ihrem Mann alles.
Apollo sagte zu Agnes: „Denis ist fr;h aus dem Haus gefahren, als es noch dunkel war. Wegen der Dunkelheit hat er nicht auf die Scheiben im Auto geachtet. Er fuhr auf der Autobahn und konnte durch die Scheiben nichts sehen.“
Apollo hatte seiner Nachbarin, der alten Frau, das alles schon auf dem Heimweg erz;hlt, und sie erz;hlte Tisha f;r ein St;ck Butter alles noch einmal. Tisha, wie eine Detektivin, hatte fast alles verstanden, aber irgendetwas an der Geschichte blieb fragw;rdig. Wenn der Arbeiter den ersten Film angebracht hatte, wer hatte dann den zweiten Film angebracht, und das mitten in der Nacht auf der Stra;e? Er wusste, dass Agnes noch einen Freund hatte, Georges. Er hatte ihn am Tor gesehen, wie er dort stand wie ein Leuchtfeuer ohne Sirene. Tisha wusste nicht, wo Georges wohnte, also beschloss er, ihn nach der Arbeit aufzusp;ren, w;hrend er nach Agnes suchte.
Am n;chsten Tag tauchte Georges an seinem Treffpunkt auf: W;rde er kommen oder nicht? Er hatte sich an Denis f;r den Film auf der Kassette ger;cht, der die Liebesaff;re zwischen Denis und Agnes dokumentierte, indem er einen zweiten Film an die Scheiben eines dunklen Autos klebte, aber er sagte ihr nichts. Seine M;nner hatten ihn dort platziert. Agnes ging auf Georges zu, aber anstatt mit ihm ins Auto zu steigen, trat sie beiseite, um mit ihm zu reden.
Mit ausdruckslosem Gesicht n;herte sich Tisha beil;ufig dem Auto von Georges und bemerkte sofort, dass die Folie auf dem Auto neu war, genau wie auf den Scheiben von Denis‘ Auto. Wie hat er es verursacht? Und wie clever hast du dir das alles ausgedacht? Tisha seufzte und ging, um Oma etwas Butter zu kaufen.
Das Leben ist so interessant, aber Agnes lachte nicht. Sie wurde von einem schrecklichen Schuldgef;hl befallen; es kam ihr so vor, als h;tte Denis ihretwegen einen Unfall gehabt. Sie wusste noch nichts von dem Band auf der Kassette, auf dem sie nackt war, also hatte sie keinen Grund, w;tend auf ihn zu sein. Denis brachte nat;rliche Liebe in Agnes' Leben, die niemand sonst geben konnte. Er hatte etwas Au;ergew;hnliches an sich.
Agnes war von Tr;nen ;berw;ltigt. Sie konnte ihre Tr;nen nicht zur;ckhalten, weil sie die Ursache des Unfalls auf der Stra;e nicht untersucht hatte. Sie wusste nicht einmal von der Doppelfolie an den Fenstern, aber sie hatte das Gef;hl, dass dieser Unfall ohne Georges nicht h;tte passieren k;nnen. Georges h;rte am Ausgang des Geb;udes auf, auf Agnes zu warten. Sie ignorierte ihn v;llig. Er traf sie dennoch und erz;hlte ihr von dem Band, er wollte Agnessa wieder zum Leben erwecken und sie gegen Denis aufbringen. Es ist ihm gelungen! Agnes sch;mte sich f;r den Film mit ;bungen auf wei;em Fell. Ein brennender Hass auf Denis wurde in ihrer Seele geboren. Danach schien sie sich von ihm zu verabschieden und kehrte ins Leben, zur Arbeit zur;ck. Als Zeichen der Dankbarkeit gegen;ber Georges kam sie mit seinem Lieblingswein und Snacks zu ihm. Der Wein hat seinen Zweck erf;llt.
Agnes lag da und erinnerte sich. Sie erinnerte sich nicht schlecht an Georges – sie erinnerte sich, wie er Kilogramm Tr;ffel mitbringen konnte, dann brachte er statt S;;igkeiten eine ganze Reihe Flaschen mit Lack in allen Farben und Schattierungen mit, oder er brachte einfach Wimperntusche in unvorstellbaren Farben mit.
Nein, sie f;hlte sich von ihm nicht beleidigt und glaubte nicht einmal an seine indirekte Schuld am Unfall. Er war einer dieser M;nner, die eine Frau lieben, solange es einen Rivalen gibt, das erfreute seinen Stolz. Die k;rperliche Liebe mit ihm funktionierte nicht. Sie erkannte, dass Georges‘ Leute die Bremsen von Denis‘ Auto kaputt gemacht hatten, das mit hoher Geschwindigkeit auf der ersten rutschigen Stra;e des Morgens fuhr. Das Auto drehte sich um und geriet auf die Gegenfahrbahn, doch er hatte erneut gro;es Gl;ck: Es befanden sich keine Autos auf der Gegenfahrbahn, sie standen an einer Ampel und nahmen gerade Fahrt auf, als eines von ihnen Denis‘ Auto ber;hrte.
Ihm wurde die Schuld an dem Unfall zugeschrieben, da er zwei durchgezogene Linien ;berquerte, er selbst wurde leicht verletzt und das Auto wurde verbeult.
In dem Moment, in dem Agnes nachdachte, rief Denis an und sagte:
- Komm schnell raus, ich habe dich wirklich vermisst, als ich im Krankenhaus war.
Agnes rannte zu ihrem geliebten Mann und stieg in sein repariertes Auto. Sie fuhren schnell, kamen aber nicht an. Ein Regenguss, ein Dauerregen, stoppte das Auto. Denis fuhr von der Autobahn ab in Richtung der Anlegestellen. Wundervolle und st;rmische Wasserstr;me flossen durch die Fenster. Was k;nnten zwei ungeduldige Menschen tun? Sich lieben, ohne den Regen zu verlassen.
Denis hatte in der Bl;tezeit seiner T;tigkeit im Fernsehen ziemlich viel Geld, und er wollte noch mehr Geld, aber niemand h;tte davon erfahren d;rfen. Alle Fernsehzuschauer eines riesigen Landes gerieten in seine Gewalt. Die Leitung des Fernsehsenders hat ihn sehr gut behandelt, alle haben mit ihm Geld verdient. Popularit;t generierte Einnahmen durch die Verlagerung der Berichterstattung ;ber riesige Werbeinvestitionen.
Und diese Einlagen landeten in seiner Sporttasche. Aus der Tasche ragten Tennisschl;ger heraus, darunter befanden sich zwei Kisten mit Geld, allerdings ohne Kisten. Kriminelle nehmen im Allgemeinen gerne Koffer mit, auch wenn sie leer sind oder nur ein Buch enthalten. Denis ist schlau, aber neben einem gro;artigen Verstand gibt es immer auch eine Ged;chtnisl;cke bei grundlegenden Dingen. Die Sporttasche erregte die Aufmerksamkeit des Detektivs und seiner Assistentin Zoe. Denis stand unter ihrer geheimen ;berwachung. Schon aus der Ferne war zu erkennen, dass sich in der Tasche keine Turnschuhe befanden, sondern etwas Schweres und Glattes, wie stehende Ziegelsteine.
Zu einer Zeit, als kleine Unternehmen gegr;ndet wurden, war es einfach, ein weiteres Unternehmen zu gr;nden, das Gelder f;r Werbung im Fernsehen erhielt. Und eines Tages erhielt Denis das ganze Geld in bar. Kluges M;dchen. Wo wollte er sich mit dem Geld verstecken? Denis beschloss, zu Agnes‘ Haus zu gehen. Er wusste, dass Apollo nicht zu Hause war. Ein Treffen im Stadion k;nnte Ihnen einmal Freude bereiten, aber dann wollten Sie Heimkomfort und Liebe im Bett. Agnes wusste, worauf sie sich einlie;, und wusste um die Popularit;t von Denis, aber sie wollte Geld oder Popularit;t, mit der sie Geld verdienen konnte.
Kapitel 2. Der doppelte Preis des Lebens
Ein Damenpullover mit der Aufschrift „Nicht anfassen, ich bin mit Diamanten besetzt“ hing schlicht an einem Holzgestell. Tatjana bat darum, das funkelnde Prachtst;ck sehen zu d;rfen. Der Pullover lag verstreut auf der Theke. Aus der N;he betrachtet, entpuppten sich die Diamanten als hochwertiges Glas – und wie sie im Neonlicht funkelten!
Und Neujahr war so nah! Als sie das funkelnde rote Prachtst;ck in den H;nden hielt, bemerkte sie ein schwarzes Wunder. Der schwarze Strickpullover war mit gl;sernen Diamanten von der Gr;;e von Kirschkernen besetzt. Er schimmerte so verf;hrerisch! Aber Tatjana dachte, Denis sei wieder einmal knapp bei Kasse, und sie hatte auch nicht genug Geld f;r diese Glasperlen. Der kleine Vlad wirbelte am Saum des Mantels seiner Mutter herum und griff nach den Plastikautos. Er interessierte sich nur f;r Autos oder Pistolen aller Kaliber. Die Frau konnte nicht widerstehen, ihrem Sohn Spielzeug zu kaufen. Sie warf einen Blick auf die funkelnden Pullover und seufzte tief.
Bevor seine Frau und sein Sohn ankamen, kramte Denis in dicken Geldb;ndeln. Beim ersten Ger;usch des Schl;ssels im Schloss warf er das Geld in seine Sporttasche, legte ein Sportshirt und Tennisschl;ger darauf und schloss den Rei;verschluss.
Sein Sohn st;rmte freudig ins Zimmer und wirbelte mit seinen Spielsachen vor seinem Vater herum. Dieser nickte zustimmend. Er gab seiner Frau einen Kuss auf die Wange, erw;hnte beil;ufig, dass er zum Training gehen w;rde, und verschwand durch die T;r. Tatjana, deren langes Haar zu einem Dutt hochgesteckt war, ging in die K;che, um ein einfaches Abendessen zuzubereiten.
Ihr Mann hatte ihr wieder einmal nicht genug Geld f;r die Familienausgaben gegeben. Der sp;rliche Lebensmittelvorrat animierte sie nicht zum Kochen. Sie stellte einen Topf Wasser auf den Herd und holte Nudeln und zwei W;rstchen f;r ihren Sohn heraus. Die Mayonnaise war nicht mehr ganz frisch; ihre Reste lagen wei; am Boden des Glases. Tee, Brezeln und zwei Bonbons vervollst;ndigten die Mahlzeit. Tatjana hatte keine Klagen ;ber ihr Leben. Sie hatte in letzter Zeit nicht gearbeitet und war mit ihrem Sohn zu Hause geblieben. Ihr Mann war der Alleinverdiener der Familie. Er verw;hnte sie nicht mit Aufmerksamkeit. Sie sp;rte mit jeder Faser ihres K;rpers, dass er eine neue Frau hatte, und sie konnte sich schon denken, wer es war! Mehr noch, Tatjana wusste es, sie war sich fast sicher, dass es Agnessa war! Verst;ndlich, Denis war ein ber;hmter Mann!
Tatjana mied Fernsehsendungen sorgf;ltig; ihr Nervensystem konnte das nicht ertragen. Sie sah nur wenig fern. Als Denis' Talent f;r das Fernsehen zum Vorschein kam, war sein Aufstieg erstaunlich! Ein paar Jahre sp;ter wurde er Moderator der Fernsehsendungen des Senders. Sein gro;er Kopf fl;;te den Leuten Respekt ein. Er war immer an der Seite seiner Frau. Ihr Kopf war mit einem langen Zopf geschm;ckt. Sie waren ein gutes Paar und hatten einen klugen Sohn. Es gab Liebe, aber das Leben war voller Probleme.
Agnessa wollte Denis' Sporttasche wegr;umen. Auf den ersten Blick h;tte man meinen k;nnen, er h;tte seine Sachen von zu Hause mitgenommen und w;re bei ihr eingezogen, doch das Gewicht der Tasche schockierte sie. Der Anblick des riesigen Geldbetrags ;berraschte sie, dann erfreute er sie, und schlie;lich fragte sie sich, wie sie ihn nur an sich nehmen sollte. Denis, ein Mann mit wundersch;nen Augen, aber sie liebte Apollon.
Zugegeben, der Unterschied zwischen ihnen war kaum wahrnehmbar. Doch aufgrund der Verliebtheit hegte sie einen tiefen Groll gegen Denis. Agnessa wollte die Tasche nicht aus dem Haus bringen, aus Angst, Denis k;nnte sie des Diebstahls verd;chtigen. Sie beschloss, das Geld durch eine dritte Person und an einem anderen Ort als ihrem eigenen von Denis anzunehmen. Denis verlor seine Vorsicht. Die Liebe blendete ihn. Agnessa bereitete ihm eine wilde Nacht: Sie versuchte es, sie liebte, aber immer mit dem gro;en Geld im Sinn. Er beschloss, die Tasche bis zum Abend bei Agnessa zu lassen und das Geld dann zu seiner Frau Tatjana zu bringen.
Denis hatte mehrere Verstecke zu Hause vorbereitet. Er konnte das Geld nicht sofort dort lassen; Er hatte das Gef;hl, beobachtet zu werden. Er beschloss, lieber als gew;hnlicher Frauenheld denn als Schwerverbrecher zu gelten. Denis ging zur Arbeit ins Fernsehstudio, und die Tasche blieb in Agnessas Schrank. Er war ja nicht dumm; er hatte nicht das gesamte Werbegeld genommen, sondern einen Teil f;r die Arbeit behalten. Die Werbung musste ja laufen, und nicht jedes fehlende Geld w;rde sofort auffallen, und nicht jeder kontrolliert st;ndig die Finanzen der anderen. Er hatte Zeit, sich zu ;berlegen, was mit dem Geld geschehen sollte. In der Zeit vor den Computern hatte Denis eine neue Fernsehsendung entwickelt. Die Leute mochten die Unterhaltungssendung. Die Popularit;t des Fernsehmoderators erreichte unglaubliche H;hen und begann ihm im Weg zu stehen. Also gab er die Sendung einem Bekannten und beschloss, den gesamten Sender zu ;bernehmen. Denis wollte die absolute Macht ;ber die ganze Nation ;ber den Fernsehbildschirm. So war er eben. Und das Geld in seiner Sporttasche schien ihm v;llig unbedeutend.
Agnes erschien das Geld in Denis' Sporttasche bei ihr zu Hause enorm, und der Wunsch, es in die H;nde zu bekommen, beherrschte ihre Gedanken. Sie rief ihren Freund Georges an. Ihr wurde sofort klar, dass es in dieser Angelegenheit am besten war, unauff;llig zu bleiben. Sie musste Denis gegen;ber loyal bleiben, und das Geld von zu Hause zu nehmen, w;re t;richt: Er w;rde merken, wer es genommen hatte.
Georges, ein professioneller Wachmann, erkl;rte sich bereit, Denis niederzuschlagen, die Tasche zu nehmen und Agnes das Geld im Auto zu ;bergeben. Au;erdem war Apollon, Agnes' Ehemann, an diesem Tag aus Cold City zur;ckgekehrt. Denis nahm die Geldtasche aus Agnes' Haus und fuhr, wie ein guter Ehemann, zu seinem eigenen Haus, wo er ein Versteck f;r das Geld vorbereitete.
Im Eingangsbereich seines Hauses riss ein kr;ftiger Mann Denis die Tasche mit den Schl;gern aus der Hand. Denis wehrte sich. Da schlug ihm der Mann gegen den Kopf. Denis fiel zu Boden. Denis zu t;ten, war nicht Teil von Georges' Plan gewesen. Der Wachmann trug eine Maske, die sich leicht in einen gew;hnlichen Herrenhut verwandeln lie;.
Georges nahm die Schl;ger aus seiner Tasche und legte sie neben Denis. Dann verlie; er gem;chlich das Geb;ude und trug seine Tasche. Georges' Schlag war ohrenbet;ubend. Denis sackte, noch atmend, gegen die Wand. Mit relativ reinem Gewissen lie; Georges den verlassenen Denis zur;ck und hinterlie; keine Spuren des Verbrechens. Apollo wartete bereits im Auto auf ihn. Agnessa war nicht da. Sie hielt Wache und beobachtete den Eingang des Geb;udes. Agnessa sah zwei weitere M;nner das Geb;ude betreten, kurz verweilen und dann wieder hinausgehen.
Als Tatjana sich ihrem Haus n;herte, sah sie einen gro;en Mann mit einer Tasche, die der von Denis ;hnelte, schenkte ihm aber keine Beachtung. Im Geb;ude sah sie ihren Mann regungslos auf den Stufen liegen und vergab ihm alle S;nden, von denen sie wusste oder die sie vermutete. Tatjana erkannte sofort, dass ihr Mann tot war. Sie weinte nicht, sie begann nicht zu klagen, sondern hielt einen Moment inne und f;hlte dann Denis' Puls. Er war nicht mehr da. Ihre Kr;fte verlie;en sie. Sie verlor das Bewusstsein. Ermittler Verevkin traf mit seinem Team ein. Ilya Lvovich kam mit Zoya und fotografierte die Leiche.
Georges teilte das Geld in drei gleiche Teile: f;r sich, Agnes und Apollon. Erstaunlicherweise gab es keinen Streit. Nachdem Apollon, Georges und Agnes das Geld aufgeteilt hatten, gingen sie getrennte Wege. Apollons Nervosit;t steigerte seinen Appetit. Er versteckte das Geld im Haus seiner Mutter. Dann bestellte er Essen. Innerhalb einer Stunde wurden zwei Pizzen in gro;en Kartons geliefert, jede mit etwas Zerbr;seltem und mit geschmolzenem K;se ;berbacken.
Nachdem er drei riesige St;cke gegessen hatte, merkte er, dass er mehr bestellt hatte, als er essen konnte. Er schlief ein. Agnessa versteckte das Geld an verschiedenen Orten in der Wohnung. Sie war traurig, dass ihre Aff;re mit Denis zu Ende gegangen war. Sie hatte sich an ihn gew;hnt. Sie erfuhr vom Tod ihres Geliebten aus den Fernsehnachrichten. Sie beschloss, ;ber das Geld zu schweigen, aber ihre Aff;re nicht zu leugnen. Und wenn das Geld schmutzig war, w;rde niemand danach suchen.
Georges lebte ohne Gewissen; das war sein Job, und K;mpfen geh;rte f;r ihn zum Alltag. Er kam nach Hause, a;, trank, verbrachte seine Zeit mit Freunden und fuhr dann zu seiner Datscha, wo er wusste, wo er das Geld verstecken konnte. ;u;erlich wurde alles geheim gehalten. Der Wachmann wurde in Dollar bezahlt, und der Umtausch in Rubel war f;r ihn Routine.
Die gesamte Cranberry-Region verfolgte die folgenden Ereignisse. Denis wurde wie ein Held beerdigt. Riesige Menschenmengen folgten dem Sarg durch die Pf;tzen schmelzenden Schnees. Und das Geld? Man spricht nicht schlecht ;ber Tote. Mark Verevkin hat B;nde ;ber diesen Fall geschrieben, doch alles vergebens. Man kann nicht schlecht ;ber einen beliebten Fernsehmoderator reden. F;r die Menschen bleibt Denis eine leuchtende Figur der Landesgeschichte. Im Fernsehzentrum war Denis Turins Tod ein gro;es Ereignis. Journalisten aus aller Welt bekamen ;berstunden und berichteten ;ber sein Leben. Agnessa verfolgte die Nachrichtensendung entsetzt im Fernsehen. H;tte sie die Todesursache des Gastgebers nicht gekannt, h;tte sie geglaubt, die Journalisten h;tten ihn umgebracht. Es war, als h;tten die Journalisten ihre Gedanken gelesen und Agnessa erreicht. Jemand hatte die Liebe zwischen Denis und Agnessa im Stadion bemerkt, oder man hatte sie gemeinsam in die Stadt einreisen sehen. Ein Journalist kam mit einem Filmteam zu ihr. Agnessa wurde f;r das ganze Land und die ganze Welt gefilmt. Sie wurde zu einer Ikone in Denis’ Leben. Denis Turins letzte Liebe – das klingt beeindruckend!
Agnessas Popularit;t schoss ;ber Nacht in die H;he, und sie war in aller Munde. Sie hatte keine Zeit, ;ber das versteckte Geld nachzudenken; sie genoss ihre Rolle als historische Figur und lie; sich bereitwillig fotografieren. Tatjana hielt sich im Hintergrund; sie liebte ihren verstorbenen Mann Denis aufrichtig und sprach nur schwer ;ber ihn. Sie war wie in Trance; sie brauchte einen Psychiater, keine Journalisten. Sie war ersch;pft.
Ilja Lwowitsch wusste, dass der erste Schlag mit ungeheurer Wucht auf seinen Kopf gewirkt hatte, aber er war mit einem weichen Gegenstand ausgef;hrt worden, ganz sicher nicht mit einem Schl;ger. Es konnte nicht seine Frau gewesen sein, die sich als Erste ihrem toten Mann gen;hert hatte. Er war ein starker Mann, ein sehr starker Mann.
Die Ermittlungen liefen, doch alle waren sich sicher, dass der Mord unaufkl;rbar sein w;rde, auch wenn es niemand aussprach. Eine Faust als Mordwaffe ist schwer zu finden: Sie wird nicht weggeworfen; man muss nach ihr und ihrem Besitzer suchen. Man kann den Besitzer einer Faust nicht f;r dumm halten; er wird dem Ermittler nicht weinend begegnen; so stark ist der Besitzer einer Faust.
Ein einfaches Mordmotiv war n;tig. Doch alle hielten Denis f;r einen Heiligen; er war in keine Finanzbetr;gereien verwickelt gewesen, und bei seinen beiden Frauen wurde kein Schmuck gefunden. Was konnten sie von einem einfachen Fernsehmoderator lernen? Auf den ersten Blick nichts. Bei genauerem Hinsehen k;nnte man meinen, der Mord sei ein Auftragsmord gewesen und mit seinem neuen Job, oder besser gesagt, seiner neuen Position, die er kaum angetreten hatte, in Verbindung gestanden.
So gut war Denis! Sie f;rderten seine sportliche Karriere, sein Universit;tsstudium, seine Liebe zu seiner Familie. Denis war ein guter Mann. Die Ermittlungen wurden so gef;hrt, dass nichts Unn;tiges ans Licht kam. Die Leute begannen langsam, Denis Turin zu vergessen. Das Fernsehen forderte nach und nach das Geld zur;ck, das Agnessa zweimal f;r Werbespots gestohlen hatte, und sofort legte sich ein anhaltendes Schweigen um sie. Sie erinnerte sich wieder an Georges – diesen Feigling, der nie Geld ausgab! Sie suchte ihn unangek;ndigt auf, ;bersch;ttete ihn mit Liebe und versprach ihm eine Rolle in einem Musikvideo, wenn er ihr finanziell unter die Arme griff. Sie sagte, mit ihrem Anteil sei sie als Drehbuchautorin und Regisseurin cooler Musikvideos ber;hmt geworden, und nun w;rde sie ihn mit seinem Geld zu einem nationalen und internationalen Star machen.
Und Georges konnte nicht widerstehen. Die Werbespots umgaben sie wieder. Er hatte so lange vor allem Angst gehabt, dass er wie eine Rose aufbl;hte. Agnes nutzte all seine positiven Eigenschaften, um f;r seine Produkte zu werben, und verga; dabei nicht, das Werbegeld einzutreiben, das Denis beim ersten Mal gestohlen hatte. Ha! Das Geld war weg. Georges wurde nicht mehr gebraucht. Die Werbeeinnahmen flossen Agnes zu, und die versteckten Schulden bei den Kunden waren getilgt. Sie hatte ihren Platz in der Werbekette eingenommen und war genau am richtigen Platz.
Apollon wurde ihre rechte Hand. Das passte Georges bestens. Als Geld aus einer dritten Quelle ins Spiel kam, entschied Ilja Lwowitsch, der Denis' Fall bearbeitete, dass sich die zweite Runde der Werbegelddiebe bezahlt gemacht hatte. Er hatte den Auftrag, die Kriminellen zu finden, und das tat er auch, aber er konnte den glanzvollen Namen des Landes – Denis Turin – nicht beschmutzen, also wurde alles diskret abgewickelt.
Ein Detektiv beobachtete Agnes zuerst beim Kauf eines teuren Autos und begann, den Fall mit Ach und Krach aufzukl;ren. Er gab Agnes die Gelegenheit, Werbespots zu drehen, und dann erpresste sie das Geld selbst von ihren Partnern. Sie wurden beobachtet, aber in Ruhe gelassen. Es ist klar, dass Denis von dem Schlag benommen war, aber er h;tte ;berlebt. Er starb an den Folgen eines zweiten Schlags gegen eine Eisenstange, die aus dem Treppengel;nder ragte. Die Stange durchbohrte seine Schl;fe, als er st;rzte. Georges war zwar nicht v;llig unschuldig, aber die Ereigniskette um Denis' Sturz l;sst sich nicht leugnen.
Ilja Lwowitsch ging in diesem weltber;hmten Fall doppelt klug vor. Man lie; Georges' Leibw;chter in Ruhe, da er zu der Zeit sehr wichtige Personen besch;tzte und es keine direkten oder indirekten Beweise gegen ihn gab.
Es war schwierig, einen Ersatz f;r diesen Grobian zu finden. Leute wie Georges dienten nach dem Angriff auf Denis ihren Vorgesetzten mit neuem Eifer und stillten ihren Rachedurst nicht an einer wichtigen, sondern an einer bekannten Pers;nlichkeit. Er wurde ;berwacht, aber nicht verhaftet. Ilja Lwowitsch erstattete Anzeige gegen die mutma;lichen Diebe von Werbegeldern des Fernsehsenders, und anschlie;end wurde alles ;ber den Dienstweg geregelt. Die Vorgesetzten waren froh, dass alles gut ausgegangen war. Denis h;tte f;r den Diebstahl der gro;en Summe Geldes die Todesstrafe erhalten sollen, doch stattdessen wurde er selbst hingerichtet. Das Geld wurde zur;ckgegeben, und das Volk blieb als Held zur;ck.
Apollon kehrte nach Hause zur;ck und seufzte laut, w;hrend er sich w;nschte, Agnessa w;rde ihn h;ren:
„Woher soll ich nur Geld nehmen? Wie sch;n war es doch, Geld zu haben!“
„Apollo, aber wir haben doch Geld“, entgegnete Agnessa.
„Agnessa, welches Geld? Das ist mein Gehalt, nicht der Schatz eines anderen!“
„Ach, wie sch;n, wenn alles gut l;uft!“
„Und wir werden zusammen in dieser kleinen Wohnung leben, so ehrliche Kerle!“
„Du bist so gutaussehend! Woran denkst du nur? Wozu brauchst du Geld?“
„Du hast wundersch;ne Beine, ich liebe deine Beine …“
Apollos H;nde erkundeten Agnes' Beine, wanderten immer h;her und h;her und umspielten sie z;rtlich. Sie schmiegte sich ganz an ihn, ihre Ber;hrungen verst;rkten sich, w;hrend sie sich mit der Welle der Liebe im riesigen Bett vereinten. Die sinnlichen Gef;hle verblassten.
Es folgte eine Pause bis zum n;chsten Liebesakt.
Agnes betrachtete gedankenverloren die kirschrote Kosmetikbox. Sie stand tr;ge neben dem Computer und enthielt alles, was zwar nicht auf einem Schreibtisch, aber auf dem Gesicht einer Frau Platz findet.
Die Box – ein durchaus praktischer Gegenstand auf einem Frauenschreibtisch – war ein sch;ner Anblick, besonders da sie ein Geschenk von Apollo war. Er hatte sich f;r ein ruhiges Leben entschieden und bereicherte Agnes' Leben so gut er konnte. Au;erdem wollte er sie nicht mit Kochen belasten und bestellte regelm;;ig Essen. Das Leben sucht immer nach einem ruhigen Mittelweg zwischen zwei Menschen. Apollo spielte lieber mit Menschen am Computer; schlie;lich musste er jemanden befehligen, denn im wirklichen Leben war Agnes seine Befehlshaberin. Nachbarn platzten mit einer Bitte in das friedliche Leben des Paares:
„Gebt mir etwas Geld, was ihr entbehren k;nnt. Eine einsame alte Frau ist gestorben.“
Sie nahmen aber nicht viel und gaben mir sogar das Wechselgeld. Kurz nach den Nachbarn kam ein Paket mit Essen. Nach der Pizza kam eine Nachbarin unter Tr;nen und erz;hlte, dass ihr Mann auf dem Weg zu seinen Kunden am Moskauer Bahnhof von Taxifahrern angegriffen und ;berfallen worden war. Die Nachbarin a; ein gro;es St;ck der leckeren Pizza und ging.
Stille trat ein, dann die Frage:
„Apollo, sollen wir das Baby behalten?“
„Agnes, wir sind doch schon alt!“
„Zweite Lebensphase mit Elternschaft …“
„Wie sollen wir leben? Du verdienst das Geld, und ich helfe nur mit …“
„Wir kennen uns schon lange. Unser Leben ist leer. Lass uns ein Baby bekommen, ich habe das Geld.“
„Welches Geld?“
„Wird dir das nicht langweilig, wenn ich antworte?“ „Geld langweilt dich nie.“
„Doch. Ich habe gespart, nichts ausgegeben und es dann wieder aufgebaut. Ich habe jede Menge Geld. Ist dir aufgefallen, dass ich keine H;user oder Wohnungen gekauft habe? Bekommen wir ein Baby? Wir sind schon im dritten Monat.“
„Na los! Warum hast du so lange geschwiegen?“
„Ich hatte Angst, er w;rde sich nicht zur;ckhalten.“
Sechs Monate sp;ter stand eine Packung Feuchtt;cher neben dem Kosmetikkoffer. Sechs Monate sp;ter zog ein Kinderm;dchen ein. Agnessa ging arbeiten und drehte Werbespots. Eine moderne Frau. Und Apollo? Er war immer da, wenn nicht zu Hause, dann doch immer ;fter. Eines Tages bemerkte das Kinderm;dchen, wo der Tresor stand und wo sie ihren Lohn abholte. Mit etwas M;he knackte sie die Kombination. Zwei Tage sp;ter leerte sie den Tresor, wartete auf den Hausherrn, sagte ihm, sie m;sse noch schnell einkaufen, w;hrend das Baby schlief, und verschwand f;r immer. Apollon sa; gl;cklich mit seiner kleinen Tochter Angelina zusammen, bis Agnessa kam. Agnessa begriff sofort, warum das Kinderm;dchen fehlte, und blickte in den leeren Safe. Das Leben war ;ber Nacht kompliziert geworden. Es war kein Geld mehr f;r Kinderm;dchen da. Zum ersten Mal ;berkam Agnessa ein Gef;hl der Hoffnungslosigkeit. Ihre Figur hatte sich nach der Geburt etwas verschlechtert, und die Arbeit fiel ihr schwer: Die Milch sickerte durch ihre Kleidung. Letzteres war besonders ungl;cklich.
Es war, als ob das Geld f;r Werbung geschrumpft und an andere gegangen w;re. Alles im Leben schien gegen sie zu sein. Apollon war noch nicht w;tend, aber seine Stirn legte sich immer tiefer in Falten. Es gab viele Probleme mit seiner Tochter Angelina. Agnessa machte sich Vorw;rfe, ein Kinderm;dchen eingestellt zu haben, wusste aber gleichzeitig, dass sie nicht anders h;tte handeln k;nnen.
„Apollo, sollen wir das Auto verkaufen?“
„Agnessa, wir verkaufen dein Auto.“ Sie verstummte, als ihr klar wurde, dass die goldene ;ra des Gl;cks vorbei war. Sie war nicht w;tend, aber ihr Herz war leer. Agnessa Iwanowna stand mit ihrer kleinen Tochter Angelina mittellos da. Sie verkaufte ihr Auto und lebte ;u;erst sparsam. Apollon tauchte nie auf; er lebte bei seiner Mutter. Die Babymilchk;che war ein Lebensretter: Wenn das Kind nicht alle Milchprodukte a;, backte sie daraus Fladenbrot. Sie ging nur selten einkaufen und kaufte nur das N;tigste.
Angelina entwickelte sich zu einem ruhigen M;dchen; sie krabbelte bereits auf dem Boden, dann begann sie aufzustehen und zu laufen, wobei sie sich an Gegenst;nden festhielt. Agnessa hing sehr an ihrem Kind. Bald setzte sie ihre Tochter auf die Warteliste einer Kinderkrippe. Die Leiterin bot an, das Kind fr;her aufzunehmen, wenn Agnessa als Kinderm;dchen in der Krippe arbeiten w;rde.
Agnessa arbeitete in der Krippe, und ihre Tochter war in der N;he. Ihre Figur verbesserte sich; sie musste sich so oft mit den Kindern b;cken, und ohne Fitnessstudio war sie schlank geworden. Ihre Tochter benahm sich in der Kita gut, weil ihre Mutter in der N;he war. In der N;he des Kindergartens bemerkte Agnessa Apollons Auto. Er wartete dort. Agnessa ging auf den Vater ihrer Tochter zu. Er hatte sich kaum ver;ndert.
„Agnes, es tut mir so leid! Nimm mich mit. Ich f;hle mich so schlecht ohne dich.“
„Nimm mich mit“, sagte sie und stieg mit ihrer Tochter in sein Auto. Apollon hatte drei Einkaufst;ten mitgebracht, die sie einfach vergessen hatte. Ihre Tochter h;pfte auf seinem Scho; herum, klammerte sich an seinen Hals, und beide waren gl;cklich. Agnes bereitete das Abendessen mit frischem Gem;se zu, nicht mit den Essensresten des Babys, und seufzte gelassen: Ihr kam eine Idee f;r ein neues Szenario. Alles ist so einfach, wenn es nach schweren Zeiten wieder gut l;uft, und umso mehr, weil die Familie zusammen ist. Agnes atmete erleichtert auf: Apollon war zu Hause, Angelina war gro; geworden, jemand von der Arbeit hatte angerufen, ihr gratuliert und angedeutet, dass man auf sie wartete. Sie hatte die schwierigste Zeit ;berstanden, die die Belastbarkeit einer Frau auf die Probe gestellt hatte! Am 8. M;rz herrscht reger Andrang: Bekannte kommen, Verwandte erinnern sich an sie, schauen kurz vorbei, gratulieren ihr, trinken eine Tasse Tee und gehen wieder. Doch die Besuche wirken beruhigend auf ihre Seele. „Agnes, ich habe Neuigkeiten f;r dich“, sagte Apollon. „Siehst du, ich bin gar nicht so faul, und die Arbeit mit dir hat mir etwas beigebracht. Ich habe genug verdient, damit du dir ein Auto kaufen kannst …“
„Apollo, vielleicht reicht uns das Auto erst mal? Ich habe Angst zu fahren. Ich habe Angst um mich und meine Tochter. Wir renovieren die Wohnung und meine Kleidung, und alles andere sp;ter.“ F;nf Jahre waren seit Denis Turins Tod vergangen. Man drehte eine neue Fernsehsendung ;ber ihn und trug unbekannte Fakten aus seiner Biografie zusammen. Ilja Lwowitsch wusste viel, aber es war ihm verboten, seine Informationen an die ;ffentlichkeit weiterzugeben.
Die Fernsehkamera spielte Aktenmaterial ;ber den Mord an dem Fernsehhelden ab. Immer wieder wurden Aufnahmen aus Denis’ Leben gezeigt. Agnes starrte gebannt auf den Fernseher. Pl;tzlich kam ihr der Gedanke, dass sie gar nicht wusste, wie viel Denis alles besa;. „Er muss entweder Geld oder Schmuck gehabt haben“, dachte sie. Sie sp;rte, dass es Zeit war, zum geliebten Stadion zu fahren, denn dort konnte sie neue Inspiration finden.
„Apollo, gib mir das Auto! Ich fahre mal allein durch die Stadt.“
„Okay, aber fahr nicht zu schnell! Vorsichtig und nicht auf den Hauptstra;en.“ Hinter dem Steuer f;hlte sich Agnessa wieder wie ein Mensch. Sie hatte nicht die Wahrheit gesagt, als sie behauptete, kein Auto zu wollen. Sie wollte es wirklich. Aber nicht jetzt. Am Stadion hielt sie dort an, wo Denis’ Auto w;hrend ihrer ersten Liebe geparkt gewesen war. Vom Fahrersitz aus betrachtete sie die Umgebung. Die Eiche, die au;erhalb des Spielfelds wuchs, wirkte interessant. Die Eiche mit dem H;hlungsort entpuppte sich als wahre Sch;nheit.
Agnessa ging um sie herum. An einer Stelle war „Agnessa“ mit einem Messer in den Baumstamm geritzt, an einer anderen „Denis“. Die Inschriften waren kaum lesbar, aber immerhin noch erkennbar. Agnessa wurde ungemein neugierig. Sie wollte ihrem Mann nachgehen und ihn in die Suche einbeziehen. Gesagt, getan: Sie rannte f;rmlich zum Auto, setzte sich ans Steuer und fuhr nach Hause.
Zuhause erz;hlte Agnessa Apollon alles. Ihr Mann verstand seine Frau sofort. Sie nahmen ihre Tochter Angelina mit. Gemeinsam gingen sie zum Stadion, um sich die Eiche anzusehen. Die Tochter ber;hrte die Oberfl;che des Baumes mit dem Finger. Die Eltern untersuchten dieses Naturwunder, das sonst oft ;bersehen wird, von allen Seiten. Und sie fanden es. Zwischen den W;rtern „Agnesa“ und „Denis“ befand sich eine kleine Vertiefung. Die gr;;ere Vertiefung lag etwas abseits und tiefer, wo Katzen herumkrochen. In die kleine Vertiefung waren N;gel eingeschlagen, als ob jemand scherzen oder sie ablenken wollte. An einer Stelle schien ein St;ck Holz festgenagelt zu sein. Agnessa zeigte Apollon die seltsame Stelle, nahm ihre Tochter auf den Arm und ging mit ihr ins Stadion. Agnessa und ihre Tochter sprangen auf den R;cksitz. Apollon griff nach einer Zange im Auto und entfernte ein St;ck Holz von einem Nagel. Darunter entdeckte er eine Nische mit einem h;lzernen Federm;ppchen in Form eines Knotens. Er steckte es in die Tasche, brach einen Splitter ab, streute etwas Holzsp;ne in die kleine Vertiefung und ging schnell zum Auto.
Kaum hatten sie das Stadion verlassen, tauchte ein ;lterer Mann mit einem Hund auf. Zuhause ;ffnete Apollon das Federm;ppchen. Darin befanden sich f;nf reine Diamanten.
„Agnes, sieh mal!“
„Was sollen wir tun?“, fragte sie.
„Sei erstmal still. Gleich kommt eine neue L;rmwelle, dann zeigen sie dich wieder auf dem Bildschirm.“
„Und was f;r eine Freude bringen Diamanten?“
„Um menschlich zu bleiben. Wir k;nnen Diamanten nicht in einen Tresor legen; der hat uns schon im Stich gelassen. Wir verstecken die Diamanten in einem Glas mit Salz. Wir stellen keine Kinderm;dchen ein.“
Der flauschige, feuchte Schnee sog friedlich den Duft des nahenden Fr;hlings ein. Agnes warf einen Blick auf den Fernseher. Ihr fiel auf, dass der Aufzug heute nicht funktionierte. Und tats;chlich, er funktionierte nicht. W;hrend sie langsam die Treppe hinaufstieg, dachte sie, sie w;rde gebeten werden, ein Drehbuch f;r eine Produktplatzierung von Diamanten zu schreiben, die in Werbespots immer im Hintergrund oder an dritter Stelle zu sehen sind.
Die Werbung sagt das eine, aber man sollte auf etwas anderes achten. Und tats;chlich, sie baten sie, einen Werbespot mit Diamanten zu drehen. Agnes schauderte bei dieser neuen Erkenntnis: Was w;re, wenn sie f;r den Werbespot Diamanten in die Eiche gepflanzt h;tten? Kein Wunder, dass der Mann mit dem Hund im Stadion aufgetaucht war. Nein, das war ein be;ngstigender Gedanke.
Agn;s kannte das Funkeln von Diamanten mittlerweile bestens; Diamanten ben;tigen geschickte Beleuchtung, um ihren besonderen Glanz zu entfalten. Der Auftrag begeisterte und ;ngstigte sie zugleich. Sie f;rchtete, in Panik zu geraten und ihre selbstgemachten Diamanten zum Shooting mitzubringen, so wie sie es zuvor mit ihrem geheimen Geld getan hatte – und zwar nicht nur mit ihrem eigenen, sondern auch mit dem von Apollo und Georges. Vor ihrem inneren Auge drehte sich das Bild einer Eiche. Wie wundersch;n w;rden die Diamanten im hohlen Baumstamm hinterleuchtet aussehen! So schadete sie sich selbst und tat sich gleichzeitig etwas Gutes. Werbung ist fl;chtig, hinterl;sst aber durch h;ufige Wiederholung einen tiefen Eindruck im Ged;chtnis der Zuschauer. Die Preise beworbener Waren sind im Fernsehen stets h;her als die unbeworbener. Nat;rlich wurde Agn;s vorgegeben, welche Diamanten beworben werden sollten, doch sie war ;berzeugt, dass die Wirkung deutlich st;rker w;re, wenn sie ihre eigenen Diamanten neben die angebotenen fotografierte. Die Diamanten im Salzstreuer waren gr;;er und von exquisiter Qualit;t geschliffen. Die Hand des Mannes ist entscheidend. Sie filmten Eichendiamanten.
Das Video war grandios, und bei der Vorf;hrung fragten sie:
„Woher hast du denn dieses Wunder?“
„Aus einem Salzstreuer.“ Alle dachten, Agnes scherzte und h;tte die Diamanten f;r den Dreh vom Juwelier genommen. Also beschloss sie, die f;nf Eichendiamanten zum Schutz ihrer Familie loszuwerden. Apollo stimmte nat;rlich zu. Das Video ;ber die Diamanten wurde im Fernsehen gezeigt. Agnes brachte ihren Schatz zum Juwelier. Sie spielte die Sache ernst.
Der Juwelier erkannte sofort, dass diese g;ttliche Sch;nheit diejenige war, die st;ndig im Fernsehen zu sehen war. Er bot einen sehr hohen Preis f;r die Eichendiamanten, da er selbst beschlossen hatte, daraus ein Schmuckst;ck, genauer gesagt ein goldenes Kreuz, anfertigen zu lassen und es teurer zu verkaufen. Das Kreuz mit den f;nf gro;en Diamanten war so atemberaubend sch;n, dass der Juwelier es einem hochrangigen Kirchenvertreter anbot, der es kaufte. Agnes beruhigte sich und f;hlte sich befreit. Das Paar kaufte eine wundersch;ne Wohnung im ersten Stock. Sie zogen bald in eine neue Wohnung. Ihr Geld bewahrten sie nun nicht mehr im Safe zu Hause auf, sondern gaben es sofort aus. Agnes konnte nicht allein leben; sie war noch zu jung. Doch nachdem sie mehrmals im Fernsehen aufgetreten war, bekam sie Probleme mit M;nnern. Sie bekamen Angst vor ihr. Sie ver;nderte ihr Aussehen und beschloss, ihren ehemaligen Freund anzurufen. Georges freute sich riesig ;ber den Anruf, doch nach dem Diebstahl des Geldes war eine innere Feigheit in ihm erwacht. Er hatte vor allem Angst und weigerte sich, Agnes zu treffen. Er gab sein Geld sparsam aus und achtete darauf, niemanden zu verd;chtigen. Agnes verstand Georges' Angst und nahm es ihm nicht ;bel. Ihr wurde langweilig. Sie kaufte sich eine schlichte, dunkle Importlimousine und begann, die Stra;en der Stadt zu erobern. Eines Tages hielt Agnes in einem verlassenen Stadion an, fuhr leise weiter, warf den gekauften Blumenstrau; aus dem Fenster und entfloh ihrer Vergangenheit. Eine Last fiel von ihrem Herzen. Agnessa h;tte Denis nicht angegriffen, wenn sie nicht w;tend auf ihn gewesen w;re wegen des Pornofilms, in dem sie mitgespielt hatte! Sie bl;hte wieder auf. Sie und Denis hatten sich einst am Set eines Werbespots n;her kennengelernt, und sie hatte das erfolgreiche Drehbuch daf;r geschrieben. Der Spot war ein Riesenerfolg und wurde rauf und runter gespielt. Die Senderleitung bat Agnessa, ein paar Drehb;cher f;r Werbespots zu schreiben. Sie zeigten ihr, was beworben werden sollte, aber sie musste selbst herausfinden, wie. Agnessa ging die Aufgabe mit Begeisterung an. Sie sa; an ihrem Schreibtisch und schrieb Drehb;cher, w;hrend sie ab und zu einen Blick auf eine bl;hende Teerose in einer wei;en Kanne warf. Sie schrieb hervorragende Drehb;cher. Da sie sich oft in der Produktionsfirma dieser Werbespots aufhielt, h;rte sie immer wieder, wie das Geld f;r Fernsehwerbung verschwunden war. Agnessa begann, einen Teil des Geldes in die Produktion von Werbespots nach ihren eigenen Drehb;chern zu investieren. Die Werbespots waren hervorragend. Agnessa wurde bekannt. Die Produktionsleitung wandte sich erneut an sie wegen neuer Drehb;cher, deren Dreharbeiten sie finanziell ruinierten.
Geld f;hrte zu Geld. Tatjana begann, ihre Wohnung zu renovieren. Mit der Hilfe ihres Sohnes r;umte sie den Ger;mpel weg und schuf Platz auf dem Balkon. Nachdem sie die M;bel verr;ckt hatte, untersuchte sie die Flecken an den W;nden des Zimmers. Ein Fleck zwischen Balkon und Zimmer war durchsichtig. Die Tapete in dem Zimmer, in dem sich der Fleck befand, schien nach den anderen geklebt worden zu sein. Sie rief ihren Sohn zu sich. Gemeinsam untersuchten sie die seltsamen Flecken. Unter der Tapete befand sich wei;e Kittmasse. Sie lie; sich leicht entfernen. Darunter lag ein flaches St;ck Pappe. Unter der Pappe war eine Nische. In der Nische lag eine Eisenkiste in einer Plastikt;te. Die rechteckige Kiste war dicht mit Geldscheinen gef;llt. Tatjana Petrowna und Wlad betrachteten den Schatz gemeinsam.
„Ein Geschenk von deinem Vater“, sagte Tatjana nur. Dann verstummte sie. Dann fragte sie: „Was sollen wir tun?“
„Wir m;ssen dar;ber nachdenken“, antwortete Wlad.
Das Haus brauchte dringend Geld; alles musste erneuert werden, sogar die Kleidung.
„Vlad, schreib auf, was du brauchst, und sag niemandem, dass wir das Geld gefunden haben“, sagte Tatjana leise.
„Verstehe ich das nicht?“, erwiderte ihr Sohn ernst.
Sie kauften alles N;tige. Tatjana achtete auf ihr ;u;eres. Sie war immer das Gegenteil von Agnessa gewesen, und wieder durchfuhr sie ein Gedanke oder eine Erinnerung. Tatjana erkannte pl;tzlich, dass Agnessa f;r den Tod ihres geliebten Denis verantwortlich war. Direkt oder indirekt.
Sie beschloss, sie zu t;ten.
Kapitel 3. Ein Erinnerungsblitz
Tatjana erinnerte sich genau, dass am Tag von Denis’ Tod nur M;nner das Geb;ude betreten hatten, aber es waren alles M;nner gewesen, die sich stets von Agnessa herumkommandieren lie;en! Dieser einfache Gedanke war ihr durch den Kopf gegangen. Sie hatte Agnessas Filme nie absichtlich angesehen. Eines Tages konnte sie nicht widerstehen und sah sich einen ihrer Filme an. Sie erkannte vage einen der Hauptdarsteller als den Mann, der am Tag von Denis’ Tod ihr Geb;ude verlassen hatte. Sie erinnerte sich an ihn als einen riesigen Mann von stattlicher Statur. Doch er war so ruhig vom Eingang gekommen, dass ihr der Gedanke an seine Beteiligung an Denis’ Mord nicht in den Sinn gekommen war.
Denis war auf dem Treppenabsatz vor ihrem Stockwerk get;tet worden, und sie wohnten weit ;ber dem Erdgeschoss. Der Mann konnte also von jedem Stockwerk darunter gekommen sein, nicht unbedingt von ihrem oder gar von ihrem Eingang. Sie hatte zuvor keinerlei Erinnerung an diesen Mann gehabt. Er trug eine Tasche. Jetzt schalt sie sich innerlich! Er trug eine Reisetasche, genau wie Denis!
So viele Jahre waren vergangen, und pl;tzlich kam alles wieder hoch! Damals war sie wie in Trance gewesen und hatte sich an nichts erinnern k;nnen! Doch der Anblick des riesigen Mannes auf dem Bildschirm riss sie aus ihren Erinnerungen! Sie erinnerte sich aus dem Film, dass sein Name Georges war. Tatjana wollte sofort losrennen und den Detektiv rufen, aber sie wusste nicht, wo sie anfangen sollte. Sie hatte dem Detektiv nichts zu sagen au;er dem, woran sie sich erinnerte. Sie stand unter Druck wegen des Geldes, das sie und ihr Sohn zu Hause gefunden hatten. Was, wenn das Geld bei den Ermittlungen zu Georges' Verhalten in ihrem Haus an jenem schrecklichen Tag auftauchte?!
Die Ermittlungen waren jahrelang im Sande verlaufen. Die Beh;rden hatten Tatjana praktisch nichts gesagt. Sie w;hlte den einfachsten Weg und beschloss, sich mit Wladimir zu beraten. Ihr Sohn versprach, ;ber das im Haus gefundene Geld Stillschweigen zu bewahren. Auch er erinnerte sich an den Schauspieler – einen sehr harten Kerl –, wusste aber nicht, wie er mit seinem Verdacht umgehen sollte. Er schlug seiner Mutter vor, den Regisseur zu kontaktieren, der den Mordfall seines Vaters, Denis Turin, bearbeitet hatte.
Tatjana ging zu Ilja Lwowitsch. Er war ;u;erst ;berrascht von ihrer pl;tzlichen Erinnerung. Er erinnerte sich an die Filme mit Georges, da die Drehb;cher von Agnes geschrieben worden waren und er sie immer heimlich beobachtet hatte. Doch in ihren Filmen gab es keinerlei Hinweise auf Denis. Tatjana vermied das Thema Denis sorgf;ltig. Ilja Lwowitsch bemerkte dies und dankte ihm.
Er hatte viele Fragen. Wie sollte er Georges erreichen? Wie konnte er ihn kontaktieren? Wo sollte er mit den Ermittlungen beginnen? Er beschloss, alles, was er ;ber Georges wusste, zusammenzutragen, falls ihm eine Idee kommen sollte. Schnell erfuhr er, dass er lange Zeit als Leibw;chter f;r eine wichtige Pers;nlichkeit gearbeitet hatte und im Faustkampf un;bertroffen war.
Ein Boxer aus l;ngst vergangenen Zeiten … Ein kraftvoller Schlag mit einem weichen Gegenstand – einer Faust!!! Ilja Lwowitsch war erstaunt, wie einfach sich alles zusammenf;gte, nachdem so lange nichts geklappt hatte! Aber was hatte Georges Denis abgenommen? Was war in der Tasche? Warum lagen Tennisschl;ger auf dem Treppenabsatz? Oder hatte Georges sie aus der Tasche geworfen? Was war noch in der Tasche? Wenn es eine Sportuniform war, warum sollte ein so gro;er Mann Kleidung in der falschen Gr;;e brauchen?
Ilja Lwowitsch wusste, wie viel Geld Agnessa f;r die Dreharbeiten ausgab. Woher das Geld stammte, verteilt auf drei verschiedene Quellen, verstand er nicht genau. Er h;tte vermuten k;nnen, dass Denis ihr eine betr;chtliche Summe hinterlassen hatte, die aus Werbeeinnahmen stammte. Seine Frau Tatjana war nicht mit Geld gesehen worden. Also musste er herausfinden, ob Georges Geld besa;. Und welche Verbindung bestand zwischen Agnes und Georges?
Agnes, die nichts von Tatjanas Erinnerungsblitz ahnte, beschloss, eine Auszeit von Drehb;chern und ihrer Mitwirkung an Theaterproduktionen zu nehmen. Sie recherchierte Urlaubsreisen und deren Kosten. Sie kam zu dem Schluss, dass die K;ste kleiner L;nder g;nstiger war als die ihrer Heimat. Das Land der Teerosen versprach einen ruhigen Urlaub, das Meer nur 400 Meter vom Resort entfernt. Agnes nahm ihre Tochter Angelina mit und fuhr in den Urlaub. Das Versprechen vom Meer war allerdings an eine Bedingung gekn;pft.
Ja, tats;chlich lag das Resort nicht weit vom Meer entfernt. Es befand sich auf einem Berg, aber ohne die Gondeln, die an einem Seil hinunterfuhren, schienen 500 Meter nicht so nah. Vor allem mit einem Kind, das wie ein Esel nicht dorthin ging, wohin man es f;hrte. Das Meer und die Sonne entsch;digten f;r alles, aber das Essen, mit seinen vielen einfachen lokalen K;sesorten, war nicht immer ein Genuss, obwohl f;r zwei Frauen das Essen kein Grund zur Sorge war. Agnes war begeistert von dem Parf;m mit Teerosenbl;ten. Sie hatte den Duft von Rosen schon immer geliebt und kaufte deshalb viele kleine Proben. Ein sch;nes Geschenk f;r jede Frau an einem frostigen Wintertag.
Das Wetter war relativ gut: Eine Woche regnerisch, die n;chste strahlend sonnig, doch Agnessa und die kleine Angelina schafften es, sich zu br;unen. Attraktive junge M;nner flanierten am Strand, darunter auch einige, die man f;r bestimmte Dienstleistungen engagieren konnte. Beim Anblick einer Frau mit einer kleinen Tochter verflog ihre anf;ngliche Gleichg;ltigkeit; sie f;hlten sich einfach hingezogen, mit der Mutter des M;dchens ins Gespr;ch zu kommen, obwohl sie das Gespr;ch meist mit der Tochter begannen. Und solche Unterhaltung bereicherte das Leben. Das Reiseb;ro hatte einen Hin- und R;ckflug garantiert, und der Flug verlief reibungslos. Agnessa und Angelina kehrten aus dem Land der Teerosen zu ihrem geliebten Ehemann und Vater zur;ck.
Ilya Lvovich, ein erfahrener Mann, betrachtete Agnessa nach ihrem Urlaub und erkannte einmal mehr, dass Denis guten Geschmack und den n;tigen Geldbeutel f;r eine so pr;chtige Frau hatte. Er wollte Agnessa nicht ausfragen: Sie war so bezaubernd, dass er sich lieber mit ihr ;ber Liebe und Nachtigallen unterhalten wollte, nicht ;ber Georges, an den er sich wegen der Diamanten im Stroh erinnerte.
Ilja Lwowitsch sprach Agnes f;rmlich an:
„Agnes Iwanowna, kennen Sie einen Mann namens Georges gut? Sie kannten ihn schon vor den Dreharbeiten. Er ist kein Schauspieler. Warum haben Sie ihn ausgew;hlt? Wie haben Sie ihn gefunden? Wer kannte ihn, bevor er in Ihren Filmen mitwirkte?“
„Georges ist ein sehr interessanter und eher seltener Mann. Das Publikum mag ihn. Ja, er hat in einigen meiner Filme mitgespielt. Apollo …“ Da merkte Agnes, dass sie zu viel gesagt hatte.
„Apollo? Was verbindet die beiden?“
„Apollo trainierte eine Zeit lang mit den Sicherheitsleuten im selben Raum, und dort lernte er Georges kennen, der lange Zeit als Leibw;chter f;r eine wichtige Person arbeitete.“ „Tatjana Petrowna Turina kam nach dem Ansehen Ihres Films zu dem Schluss, dass sie Georges am Tag von Denis’ Ermordung ihr Haus verlassen sah. Sie erinnerte sich auch an den gro;en Mann, weil er eine Tasche trug, genau wie Denis …“ „So viele Jahre sind vergangen …“ „Drei;ig Jahre sind keine lange Zeit. Und jetzt sind erst sieben Jahre vergangen.“
„Sieben Jahre z;hlen nicht, wie der Titel des Buches des gro;en Schriftstellers sagt …“ „Sie weichen der Frage aus.“
„Ich denke nach und wei; nicht, was ich Ihnen sagen soll.“
„K;nnte Georges Denis mit der Faust auf den Kopf geschlagen und ihm die Tasche abgenommen haben? War er dazu f;hig? Was war in der Tasche?“
„Geld“, sagte Agnes wie aus der Pistole geschossen, wie hypnotisiert.
„Haben Sie Georges auf Denis gezeigt?“
„Ja, das habe ich. Ich bin es leid, st;ndig dar;ber nachzudenken.“ Denis hatte eine Reisetasche, mit der er an Gedenktagen immer gezeigt wurde. Die Reisetasche war voller Geld. Er hat die weltber;hmte Tasche bei mir zu Hause gelassen.
„H;ttest du ihn nicht einfach nach dem ben;tigten Geldbetrag fragen k;nnen?“
„Ich habe ihm nicht gesagt, dass ich in seine Tasche geschaut habe. Ich habe versucht, sie zu bewegen, aber es ging nicht. Dann habe ich hineingeschaut und Geldscheine gesehen.“
„Alle sind schuldig“, schloss Ilja Lwowitsch. „Was sollen wir nur tun?“
„K;nnen wir nicht alles vergessen?“ Apollon fuhr den Wagen und brachte Georges vom Tatort weg.
„Ich wei;, dass du dein Geld in die Verfilmung deiner ersten Drehb;cher investiert hast. Hast du Geld aus dieser Tasche genommen? Ihr wart zu dritt: Apollon, Georges und du?“, fragte Ilja Lwowitsch.
„Apollo war der Dritte, der das Geld aufgeteilt hat. Aber ich habe Georges’ Geld f;r Werbespots genommen, das hei;t, ich habe es dorthin zur;ckgebracht, wo Denis es hingebracht hatte.“
„Das war edel von dir, wenn Denis nicht gestorben w;re“, bemerkte Ilja Lwowitsch.
„Georges hat Denis nicht get;tet“, entgegnete Agnes.
„Wollte Georges Denis t;ten? War das Teil deines Plans?“
„Nein, Georges sollte Denis bewusstlos schlagen und die Tasche nehmen; er h;tte sie nicht freiwillig hergegeben.“
„Warum ist Denis gestorben? Ich verstehe es nicht!“
„Georges hat den Schlag falsch eingesch;tzt, oder Denis ist an der falschen Stelle gelandet …“
„Agnes, aber am Tatort wurden Fingerabdr;cke gefunden, die kleiner sind als die von Georges. War Apollon vielleicht dort?“
„Apollon betrat das Geb;ude nicht; er sa; im Auto und wartete auf Georges.“
„Wo waren Sie, als Denis angegriffen wurde?“
„Im Eingangsbereich des Geb;udes.“
„Sie haben doch deutlich gesehen, wie alle das Geb;ude betraten und verlie;en. Wenn Georges sein Opfer nur bewusstlos schlug, um es auszurauben, wer k;nnte dann Denis get;tet haben?“
„Ich wiederhole: Georges trug eine Maske. Denis zu t;ten war nicht Teil seines Plans. Er hat ihn nur erschreckt und bewusstlos geschlagen. Georges hatte den Angriff ge;bt.“
„Er war ein Komplize beim Raub des Geldes, das Denis gestohlen hat. Erinnern Sie sich, wen Sie von Ihrem Beobachtungsposten aus noch gesehen haben? Was war das f;r ein Geruch?“
„Teerose“, antwortete Agnes wie aus der Pistole geschossen und versuchte sich an den Mann zu erinnern, der nach Georges das Geb;ude betreten hatte. Sie kannte ihn, deshalb schenkte sie seinem Erscheinen keine weitere Beachtung. Ilja Lwowitsch rief Agnessa erneut zu sich; er mochte sie offenbar sehr. Sie sa;en sich an einem Tisch gegen;ber. Drau;en schien die Sonne.
„Agnessa, ich bin mir in Denis’ Fall nicht ganz sicher. Ich bin fest davon ;berzeugt, dass ihn jemand umgebracht hat! Was sagst du dazu? Ich glaube, du kennst die Antwort.“
„Er k;nnte sich beim Sturz verletzt haben und gestorben sein“, sagte Agnessa emotionslos.
„Das denken alle. Erinnerst du dich, wer das Geb;ude betrat und verlie;? Vielleicht hast du jemanden gesehen, den du kanntest? Es wird vermutet, dass es ein Doppelangriff war. Anscheinend wurde Denis erneut angegriffen, aber er hatte kein Geld bei sich. Man vermutet, dass sie nach Diamanten suchten. Seine Taschen waren leer.“ Sie suchten nach etwas Wertvollem, aber nichts Sperrigem.
Soll ich dir die Wahrheit sagen?
Versuch, mir die Wahrheit zu sagen, Agnessa. „Denis hatte Diamanten, aber das habe ich erst vor Kurzem erfahren. Ein paar Minuten nachdem Georges gegangen war, betraten zwei schlanke M;nner das Geb;ude. Ich verlie; meinen Beobachtungsposten nicht sofort und sah, wie sie kurz darauf hinausst;rmten. Die M;nner waren unzufrieden miteinander und verschwanden schnell um die Ecke.“
Kannst du dich an die M;nner erinnern, damit ich ihre Profile erstellen kann?
„Ich fange mit den fr;heren Ereignissen an. Denis und ich hatten Sex im Waldstadion in seinem Auto. F;nf Jahre nach Denis’ Tod kam ich zum Stadion und parkte an der Stelle, wo das Auto an dem Tag unserer Liebe gestanden hatte. Vom Fahrersitz aus sah ich eine Eiche. Ich ging auf die Eiche zu und sah zwei eingravierte Namen: „Denis“ und „Agnessa“. Zwischen den Namen, in einer kleinen Mulde, fand ich die Diamanten. Wahrscheinlich suchten sie in Denis’ Geb;ude danach.“ „Jemand wusste schon f;nf Jahre vor mir davon.“
„Wie einfach!“ Agnes, wo sind die Diamanten? Wirst du sie dem Staat zur;ckgeben?
„Ja“, sagte Agnes und ;berlegte, ob sie ein paar St;cke aus ihrer Sammlung spenden sollte.
„Warum hast du mir das nicht fr;her gesagt?“, fragte Ilja Lwowitsch weiter.
„Die Antwort lag in deinen Fragen. Nachdem die beiden M;nner gegangen waren, betrat Tatjana das Geb;ude, und in diesem Moment verlie; ich den Beobachtungsposten.“
„Agnes, du schuldest mir f;nf Diamanten f;r die Staatskasse. Unterschreib den Bericht“, sagte Lis und schob Agnes den Bericht zu.
„Warum f;nf Diamanten? L;sst du mich wegen f;nf Diamanten gehen?!“, fragte Agnes emp;rt.
„Er kann nicht weniger als f;nf Diamanten gehabt haben. Ja, aber woher sollen wir wissen, wer die beiden M;nner waren, die Denis umgebracht haben? Du weichst dieser Antwort immer wieder aus.“
„Ich denke, es waren seine Kollegen oder Bekannte von der Arbeit.“ „Ich habe sie schon mal mit ihm in einem Caf; getroffen.“
„K;nntest du sie wiedererkennen?“ Agnessa, das waren wahrscheinlich nur Fremde. Wenn sie f;r dich gearbeitet h;tten, h;ttest du sie nie vergessen.
„Ich wei; nicht, aber ich versuche es. Es ist so lange her.“ Dann dachte sie, einer von ihnen s;he Boris ein bisschen ;hnlich. „Ich glaube, ich kenne einen von ihnen. Das ist Boris; er hat in meinem letzten Film mitgespielt.“
„Alles an dir ist seltsam. Hattest du etwas mit ihm?“
„Nein. Er wohnt im Norden. Er war w;hrend der Dreharbeiten hier.“
„Ich muss mit Boris sprechen. Gib mir seine Kontaktdaten. Ich fahre in den Norden. Agnessa, wir unterhalten uns weiter, wenn ich da bin. Verlass die Stadt nicht.“
„Okay. Kann ich gehen?“
„Ja, ich unterschreibe dein Papier.“ Und sie trennten sich f;r eine Weile.
Die verschneite Stadt umschw;rmte Ilja Lwowitsch wie Sommerfliegen. Schw;rme von Fliegen umschwirrten die niedrigen B;ume. Boris stand in der T;rschwelle seiner Wohnung in einem zweist;ckigen Geb;ude. Ilja Lwowitsch bemerkte sofort Boris' maskuline Ausstrahlung.
„Boris Borisowitsch, waren Sie vor sieben Jahren an dem Angriff auf Denis beteiligt? Man vermutet, dass Sie und Ihr Partner den benommenen Denis Turin im Eingangsbereich get;tet haben.“
„Ja, aber ich habe ihn nicht get;tet. Mein Wachmann war bei mir“, antwortete Boris schnell, benommen von dem unerwarteten Besuch. Er sch;ttelte den Kopf, sein Verstand versuchte, sich in dieser Situation wieder zu fassen.
„Boris, hat Ihr Wachmann Denis Turin get;tet?“, fragte Ilja Lwowitsch.
„Denis kaufte mehrere gro;e Diamanten von mir, bezahlte aber mit einem Strohmann. Mein Wachmann half mir, das Geld zur;ckzubekommen.“ Denis entschuldigte sich und sagte, er h;tte das Geld am 1. April, er h;tte uns schon l;nger beobachtet und sei bereit, eine gro;e Diamantenlieferung zu kaufen. Also gingen wir am 1. April zu ihm. Denis hatte den Termin selbst festgelegt. Es sollte ein sehr lukratives Gesch;ft werden.
—Warum steckt dann so viel Kriminelles in euren Handlungen?
—Wer h;tte gedacht, dass sich ein so bekannter Mann im Land so verhalten w;rde? Wir haben unsere eigenen Methoden. Wir fuhren mit dem Aufzug nach oben, stiegen in seinem Stockwerk aus, h;rten ein ged;mpftes St;hnen und blickten hinunter. Denis sa; unten an der Wand der Treppe. Er hatte die Hand auf dem Kopf und sah uns an. Wir gingen hinunter zu ihm.
—Wo ist das Geld?, fragte ich Denis.
—„Sie haben das Geld gestohlen und mich bewusstlos geschlagen“, fl;sterte Denis heiser.
„Du bist ein gieriger Mann, Denis! Wenn du so viel Geld h;ttest, h;ttest du dir Bodyguards zulegen sollen“, kommentierte ich Denis’ Worte. „Die Diamanten geh;ren uns nicht, und die Firma wird uns nicht f;r den Fehlbetrag verantwortlich machen. Denis, was sollen wir mit dir machen?“
„Ich sage die Wahrheit, das Geld wurde zusammen mit der Tasche gestohlen. Ein gro;er Kerl mit Maske hat mir auf den Kopf geschlagen, und ich bin ohnm;chtig geworden“, sagte Denis leise.
„Der Wachmann war w;tend, dass das Geld schon wieder weg war“, fuhr Boris fort. „Er packte Denis wutentbrannt am Revers und schlug so heftig auf ihn ein, dass er versehentlich mit der Schl;fe gegen die Metallstangen des Treppenhauses knallte. Eine der Stangen stand hervor und bohrte sich in Denis’ Schl;fe. Denis verlor das Bewusstsein. Der Wachmann stie; Denis weg. Denis st;rzte kopf;ber die Treppe hinunter und blieb leblos liegen. Wir erkannten, dass es vorbei war, und verlie;en schnell das Geb;ude.“
„Was sollen wir mit dir machen?“, fragte Ilja Lwowitsch. „Ein R;uber ;ber einem R;uber.“ „Um das fehlende Geld wieder gutzumachen, habe ich in der Werbung gearbeitet und mit Agnessa Arkina in einem Film mitgespielt – dank Denis’ ‚Marionette‘. Ich habe das Geld an die Firma zur;ckgegeben und bin jetzt wieder Gesch;ftsf;hrer einer Diamantenfirma.“
„Wo ist der Wachmann? Wie hei;t er? War er im Gef;ngnis?“
„Nein. Ein einfacher Wachmann der Diamantenfirma.“
„Diamanten ;ber Diamanten“, dachte Boris, der Gesch;ftsf;hrer der Diamantenfirma. Ilja Lwowitsch nahm die Diamanten als Beweismittel von Boris entgegen und lie; den Wachmann in Ruhe. Er verlie; Schneestadt friedlich. ;bergl;cklich, dass der Fall abgeschlossen war, beauftragte Boris einen Juwelier, einen Diamantanh;nger an einer Goldkette f;r Tatjana anzufertigen. Mit diesem Geschenk erschien Boris vor Tatjana und h;ngte es ihr um den Hals. Sie, die am wenigsten von Boris’ Beteiligung an Denis’ Mord ahnte, stie; einen ;berraschten Schrei aus. Sie warf einen Blick auf das, was an seiner Brust hing, l;chelte und k;sste Boris auf seine weiche, rasierte Wange. Was folgte, war das Bild einer gl;cklichen Liebesbeziehung zweier zufriedener Menschen. Auf einer flauschigen Bettdecke. Zuhause bemerkte der Sohn ein funkelndes Diamanten an dem Hals seiner Mutter.
„Mama, toll! Kaufst du schon wieder Diamanten?“
„Boris hat ihn mir geschenkt.“
„Das ist doch klar von ihm.“
„Vielleicht sollten wir heiraten?“
„Mama, machst du Witze? Nein, das will ich nicht.“
„Vielleicht mache ich Witze, vielleicht auch nicht.“
Die Situation war zugleich einfach und komplex. Alles, was mit dem Mord an dem ber;hmten Denis Turin zusammenhing, war bekannt. Jahre sp;ter begannen die Menschen unwillk;rlich Dinge auszusprechen, ;ber die sie sieben Jahre lang geschwiegen hatten. Sie wollten sich ;u;ern, ihre Vergangenheit ungeschehen machen oder sich freikaufen. Ilja Lwowitsch lud Tatjana zu einem Gespr;ch ein. Er sagte ihr, dass ihr Verdacht, Georges sei an dem Mord beteiligt gewesen, v;llig berechtigt gewesen sei. Georges hatte Denis zwar als Erster einen heftigen Schlag gegen den Kopf versetzt, dieser war aber nicht t;dlich gewesen. Es hatte zwei Auseinandersetzungen im Treppenhaus gegeben, und nach der zweiten Auseinandersetzung mit zwei anderen Personen hatte Denis sich beim Aufprall auf ein Metallgel;nder die Schl;fe verletzt.
„Die Ereignisse haben sich so zugetragen, dass Denis selbst gegen das Gesetz versto;en hat. Denis war vor der zweiten Gruppe schuldig, daher ist es besser, die Sache nicht weiter zu thematisieren“, sagte Ilja Lwowitsch. „Eine Bestrafung w;rde Denis’ weniger r;hmliche Taten ans Licht bringen, und sein strahlendes Image w;rde verblassen.“ Tatjana selbst hatte l;ngst erkannt, dass Denis kein unbescholtener Mann war, und sie wollte keinen weiteren Aufruhr um seinen Namen verursachen. Sie und der Kommissar hatten vereinbart, zu schweigen. Das Leben ist so sch;n, dass Schl;ge auf den Kopf, ob direkt oder indirekt, zum Alltag geh;ren. Der Kommissar hatte Tatjana aus Agnes’ Filmen sehr gemocht. „Wie w;re es, wenn ich Tatjana Petrowna selbst einen Heiratsantrag mache?“, dachte Ilja Lwowitsch, um seine Macht ;ber die Menschen vollends zu begreifen. „Ich muss ihre Verbindungen in diesem Fall untersuchen.“ Er dachte dar;ber nach und tat es. Die ;berwachung von Tatjana f;hrte zu Boris. „Diese Diamantenfirma ist nur noch von Insidern besetzt, und es gibt keine freien Frauen mehr“, dachte Ilja Lwowitsch ein letztes Mal und beschloss, nicht einmal seiner treuen Assistentin Soja ein G;nsebl;mchen zu schenken. Er zog Bilanz und kam zu folgendem Schluss: Die Diamantenh;ndlerin Agnessa Iwanowna Arkina hatte sieben Freunde, doch einer von ihnen, der, den sie innig liebte, starb. Er liebte das gro;e Geld und besa; so viel davon, dass er es in einer gro;en Sporttasche mit sich herumtrug. Nat;rlich wurde ihm dieses Geld beschlagnahmt: zuerst von Apollon und Georges, dann von Boris, dem er Geld f;r Diamanten schuldete und mit einem „Dollar“ bezahlte. Denis kam beinahe durch einen Unfall ums Leben. Einer stie; gegen den anderen, und die Treppe erwies sich als defekt. Die Firma „Blesk“ stellte Diamantschmuck her und experimentierte mit Diamantkugeln. Was noch? Agnessa und Tatjana sind st;ndige Rivalinnen. Eine Diamanteneiche oder ein mit Diamanten gef;llter Salzstreuer tauchen in dieser Geschichte immer wieder auf. Das Leben beginnt mit dem Allt;glichen und endet im M;rchen. Manche Menschen sind monogam. Es gibt Pr;de. Und dann gibt es diese seltsamen Frauen wie die Diamantenlady Agnessa Arkina. Sie tut nichts Falsches, aber man kann sie nicht als monogam bezeichnen. Sie st;rt nicht den Frieden der Gesellschaft, aber sie ist st;ndig von einem Detektiv umgeben. Sie wechselt M;nner nicht f;r Geld, aber ihre M;nner wechseln mit Hilfe anderer M;nner. Ist die Diamantenlady eine Abenteurerin? Nein, sie ist eine gute Mutter und Ehefrau. Wie kann so etwas in einer Frau vereinbar sein? Sie ist eben nur eine Diamantenlady...
Ilya Lvovich mischte sich nicht in Agnessas Privatleben ein; die Verbrecher wurden gefasst, aber sie hatte andere Fragen. Und Tatyana? Sie lie;en sie in Ruhe, lie;en sie unter ihrer Eifersucht leiden, die nicht mit dem Fall in Verbindung gebracht werden konnte. Und auf wen sollte sie eifers;chtig sein? Agnessa hatte f;nf diamantgeschliffene Hirsebrote mitgebracht.
Ilja Lwowitsch betrachtete die Diamanten mit seinem ge;bten Blick und erkannte sofort, dass die Diamanten nicht aus Boris' Serie stammten. Seine Diamanten waren v;llig anders, mit anderem Glanz und anderer Qualit;t. Doch man schaut einem geschenkten Gaul nicht ins Maul, und so lie; er Agnes und ihre Komplizen in Ruhe, ohne sie auch nur zu rufen. Es war eine M;glichkeit, sich etwas dazuzuverdienen. Zuhause arrangierte Ilja Lwowitsch die Diamanten zu einer G;nsebl;mchenbl;te: einen gro;en Diamanten von Boris in der Mitte und f;nf Bl;tenbl;tter von Agnes. Klug wie er war, ging er zu einem befreundeten Juwelier, um eine Brosche namens „Diamantg;nsebl;mchen“ in Auftrag zu geben.
Der Juwelier warf einen Blick auf die Diamanten und erkannte sofort die Herkunft dieses Luxusguts. Er erkannte die f;nf Diamanten von Agnes und den gro;en Diamanten von Boris, schwieg aber taktvoll und legte seinen eigenen Preis f;r die Arbeit und das Gold fest. Ilja Lwowitsch dachte dar;ber nach. Von wem k;nnte er sonst noch materielle Beweise erhalten, um die Kosten f;r die Arbeit und das Gold wieder hereinzuholen? Er bot dem Juwelier an, ihn zu bezahlen, sobald er die G;nsebl;mchen fertiggestellt hatte. Der Juwelier widersprach nicht und willigte ein zu warten. Ilja Lwowitsch ging die Leute aus Agnes' Team im Kopf durch und wollte unbedingt Georges anrufen. Er kam. Ilja Lwowitsch erz;hlte ihm alles, was er ;ber ihn wusste.
Georges fragte leise:
„Wo sind die Beweise?“
„Zwei Personen haben Sie am Tatort gesehen; sie werden alles vor Gericht best;tigen, falls n;tig.“
„Gibt es eine M;glichkeit, sich unauff;llig zu verabschieden?“
„Ganz einfach, Mr. Georges! Sie m;ssen die Geldscheine, die Sie aus Denis' Tasche genommen haben, als Beweismittel vorlegen.“
„Ich habe nicht das ganze Geld. Wie viel h;tten Sie gern?“
Ilja Lwowitsch nannte den Betrag, den ihm der Juwelier genannt hatte, zuz;glich der Transportkosten f;r die Reise in den Norden, die jemand bar bezahlen musste.
„Kein Problem, Sir“, sagte Georges und zog einen Stapel Geldscheine aus seinem Bauchbeutel. Sein Bauch f;hlte sich immer noch genauso an wie vorher.
Ilja Lwowitsch lie; Georges friedlich gehen. Nun musste er nur noch entscheiden, wem er die Diamantenblume mit ihren goldenen Bl;tenbl;ttern schenken sollte. Er sehnte sich nach Liebe und h;uslichem Gl;ck und wollte ihr einen Heiratsantrag machen. Am liebsten h;tte er Agnes die Blume geschenkt, aber sie war besch;ftigt.
„Wir m;ssen nur noch herausfinden, ob Wladimir Turin mit unseren Ermittlungen zufrieden ist.“
„Ilja Lwowitsch, die Klienten selbst sind fast die Hauptfiguren in all dem. Und das Merkw;rdige ist, dass es praktisch unm;glich ist, die Verantwortlichen f;r den Tod ihrer V;ter zu finden. Man kann ja keinen Weihnachtsbaum ins Gef;ngnis stecken, oder, wie im Fall von Denis, ein Treppengel;nder.“ „Ich stimme zu, Denis war nicht der unbestrittene Held der Geschichte. Aber er war es – er lebte, auch wenn man sich nicht an ihn erinnert. Und ihre Kinder lernten schlie;lich, dass es sich nicht lohnte, die Vergangenheit aufzuw;hlen.“
Agnes gr;belte immer ;fter ;ber die Frage: Woher sollte man einen Geldsegen bekommen? Sie las immer wieder Krimis, in der Hoffnung, eine clevere Idee zu finden, wie man schnell an Geld kommen k;nnte. Bei ihrer Arbeit an Werbespots hatte sie das Gef;hl, dass das Geld, das sie verdiente, in fremde Taschen wanderte. Eine tiefe Melancholie legte sich ;ber ihren sonst so erfinderischen Geist. Selbst der J;ger rennt dem Biest hinterher.
In einem Moment der Verzweiflung erreichte sie die Nachricht vom Tod ihrer Tante, deren Ebenbild Agnes war. Sie ;hnelte weder ihrer Mutter noch besonders ihrem Vater. Aber Tante Martha war anders. Sie war ihr Ebenbild, ihr Wesen, ihr Aussehen. Oder genauer gesagt: Agnes war ihr Ebenbild, das Ebenbild ihrer Tante v;terlicherseits. ;u;erlich war Agnes nicht gerade reich. Sie hatte fast ihr ganzes Leben allein gelebt. Sie gab nicht viel Geld aus. Sie lie; nur selten jemanden in ihr Haus.
Agnessa war seit drei;ig Jahren als Erbin im Testament eingetragen. Meine Tante arbeitete in Parteiorganisationen. Sie war als Parteifunktion;rin sehr erfolgreich. Sie war die Stellvertreterin der Parteif;hrung in der Stadt. Sie war keine Sekret;rin, hatte aber auch keine. Sie hatte ein B;ro. Immobilien wurden ;ber sie gekauft und verkauft.
Sie war eine ernsthafte Frau. Die Menschen f;rchteten und respektierten sie. Sie hielt Au;enstehende von ihren Angelegenheiten fern, und so vertrauten ihr die heimlich Reichen. Sie verriet sie nicht. Sie hielten sie nicht f;r eine Strohfrau. Tante Marta lebte bescheiden. Sie erinnerte sich noch gut an die Durchsuchungen ihrer Wohnung. Auf den ersten Blick wirkte ihre Wohnung f;r die Inspektoren v;llig unscheinbar. Sie besa; lediglich einen Firmenwagen mit einem wortlosen Chauffeur. Das Datscha-Grundst;ck meiner Tante war klein: bescheidene sechshundert Quadratmeter in einem Gemeinschaftsgarten.
Das Haus war aus Ziegeln. Sie ;bernachtete dort nie. Sie ging nach Hause, um zu schlafen. Sie hatte Diabetes. Jeden Morgen nahm sie einen L;ffel Sonnenblumen;l zu sich. Sie a; nur selten S;;igkeiten. In ihrem Haus reichte eine Flasche Wodka oder Wein zwanzig, ja sogar drei;ig Jahre. Die Kleidung meiner Tante war so gut erhalten, dass, wie sie sagte, niemand sie ausziehen oder anders anziehen w;rde. Sie war von guter Qualit;t, aber schmucklos. Woher hatte meine Tante nur das Geld? Sie musste doch Geld gehabt haben! Aber woher?
Welches Erbe erwartete Agnes? Agnes wusste genau, dass meine Tante die Schmuckschatulle besonders sch;tzte, obwohl sie schlicht aussah. Die Schatulle enthielt Modeschmuck. Sie hatte keinen doppelten Boden, aber F;;e von sechs mal sechs Zentimetern und drei Zentimetern H;he. Irgendwelche Abs;tze.
In diesen Abs;tzen lag das, was meine Tante f;r ihren Lebensunterhalt gespart hatte. Kleine L;cher, mit winzigen Korken verschlossen, f;hrten von der Schatulle in die Abs;tze. Vier Sparschweine. Zu F;;en der Schachtel lagen … genau, kleine Diamanten, so gro; wie ein Hirsekorn. W;hrend des Krieges rettete Hirse meine Tante vor dem Verhungern. Nach dem Krieg sammelte sie ihre eigene Hirse – in Diamantengr;;e.
Solche K;rner wurden verkauft; sie waren nicht besonders begehrt; solche Diamanten gab es in L;den; diese diamantgro;en Hirsek;rner hatten eine fast ehrliche Geschichte. Meine Tante nahm Bestechungsgelder mit genau diesen gl;nzenden K;rnern an. Sie hatte eine Vertiefung auf ihrem Schreibtisch; sie lie; ein Diamantkorn hineinfallen, und ein wohlhabender Gesch;ftsmann erhielt von den st;dtischen Beh;rden die Erlaubnis, zu kaufen, was immer er wollte.
Gesch;ftsleute kauften ein Diamantkorn, das in einem Geheimfach auf dem Tisch und dann in den F;;en der Schachtel verschwand. Mehr als einmal st;rmten Leute in Tantes B;ro, um nach Bestechungsgeldern zu suchen, aber nie fanden sie auch nur einen Rubel in ihrem B;ro. Tante Marta war in den Parteistrukturen der Stadt als absolut integer bekannt. Agnessa beerdigte sie mit allen Ehren. Die Stadtbeh;rden verweigerten ihre Hilfe nicht. Ein positiver Artikel ;ber sie erschien in der Zeitung.
Kapitel 4. Kristallklare Angelegenheiten
Agnes gelang es, die Schachtel aus Tantes Wohnung zu holen, doch alles andere war versiegelt, und sechs Monate sp;ter ging alles in Agnes' Besitz ;ber. Zuhause musste Agnes die Schachtel nicht lange untersuchen. Schnell fand sie die Fu;stopper. In ihren H;nden hielt sie vier Handvoll diamantgeschliffenen Hirse. Ihre Seele fand Frieden. Agnes w;nschte Tante Martha den Himmel.
„Die Menschen lieben ihre Gesundheit, deshalb tragen viele Amulette aller Art. Das wichtigste Amulett gegen Krankheit ist ein Kreuz“, dachte Agnes, w;hrend sie die verstreuten kleinen Diamanten betrachtete. Sie nahm sich die Zeit, die L;den zu besuchen, die Ikonen, Kreuze und B;cher mit Kreuzen auf dem Einband verkauften. Sie fand heraus, welche Kreuzform gefragt war und wer der Hauptverk;ufer war. Agnes zeichnete ein Kreuz mit allen Ma;en, arrangierte die Diamanten darauf und ging zu einem Juwelier, den sie kannte.
Der Juwelier war von der Idee angetan; Er wusste, dass von allen Schmuckst;cken ein Kreuz an einer Kette am h;ufigsten getragen wurde. In der ersten Serie wurden f;nf St;ck gefertigt. Die Kreuze wurden an einflussreiche Gesch;ftsleute verkauft: Sie hatten sowohl S;nden als auch Geld. Sie fertigten weiterhin Kreuze in F;nfer-Serien an, da Agnes sich nicht von allen Diamanten auf einmal trennen wollte. Sie bl;hte auf. Sie war gl;cklich, weil der Verdienst den Aufwand, ihn zu erzielen, mehr als wettmachte. Das Geld floss, und sie zog in eine Stadt mit viel Sonne und Strand. Das ist lange her, und der Juwelier war nicht mehr da, aber sie besa; ein Diamantenunternehmen und war in der gehobenen Gesellschaft einflussreich.
Ein Juwelier, der f;r die Firma „Blesk“ von Agnes Iwanowna Arkina mit Diamanten arbeitete, wurde in seiner Wohnung ermordet und ausgeraubt. Seine vierfach verschlossenen T;ren und die dreifach verglasten Kunststofffenster zogen die Aufmerksamkeit von Einbrechern auf sich, die durch die Stadt streiften und die Fenster und die Anzahl der Schl;sser an den T;ren ;berpr;ften. Wenn es mehr als drei Schl;sser gab, w;rden die Diebe den Wohnungsbesitzer observieren.
Durch Rentner, die in der N;he ihrer alten Wohnh;user spazieren gingen, und durch eine vermeintlich ;ltere Dame erfuhren sie, dass in der gepanzerten Wohnung ein bescheidener Juwelier lebte, der nicht einmal ein Auto besa;. Das Wort „Juwelier“ hatte eine unwiderstehliche Wirkung auf die Diebe, und sie beschlossen, ihrem Ziel zu folgen. Ein st;mmiger Mann mit durchdringenden Augen, der auf Frauen sehr attraktiv wirkte – er war Juwelier.
Zuvor hatte er in einer Metallfabrik gearbeitet, sich aber nach und nach selbstst;ndig gemacht. Er besch;ftigte einen Buchhalter, der sich um seine Steuer- und sonstigen Finanzangelegenheiten k;mmerte. Der Juwelier besa; f;nf funktionierende Tresore, die jeweils Schmuck oder Bargeld enthielten. Die Tresore befanden sich in einem Wandschrank. Der Schreibtisch des Juweliers, der einem Sekret;r nachempfunden war, konnte im Notfall mit einer Handbewegung geschlossen werden. Der Rest der Wohnung war mehr als bescheiden. Das G;stezimmer wirkte anst;ndig: Spiegel, Ledersofas, ein Schmucktisch, ein Fernseher und k;nstliche Bl;tenbl;tter.
Die Einbrecher hatten ein System: Eine ;ltere Dame sollte die Rentner ausfindig machen, und eine sch;ne Frau, die ;ber viel Geld verf;gte, diente dem Juwelier als Lockvogel. Und sie selbst war s;ndhaft teuer! Die Diebstahlmethode war verbl;ffend einfach: Eine elegante Frau kam, um ein Schmuckst;ck zu bestellen oder ein fertiges zu kaufen. Nerv;s umklammerte sie einen Geldb;ndel und bat darum, die bereits gefertigten St;cke des Juweliers zu sehen. Sie behauptete, seine St;cke seien ihr von einer Freundin aus dem Fernsehgesch;ft empfohlen worden.
Der Juwelier verlor unter dem Blick der Frau die Fassung, hypnotisiert von ihren W;nschen und Blicken. Stets zur;ckhaltend, ;ffnete er vor der sch;nen Fremden die Schrankt;ren, leerte die Tresore und pr;sentierte seine wertvollsten Besitzt;mer. Sobald die Frau gen;gend Tresore ge;ffnet hatte, sagte sie, sie nehme drei St;cke mit: ein Diamantkreuz, eine Diamantbrosche und Manschettenkn;pfe f;r ihren Mann. Dann f;gte sie hinzu, sie m;sse ihren Mann, der im Auto wartete, anrufen, um die kostspieligen K;ufe abzusprechen. Der Juwelier verlor jegliches Lebensgef;hl, als er h;rte, dass ihm jemand so viel auf einmal nahm, und ;ffnete die T;r f;r den „Ehemann“ der Frau. So geschah es auch diesmal. Zwei M;nner st;rmten die Wohnung, einer fesselte den Juwelier, der andere klebte ihm den Mund zu. Die M;nner trugen Masken. Und alle drei, zusammen mit der Frau, begannen, die Tresore auszur;umen. W;re der gefesselte Juwelier still geblieben, h;tte er ;berlebt; schlie;lich sind Einbrecher keine M;rder. Der Juwelier schl;ngelte sich wie eine Schlange zu einem der Kn;pfe, die die Wohnung mit der Alarmanlage verbanden.
Die Notrufkn;pfe befanden sich an verschiedenen Stellen in der Wohnung und in unterschiedlichen H;hen. Der Juwelier wollte den n;chstgelegenen Knopf mit der Nase dr;cken. Er kroch dorthin und begann, ihn mit der Nase zu bet;tigen. Eine Frau, die den Tresor schneller als die M;nner geleert hatte, bemerkte die Bewegung des Juweliers. Sie rief den M;nnern zu, den Juwelier im Auge zu behalten. Einer der Einbrecher geriet beim Anblick des Knopfes in der N;he der Nase des Juweliers in Wut und schoss mit einer Pistole mit Schalld;mpfer auf ihn.
Alle drei schnappten sich die Beute und st;rmten aus der T;r. Die Alarmglocke ert;nte, und der Beobachter rief ein Team, das in ein Auto stieg und zum Juweliers Apartment fuhr. Die Wohnungst;r stand angelehnt, die Schr;nke und Tresore waren offen. Der Juwelier atmete noch; er war mehrfach geschlagen worden, aber er war ein z;her Mann. Ein Krankenwagen wurde gerufen, und der Juwelier wurde abtransportiert.
Ein ganzes Team von Kriminalbeamten traf in der Wohnung ein, fand aber au;er den Fingerabdr;cken des Juweliers keine weiteren. Die Nachbarn waren abends nach 18 Uhr noch unterwegs und sahen sich eine neue Serie an; zum Zeitpunkt des ;berfalls war es noch kurz vor 19 Uhr. Der Juwelier starb an einem Schuss in die lebenswichtigen Organe; seine auf dem R;cken gefesselten H;nde hatten ihn nicht vor dem Schuss gesch;tzt. Ein Tresor war nicht ge;ffnet, wurde aber von den Kriminalbeamten aufgebrochen. Die Diebe stahlen die Diamanten f;r ihre Arbeit, die fertigen Schmuckst;cke und das Geld. Agnessa erfuhr vom Tod des Juweliers von seinem Nachbarn, den sie gelegentlich traf.
Agnessa besuchte dieses Haus oft und wusste, dass alles gegen sie sprach. Sie konnte nicht glauben, dass jemand versehentlich einen Juwelier get;tet und ausgeraubt hatte; schlie;lich w;re das ein schwerer Schlag f;r ihre Finanzen! Sie sp;rte, dass Ereignisse eingetreten waren, die ihrer Karriere als Juwelierin schaden k;nnten. Und sie fasste einen Entschluss: Bevor sie durch einen Tipp eines Nachbarn entdeckt wurde, musste sie das Land verlassen, und zwar sofort! Sie wusste nicht, was das zur Folge haben w;rde, aber sie wollte unbedingt verschwinden. Was, wenn die, die den Juwelier bestohlen hatten, auch sie suchten? Ilja Lwowitsch fand Agnessas Plan, zu fliehen, gut. „Wohin nur?“, dachte sie und beschloss, nach Sandy City zu gehen. Es war weit weg, und was blieb ihr anderes ;brig? Sie hatte ja noch Geld vom letzten Film.
Ilja Lwowitsch nahm den Fall des Juweliers sehr ernst. Eine gro;e Menge Diamanten war gestohlen worden, und so war den Mitgliedern des Sicherheitsteams eine stattliche Pr;mie versprochen worden – allerdings nur, wenn der Detektiv den Raub;berfall, der auch Mord beinhaltete, aufkl;rte. Und die M;nner arbeiteten. Ilja Lwowitsch wusste, dass Agnessas Mann – Boris – der Hauptlieferant der Diamanten war. Oder besser gesagt: Es w;re nicht in ihrem Interesse, den Juwelier zu t;ten. Und wem w;rde es n;tzen? Wer hasste den Juwelier oder Agnessa? Wer h;tte Einbrecher auf einen Juwelier, einen bescheidenen Mann, hetzen k;nnen, der so unerreichbar schien?
Die Diamantenlady war eine bekannte Pers;nlichkeit in der Diamantenwelt. Wen bel;stigte sie? Konkurrenten? Wer wollte ihr die Filmfinanzierung entziehen? Die Spuren f;hrten in die Welt des Films und der Werbung. Eine schillernde Welt voller Schattenseiten. Der Detektiv untersuchte alle F;lle, doch der Juwelier erwies sich als so unschuldig wie ein feiner Diamant.
„Was dachte Tatjana wohl ;ber Agnes?“, fragte sich Ilja Lwowitsch. Er fand diesen Moment faszinierend. Die Situation begann sich aufzul;sen. Er fand heraus, dass Tatjana die Einbrecher auf den Juwelier gehetzt hatte, und diese hatten es nicht einmal bemerkt.
Tatjana hatte Agnes aus dem Weg r;umen und den Juwelier beseitigen oder ihn zumindest einsch;chtern wollen, doch es kam noch schlimmer. Sie hatte einen Tipp ;ber Einbrecher erhalten, die in der Gegend des Juweliers ihr Unwesen trieben.
Es gelang ihr, die Einbrecher zum Haus des Juweliers zu lotsen. Beim Anblick der festungsartigen Wohnung zeigten sie ihren Jagdeifer und ;bertrieben es dabei, indem sie den Wohnungsbesitzer t;teten.
Tatjana schien ;ber jeden Verdacht erhaben. Ilja Lwowitsch informierte sie, dass Agnessa aus der Stadt verschwunden war.
Tatjanas Freude verdoppelte sich. Also, die Rache einer Frau! Hatte sich Agnessa etwa vor Tatjanas Rache versteckt? Sehr wahrscheinlich. Diese Frauen! Und wer ist schuld? Der Einbrecher. Die Einbrecherbande wurde mithilfe von Ilja Lwowitsch identifiziert. Sie wurden unauff;llig festgenommen, zusammen mit einer sch;nen Frau und einer alten Frau, die die Informantin gewesen war. Sie alle wohnten in derselben Wohnung, einer Mietwohnung, wohlgemerkt.
Diamantschmuck l;sst sich nicht schnell verkaufen. Die Ware war teuer, daher gab es nur wenige K;ufer. Sie machten einen hohen Gewinn, konnten die Ware aber nicht loswerden. Die Einbrecher waren w;tend auf sich selbst, weil sie den Juwelier get;tet hatten, und qu;lte die Frage, wie er seine Waren verkauft hatte. Mit dieser Frage konfrontierte sie die Sicherheitsfirma und verdiente sich ihren Bonus. Das Leben deutete deutlich an: „Agnes, sei vorsichtig.“ Alle ihre Freunde waren traurig ;ber die Erinnerung an den Juwelier; mit ihm war alles so einfach gewesen, was den Verkauf und die Herstellung von Diamantschmuck betraf. Er war wie das achte Weltwunder f;r die gesamte Diamantenbranche.
V;llig unerwartet begann Agnes' Vater, kleine Schl;sser aus kleinen Steinen zusammenzusetzen. Ermutigt schlug er Agnes vor, ein Diamantschloss aus kleinen Diamanten anzufertigen. Agnes betrachtete die Arbeit ihres Vaters aufmerksam und erinnerte sich, dass ihre Tante, seine Schwester, einige kleine Diamanten hinterlassen hatte. Sie schlug ihrem Vater vor, ein kleines Schloss aus rohen Diamanten von der Gr;;e von Hirsek;rnern zu bauen.
Ihr Vater nahm die Aufgabe ernst und starrte lange durch eine Brille auf die Steine – keine gew;hnliche, sondern eine maskenartige, die beide Augen bedeckte. Erstaunlicherweise wuchs das Schloss Tag f;r Tag und erhob sich mit seinen Miniaturt;rmen immer h;her. Eines Tages kam sogar Apollo, um das Werk des alten Mannes zu bestaunen. Unverfroren hob er die kleinsten Diamanten auf, untersuchte die von der Natur und durch den zuf;lligen Schliff entstandenen Facetten und klebte das imagin;re Schloss zusammen. Apollo war begeistert von dem Diamantschloss, und sein eigener Sch;pferdrang wurde geweckt.
Boris kam mit einer neuen Lieferung Diamanten und gab Agnes' Vater das ganze Kleingeld. Pl;tzlich stand ihr Vater im Mittelpunkt des Interesses. Das Schloss wurde zum Stadtgespr;ch, und die Nachricht davon verbreitete sich bis in andere L;nder. Potenzielle K;ufer baten um Fotos des neuesten Weltschatzes. Das Schloss wurde von allen Seiten fotografiert, und es wurde vorgeschlagen, es weltweit zu versteigern. Ein Fundament f;r das Schloss wurde errichtet und mit hellen LEDs beleuchtet. Die LEDs leuchteten nach einem bestimmten Programm auf; Im Fundament befand sich eine kleine Platine mit einem Mikrochip.
Das Licht wurde ausgeschaltet und die Hintergrundbeleuchtung eingeschaltet. Das von den Facetten des Schlosses gebrochene Licht blendete mit seiner unerwarteten Sch;nheit. Alle, die dort arbeiteten, waren anwesend, als die Hintergrundbeleuchtung unter dem pr;chtigen Schloss eingeschaltet wurde. Freudenschreie vermischten sich zu einem Jubelschrei. Apollon schloss daraus, dass dies ein Nachtlicht f;r einen sehr ausgew;hlten Kreis war, schwieg aber. Das Schloss wurde versteigert. Das Licht im Saal wurde ausgeschaltet und die Hintergrundbeleuchtung eingeschaltet. Das Publikum erstarrte, dann brach ohrenbet;ubender Applaus aus. Das Diamantschloss wurde zu einem sehr beeindruckenden Preis verkauft, nahe dem Preis ganzer Diamanten. Mein Vater erhielt daf;r einen neuen Satz kleiner Diamanten und hat nun beschlossen, ein Modell der Sonnenkorona zu bauen. Agnes erfand eine R;ntgen-Taschenlampe, die einen Diamanten zwischen ;berall herumliegenden Kieselsteinen aufsp;ren konnte. Wenn der Diamant von einem R;ntgenstrahl getroffen wurde, leuchtete er auf. Genau das hatte ihr gefehlt. Nachdem sie eine Enzyklop;die der gr;;ten Diamanten der Welt erneut gelesen hatte, kam sie zu dem einfachen Schluss, dass Diamanten nur halb so schwer sind wie Eisen und sowohl in Zentimetern als auch in Gramm gemessen werden k;nnen. Wenn der gr;;te Diamant mit 3.300 Karat 600 Gramm wiegt, sind alle anderen kleiner. Benannte Diamanten beginnen bei 55 Karat und werden regelm;;ig umgeschliffen, wodurch ihre Gr;;e abnimmt.
Es ist verst;ndlich, warum die Schmuckindustrie im 16. bis 18. Jahrhundert florierte: Die technologischen Innovationen jener Zeit hinkten der Produktion von Luxusg;tern f;r die Elite hinterher. Pal;ste wurden wie Sargk;sten dekoriert. Die Wissenschaft trat in den Hintergrund, und so r;ckten Luxusg;ter f;r die Elite in den Mittelpunkt. Sie fragte sich auch: Warum wurde der neue wissenschaftliche Komplex in Form eines Schmetterlings errichtet? Und die Antwort lag auf der Hand: der Schmetterling als Symbol einer neuen Wissenschaft, die den Luxus f;r wenige in Luxus f;r alle verwandeln w;rde.
„Hauptsache, ich bin nicht nachtragend und erf;lle meine Pflichten“, dachte Tatjana, nachdem Boris angerufen und ihr mitgeteilt hatte, dass er nicht f;r Agnessas Film engagiert, sondern f;r eine Teilzeitstelle in ihrer Firma „Glanz“ eingeladen worden sei. Und warum trat Agnessa immer mit ihren M;nnern auf? Ich fragte mich, ob sie Boris von sich wegnehmen oder sich mit ihren eigenen M;nnern begn;gen w;rde.
Der Gesch;ftsf;hrer der Diamantenfirma wohnte in zwei H;usern: eines direkt n;rdlich, wo die Diamanten abgebaut wurden, und das andere geh;rte Tatjana. Ihr Sohn Wlad verhinderte die Heirat. Wlad konnte Boris’ Auftritt nicht absagen, da er ihm Taschengeld gab, als w;re er mit ihr verwandt.
– Ich stimme fast zu. Aber ich habe es geschafft, diese Geschichte ;ber den Ofen vor diesem Vorfall mit dem Blumenkranz zu schreiben.
– Die Geschichte mit dem Ofen ist gut! Da stimme ich zu. Aber man kann doch nicht einen Ofen an den Blumenkranz anbringen!
– Doch, ich habe ihn hinzugef;gt. Sie sind durch ihre Entstehungszeit miteinander verbunden.
Drau;en schneite es wieder. Die Stra;en waren von dichten Schneeverwehungen bedeckt.
Agnes hatte keine Lust, Drehb;cher zu schreiben. Ihr K;rper brauchte eine Pause von den Interaktionen mit Menschen, den Dreharbeiten und all den damit verbundenen Problemen. Zeichnen wurde vor;bergehend zu ihrer Lebensaufgabe. Wie ein Strau; vergrub sie ihren Kopf in ihren Zeichnungen und erfreute sich an ihren eigenen Werken. Anschlie;end kn;pfte sie Kontakte zur Buchhalterin des Juweliers.
Die obdachlose Frau war mittellos und begr;;te Agnes wie eine alte Freundin. Agnes bot der Buchhalterin eine Stelle in ihrer Firma an, wo sie die Formalit;ten f;r die Firmengr;ndung und die Wiederherstellung der Gesch;ftsbeziehungen zum Juwelier ;bernehmen sollte. Sie nahm an. Die Buchhalterin empfahl jemanden, der die Goldfassung f;r die Diamanten anfertigen sollte. Wei;-, Gelb- und Rotgold kamen in Mode. Agnes freute sich ;ber das Fachwissen der Buchhalterin.
Ausgerechnet an Ostern, als Osterkuchen auf dem Tisch stand und bunte Eier auf einem Teller lagen, geriet Agnes in eine unangenehme Lage, ausgel;st durch die tiefe Eifersucht ihres Apollo. Er hatte sie in eine Falle gelockt. Sie h;tte den Sponsoren ihres n;chsten Films die Wahrheit sagen k;nnen: Apollon hatte ihr Geld genommen und sich statt eines Autos eine eigene Wohnung gekauft. Wer h;tte gedacht, dass er nichts von ihren Liebhabern wusste?!
Das Drehbuch zu „Liebe im Stadion“ war fertig, aber es fehlte das Geld. Das Gef;hl, seiner Pflicht nicht nachgekommen zu sein, zerfra; sie. Was konnte schlimmer sein als die Pein ihres eigenen Gewissens?
Sie glaubte nicht mehr an Diamanten – wo war also diese funkelnde Handvoll, die sie so verzweifelt vermisste? Es gab bereits genug davon in ihrem Leben, ob zuf;llig oder geplant, aber Diamanten wirbelten st;ndig in ihrem Leben herum. Agnes wollte das Drehbuch „Liebe und Diamanten“ nennen, aber das Wort funkelte so sehr, dass sie den Glitzer im Titel nicht ertragen konnte. Wie viele Diamanten gab es in ihrem Leben? Hatte Apollon seine eigenen Diamanten, oder waren sie verschwunden? Und wo war sein Diamanten-Nachtlicht? „Ach, Apollon ist also immer noch reich. Ich sollte ihn enteignen“, dachte Agnes und begann sich anzuziehen, um ihn zu besuchen.
Apollon begr;;te Agnes herzlich.
„Apollo, sei doch ein Mann! Es ist peinlich, dass du das Geld ausgegeben hast. Es ist Zeit f;r die Filmwerbung, und ich bin pleite.“
„Agnes, ich habe auf dich gewartet!“
„Apollo, bist du wahnsinnig geworden?!“
„Agnes, du bekommst nichts von mir, kein Geld! Ich bin dein Ehemann und dein Geliebter! Du bist jetzt auf mich angewiesen! Niemand au;er mir kann dir helfen! Lass uns heiraten, sofort!“, und er zog sie ins Bett.
Agnes war ;berrascht von der Kraft des verlassenen Mannes. Kraft und St;rke, St;rke und St;rke, der sofortige Angriff eines Mannes, den sie gut kannte! Er war unbeschreiblich, drehte sie herum, wie es ihm gefiel. Sie f;hlte sich wie eine Feder in seinen starken H;nden. Die Liebe entwickelte sich schnell, s;; und makellos, in rasantem Tempo.
– Apollo, wo ist dein Diamant-Nachtlicht?
– Ich verrate es dir nicht, frag nicht.
– Haben wir nicht gerade erst geheiratet?
– Du bist nicht zu mir gekommen.
– Du hattest jemand anderen!!!
– Agnes, ich bin klug! Ich verzeihe dir und deinen Liebhabern – es geht schlie;lich ums Gesch;ft! Mir geht es gut, aber ich dulde deine Untreue nicht l;nger, und dieser Film wird dir noch lange Freude bereiten!
– Wo werden wir wohnen?
– In unserer Wohnung, und diese hier vermieten wir und geben sie dann unserer Tochter.
Wie dem auch sei, das Leben ging seinen gewohnten Gang und hielt immer wieder neue ;berraschungen bereit. Agnes wollte Bilanz ziehen, um einen Plan f;r ihre berufliche Zukunft zu entwickeln. Sie wusste mit Sicherheit, dass sie hatte:
– Einen Ehemann und eine Tochter.
Apollo lebte schon eine Weile allein. Er hatte sich eine Einzimmerwohnung gekauft, f;hrte ein eher zur;ckgezogenes Leben und mischte sich nicht in das seiner Frau ein. Kurz darauf kam er an. Sie sah ihren Mann an und blieb nach ihrer Massage regungslos unter der Decke liegen.
„Agnes, alles in Ordnung? Mir ist so langweilig ohne dich!!!“
„Und uns macht es auch keinen Spa; ohne dich.“
„Kann ich wieder zu dir kommen?“
„Papa, komm zur;ck, Mama vermisst dich“, sagte ihre Tochter.
„Ich bin schon da, deine Sachen sind im Auto.“
„Oh, Apollo! Alles gut, und du bist wieder da.“
„Danke. Wei;t du, ich dachte, die irdische Energie von Diamanten …“
„Was redest du da! Ich habe dich vermisst.“
Er ging zu ihr hin;ber, setzte sich auf die alte, geliebte Decke, k;sste ihr Haar und sog den schmerzlich vertrauten Duft ein.
„Und du bist immer noch dieselbe, vertraut bis ins kleinste Detail. Ich brauche eine Auszeit …“
Tatjana geh;rte zu den seltenen Frauen, die ihre Partner nicht oft wechselten. Sie hatte nun nur noch einen Mann und verd;chtigte ihn der Untreue. Ohne das Fernsehen h;tte sie es nie herausgefunden. Sie war nicht gerade f;r ihre Neugier bekannt, aber sie war durchaus attraktiv. Und was sah Denis an? Offenbar war er von der leidenschaftlichen Agnessa angetan, dem genauen Gegenteil der eher k;hlen Tatjana.
Die finanzielle Unterst;tzung war weggefallen. Tatjana musste sich Gedanken um Arbeit machen. In den letzten Jahren von Denis' Leben hatte sie nicht gearbeitet und ihren Sohn gro;gezogen. Es gibt nichts Schlimmeres f;r eine Frau, als v;llig von einem Mann abh;ngig zu sein; er hatte sie selbst im Stich gelassen. Er starb, und sie stand vor dem Nichts. Sie hatte ihr Studium abgeschlossen. Nach der Geburt ihres Sohnes arbeitete sie weiter, verlor sich aber bald im Haushalt und verga; die Zeit. Da lernte Denis die unabh;ngige Agnessa kennen.
Tatjana ging zum Fernsehstudio, um sich eine Stelle zu suchen. Sie wohnte relativ nah am Studio. Sie wurde als Beleuchterin eingestellt. Am Set wird st;ndig Licht ben;tigt. Die Scheinwerfer ;berhitzten st;ndig, und es war warm daneben. Auch die Gl;hbirnen in den Scheinwerfern ;berhitzten unaufh;rlich. Tatjana brauchte eine Weile, um zu lernen, wie sie sich beim Umgang mit der Beleuchtungstechnik nicht die H;nde verbrannte. Sie lernte, die Beleuchtung und die Stimmung auf der B;hne zu steuern und kn;pfte Kontakte zu den Herstellern der Beleuchtungstechnik.
Neben Tatjana, zu ihrer Linken, sa; Toma, eine Frau Ende f;nfzig. Sie unterschied sich in jeder Hinsicht von Tatjana. Sie hatte ein verspieltes Wesen und eine rundliche, aber nicht ;berm;;ig f;llige Figur. Dunkles, gewelltes, schulterlanges Haar umrahmte ein leicht fleischiges, aber durchaus attraktives Gesicht. Ihre braunen Augen schienen das Leben zu verspotten. Sie hatte einen erwachsenen, selbstst;ndigen Sohn und eine Tochter im Teenageralter. Sie hatte einen Ehemann gehabt, der lebte und dann starb, aber das ;nderte nichts an ihrem Lebensstil.
Toma hatte einen Liebhaber; er lebte in der Hauptstadt, in einer Allee in der N;he des Arc de Triomphe. Er war etwa siebzig Jahre alt. Ein ehemaliger hochrangiger Beamter der Staatsmacht fand sich im Alter allein wieder, und irgendwann f;hrte ihn das Schicksal mit der kichernden Toma zusammen. Tatjana beobachtete Toma bei ihren Verabredungen. Toma sa; auf einem Rollstuhl, und ein zweiter Stuhl brach unter ihrem rundlichen K;rper zusammen. Der Stuhl brach, und sie fiel lachend hin.
Bei ihren Verabredungen erz;hlte Toma ihm, sie habe sich neue Unterw;sche gekauft. Sie trug immer R;cke und Unterr;cke unter ihren Blusen und wechselte diese daher vor ihren Treffen mit ihrem ;lteren Liebhaber, der nur Unterr;cke als Dessous akzeptierte.
Toma machte sich ;ber den Namen ihres Liebhabers lustig und reiste allein zu ihm – eine lange Reise: mit dem S-Bahnhof und der U-Bahn.
Toma liebte den ;lteren Mann aufrichtig, sie liebte ihn mit Lachen und von ganzem Herzen. Er freute sich ;ber ihre seltenen Besuche, und sie beide hatten Spa; und a;en … Fisch. Er mochte nur Fisch und leichten Wein. Er hatte einst einen Liebhaber gehabt, und eines Tages verschwand dieser aus Tomas Leben.
Links von Toma sa; ein Mann bei der Arbeit. Er hatte von all ihren Streichen geh;rt und liebte sie insgeheim. Alles war gut, doch seine Frau war still und leise verstorben. Er war allein, seine Kinder waren bereits erwachsen. Der Nachbar links machte Toma einen Heiratsantrag, und sie zog bei ihm ein. Von da an lebten sie von ihrer Rente.
Im Laufe der Jahre wurden Flutlichtstrahler aller Art immer ausgefeilter und liefen k;hler, was jedoch stetig die Kosten in die H;he trieb. Tatjana verliebte sich in ihre warme, helle Werkstatt, und die Leute nannten sie nicht mehr Denis' Frau, sondern bewunderten einfach die flei;ige Arbeiterin, die so geschickt mit Flutlichtstrahlern aller Art umging. Der Junge wurde erwachsen und erinnerte sich immer weniger an seinen Vater. Tatjana blieb unverheiratet und brachte nie M;nner mit nach Hause.
Ein gutaussehender Mann namens Boris aus Schneestadt, der zu Besuch war, wirkte bei den Dreharbeiten zur neuen Sendung mit. Er verliebte sich in Tatjana, und wenn er nicht drehte, sa; er an der Lichtanlage. Er gab ihr Ratschl;ge zur Beleuchtung und stellte ihr Fragen zu ihrem Privatleben. Als er zuf;llig erfuhr, dass Tatjana die Witwe von Denis Turin war, wuchs sein Interesse an ihr noch mehr.
Tatjana kam zur Arbeit. Ihr Bedienfeld f;r Licht und Farbe befand sich unter dem L;ftungsgitter ;ber ihr, durch das ein gnadenlos kalter M;rzwind pfiff. Auf ihren Wunsch hin wurde das Gitter geschlossen, doch ihre Augen begannen zu brennen. Die Schauspielerin, die an diesem Tag gefilmt wurde, war ber;hmt und nerv;s; es war unglaublich schwierig, sie zufriedenzustellen; sie um drei;ig oder vierzig Jahre j;nger zu machen, ohne einen Skandal auszul;sen, war unm;glich. Die Beleuchtung war st;ndig verstellt. Tatjana litt so sehr, dass sie heftige Kopfschmerzen bekam.
Die Schauspielerin wurde auf der B;hne in ihrer vierten Jugend gefilmt.
Zuhause fing ihr Sohn einen Streit ;ber Geld an. Als er seine Mutter sah, st;rzte er auf sie zu und sagte:
„Mama, du hast ihr nichts von deinem Gespr;ch mit dem Detektiv erz;hlt!“
„Vlad, Georges war wirklich bei deinem Vater, aber er hat ihn nicht umgebracht, es war eine Verkettung ungl;cklicher Umst;nde. Sie werden den Fall nicht wieder aufnehmen.“
„Mama, was ist mit unserem Geld? Hast du uns nichts davon erz;hlt?“ „Nein, habe ich nicht. Und das Geld geh;rt uns. Sag mir, was du brauchst, und wir kaufen es. Jetzt gehe ich schlafen. Ich habe furchtbare Kopfschmerzen.“
Sie gingen in ihre Zimmer. Und es wurde still. Tatjana nahm ihre Tabletten, a; etwas und legte sich hin, die Augen geschlossen.
Ein ohrenbet;ubender Anruf drang durch ihre Schl;frigkeit. Mechanisch nahm sie ab.
„Tatjana, ich liebe dich! Ich vermisse dich! Ich bin da“, sagte Boris fr;hlich ins Telefon.
Ilja Lwowitsch hatte ihn allein gelassen, und das machte ihn einfach gl;cklich. Und um vollkommen gl;cklich zu sein, brauchte er nur noch die Frau seines ehemaligen Gesch;ftspartners.
„Boris, k;nnen wir uns nicht heute treffen?“
„Ja, Tatjana! Wir sehen uns morgen! Ich werde dich finden.“
Sie legte auf. Ihr Schlaf war unterbrochen. Tatjana ging in die K;che. Der Duft von Essen lockte ihren Sohn heraus, und sie setzten sich an den Tisch. „Mama, wer hat angerufen? Boris? Was will er von dir?“
„Er will mich sehen.“
„Das wird schon gut gehen. Mama, ich habe heute bei einem Tanzwettbewerb getanzt! Schade, dass du mich nicht gesehen hast. Ich bin eine tolle T;nzerin, aber ich brauche neue Kost;me.“
„Du bekommst neue Kost;me, lass uns zum Schneider gehen und sie bestellen.“
„Bestellen ist nicht n;tig, es gibt ein Gesch;ft, und die haben ausgezeichnete Kleidung.“
„Okay, wir kaufen ein Kost;m im Gesch;ft, aber erst morgen.“
„Aha! Mama, triffst du Boris schon wieder?!“
„Du hast es erraten.“
Die Fr;hlingsschneewehen schrumpften allm;hlich in der schwindenden Feuchtigkeit, so wie das Leben schwindet, wenn seine Kraft allm;hlich nachl;sst. Die Schneewehen gl;nzten m;de in der Sonne, und M;digkeit kroch in den menschlichen K;rper. Fr;hling. Die Kraft der Menschen kehrt sp;ter zur;ck: mit dem ersten Gras, mit den ersten Bl;ttern. Zu dieser Zeit wurden Popstars massenhaft aus den F;ngen des Fernsehens auf die Kinoleinwand und direkt ins Publikum entlassen. Talentierte junge S;ngerinnen und S;nger wurden zu Popstars und verdr;ngten etablierte B;hnenikonen. Es ist schwer, die Aufmerksamkeit des Publikums ;ber Jahre hinweg zu fesseln, und nur wenigen gelingt es.
Das Leben ist nicht ohne Liebe. Agnessa Ivanovna verliebte sich in einen gutaussehenden Schauspieler, der h;ufig in Musikvideos auftrat. Bekannt wurde er durch ein Video, in dem die anmutige S;ngerin sang, w;hrend er ihr durch eine Zeichentrickstadt folgte.
Der Schauspieler machte Agnessa verr;ckt; sie schrieb eigens f;r ihn Drehb;cher, in denen er neben einer bl;henden Teerose sa;. Sein schwarzes Haar und seine strahlend blauen Augen verzauberten Millionen von Frauen im ganzen Land, und Agnessa stand ihm zur Seite, verschaffte ihm Arbeit in Werbespots und sorgte auch finanziell f;r ihn. Der gutaussehende Mann erwiderte Agnessas Liebe, solange sie Geld hatte. Doch dann ging das Geld aus.
Agnessa verliebte sich beinahe. In wen? In den Mann aus Snow Town. Er drehte gerade in einem benachbarten Studio und weigerte sich, im Video mitzuspielen! Wie sehr sie seine Absage verletzte! Agnessa bemerkte seinen Blick auf Tatjana, die am Scheinwerferschalter sa;. Ihre Blicke trafen sich. Agnessa dachte pl;tzlich, da sei etwas zwischen ihnen. In letzter Zeit war ihr aufgefallen, dass Tatjana immer besser aussah und sich auch besser kleidete. Warum? Nun, hier ist die Antwort! Agnessa hatte Tatjanas neuen Freund wirklich ins Herz geschlossen …
Sie beschloss, sich mit einem Manager der nordenglischen Firma „Vityaz“ zu treffen. Agnessa bot Boris einen Monat Urlaub an, um einen Werbespot zu drehen. Sie versprach ihm eine ansehnliche Gage.
Der Mann ;berlegte. Sie beschlossen, die Auszeit vom Job und den Beginn des neuen Drehs mit einem Besuch der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften im Hauptstadion des Landes zu feiern. Am Tag der Show war das Stadion bis auf den letzten Platz gef;llt. Die Zuschauer liebten die Shows und kamen nur selten in die Schule.
Nach der Show bot Agnessa Boris an, ihn zu seiner Mietwohnung neben dem Schulstadion zu fahren. Boris hatte bereits erw;hnt, dass die Wohnung in der N;he der Schule lag. Agnessa sah darin ein Zeichen zum Handeln. Was man auch sagen mochte, sie kannte sich in Liebesdingen aus. Boris sp;rte sofort den Unterschied zwischen der zur;ckhaltenden und sch;chternen Tatjana und Agnessa, die in Liebesdingen unglaublich ungest;m war. Sie lie; sich gehen und tat alles, was m;glich und unm;glich schien. Schlank und gebr;unt (von den Sonnenstrahlen des Solariums) lag sie wie eine Zauberin auf der flauschigen Bettdecke neben Boris. Er war wie bet;ubt von ihrer Liebe! Tatjana war wie weggeblasen.
Agnessa, seine neue Geliebte, schenkte Boris ein Diamantkreuz als Bezahlung f;r die ;berstunden am Set, die morgen beginnen sollten. Sie witterte ihren Erfolg. Der Mann war in jeder Hinsicht ein Gl;cksgriff. Agnessa sprang aus dem Bett und sagte, sie m;sse dringend nach Hause…
Kapitel 5. Die unschuldige Klette
Agnessa Iwanowna f;hlte sich frei. Die Frau dachte an Diamanten. Sie w;nschte sich sehnlichst kostenlose Diamanten. So bescheiden war der Wunsch einer Diamantenliebhaberin: hundert Karat aus dem Weltraum zu gewinnen. Geologin werden? Aber sie mochte es nicht, durch das raue Gel;nde des Fernen Ostens zu wandern. Nach Afrika gehen? Dort ist es hei;. Was, wenn er sich verliebt und nicht die Kraft zur Liebe hat? Sie musste in der N;he suchen, am besten ganz entspannt. Sie musste einfach in einen astralen Zustand verfallen, um herauszufinden, wer den Diamantenschatz versteckt hatte und wo, ohne ihn vorher zu warnen … Von all ihren Titeln gefiel Agnes der der Diamantenlady am besten.
Agnes war nicht zum L;cheln aufgelegt. Apollo hatte sie im Diamantenabbau mit einer seltsamen Methode ;bertroffen, und sie wollte ihn unbedingt besiegen! Da ist er ja! Da ist er ja! Apollo lag nur herum und wurde immer dicker. Sie selbst war noch mehr mit ihren eigenen Angelegenheiten besch;ftigt. Ein Drehbuch schreiben? Nicht mehr interessant. Sie blickte aus dem Fenster: Der erste Schnee fiel, sah in den Spiegel und wandte sich ab. Agnes nahm ihre Pistole und schoss auf den Spiegel, auf ihr Spiegelbild. Der Spiegel zersprang.
Apollo steckte den Kopf ins Zimmer:
„Agnes, warum schie;t du?“
„Mir ist furchtbar langweilig.“
„Verstehe! Aber es gibt nichts, was dich am;sieren k;nnte!“ „Mama, bin ich von deinem Vater?“, fragte die Tochter.
„Ja“, antwortete die Mutter und trommelte mit den Fingern auf der Tastatur ihrer langen, mit Acryl oder Gel lackierten N;gel. Strasssteine und Glitzer funkelten auf ihren N;geln.
„Fr;her dachte ich, man m;sse mit achtzehn ein Kind bekommen, aber jetzt denke ich, man sollte sich erst einmal niederlassen und mit f;nfundzwanzig ein Kind bekommen.“
Agnes Iwanowna war zufrieden mit der Antwort ihrer Tochter.
„Das habe ich auch gesagt, und ich habe dich mit f;nfundzwanzig bekommen. Tochter, denk daran: Sch;n zu sein ist sehr schwer, aber h;sslich zu sein ist noch viel schwerer. Und ich habe Angst, wenn du so freiz;gig gekleidet heruml;ufst: Du kannst die M;nner nicht provozieren.“
„Womit kannst du sie denn provozieren?“ Agnes schrieb gerade, und zu ihrem Entsetzen konnte sie sich nicht mehr an ihre Antwort erinnern. Apollo erinnerte sich Jahre sp;ter an einige davon. „Agnes, ich hab eine Idee! Wei;t du noch, als ich in der Diamantenverarbeitungsanlage gearbeitet habe? Ich wei;, wo ein Diamantschleifer seine Diamanten aufbewahrt hat. Er ist vor Kurzem gestorben. Seine Frau hat mich angerufen. Und ich habe mich an seine Diamanten erinnert, aber ich habe es ihr nicht gesagt. Sie wei; nichts davon. Agnes, ich kann allein gehen, aber es ist besser, wenn wir zusammen gehen.“
„Wir gehen zusammen“, erwiderte Agnes, stand vom Sofa auf und rollte eine alte Decke zusammen. Dann stopfte sie sie in eine Tasche und verstaute sie.
„Agnes, wir m;ssen heute noch los, wir m;ssen uns beeilen! Bist du bereit zu fahren?“
„Wir fahren mit dem Auto?“
„Ja, das ist sicherer: keine Strafzettel, keine Hotels.“
„Es scheint ernst zu sein. Schade, dass die neue Decke noch nicht trocken ist; wir h;tten sie mitnehmen sollen.“
„Agnes, pack deine Sachen, wir fahren jetzt.“ Boris sa; zu Hause und lauschte dem Gespr;ch aus Agnes’ Wohnung. Er liebte sie und ihr Diamantenunternehmen, und dann diese Nachricht! Nicht umsonst hatte er eine Wanze in ihrem Haus platziert. Sofort begann er, die Reise vorzubereiten. Er rief bei seiner Firma an, nahm ein Auto, eine Pistole und die n;tigen Papiere. Im Gegenzug sollte er Diamanten oder Banknoten mitbringen. Boris beschloss, dem Diamantenpaar zu folgen – nat;rlich mit dem Auto. Der Wagen verlie; die Stadt auf der Suche nach dem Schatz des unbekannten Diamantschleifers.
Apollon sagte zu seiner Frau:
„Er war ein feiger Dieb: Er stahl Diamanten aus der Fabrik, verkaufte sie aber nicht, aus Angst, erwischt zu werden. So lebte er in Angst und Armut. Wenn ihn diese alles verzehrende Angst ;berkam, erz;hlte er mir, einem Freund von der nahegelegenen Arbeitsstelle, von seinem Schatz. Ich schwor, die Diamanten nicht anzur;hren, solange er lebte. Er hielt mich ;ber seine Bewegungen auf dem Laufenden.“
Apollon Petrowitsch sp;rte sofort, dass er beobachtet wurde, und erz;hlte Agnessa Iwanowna davon.
„Das war zu erwarten“, erwiderte sie. „Ich m;chte wissen, wer f;hrt, denn ich erkenne die Autos nicht.“
„Agnesa, halte abrupt an und lass sie vorbei.“
Das erste Auto raste tats;chlich vorbei. Das zweite verlangsamte. Agnessa Iwanowna erkannte Boris, den Manager, in seinem Profil.
„Apollon, Boris Borisowitsch verfolgt uns.“ „Deine Verehrer lassen mir keine Ruhe! Wie hast du Boris verzaubert?“
„Wei;t du, ich gehe nie auf jemanden zu.“
„Nat;rlich, das liegt wohl in deinen Genen. Sieh mal, Boris ist stehen geblieben, er hat dich aus den Augen verloren.“
„Tats;chlich, der Wagen ist am Stra;enrand angehalten.“
„Agnessa, ich h;tte dich nicht mitnehmen sollen. Sieh mal: Ilja Lwowitsch steht hinter uns! Ich wei; nicht, was ich tun soll! Der Schatz wartet nicht lange.“
„Es ist nicht meine Schuld! Ich habe ihnen nichts gesagt.“
„Sie verfolgen dich, darum geht es doch! Wegen ihnen bin ich in eine eigene Wohnung gezogen, da ist es sicherer, aber mit dir ist alles nur Verfolgungsjagd.“
Pl;tzlich raste ein dritter Wagen an Apollon und Agnessas Wagen vorbei und hielt an. Der Detektiv stieg aus.
„Agnessa Iwanowna, was f;hrt dich hierher?“ „Wohin gehst du?“, fragte er. „Ilja Lwowitsch, ich fahre in ein Sanatorium, um mich zu erholen, und sie umzingeln mich, als ob ich Diamanten bei mir h;tte.“
„Agnes, dein Sanatorium ist eine Decke, und jetzt bist du so umzingelt, hast du dir wohl eine diamantenbezogene Unterhaltung gesucht!“, rief Ilja Lwowitsch.
„Apollo, sie lassen mich nicht in Ruhe“, sagte sie m;de zu ihrem Mann.
„Agnes, sieh mal, du hast drei Eskortwagen! Wo willst du uns denn entkommen? Gib es zu, sag ihnen, wo du hingehst“, fragte Boris und kam n;her.
„Apollo, verzeih mir, aber es ist besser, wenn wir ihnen sagen, wohin wir gehen. Das Schlimme ist, Boris wird schnell von der Polizei verfolgt“, sagte Agnes.
„Ja, besonders Ilja Lwowitsch, er h;lt immer zu uns“, erwiderte Boris. „Sein Urgro;vater war Polizist.“ „Agnes, was f;r N;gel du hast!“ Wozu brauchst du Diamanten? Du tr;gst doch selbst Diamantn;gel; du w;rdest Geld daf;r verlangen, sie zu sehen.
„Wenn wir keinen Mann kriegen, kriegen wir ihn eben mit Strassn;geln!“, erwiderte Agnessa fr;hlich und f;gte hinzu: „Wir gehen auf Schatzsuche! Kommt mit!“ Apollon Petrowitsch zuckte zusammen, schwieg aber. Ilja Lwowitsch meldete sich zu Wort:
„Hallo zusammen! Agnessa Iwanowna, du hast au;ergew;hnliche, einfach g;ttliche N;gel!“ „Ich w;nschte, ich h;tte solche Krallen!“
„Ilja, wie hast du uns durchschaut?“
„Agnes, ich werde dir mein kleines Geheimnis nicht verraten.“
„Das ist deine Sache“, sagte sie und wedelte gebieterisch mit ihren sch;nen Fingern. Die M;nner gingen zu ihren Autos.
Agnesa fuhr voran. Alle anderen Wagen folgten. Der Fr;hlingshimmel h;llte den Horizont ein. Sie blickte in die Ferne, hielt an, ;ffnete die T;r und trat in die Sonne. Die Sonnenstrahlen streiften ihre langen Stiefel und die kurze Hose. Sie l;chelte der Sonne zu. Stirnrunzelnd wandte sie sich scharf Apollon zu, der im Auto sa;:
„Apollo, bitte komm her.“
„Apollo, denkst du etwa daran zu fliehen?“
„Raus hier!“
„Ich komme“, sagte Apollon Petrowitsch tr;ge und ging auf Agnessa Iwanowna zu.
„Wo sind die Diamanten? Du hast es mir immer noch nicht gesagt!“ „Was, wenn wir umsonst einen ganzen Konvoi von Eskortwagen mitbringen? Sagen Sie mir Bescheid, bevor alle da sind! Ich muss diese Information verarbeiten und mich auf die Suche vorbereiten“, sagte Agnessa Iwanowna scharf.
„Die Diamanten sind in der Wohnung eines Diamantschleifers, den Sie nicht kennen, aber ich wei; nicht genau wo.“ Er sagte mir, die Diamanten seien in seiner Wohnung, deshalb musste ich es Ihnen sagen, sonst h;tte ich sie allein gefunden.
„Etwas. Wurde in der Wohnung renoviert?“
„Die Witwe sagte, sie w;rde die Renovierung nach meinem Besuch durchf;hren. Die Frau muss f;r ein paar Stunden aus der Wohnung gebracht werden. Ihre Aura muss sich legen, damit sie mich nicht st;rt.“
„Ich werde die Witwe zum Friedhof bringen und selbst am Grab ihres Mannes Wache halten.“
„Noch etwas. Alle, die uns begleiten, sollten drau;en bleiben. Ich nehme einen Detektiv mit.“
„Einverstanden. Ich f;hle mich wohler, wenn Sie einen vertrauensw;rdigen Mann an Ihrer Seite haben.“ Boris und Ilja Lwowitsch traten n;her.
„Agnes, suchen Sie nach einem Fluchtweg?“, fragte Boris.
„Nein, ich entwickle eine Suchstrategie. Sie bewachen den Eingang. Apollo wird die Frau zum Grab ihres Mannes bringen. Ilja Lwowitsch begleitet mich.“
„Kein Problem“, erwiderte Boris und bedeutete seinen M;nnern, die K;pfe einzuziehen.
Alle kehrten an ihre Pl;tze zur;ck. Der Anblick der mit Diamanten ;bers;ten Wohnung war deprimierend: altes, rissiges Linoleum, mit Klebeband notd;rftig zusammengehaltene Kronleuchterschirme und Ziegelsteine unter dem Sofa anstelle zerbrochener Beine. B;cherstapel t;rmten sich unter dem Schreibtisch, daneben lagen zerbrochene Beine. Berge von altem Schaumgummi hatten sich von den St;hlen auf den Boden ergossen. Es sah aus, als w;re jemand auf Tischen und Sofas herumgeklettert. Agnessa betrachtete den Kronleuchter genauer; seine Fassungen waren verdreht.
„Ilya, du bist doch derjenige, der hier in der Wohnung herumkriecht. Nimm einen Hocker, richte die Beine. Sieh nach.“ Sie hielt inne und f;gte dann hinzu: „Nein, warte.“ Agnessa trat vom Kronleuchter zur;ck und betrachtete ihn aufmerksam.
„Wir sollten nicht in den Schirmen suchen; hier hat schon jemand nachgesehen. Der Besitzer hat fr;her in der Diamantenfabrik gearbeitet.“ Hier wurde schon oft nach Diamanten gesucht, aber sie liegen immer noch da. Ich habe das Gef;hl, die Diamanten sind in diesem Schrottm;bel versteckt.
Ilja Lwowitsch sah Agnessa Iwanowna an und schwieg.
„Ilja, bring den Tisch, auch wenn er kaputt ist. Kurz gesagt, nimm den Kronleuchter von der Decke.“
„Mach ich“, sagte Ilja Lwowitsch und begann, aus den Scherben einen Sockel zu bauen, wobei er die hohen Decken des alten Hauses ber;cksichtigte. Agnessa Iwanowna ging durch die Wohnung und kehrte dann in den Raum zur;ck, in dem Ilja Lwowitsch gerade den Kronleuchter von der Decke nahm. Der Kronleuchter fiel auf ein Sofa, das an vielen Stellen geflickt war.
„Agnes, da ist ein St;ck Knete im Kronleuchter. Nicht im Lampenschirm, sondern da, wo er an der Decke befestigt ist.“
„Vorsicht, da sind Diamanten drin. Ich sehe selbst nach.“ „Agnes blickte in die Schale, durch die die Kabel und die Deckenleuchte verliefen. Der Kronleuchter hatte eine gro;e, umgedrehte Schale, die vollst;ndig mit Knete bedeckt war.
„Ilja, nimm die ganze Knete, aber fass sie nicht mit den H;nden an! Nimm einen L;ffel, ein Messer, sei vorsichtig!“ Agnes Iwanowna nahm ein St;ck Knete, reinigte den ersten Diamanten, und er funkelte freudig in den Strahlen der untergehenden Sonne. „Wundersch;n“, seufzte Ilja Lwowitsch. Boris und Feofan st;rmten ins Zimmer. Zwei Pistolen waren auf Ilja gerichtet.
„Boris, vermassel nicht die Operation! „Du h;ttest im Auto bleiben sollen“, sagte Agnes Iwanowna.
„Ich will alles mitnehmen, aber es reicht nicht f;r alle“, und Boris bedrohte sie mit einer Pistole.
„Ilja Lwowitsch, lass die Diamanten in Ruhe, lass sie die Leute nehmen!“, schrie Agnes. Auf Boris’ Befehl hin betraten M;nner in Tarnkleidung den Raum.
„Boris, gib die Diamanten den Leuten!“, sagte Ilja Lwowitsch, w;hrend seine M;nner ihm schon die Arme verdrehten.
„Ilja, du wirst unversch;mt! Warum l;sst du mich nicht leben?!“, schrie Boris verzweifelt.
„Boris, du solltest zu Hause bleiben“, warf Agnessa Iwanowna ein.
„Verdammte Frau, hast du sie mitgebracht?“
„Sie waren dir auf den Fersen, und du hast es nicht gemerkt. Du bist mir die ganze Zeit gefolgt. Ich habe sie gesehen, als ich nach Luft schnappte.“
„Ach“, seufzte Boris Borisowitsch. „Na gut, sie werden uns gehen lassen. Ich habe einen guten Anwalt.“ Wir hatten nichts au;er Pistolen bei uns. Wir haben Waffenscheine; wir sind ein Sicherheitsunternehmen.“
„Agnessa Iwanowna, wenn Sie alles gesehen und gewusst haben, warum sind Sie dann gekommen?“, fragte Ilja Lwowitsch. „Ilja Lwowitsch, ich habe ein H;ndchen f;r Diamanten! Ich liebe es, nach ihnen zu suchen, und so eine Chance konnte ich mir nicht entgehen lassen.“
„Stimmt. Ihre 25 Prozent des Schatzes.“
„Das reicht mir“, erwiderte Agnessa Iwanowna. Agnessa Iwanowna ging hinaus. Genau in diesem Moment hielt Apollon Petrowitschs Wagen. Die Wohnungsbesitzerin stieg aus. Sie sah Agnessa an und fragte besorgt:
„Haben Sie die Diamanten gefunden? Wo sind sie?“
„In Ihrer Wohnung.“
„Sind viele Leute da? Das ist ja toll, dann k;nnen wir endlich renovieren!“
Agnessa Iwanowna warf einen Blick auf die Frau mit dem schwarzen Kopftuch, das sich das Taschentuch ;ber die Augen gelegt hatte, und stieg in Apollons Wagen. Der Wagen fuhr sofort los.
„Agnes, das sind nicht alle Diamanten“, sagte Apollon Petrowitsch leise. „Ich wusste, dass ;berwachung m;glich ist, und jetzt bringe ich dich zu einem anderen Versteck.“
„Pech gehabt! Wie weit m;ssen wir fahren? Wir fahren hinter dem Hotel her!“
„Nein, wir fahren jetzt! Du findest die Diamanten, und wir fahren sofort nach Hause.“
„Bring uns“, sagte Agnessa m;de und lehnte ihren Kopf an die Schulter ihres Mannes. Apollon fuhr bis zum Stadtstadion und hielt an. Agnessa schlief. Die Stadiontore waren geschlossen.
„Agnes, wach auf, sieh dich um, hier muss es irgendwo ein Versteck geben.“
Sie blickte auf die Metallst;be des Stadionzauns:
„Oh, das Stadion! M;ssen wir rennen?“ „Nein, ich betr;ge meinen Liebhaber mit meinem Mann.“
„Besorg dir besser die Koordinaten f;r die Knete-Suche. Habe ich dich richtig verstanden?“
„Ja“, sagte Apollon Petrowitsch und seufzte tief.
„Aha, jemand hat die Diamanten gestohlen, die Stadiontore wurden geschlossen, und die Verfolgung zwang uns, die glitzernden Knete-Sch;tze eilig an einem sicheren Ort zu verstecken. Und ich wei;, wo!!!“
„So schnell? Ich habe so oft versucht, das Versteck einer bestimmten Wurzel zu finden, die weit weg von hier gepflanzt ist.“
„Ich verstehe einfach nicht, was die M;nner auf der Fahndungsliste machen, wenn sie nichts finden?! W;rdest du es selbst mitnehmen, wenn ich nicht gehe?“
„Zeig es mir mit deiner Hand, falls sie zuh;ren.“ Die Diamantenlady hob ihren Zeigefinger mit dem ungew;hnlich sch;nen Nagel und deutete auf die T;r im Pfeiler.
„Dort ist Strom“, konterte Apollon Petrowitsch mit seinem Finger. „Nimm die Gummimatte aus dem Auto, die Gummihandschuhe, eine Zange mit isolierten Griffen und hol die Knete mit einem Holzspatel raus“, sagte Agnessa und reichte ihrem Mann die Sachen.
„Hast du das schon vorbereitet?“
„Es war im Handschuhfach.“
Es wurde dunkel. Weit und breit war niemand zu sehen. Apollon Petrowitsch ging zu dem Pfosten, ;ffnete die Klappe, steckte seine behandschuhte Hand in die Nische und wich zur;ck. Eine zerzauste Katze flitzte heraus. Agnessa Iwanowna lachte. Er steckte seine Hand wieder hinein, tastete den Knetehaufen in der Dunkelheit, zog ihn heraus und rief:
„Agnessa, jemand hat die Katze im Pfosten eingesperrt!“
Apollon suchte oben und fand ein St;ck Knete. Schnell sprang er ins Auto und fuhr los. Im Auto gab er Agnessa die Knete. Sie grub sie aus und fand einen einzelnen, recht gro;en Diamanten, wenn auch kleiner als eine Walnuss.
„Was f;r ein sch;ner Diamant! Wie haben die den blo; rausbekommen?“
„Sie haben ihn nicht mal reingebracht, sie haben ihn in die Fabrik gestohlen.“
„Was f;r ein Fang!“, rief Agnessa aus und duckte sich zu dem Diamanten, wodurch sie sich das Leben rettete. Eine Kugel pfiff an ihrem Ohr vorbei. Agnessa Iwanowna drehte den Kopf: Der Wagen des Detektivs fuhr neben ihr.
„Apollo, dein Freund schie;t auf mich!“
„Er ist nicht mein Freund!“
„Halt!“, rief Ilja Lwowitsch.
„Warum schie;t du auf mich?“, rief Apollon.
„Dein Freund ist gefunden! Ich habe nur versucht, dich aufzuhalten. Wir haben den Diamanten gefunden, gib ihn deinem Freund. Ich habe dich am Pfosten gesehen.“
„Agness, gib ihm den Diamanten; der Lauf ragt noch daneben.“ „Das war nicht der Lauf, ich habe ihn abgeschossen“, sagte Soja, die am Fenster erschien.
„Du h;ttest einfach mit deinem Gewehrlauf da sitzen sollen, du dumme Kuh“, grummelte Geheimagentin Fox.
Apollo reichte ihnen den in Knete eingeschlossenen Diamanten und beschleunigte pl;tzlich.
„Apollo, warum die Eile?“, fragte Agnes lachend. „Gehen wir etwa mit leeren H;nden nach Hause?“
„Warum mit leeren H;nden? Gibt es in dieser Diamantenstadt nichts anderes zu holen? Wir k;nnen die Diamantenverarbeitungsanlage selbst mitnehmen.“
„Ausgezeichnet! Auf zur Anlage! Zeig mir dieses Diamantmonster!“ Beeindruckende Mauern umgaben die Anlage, bedeckt mit einem Gewirr aus Stacheldraht.
Es wurde dunkel. Die Anlage schlief. Die Wachen d;sten.
„Agnes, hast du dir die Anlage angesehen? Jetzt lass uns nach Hause gehen.“
„Nein, wir brauchen noch ein paar Diamanten in schwarzer Knete!“
„Wo?“ „Apollo fragte traurig.
„Kletten“, sagte Agnes, hielt den Wagen an und zerrte an der Hand ihres Mannes am Lenkrad. Neben dem Auto wuchsen Kletten. Agnes pfl;ckte durchs Fenster mehrere schwarze Kugeln aus den Kletten.
„Fahr nach Hause, mein Schatz! So!“, rief sie und befreite die Diamanten aus der Knete.
Einmal fragte jemand in einem Interview:
„Agnes, wie sind Sie Drehbuchautorin geworden, wenn man h;rt, dass Sie f;r die Firma „Blesk“ arbeiten? Warum wird Ihr Name mit Diamanten in Verbindung gebracht?“
„Liebe Journalisten, mein Leben war sehr abwechslungsreich. Vom Drehbuchschreiben ging es ;ber die Arbeit an Werbespots zu Filmen.“
„Und Ihre Ausbildung?“
„Zwei Hochschulen.“
„Entschuldigung, das wussten wir nicht.“
Journalisten wussten genau, dass im Laufe der Zeit Frauen aufkamen, deren Aufgabe es war, Diamanten von ;ber f;nf Karat und handgefertigte Kleidung zu tragen. Das ist doch absurd! Handgefertigte Kleidung muss schlie;lich auch von Hand gewaschen werden. Das bedeutet, dass Hausangestellte ben;tigt werden, w;hrend eine normale Frau mit einem Gehalt von 15.000 bis 30.000 Euro alles selbst erledigt. Jedem das Seine. Normale, berufst;tige Frauen sollten den Luxus der Reichen sehen k;nnen, selbst wenn es nur im Fernsehen ist, in einer Sendung, in der Streitigkeiten mit einem L;gendetektor aufgedeckt werden. Ist das wirklich n;tig? Diese Neuerung hat jedoch Einschaltquotenrekorde gebrochen. Die Menschen brauchen die Wahrheit – selbst wenn sie so aussieht. Eine Herrin und ihr Dienstm;dchen stritten sich. Die Herrin beschuldigte das Dienstm;dchen, einen Hund vergiftet, einen Pelzmantel und einen F;nf-Karat-Diamantring gestohlen zu haben. Der L;gendetektor stellte fest, dass das Dienstm;dchen weder den Hund vergiftet noch den Pelzmantel gestohlen hatte.
Einen Diamantring. Die Herrin hatte diesen Ring in einer Sendung beworben. Erinnern Sie sich an diesen gro;artigen Film? Die Figuren sind charmante, unversch;mte M;nner, die sogar einen noch teureren Ring stehlen.
Das Dienstm;dchen, eine einfache Frau, besitzt ein Smartphone, das die Fl;che und Fehler der Herrin aufzeichnet – nicht auf einem L;schblatt, sondern direkt. Doch wohin verschwinden die Aufnahmen? Die Herrin hat einen Ehemann, der sie nach Strich und Faden verw;hnt und wie eine Porzellanfigur behandelt. Ein wahrer Feinschmecker. Doch dann entdeckte er das Dienstm;dchen mit einer Nase, die seiner charmanten Frau ;hnelte. Er nahm ihr den Pass ab. Offenbar gefiel ihm das Dienstm;dchen. Er dr;ngte sie aufs Bett.
Die Frage des L;gendetektors lautete: „Hat sie sich auf das Bett der Herrin gelegt?“ Die Antwort: „Nein.“ Es war keine L;ge. Sie legte sich nicht freiwillig hin, sie wurde dazu gezwungen. Und der Ring? Das Dienstm;dchen hatte ihn nicht aus dem Haus der Herrin mitgenommen. Sie gab ihn ihr im Tausch gegen den Pass. Nun sollte die Frau den verlorenen Ring im Haus ihres Mannes suchen. Es gab einen Film ;ber einen Diamantring, in dem der Ehemann, der ihn seiner Frau gestohlen hatte, am Ende selbst schuld war. Es ist nicht leicht, eine Frau aus der Oberschicht zu sein.
Wie man eine ewige Rivalin ohne Kugeln vernichtet – dar;ber dachte Tatjana nach. Agnessa und Tatjana waren schon l;nger nicht mehr befreundet. Boris kam und ging, doch Tatjanas Seele erinnerte sich an ihren Mann Denis, obwohl die Zeit immer weiter von ihm entfernt war. Rachegedanken nagten an ihr. Tatjana vertraute schon lange niemandem mehr, nur sich selbst. Sie beobachtete Agnessa heimlich vom Eingang eines Nachbarhauses aus und bemerkte, dass diese ;ber die Jahre etwas zugenommen hatte. Das beschloss sie auszunutzen.
Es gibt viele Di;tpillen, von denen einige in hohen Dosen Krankheiten verursachen. Tatjana wusste das alles aus eigener Erfahrung mit Gewichtsabnahme; sie kannte Leute, die Pillen verkauften, auf deren Packungen stand, dass es sich nicht um Medikamente handelte. Nun galt es nur noch, den richtigen H;ndler mit Agnessa in Kontakt zu bringen und ihm gef;hrliche Dosierungen vorzuschlagen. Tatjana selbst hatte die Abnehmpillen nur zusammen mit ihren Schlaganfallmedikamenten eingenommen, so wie sie in ihrer Jugend Eiscreme gegessen hatte – Eiscreme plus ein Antibiotikum gegen Halsschmerzen.
Als Agnessa in dem B;ro ankam, wo alle Spuren des Raub;berfalls beseitigt worden waren, traf sie auf den Mann, der mit den Abnehmpillen gekommen war. Er behandelte Georges, der extrem ;bergewichtig war. Agnessa mischte sich in ihr Gespr;ch ein. Zwischen Scherzen und Neckereien kauften sie Packungen der Pillen und versprachen ihm eine Traumfigur.
Georges nahm sofort die dreifache Dosis, da sein Gewicht mehr erfordere. Drei Stunden sp;ter nahm er erneut die dreifache Dosis. Eine Stunde sp;ter bekam er furchtbare Kopfschmerzen und verlor die Beweglichkeit einer K;rperh;lfte. Er beschloss jedoch, dass er einfach nur von dem Raub;berfall ;berdreht gewesen war. Agnessa hatte nur eine Packung f;r sich selbst genommen, und diese war zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem B;ro verschwunden.
Apollo wollte gerade nach Hause gehen, als er die Werkstatt verlie; und Georges in einer seltsamen Position vorfand, der st;hnte. Apollo rief einen Krankenwagen, und Georges wurde mit Anzeichen eines Schlaganfalls ins Krankenhaus gebracht. Apollo berichtete Agnes telefonisch von dem Vorfall. Agnes fuhr ins Krankenhaus und ;berredete den Arzt, sie zu Georges zu lassen. Sie hatte die vage Bef;rchtung, dass seine Tabletten sie vergiftet hatten. Agnes nahm eine Packung des Abnehmpr;parats und zeigte sie dem Arzt.
Der Arzt nahm ihre Bedenken ernst, und die Tabletten wurden zur Analyse eingeschickt. Es stellte sich heraus, dass sie eine Substanz enthielten, die die Blutgerinnung f;rdert. Agnes dachte schon, bevor sie die Packung ;berhaupt ge;ffnet hatte, dass alles zusammenhing: der B;roraub und die Abnehmpillen. Georges wurde rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht. Agnes versprach, die zus;tzlichen Behandlungskosten zu ;bernehmen, und ging ohne weiteres nach Hause.
Vlad erz;hlte seiner Mutter von dem Raub;berfall im B;ro und dass der Wachmann schwer verletzt im Krankenhaus lag. Tatjana Petrowna seufzte und beschloss, dass diese Racheaktion f;r den Moment v;llig zufriedenstellend war. Sie beruhigte sich, ohne ein Wort mit ihrem Sohn zu wechseln. Agnessa Iwanowna hingegen war aufgebracht und fragte sich, wer ihr das nachtrug. Der Gedanke an Tatjana schoss ihr durch den Kopf – und verschwand dann wieder. Nein, sie konnte unm;glich einen solchen Raub;berfall organisiert haben. Georgs wurde bald aus dem Krankenhaus entlassen und kehrte an seinen Arbeitsplatz zur;ck.
Und so beschloss er, den Diamantenfluss von Boris zu Vlad zu verfolgen. Er wollte eine gro;e Diamantenlieferung abfangen. Georges fand heraus, an wen Vlad die Diamanten verkaufte, gewann dessen Vertrauen und rettete ihm sogar das Leben vor einem Verehrer, der ihm den Diamanten vom Hals rei;en wollte. Vlad entfernte den Diamanten zu seinem eigenen Schutz.
Das Leben wurde f;r Georges wieder interessant; er hatte wirklich Lust zu rauben. Das lag in seiner Natur. Also ;berfiel er einen Zwischenh;ndler, der eine weitere Diamantenlieferung aus dem Norden zum Verkauf auf dem Schwarzmarkt gebracht hatte.
Sie besa;en Pal;ste, Datschen und Swimmingpools. Georges schlug, in seiner typisch verbl;fften Art, den Diamantenlieferanten nieder, trug dabei eine Maske und passende Kleidung und nahm ihm das Diamantenpaket aus den geschw;chten H;nden. War er nicht ein Schauspieler mit Maske? Dann zog er sich um, wechselte die Schuhe und setzte sich mit dem Gesicht eines unschuldigen Wachmanns in sein B;ro.
Wer w;rde sich offiziell um den Verlust k;mmern? Niemand! Die Ware war gef;lscht. Die Putzfrau kam angerannt und rief Georges an. Sie sagte ihm, dass ein Mann am Eingang des B;ros liege und hochgehoben werden m;sse, sie es aber nicht ohne Hilfe schaffe. Georges ;berlegte, ob er es tun sollte, falls das Opfer es herausfinden w;rde. Es w;re besser, jemanden anzurufen, als selbst hinzugehen. Und Georges hatte Gl;ck.
Vlad rief an. Er bat Georges dringend zu ihm zu kommen; er steckte in der N;he des B;ros im Stau. Vlad bot Georges sein Auto an, w;hrend er zum B;ro lief. Georges stieg ;ber den am Boden liegenden Mann und rannte zur Stra;e, wo er unter den anderen Autos Vlads Wagen erkannte, den er ersetzt hatte.
Vlad ging zum B;ro und sah den Lieferanten in der T;r stehen. Er durchsuchte seine Taschen, fand aber nichts. Ein Gedanke an Georges blitzte ihm durch den Kopf, verschwand aber schnell wieder. Sein Gesichtsausdruck war unschuldig. Vlad rief Boris an und sagte, er habe im Stau gestanden, und in der Zwischenzeit sei der Lieferant ausgeraubt worden und liege nun benommen im B;ro. Boris presste die Lippen zusammen, wohl wissend, dass einige Diamanten zwangsl;ufig verschwunden waren, und versicherte Vlad, nicht den Mut zu verlieren und weiterhin mit ihm zusammenzuarbeiten.
Georges fuhr den Wagen seines Chefs aus dem Stau. Er musste Boris' Fragen beantworten. Er sagte, er habe den Mann auf der Veranda liegen sehen, als die Putzfrau ihn rief, aber er habe ihn vorher nicht gesehen und sei keine Minute ohne sie in seiner N;he gewesen. Alles sei sehr schnell gegangen. Georges sagte, er m;sse sofort weg, und das tat er auch. Boris war klug; er hatte vermutet, dass Georges die letzte Ladung Diamanten genommen hatte, aber er w;rde es niemals zugeben.
Was also tun mit ihm? Wenn er sie genommen hatte und sich so unauff;llig verhielt, bedeutete das, dass er wusste, was er damit anfangen sollte, oder es gab Vertriebswege, in welchem Fall er eingesetzt werden sollte. Vlad besprach die Angelegenheit mit Boris und erhielt dessen Zustimmung. Boris wusste, wem Georges die gestohlenen Diamanten gegeben haben k;nnte; H;chstwahrscheinlich wurden sie f;r den Film verwendet, in dem sie beide die Hauptrollen spielten.
Eines Tages wurde Agnes gebeten, ein Musikvideo mit sich selbst, Georges und einer S;ngerin zu drehen, m;glichst mit exotischem Schmuck. Agnes schlug vor, eine schwarze Perle zu finden und die Geschichte ihrer Entdeckung auf der Unber;hrten Insel anhand des R;ckens des Navigators nachzuspielen. Das Video ;bertraf alle Erwartungen. Die Leute begannen, den von Georges dargestellten Navigator anzurufen. Seine Popularit;t wuchs. Seine drei;ig Einkerbungen auf dem R;cken wurden ber;hmt, und mit ihnen erkannte jeder Agnes wieder – mit funkelnden Diamanten oder schwarzen Perlen, die ihre Augen tr;bten.
Kapitel 6. Halskette im Fass
Die tr;gerischen Strahlen des M;rz lie;en die Schneewehen schmelzen und schufen ein zartes Muster am Stra;enrand w;hrend des ;bergangs vom Winter zum Fr;hling – das auff;lligste Fr;hlingszeichen der Stadt. Junge M;dchen gl;nzten mit goldenem und rotem Haar. Blond war etwas aus der Mode gekommen, und leuchtende Farben waren im Kommen.
Die Autos erhielten neue Farbt;ne, die sich vom schlichten Dunkel unterschieden; alle ;hnelten sich in ihrer Form oder strebten danach, die besten Modelle der Welt nachzuahmen. In einem Land mit einer stiefelartigen Au;engrenze verschwand allm;hlich das Oberhaupt der Kirche, und neue Kandidaten f;r dieses einzigartige Amt eroberten die Fernsehbildschirme.
Angelina, die Tochter von Agnessa Iwanowna, und Vlad, der Sohn von Tatjana Petrowna, heirateten, als sie alt genug waren, diesen gl;cklichen Moment zu erleben. Angelina erwies sich als au;ergew;hnlich flei;ige Frau, auch in Agnessa Iwanownas Abwesenheit.
Vlad verbrachte seine gesamte Freizeit mit Pferden. Seine Leidenschaft hielt f;nf Jahre an. Er fuhr mit dem Pendlerzug zu seinen geliebten Pferden und zeichnete ihre K;pfe. Doch eines Tages wurde seine Leidenschaft f;r Pferde f;r immer unterbrochen. Nach den Pferden interessierte sich Vlad f;r das Gitarrespielen und besuchte zweimal w;chentlich Unterricht in einem Kinderkunstzentrum. Seit der ersten Klasse besuchte er die Musikschule und spielte Knopfakkordeon.
Ab der f;nften Klasse fuhr er allein mit dem Bus zu einer Schule mit Schwerpunkt Mathematik. Er hatte kaum Zeit, sich in der N;he seines Zuhauses aufzuhalten. Einen Sohn gro;zuziehen ist f;r eine Frau in jeder Hinsicht schwierig; er braucht ein m;nnliches Vorbild zu Hause.
Vlads Gro;vater diente ihm als Vorbild. In der Datscha seines Gro;vaters lernte Vlad die Grundlagen des G;rtnerns. Dies ist eine sehr n;tzliche F;higkeit f;r ein eher sesshaftes Leben in seiner Klimazone. Menschen ohne Datscha suchen st;ndig nach Unterhaltung in anderen L;ndern oder anderen Teilen des Landes. Menschen mit Datscha, eigenem Garten und Gem;sebeet f;hren hingegen einen ruhigeren Lebensstil. Eine verlassene Datscha, deren kleines Haus abgebrannt war, wurde in ein kleines Stadion umgewandelt. Alle Datscha-Kinder trafen sich dort zum Fu;ballspielen und parkten ihre Fahrr;der am Rand. Fahrr;der sind in Datschas ein beliebtes Fortbewegungsmittel. Das Gel;nde wurde nach und nach zertreten und abends als Tanzfl;che genutzt.
Vlad brachte sein Akkordeon mit und musizierte darauf. Die Bewohner der Datscha erfreuten sich an den Live-Kl;ngen. Nach dem Sommertanz hatte Vlad das Gesellschaftstanzen f;r sich entdeckt. Er wuchs zu einem schlanken Jungen heran. Alle nahmen ihn freudig in die Tanzschule auf. Tatjana musste ihm extra Kleidung bestellen, wof;r sie Geld oder ihre Hilfe ben;tigte. Eines Tages brachte ihr Sohn ihr Geld. Er war vor einem Film im Kino aufgetreten und hatte daf;r Geld bekommen. Tatjana Petrowna war den Tr;nen nahe; es war so lange her, dass ihr jemand genug Geld zum Leben gegeben hatte, ohne arbeiten zu m;ssen.
Agnes fand ihre Liebe zu ihrem Mann Apollon etwas langweilig. So wie er Geldb;ndel vermisste, vermisste sie die Leidenschaft. Ihre Ehe war eher locker. Er w;nschte sich Kuchen im Bett. Sie brachte ihm sein Lieblingsessen, um ihn zu tr;sten, und kaute Kaugummi im Takt mit ihm. Irgendetwas in ihrer Beziehung verlangte nach etwas Neuem.
Und es kam, etwas Neues. Tatjana Petrownas Sohn Vlad plante, sich am Filminstitut einzuschreiben. Zu dieser Zeit war er ein sicherer Reiter, ein passabler Gesellschaftst;nzer, spielte Gitarre und sang mit einer sehr angenehmen Stimme. Tatjana Petrowna erfuhr als eine der Ersten von dem Wettbewerb f;r junge Talente. Im ganzen Land wurden die besten Stimmen gesucht, doch „die Besten“ war ein recht vager Begriff. Sie bat Boris um finanzielle Unterst;tzung f;r einen Gesangslehrer; der Meister seines Fachs verlangte ein betr;chtliches Honorar f;r seine Gesangsstunden. Zehn Tage Vorbereitung machten Vlad laut seinen Verwandten zu einem hervorragenden S;nger. Seinen Charme hatte er von seinem Vater Denis, seine Stimme von seiner Mutter. Tatjana Petrowna war immer sch;chtern gewesen, was das Singen anging; manche Menschen sind einfach so unerfahren im Umgang mit der B;hne. Vlad betrat die B;hne und verzauberte das Publikum mit den ersten T;nen seiner Stimme. Der Wettbewerb wurde landesweit ;bertragen. Unz;hlige SMS mit Unterst;tzung f;r Vlad trafen ein. Er gewann den Wettbewerb m;helos. Schon bald sangen M;dchen sein einfaches Lied. Dichter und Komponisten str;mten zu ihm, er erhielt Angebote f;r neue Lieder, wurde zu Konzerten und Auftritten in verschiedenen St;dten eingeladen. Tatjana Petrowna griff sich an den Kopf: Was hatte sie nur getan?! Doch es war zu sp;t.
Wlad hatte den Pop-Erfolg auf seiner Welle miterlebt; sein Lied lief im Radio und Fernsehen. Man bot ihm ein Musikvideo an, doch die Produktion sollte eine betr;chtliche Summe kosten.
Aber woher sollte er das Geld nehmen? Boris wollte ihm das Geld nicht einfach so geben; er bot Wlad an, ihm beim Verkauf von Diamanten an Popstars zu helfen und so seine Studiengeb;hren zu decken. Wlad war sogar bereit, seine Mutter f;r das Geld an Boris zu verheiraten, nur um das Video finanzieren zu k;nnen.
Aber Boris gab nicht nach; er brauchte eine Diamantenspur unter den Popstars.
Boris Borisowitsch schenkte Wlad seinen ersten Diamanten und sagte ihm, er solle allen erz;hlen, er habe den Wettbewerb wegen des Diamanten gewonnen – er sei sein Talisman. Und siehe da: Junge Teilnehmer, die noch nach Ruhm k;mpften, begannen, ihre Eltern zu bel;stigen und sie um Geld f;r Diamanten zu bitten. Vlad begann, die aktuellen Konzerte der Hauptstadt zu besuchen; er trug den Diamanten an einer schwarzen Kordel, und sein Hemd war immer aufgekn;pft; das wurde zu seinem Markenzeichen.
Seine stark zerrissenen und mit unz;hligen diamant;hnlichen Strasssteinen besetzten Jeans betonten den echten Diamanten. Die Leute kauften ihm nach und nach seine Diamanten ab, manchmal auch gleich zwei auf einmal. Boris rieb sich vergn;gt die H;nde. Vlad hatte die n;tige Summe f;r sein erstes Musikvideo zusammen. Nach dem Video stieg seine Popularit;t so rasant, dass er ein anst;ndiges Einkommen erzielte.
Seine Mutter sagte ihrem Sohn immer wieder nur eines:
„Vlad, geh zur Filmhochschule.“
Vlads Ohren waren verstopft; er h;rte nichts mehr; er war v;llig von Konzerten eingenommen. Ein Sponsor wurde gefunden. Vlad gr;ndete seine eigene GmbH, deren wichtigstes Kapital er selbst und seine Stimme waren. Sie organisierten Konzerte f;r ihn und vermittelten ihm Arbeit an neuen Liedern in den f;r seine Proben angemieteten Musikstudios. Diamanten waren sein Nebenverdienst.
Vlad lud Angelina ein, in seine Firma einzusteigen. Sie traten gemeinsam auf. Vlad sang. Angelina tanzte. Tatjana Petrowna wusste nicht, ob sie sich dar;ber freuen oder traurig sein sollte. Ihr Sohn verdiente nun mehr als sie, und sie verlor seine Autorit;tsposition.
Agnessa Iwanowna besuchte das Konzert ihrer Tochter. Angelina war noch ein Teenager, brachte aber bereits Geld nach Hause. Ihre Mutter wollte daher herausfinden, wie ihre Tochter ihren Lebensunterhalt verdiente. Mit dem Segen ihrer Gro;mutter, bei der sie ihre Kindheit verbracht hatte, da ihre Eltern oft abwesend waren, ging Angelina zum Gesellschaftstanz. Die Mutter genoss das Konzert, riet ihrer Tochter aber, die Schule fortzusetzen und ;ber ein Studium nachzudenken. Das Konzert wurde im Fernsehen ;bertragen. Agnessa sa; in der N;he der Kamera und war immer wieder im Publikum zu sehen.
Georges, ein Freund von Agnessa Iwanowna, sah sich das Konzert im Fernsehen an. Er entdeckte Agnessa im Publikum. Etwas beschlich ihn, etwas l;ngst Vergessenes. Er arbeitete noch als Wachmann, einen Tag am St;ck, drei Tage frei. Er hatte Zeit, aber kein Geld, und es gab keine Dreharbeiten. So vertrieb er sich die Zeit mit einsamen Abenden. Dabei fiel ihm auch ein pr;chtiger Diamant an der jungen S;ngerin auf, genau der, den Agnessa liebte.
Georges beschloss herauszufinden, woher der junge S;nger diesen riesigen Diamanten hatte. Stellt euch seine ;berraschung vor, als er erfuhr, dass der S;nger Vlad war, der leibliche Sohn von Denis Turin, einem einst ber;hmten Fernsehmoderator!
Oh je, jetzt hatte Georges den Wunsch, seinen Sohn zu bestehlen. Keine leichte Aufgabe. Georges spionierte in Vlads Firma nach und erfuhr von den Diamanten des Managers Boris, was ihn erneut sehr ;berraschte. Alle seine Leute, alle anderen hatten Diamanten, nur er nicht – ungerecht! Doch vorerst gab er seinen Traum auf.
Agnes entwarf f;r Tatjana eine personalisierte Diamantkette, ein atemberaubend sch;nes Schmuckst;ck, verziert mit smaragdgr;nen Bl;ttern. Wozu brauchte sie die? Wohin ging sie denn? Genau, sie ging ja schlie;lich. Man flocht Tatjana viele kleine Z;pfe ins Haar und sagte ihr, sie k;nne sie zwei Wochen lang tragen, ohne sich Sorgen machen zu m;ssen. Auf ihrem Kopf trug sie ein Gewirr aus Z;pfen, eine Diamantkette fiel ihr bis zum Kinn, und als Kleid dienten ihr unz;hlige Stoffb;nder, die seltsam ;ber ihren K;rper drapiert waren. An den F;;en trug sie Lederriemen mit d;nnen goldenen Abs;tzen.
Tatjana stieg in die Limousine, gab Gas und fuhr los. Sie hielt vor dem Modepalast. Fast augenblicklich sp;rte sie, wie ihre mit der Diamantkette geschm;ckte Brust Blicke auf sich zog, so intensiv, dass die Kette ihre Tr;gerin fast erdr;ckte! Sie war entsetzt! Sie war allein angekommen, hatte aber vorsichtshalber eine Pistole in den Falten ihres Kleides versteckt. Drei junge M;nner begannen, sie mit ihrer Aufmerksamkeit zu bedr;ngen, umringten sie und dr;ngten sie zu dem Ficus. Die Frau hatte das Gef;hl, sie d;rften keinen Laut von sich geben, und sie hatte drei Diamantkugeln in ihrer Pistole. Es w;re eine Schande, mit Diamantkugeln auf drei M;nner zu schie;en. Und dann ;berkam sie eine Besessenheit – wer h;tte das gedacht! Sie hob ihr anmutiges Bein, drehte es beim Gehen und rammte einem Mann ihren goldenen Absatz gegen das Kinn!
Zwei andere M;nner st;rzten sich auf sie. Einer griff nach der Kette, als wolle er sie umarmen. Sie verpasste ihm einen Kniesto;! Und feuerte eine Diamantkugel auf den dritten ab. Dann packte sie die Kette, dr;ckte den Verschluss und steckte sie in die Erde des Topf-Ficus. Sie blickte auf: Die Menge hatte einen Halbkreis gebildet und klatschte! Und eine Kamera filmte alles von oben.
Der Spott der reichen Leute hier. Und sie hatte ihre M;nzen vergraben. Mit ihren juwelenbesetzten Fingern suchte sie nach der Kette, aber es war, als w;re sie nie da gewesen!
Die Menge wandte sich von ihr ab und beobachtete die Schl;gerei an anderer Stelle in der riesigen Halle. Sie suchte mit ihrer Pistole nach der Kette und konnte sie nicht finden. Tr;nen traten ihr in die Augen und erstarrten in den Augenwinkeln, funkelnd wie verblasste Diamanten. Tatjana zog ein mit Diamanten besetztes Handy aus den Falten ihres Kleides und w;hlte „Agnessa“:
„Agnessa, ich habe meine Halskette verloren.“
„Okay, wo hast du sie denn verloren?“, fragte Agnessa Iwanowna verwirrt.
„In einer Wanne mit Erde.“
„Toll. Ist das Kleid noch da?“
„Mir geht es gut, und alle haben mich in Ruhe gelassen.“
„Warte, ich bin in einer halben Stunde da.“
Agnes stieg in den Jeep und fuhr ;ber kurvenreiche Stra;en, wobei sie alle Staus umfuhr, die sie schon von Weitem sp;rte. Tatjana sa; auf einem riesigen Ficusbaum und blickte sehns;chtig in die Menge. Nach dem Gemetzel war niemand mehr in ihrer N;he! Tatjana lie; sie aufstehen und die Menge betrachten, ging dann zu einem wundersch;nen Keramiktopf, sah sich die aufgeworfene Erde an und erkannte sofort, dass die Diamantkette nicht im Topf war – sondern in der Erde!
„Tatjana, die Kette ist nicht in diesem Topf!“
„Agnes, was redest du da? Ich habe sie selbst in die Erde gelegt!“
„So einfach ist das nicht. Die Leute, die dich zu diesem Topf gedr;ngt haben, waren nicht die Hellsten, aber derjenige, der sich diese Falle ausgedacht hat, war sehr schlau! Sieh dir all den Glitzer an! Und wie viele T;pfe gibt es davon? Sieh, hier sind ungef;hr zehn, alle an verschiedenen Stellen! Wei;t du, wir m;ssen in den Untergrund, und das ist nicht einfach. Hast du deine Waffe dabei? Ich habe meine.“ Ich glaube, in diesen Wannen befinden sich irgendwelche Strukturen; es ist kaum Erde darin, und die vergrabenen Diamanten fallen durch die gro;en L;cher in den Keller.
„Das ist kein lebender Ficus, sondern eine Attrappe“, vermutete Tatjana. Die beiden Frauen schlenderten mit wiegenden H;ften zum Ausgang. Die Mutter drehte sich abrupt um und stieg die Wendeltreppe hinunter. Ein Wachmann eilte ihr nach. Agnes bedrohte ihn mit ihrer Pistole und trieb ihn zur;ck auf seinen Posten. Sie betrat einen Raum mit L;chern in der Decke unter den Wannen und gro;en Plastikbecken f;r versteckte Juwelen darunter. Ein Wachmann sa; in der Ecke des Raumes. Als Tatjanas Mutter erschien, rief er, dass sie hier nicht hineind;rfen; es sei zu gef;hrlich. Die Frauen richteten zwei Pistolen auf den Wachmann. Der Wachmann verstummte. „Liebling, gib mir die Diamantkette und lebe gl;cklich bis ans Ende deiner Tage!“, sagte die Mutter.
„Auf keinen Fall! Das ist der beste Fang des Tages; sie ist im Becken.“
Tatjana entdeckte in einem der Becken einen Erdklumpen, in dem hier und da Diamanten glitzerten. Sie ging auf ihre Halskette zu. Der W;chter richtete sein Maschinengewehr auf sie:
„Frau! Fassen Sie nicht die …“ Er stockte. „Die Diamanten!“
Tatjana schoss ihm auf die Hand; die Diamantkugel durchbohrte sie.
Tatjana dachte an die Vergangenheit.
Es stellte sich heraus, dass Denis in der Stadt ein luxuri;ses Backstein-Apartmentgeb;ude errichten lie;. Er sollte dort eine Wohnung haben, die er jedoch verkaufte und sich stattdessen ein Grundst;ck mit einem See mitten auf einer Halbinsel im Nachbarland kaufte. Er behauptete, es sei das Erbe des kleinen Vlad. So begann der gro;e Denis allm;hlich, auf die Halbinsel zu ziehen und dort einen Sport- und Freizeitkomplex zu errichten. In der Hauptstadt der Halbinsel baute er ein dreist;ckiges Haus, in dem er fortan mit seiner offiziellen Ehefrau und seinem ;ltesten Sohn lebte.
Er besuchte Tatjana immer seltener und zog schlie;lich ganz auf die Halbinsel. Dann starb Denis – oder wurde get;tet. Sein Erbe wurde ein Jahr lang geteilt, dann ein zweites, dann ein drittes, dann ein viertes. Seine Frau wollte es mit niemandem teilen, nicht einmal mit ihrem Sohn. Er ;berlebte seinen Vater um ein paar Jahre und verzichtete vor seinem Tod zugunsten seiner Mutter auf das Erbe. Und dann stellte sich heraus, dass Vlad, sein Sohn, nicht von Denis, sondern von Apollon war.
Und Denis’ Geliebte brachte kurz nach seinem Umzug auf die Halbinsel eine Tochter von Apollon zur Welt. Nun hatte sie eine Tochter, und Tatjana hatte einen Sohn von Denis. Ein Rechtsstreit nach dem anderen. Wer wird gewinnen? Mal gewinnt der eine, mal der andere, aber ein Ende ist nicht in Sicht. Auch Denis’ Mutter starb. Niemand ging als Sieger aus dem Streit hervor. Tatjana ahnte damals nichts anderes: Denis brauchte sie, weil sie an einer technischen Universit;t studierte, und technische Fachkr;fte waren zu dieser Zeit sehr gefragt. Ihr Mann wusste das; er wusste, wen er geheiratet hatte. Er brauchte sie, um in der Hauptstadt seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er brauchte Familien, Paare, und er hatte sich diese Lebensader in der Hauptstadt geschaffen. Das war die andere Seite der Liebe. Er schrieb ihr Briefe, pries die Hauptstadt und gew;hnte sie an den Gedanken, umziehen zu m;ssen. Er beschrieb die Sch;nheit des Cranberry-Landes und die goldenen Bl;tter.
Der Mann keuchte auf und zog den Diamanten wie einen gew;hnlichen Splitter aus seiner Hand. Tatjana griff nach einem St;ckchen Diamantstaub, wischte es an ihrem Kleid ab und steckte es in eine versteckte Tasche. Die Damen verlie;en gem;chlich den Keller, stiegen in ihre Autos, und niemand eilte ihnen entgegen; aus irgendeinem Grund schienen die Wachen Angst zu haben. Die Pferde und Reiter am Palasteingang r;hrten sich nicht.
Agnes sa; am Steuer ihres sch;nsten Wagens und blickte einem neuen Tag entgegen. Der graue Himmel und die gelben Bl;tter an den noch gr;nen B;umen zogen vorbei. Eine Halskette aus reinem, gr;nem Malachit funkelte an dem d;nnen, dunkelgr;nen Pullover, der sie umh;llte. Ihr langes, kastanienbraunes Haar fiel ;ber ihre schmalen Schultern. Sie hatte ein seltsames Problem: Alle um sie herum verlangten von ihr, dass sie heiratet.
Tatjana f;hrte eine ungl;ckliche Ehe mit K;nig Albert. Hier ist die Sache komplizierter. Der Prinz blieb beim K;nig; er sah seinen Gro;vater nie. Doch der Herr der Berge sah ihn im Fernsehen, erkannte freudig seine eigenen Z;ge in ihm und freute sich dar;ber. Tatjana wiederum lebte nach dem Meeresland im Sandland und reiste dann ins ;berseeland, wobei sie ihren Vater nur gelegentlich an ihre Existenz erinnerte.
Man kann Helden nicht in einem naiven Traumzustand zur;cklassen. Diese Geschichte wurde in der Zeit der ersten Handys erfunden. Und was geschah mit Denis? Ihm geht es gut. Aber er konnte nicht weit von Agnes entfernt leben. Er lernte eine Frau von sehr kultivierter Figur kennen, die im selben Stockwerk wie Agnes und Apollo wohnte. Er wurde fromm und lernte alle Patronatsfeste auswendig. Er hing buchst;blich an der Frau, die in einem kleinen Zimmer in einer gro;en Wohnung lebte. Es war eine Wohngemeinschaft, aber Denis kaufte zwei weitere Zimmer. Nun hatte er eine Dreizimmerwohnung. Gelegentlich traf er Agnessa im Aufzug oder auf dem Treppenabsatz. Das gen;gte ihm f;r seinen inneren Frieden, und zu Hause hatte er seine Frau, eine Frau mit markanter Gestalt und einer wundersch;nen roten M;hne.
Es war einmal, ohne es selbst zu ahnen, beschlossen Agnessas Eltern nach einer Diskussion ;ber einen schwarzen Diamanten, Apollon, einen Studenten eines technischen Instituts, einzustellen. Der junge Mann beeindruckte sie mit seiner au;ergew;hnlichen Pers;nlichkeit, und Agnessas Vater brauchte einen Assistenten. Durch Apollon, der alles ;ber jeden wusste, nahmen sie Kontakt zu Feofan auf und boten ihm eine Stelle als Diamantschleifer an. Der junge Mann z;gerte nicht; er wusste, dass solche Angebote nicht alle Tage kommen. Agnessa freute sich, dass ihr Vater einen guten Assistenten bekommen w;rde, den sie bis dahin noch nie getroffen hatte. Tats;chlich hatten Agnessas Eltern die Diamantschleiferei „Blesk“ gegr;ndet. Daher war auch sie dem Funkeln von Diamanten verfallen. Feofan kam im B;ro an und f;hlte sich sofort wohl. Er verstand schnell die Anforderungen seiner Arbeit. Niemand zweifelte an seiner Integrit;t, und er hatte die Gabe, Menschen f;r sich zu gewinnen, wenn es n;tig war. Der Student wollte unbedingt mit Diamanten arbeiten. Apollon und sein Chef sa;en an nebeneinanderliegenden Werkb;nken und arbeiteten, wobei sie sich gelegentlich ;ber ihr Leben unterhielten.
Feofan prahlte mit seinem antiken Malachitschmuck. Apollon hingegen respektierte nur Diamanten.
Manager Boris brachte eine neue Lieferung Diamanten und wartete darauf, dass die Sache mit den schwarzen Diamanten endlich ein Ende nahm. Er mochte sie nicht, weil sie seinen Chef von seinen Diamanten ablenkte. Die Handys mit Diamant-Hintergrundbeleuchtung sahen pr;chtig aus, und die Kunden bestellten einen nach dem anderen Diamanten f;r die Hintergrundbeleuchtung. Die neue Unterhaltungsm;glichkeit brachte betr;chtliche Gewinne ein.
Die Werbung f;r Handys mit Diamant-Hintergrundbeleuchtung verbreitete sich rasend schnell um die Welt. Apollon war zufrieden; er und sein Harem von Angestellten genossen ihr Einkommen, und Agnessa war wieder einmal von ihm abh;ngig. Sie wurde der glitzernden Steine und der st;ndigen Angst vor allem immer ;berdr;ssiger. Als das B;rotelefon klingelte, nahm Agnessa selbst den Anruf entgegen. Es war eine S;ngerin eines bekannten Pop-Duos; sie brauchte zwei Diamantanh;nger f;r ein Musikvideo.
Die beiden hinrei;enden Blondinen verdienten gut, doch das Video war wie eine riesige Werbung f;r sie, und ohne Glanz und Glamour kann man niemanden ;berstrahlen. Agnessa freute sich doppelt ;ber den Auftrag: sowohl ;ber den Auftrag selbst als auch ;ber das Video – sie bot der S;ngerin ihre Hilfe beim Drehbuch an. Genau darauf hatte die S;ngerin gehofft. Schon bald erschien sie mit ihrer B;hnenpartnerin im B;ro. Agnessa teilte den beiden Damen mit, was die Bestellung f;r die beiden Anh;nger und das Drehbuch kosten w;rde. Sie hatten mit noch h;heren Summen gerechnet und stimmten zu – sie wussten, dass Agnessa eine erfahrene Werbefilmerin war. F;r Agnessa er;ffnete dieser Auftrag neue berufliche Perspektiven. Sie tat alles, um sicherzustellen, dass die beiden Frauen im Video, die Diamantanh;nger trugen, sowohl sch;n aussahen als auch ihr Gesangstalent unter Beweis stellten. Nach der Ver;ffentlichung des Videos wurde das Duett in St;dten im ganzen Land mit tosendem Applaus gefeiert. S;ngerinnen rissen sich um Agnessas Wunsch nach gemeinsamen Auftritten.
Ein Video zu drehen war das eine, es zur richtigen Zeit im Fernsehen zu platzieren etwas ganz anderes. Apollon hatte sein Talent und seine Kontakte, unterst;tzt durch die richtigen Geldgeber. Der Regisseur arbeitete gut, und Georges begann, seine fr;here Fernsehkarriere wieder aufzunehmen. Das Leben nahm mit neuem Elan Fahrt auf. Agnes setzte sich hin, um ein Drehbuch zu schreiben, doch was dabei herauskam, war eher eine Novelle, die sie zu einem Drehbuch ;berarbeitete. Sie ordnete die Handlung an zwei Schaupl;tzen an und reduzierte die Anzahl der Hauptfiguren. Ein Sponsor oder Auftraggeber war n;tig; sie konnte die volle Verantwortung f;r den Film nicht ;bernehmen! Sie wandte sich an ein befreundetes Diamantenunternehmen und erz;hlte ihnen von ihrem Filmprojekt – eine ideale Werbung f;r ihr Joint Venture. Sie dachten dar;ber nach und sagten zu, ihr Projekt zu unterst;tzen. Sie hatte bereits einige Prominente f;r die Besetzung im Auge. Niemand hatte Einw;nde.
Neben einem zugefrorenen Brunnen stand eine gro;e k;nstliche Tanne mit parallel angeordneten ;sten im Kreis. Ein Schwarm Stadtkr;hen hatte es sich in der Mitte des Baumes gem;tlich gemacht. Ohne diesen Neujahrsbaum h;tten die V;gel nirgendwo Schutz gefunden. Und der Baum bot so viele Sitzstangen – er war praktisch unzerst;rbar. Ein Mann blieb unter dem Baum stehen und zog einen Klapptisch aus seiner riesigen karierten Plastikt;te.
Er stellte ein vorbereitetes Vogelfutterhaus auf den Tisch: So sah es f;r die V;gel auf den ;sten aus.
Wenn Leute zu dem Mann kamen und ihm Geld gaben, ;ffnete er den durchsichtigen Deckel. Die Leute betrachteten das gl;nzende Futter und gingen weiter. Die V;gel waren sich in ihrer Vogelsprache einig: Wenn der Mann das Futterhaus ;ffnete, w;rde der ganze Schwarm herbeifliegen und ihm das gl;nzende Futter wegnehmen.
Der Mann ;ffnete den durchsichtigen Deckel f;r den n;chsten Kunden. Der ganze Kr;henschwarm flog auf ihn zu. Schnell schnappten sie sich die gl;nzenden Dinger und brachten sie zum Baum. Der H;ndler blickte auf seinen Stand – er war v;llig leer. Der letzte Kunde war so erschrocken von dem Kr;henschwarm, dass er lange verstummte und dann die Nummer des Fernsehteams w;hlte.
Das Fernsehteam traf schnell ein und filmte den H;ndler. Es stellte sich heraus, dass er Gold an einem nicht genehmigten Ort verkaufte. Die Nachrichten wurden sofort ausgestrahlt. Alle Zuschauer str;mten zum Marktplatz. Dort hatte sich eine riesige Menschenmenge versammelt. Der einzige Polizist im Dienst rief Verst;rkung, da sich so viele Leute um den k;nstlichen Weihnachtsbaum dr;ngten. Die Aufgabe der Polizei war simpel: zu verhindern, dass die Leute den Baum f;r die Goldandenken abbauten.
Die Kr;hen verloren das Interesse an den Goldgegenst;nden und lie;en sie auf die Zweige fallen. Ein goldener Schauer importierten Goldes ergoss sich vom Baum. Die Leute versuchten, Goldringe, Ketten und Armb;nder aufzuheben. Die Polizei versuchte, die Menge vom goldenen Baum wegzudr;ngen. Der H;ndler erstarrte und zog innerlich einen Schlussstrich unter sein Leben. Das Gold geh;rte ihm nicht; er hatte die Goldgegenst;nde nur schnell an einem belebten Ort verkaufen wollen. Der letzte Kunde sprang auf den Klapptisch, rief laut und fuchtelte mit den Armen, um die Leute aufzufordern, dem Stra;enh;ndler Gold zu geben. Die Menge war sehr besch;ftigt; viele krochen auf Knien unter dem Weihnachtsbaum und suchten nach Gold. Das goldene Festmahl der Kr;hen wurde live in den Nachrichten ;bertragen. Die Zuschauer zu Hause lachten herzlich vor dem Fernseher. Auch Agnes lachte, bis sie Apollon in dem H;ndler erkannte. Sie sah den Mann auf dem Klapptisch an. „Was macht Apollo denn da?“, dachte sie sofort. „Wozu braucht er Gold? Ein erwachsener Mann kniet auf einem kleinen Tisch inmitten einer Menschenmenge! Da steckt etwas dahinter! Das ist Goldwerbung! Die Leute werden genug sehen und dann Gold kaufen. Wir sollten mit Diamanten anr;cken!“
Kurz darauf stand Apollon mit einer durchsichtigen Schachtel neben dem Klapptisch. Er zeigte dem Kameramann die Diamanten in der Schachtel. Die Diamanten wurden live ;bertragen. Stolz ;ffnete Apollo die Schachtel. Zwei flinke Kr;hen schnappten sich je einen Diamanten und lie;en sich auf dem Tannenbaum nieder. Agnes beobachtete auf dem Fernsehbildschirm, wie die Diamanten aus der gepanzerten Kiste getragen wurden. Die Kamera zeigte das wachsende Get;mmel unter der Tanne. Die Leute erwarteten einen Diamantenregen. Das Gedr;nge war unglaublich. Jetzt dachte sie nur noch daran, wie Apollo in dieser Menge ;berleben sollte. F;nf Minuten sp;ter rief Apollo an; sie hatte seine Stimme schon wieder vergessen.
„Agnes, was f;r eine tolle Werbung f;r Diamanten!“, und das Telefon klingelte. Bestellungen trafen aus allen Richtungen ein. Tatjana rief ihren Sohn Wlad an. Er nahm die Bestellungen entgegen und gab sie Boris zur Pr;fung. Eine Gro;bestellung war aus dem Land der Teerose eingetroffen.
Wlad setzte sich auf Agnes’ Stuhl:
„Ja, wie viel Gold muss wohl verstreut worden sein, um in diesen Stuhl zu passen!“ In diesem Moment platzte Agnessa Iwanownas Tochter Angelina ins B;ro:
„Wlad, hast du hier das Sagen?“
„Heute bin ich f;r die Diamanten zust;ndig!“
„Dann mag ich dich!“
„Was, wenn es gesch;ftlich ist?“
„Darum geht es doch gar nicht!“
„Sprich schnell! Ich bin neugierig.“ Angelina, die Vlad ihre Neujahrsn;gel vor der Nase hielt, setzte sich auf den Besucherstuhl, schlug die Beine ;bereinander, wirbelte ihren Stiefel ;ber den Tisch und wurde dann pl;tzlich unertr;glich ernst:
„Vlad, alle sind weg! Mutter und Vater. Sie sind weg, aber wir haben nichts von ihnen geh;rt. Keiner von ihnen hat die Grenze ;berquert. Wirklich! Sie sind weg! Wei;t du, wohin sie verschwunden sind?“ Boris betrat den Raum:
„Wovon redet ihr, meine Herren?“
„Die Eltern sind weg!“, wiederholte Angelina.
„Was sollen wir tun?“, fragte Vlad. „;berpr;fen wir die Telefonverbindung“, schlug Boris vor. „Vlad, ruf mich von deinem Handy aus an.“
Vlad rief an, seine Stimme ver;nderte sich, und Boris h;rte eine ihm unbekannte Stimme.
Angelina nahm den H;rer ab, h;rte Vlad zu und sagte dann:
„Da hat jemand Schlaueres alle reingelegt. Warst du es nicht?“
„Wir nicht!“, antworteten die M;nner wie aus einem Mund.
Weitere Kunden kamen in den Raum. Sie verlangten die Diamanten in jeder Form zur;ck. Vlad ging zum versteckten Safe; er kannte die Kombination. Der Safe war leer. Die Kunden schrien aus vollem Hals.
„Ruhe!“, knurrte Boris.
Es wurde still.
„Verschwindet! Wir wissen alle von euren Diamanten. Leute sind verschwunden! Wenn wir die Leute finden, finden wir auch die Diamanten. Es waren keine Kr;hen, die sie weggebracht haben!“
Das Gesch;ft lief noch schlechter als Boris. Es gab keine Diamanten mehr im B;ro.
„Das ist ja was!“, rief Angelina. „Fassen wir zusammen: Feofan hat die Diamanten.“ Agnessa Iwanowna und Apollon Petrowitsch betraten das B;ro.
„Jungs, Feofan hat die Diamanten; er hat die Tresore geleert“, sagte Agnessa. „Nicht so laut, wir m;ssen ihn finden. Die Firma ist leer.“
Apollon rannte aus dem B;ro, stieg ins Auto und machte sich auf die Suche nach Feofan. Der ber;chtigte Feofan war in der Datscha. Er sa; auf einem Stuhl neben dem Tisch, auf dem die Diamanten lagen. Er sortierte die Steine wie Pilze.
Feofan sah Apollon betrunken an:
„Apollon, du bist gekommen?! Ich gebe dir die Diamanten nicht. Oder ich zahle dir L;segeld! Wegen dir habe ich kein Auto mehr. Ich habe es verkauft, als ich dich wegen meiner Entlassung verklagt habe.“
Apollon betrachtete das Elend um Feofan herum und bot an:
„Ich tausche die Diamanten gegen ein Auto. Reicht meins? Es steht im Hof.“
Feofan rannte zum Fenster. Ihm gefiel das Auto. Sie tauschten.
„Feofan, du verstehst, ich muss mit den Diamanten ins B;ro gebracht werden.“
Nach einer Weile erschienen Apollon und Feofan vor der B;rot;r. Sie brachten die Diamanten. Apollons Auto wurde Feofan durch einen Stellvertreter ;bergeben. Die Menge lachte. Ein erleichtertes Aufatmen ging durch das B;ro.
Agnes k;sste Apollon und sagte:
„Ich lasse dich nirgendwo hingehen!“
„Ich lasse dich nicht gehen.“
In diesem Moment kam Ilja Lwowitsch ins B;ro.
„Oh, alle sind da! Meine Leute. Wer muss hier bestraft werden? Eine Diamantenfirma – und das ohne Werbung! Also, wisst ihr, wer Denis Turin umgebracht hat?“
„Ich frage mich“, sagte Agnes.
„Ihr habt alle Denis umgebracht! Euer B;ro k;nnte man glatt vergittern.“
„W;rdest du es wagen, einen Diamanten f;r die Freiheit zu nehmen?“, fragte Apollon.
„Das reicht nicht, ich bin noch jung.“ „Wir geben dir die Auszeichnung ‚Bester Detektiv des Landes‘; wir haben sie gerade erst entworfen“, sagte Vlad.
„Jetzt reicht’s. Gebt mir den Diamanten, die Auszeichnung kann warten. Ehrlich, ich lasse das nicht auf sich beruhen!“, bewies Ilja Lwowitsch seine Integrit;t.
Tatjana war von den Schlussfolgerungen gekr;nkt. Sie wusste etwas, was sonst niemand wusste. Sie wollte Boris unbedingt besch;tzen, aber daf;r musste sie sich selbst preisgeben. Was sollte sie nur tun? Es war alles vor langer Zeit geschehen, als sie noch jung waren. Die Folgen von Agnessas weiblicher Prahlerei.
Am n;chsten Tag tauchten Angelina und Vlad, ob zuf;llig oder geplant, im B;ro ihrer Eltern auf.
„Mama, dein B;ro ist so langweilig!“ „Mama, was machst du denn hier?“, fragte Angelina Agnessa Iwanowna. Agnessa und Tatjana wechselten Blicke und schwiegen, in Erwartung weiterer Fragen.
„Also gut, meine Herren!“, fuhr Wlad fort. „Es gibt da einen fantastischen Auftrag f;r eine so verschlafene Truppe.“ Alle sahen Wlad interessiert an.
„Seht her, ihr seid doch schon wach, und ich habe nur gescherzt“, sagte Wlad und verstummte. Die Leute seufzten, winkten ab und wandten sich ab.
„Niemand braucht deine Diamanten, verstehst du das denn nicht?“, rief Angelina. Agnessa Iwanowna sah ihre Tochter missbilligend an. Apollon Petrowitsch sah seine Tochter ebenfalls missbilligend an.
„Warum bist du hierhergekommen, um uns die Laune zu verderben?“, fragte Apollon Petrowitsch Wlad. „Nein, Angelina und ich hatten die Idee mit dem Gl;cksdiamanten“, antwortete Vlad.
„Mehr Details bitte!“, fragte Apollon Petrowitsch. „Papa, du wei;t doch, dass Leute wegen gro;er Diamanten sterben, deshalb haben die Leute Angst, sie zu kaufen. Sie haben Angst vor den Geschichten“, begann Angelina. „Wir schlagen ein kleines Schmuckst;ck vor, wie einen Ohrstecker. Es ist etwa so gro; wie ein Knopf, genauer gesagt, so gro; wie eine Kopeke, und hat die Form eines Auges: ein Rubin in der Mitte, kleine Diamanten drumherum, und der letzte Ring ist aus Diamantstaub!“
„Angelina, aber wer soll denn diesen Unsinn kaufen? Wo soll man den denn tragen?“
„Bist du bl;d? Das ist doch nur eine Miniaturflagge! Gibt’s denn keine Patrioten in unserem Land? Das kostet doch nicht viel. Ein Riesenspa;! Und was f;r eine Wirkung! Einfach Werbung machen, fertig. Mama, du hast schon ewig keinen Werbespot mehr gedreht. Wir haben uns ein Musikvideo ausgedacht!“
Kapitel 7. Ein Zwischengeschoss mit einer ;berraschung
Eine Woche verging. Agnessa hatte eine Vorahnung, dass Tatjana nicht zur Arbeit erscheinen w;rde, also ging sie selbst hin. Sie betrachtete die verlassene Fabrik, den stillen Empfangsbereich, die stummen Telefone. Sie war eine Woche weg gewesen, und alles war wie ausgestorben, bis Tatjana kam. Boris traf kurz darauf ein.
Agnessa setzte sich auf ihren Stuhl – und das Telefon klingelte. Ein neuer Kunde kam. Die Polierer und Schneider trafen ein. Kunden erschienen im B;ro. Das Leben begann sich zu drehen. Die Vorbereitungen f;r einen neuen Film liefen auf Hochtouren, aber Agnessa fragte sich, ob sie ihn h;tte annehmen sollen, obwohl sie das Geld zusammenhatte und alles mit den Schauspielern gut geklappt hatte.
Sie eilte zwischen drei Projekten und zwei M;nnern hin und her, und genau wie Tatjana sp;rte sie eine gewisse Ersch;pfung. Offenbar schl;gt die Jugend in der Liebe zwei Fliegen mit einer Klappe, aber im reiferen Alter reicht selbst ein Hase nicht immer aus.
Apollo blickte auf die reglose Agnes und wusste nicht, was er ihr sagen sollte. Er hatte sie noch nie in einem solchen Zustand gesehen. Eine tiefe Hoffnungslosigkeit umgab sie. Er schloss die T;r zu ihrem Zimmer und ging in sein eigenes. Agnes' Melancholie hatte ihn angesteckt; er war bereit, ihre Freunde zu einem Treffen einzuladen, nur um sie aufzur;tteln. Er konnte Agnes' verzweifelten Zustand nicht ertragen und rief ihren Freund Georges an. Er erreichte ihn auf seinem Handy. Georges war zu Hause. Eine halbe Stunde sp;ter traf er ein.
„Ich halte das Treffen der M;nner f;r offen“, sagte Apollo und erkl;rte die Situation: „Ich kenne die Schwierigkeiten beim Diamantenhandel besser als jeder andere; ich arbeite schon lange damit, bin aber nicht reich geworden. Sie sind immer nur ;rger.“
„Was k;nnen wir Agnes anbieten?“, fragte Georges. „Ohne viel Geld k;nnen wir sie nicht aufmuntern. Apollo, du greifst mich an, und ich bin kein Million;r!“, rief er aus.
„Wer redet hier von einem Million;r?“, fragte der harmlose Georges. „Wir brauchen einen Gedanken, eine Idee“, erkl;rte Apollon.
„Agnes wird von einem Drehbuch gequ;lt, das sie noch gar nicht geschrieben hat, also br;tet sie es aus“, sagte Georges.
„Georges, du bist ein Hammer, eher ein Vorschlaghammer, du denkst richtig! Wir k;nnen Agnes nicht mit Pillen ruhigstellen, wenn ihr Gehirn sich etwas Neues ausdenkt“, sagte Apollon und f;gte hinzu: „Sie braucht Diamantpillen, wer wei; das denn nicht! Ich gebe sie ihr, aber erst mal nur ein bisschen; wenn wir gut verkaufen, gebe ich mehr.“
„Und an wen sollen wir verkaufen?“, fragte Georges naiv.
„Du Unmensch, wei;t du es denn nicht? Geh zu Boris, der verkehrt in den Kreisen der Reichen.“
„Ich arbeite schon eine Weile f;r ihn, aber ich wollte die Diamanten ;ber Agnes und ihren Juwelier verkaufen“, sagte Georges niedergeschlagen.
„Tja, jeder will alles haben, und faul sind sie auch noch.“ „Papa, wir haben uns keinen Millimeter bewegt“, sagte Apollon fr;hlich, als er sah, dass es niemanden gab, dem er auch nur eine kleine Menge Diamanten zur Bearbeitung geben konnte.
„Meine Herren, hallo! Woher kommen Sie und wohin gehen Sie, warum und wozu?“, sagte Agnes und betrat leise den Raum.
„Hurra, Agnes ist wach!“, rief Apollon.
„Wir haben eine ;rzteberatung, wir wollen Sie heilen, aber ohne Ihre Ideen sind wir machtlos“, sagte Georges, absichtlich fr;hlich.
„Jungs, es gibt eine Idee, ein Drehbuch ;ber die Diamantenleute zu schreiben, ;ber uns, und was haltet ihr davon?“, fragte Agnes ruhig.
„Hat sie entbunden oder wird sie entbinden?“, sagte Georges ruhig.
„Okay, Agnes, schreib das Drehbuch. Hast du Lust, einen Film mit uns zu drehen?“, fragte Apollon.
„Habt ihr schon eine Idee, woher ihr das Geld nehmen sollt?“, fragte sie ruhig.
„Schreib, Agnes, schreib!“ „Ich sage meiner Firma, dass du einen Werbespot ;ber uns drehst, ich bringe andere Diamantenfirmen ins Spiel, und wir kratzen das Geld f;r den Deal zusammen“, sagte Georges nachdenklich.
„Oh, ich brauche ein kleines Abenteuer!“, rief Agnes.
„Genau!“, donnerte Georges.
„Ich wei;! Ich sp;re es: Tatjana hat ein geheimes Versteck! Wer wird es in ihrer Wohnung finden? Holt eine Wahrsagerin, aber findet es! Oder soll ich zu ihr gehen?!“, rief Agnes.
„Agnes, spinnst du? Was l;sst dich glauben, dass Tatjana ein geheimes Versteck hat?“, fragte Apollon, wie ein alter Freund Tatjanas.
„Ich lag nicht einfach nur da, ich war im siebten Himmel! Ich verstehe, warum Tatjana sich zu dem Juwelier hingezogen f;hlte. Sie hat ein geheimes Versteck voller Diamanten, aber sie wei; nichts davon! Und Diamanten sind m;chtig; sie sprechen durch W;nde“, sagte Agnes atemlos.
„Agnes, hat Boris dieses Versteck eingerichtet?“, fragte Apollon.
„Nein, die Sache ist die: Geld zieht Geld an, und Diamanten ziehen Diamanten an. Boris lebt mit Tatjana zusammen, weil sie beide Diamantenmenschen sind, es ist ihr Schicksal“, sagte Agnes ernst.
„Wow! Das ist Agnes' Geschichte! Wir sind Diamantenmenschen!“, rief Georges laut.
„Georges, du hast recht. Wir m;ssen Tatjanas Versteck finden. Ich kann es in ihrer Abwesenheit finden. Wir m;ssen sie und ihren Sohn verreisen lassen, mindestens f;r eine Woche“, sagte Agnes schnell.
„Agnes, ich habe eine L;sung!“ „Ich lade Tatjana und ihre Familie zu einer Reise ans Mittelmeer ein. Die Schl;ssel gebe ich euch, dann k;nnt ihr sie selbst finden“, sagte Apollon.
„Was f;r ein Wagnis! Geht alle nach Hause!“ „Okay, trinken wir etwas Champagner und gehen dann nach Hause“, sagte Agnes und brachte rasch eine Flasche Champagner und Gl;ser.
„Auf uns!“, sagte Apollon und trank erleichtert, als w;re er lange in der Luft gehangen. „Ich habe euch ja nicht umsonst zusammengetrommelt, v;llig umsonst!“ Und er ging, ohne auf die G;ste zu warten, um sich auszuruhen.
Das Ziel war gesetzt! Sie hatten die Wahrsagerin nicht gerufen. Nachdem alle gegangen waren, betraten Agnes und Georges Tatjanas Wohnung. Sie lie; ihn W;nde und B;den untersuchen. Das Ergebnis: nichts. Ihr Blick wanderte zum Zwischengeschoss. „Wie viel Platz brauchen Diamanten?“, dachte Agnes, und sie sollte Recht behalten.
„Georges, geh hoch ins Zwischengeschoss; du brauchst nur einen Hocker“, sagte sie. „Sieh nach, wo du ein rundes Holzetui verstecken kannst.“
Georges kletterte auf den Hocker und sp;hte in einen hohen Abstellraum, der eigentlich f;r Haushaltskram gedacht war. Im Zwischengeschoss standen zwei runde Pfosten, wie ein halbierter Schaufelstiel. Einer der Pfosten war aus Verbundmaterial, und da sie schon lange dort standen, waren sie bereits mehrmals gestrichen worden.
„Ich hab’s gefunden. Komm her“, sagte Georges. Agnes kletterte auf einen Hocker und bemerkte die Pfosten. Sie standen n;her zur Mitte des Zwischengeschosses.
„Georges, r;ck den Tisch weg“, bat Agnes.
Georges hatte den Tisch unter die Galerie gestellt, sodass sie die Tischbeine erreichen konnte.
„Die m;ssen weg. Ich bin zu schwach. Mach sie nicht kaputt. Leg los, Georges.“ Der Mann schwang die Tischbeine vorsichtig. Mit einem Schlag l;ste er sie und reichte sie vorsichtig Agnes. Sie setzten sich in die K;che und drehten die Stangen; jetzt reichten sie nur noch f;r einen Spaten. Georges drehte das bemalte Holzst;ck und zog ein Federm;ppchen aus der Mitte. Darin waren Diamanten. Und es waren sogar zwei Federm;ppchen.
„Georges, sollen wir beide Federm;ppchen mitnehmen oder eins f;r die Vermieterin lassen?“
„Ich w;rde beide nehmen, aber ohne die Federm;ppchen, und sie m;ssen an ihrem Platz bleiben.“ „Wisch dir die Fingerabdr;cke ab, wenn du das Federm;ppchen zur;ckstellst.“ Die Diamanten glitzerten matt in Agnes’ Handfl;che. Sie hatte die Diamanten abgebaut, aber wer konnte aus Rohdiamanten Diamanten schleifen? Sie beschloss, diese Aufgabe regelm;;ig ihrem geliebten Apollo zu ;bertragen.
„Apollo, erinnere dich an deine Jugend und werde Diamantschleifer. Wir modernisieren dein B;ro. Wir besorgen dir Werkzeug. Wir nennen dich Juwelier. Der Buchhalter, der uns besucht, hilft dir, Kontakte zu kn;pfen.“
„Agnes, ich kann Diamanten schleifen, aber ich habe noch nie mit Gold gearbeitet. Diamanten ohne Fassung lassen sich nicht verkaufen.“
„Du bist klug, Apollo. Es gibt mehr Goldschmiede als Diamantschleifer. Ich besorge dir eine Assistentin. Wir gr;nden eine Firma namens ‚Shine‘, ;ber die wir unsere Produkte verkaufen.“
„Liebling, es ist schwer, mit dir zu diskutieren! Du l;st all deine Probleme mit einem einzigen Gedanken.“ Ich habe das Gef;hl, du bist ;lter und kl;ger als alle anderen und noch sch;ner!
– Liebling, warst du mit meinem Vorschlag einverstanden? Ich bin froh, dass ich dich nicht ;berreden musste. Wir m;ssen einen Designer finden, der Diamantschmuck herstellt, nicht nur Ohrstecker.
— Agnessa, schau dir Kataloge an, geh auf Ausstellungen, sieh dir an, was es in den L;den gibt. Dann vergisst du das mit den Filmen und schreibst keine Drehb;cher ;ber uns – zu unserem Nachteil. Ich will kein Filmheld sein, ich will einfach nur Diamantschleifer sein!
— Ich habe die Theorie ;ber die Diamantenmenschen getestet. Tatjana wusste nichts davon. Die Diamanten in Tatjanas Haus zu finden, best;tigte meine Theorie: „Diamanten auf Diamanten“ – jetzt sind wir alle Diamantenmenschen.
— Wow! Du hast Leute bestohlen und nennst sie jetzt Diamanten?!
— Sie werden immer noch Diamanten haben, glaub mir, aber sie wussten nichts davon und haben das Versteck ;bermalt. Denis hat es clever versteckt, und nur ich habe es bemerkt.
Tatjana kam nach Hause und sp;rte, dass etwas nicht stimmte, als h;tte jemand in ihrem Haus nach etwas gesucht. Die Sachen waren nicht verstreut, aber leicht verschoben. Wonach hatten sie nur gesucht? Boris beruhigte sie und sagte, der Kobold h;tte gestern gesucht. Sie verstummte, doch ihr Herz fand keine Ruhe. Sie hatte einen wundersch;nen Urlaub mit Boris am Mittelmeer verbracht. Es war zwar etwas ungew;hnlich, unter Menschen Urlaub zu machen, die andere Sprachen sprachen, aber mit ihrem Begleiter f;hlte sie sich geborgen und wohl.
Zuhause traf Vlad auf Boris Borisowitsch, einen st;ndigen Verehrer seiner Mutter Tatjana Petrowna. Doch nun wollte ebendieser Boris, Gesch;ftsf;hrer der nordrussischen Firma „Witjas“, eine Aufenthaltsgenehmigung f;r Moskau und obendrein eine Wohnung.
Die g;tige Tatjana Petrowna, eine wahre Frau, willigte in alles ein. Vlad lebte nun getrennt und lie; seine Mutter in Ruhe. Boris blieb in ihrem Haus wohnen, doch ein anderer Mann begann, in sein Revier einzudringen. Tatjana Petrowna lie; sich vor;bergehend mit Boris an der C;te d’Azur nieder. Sie gab Agnes’ Firma auf. Der Stress des Diamantengesch;fts hatte sie etwas mitgenommen, aber sie hatten Geld.
Boris w;hlte die teure K;ste; Nach dem Norden und der Hauptstadt war es der sch;nste Ort auf Erden. Sie mieteten verschiedene Wohnungen, manchmal ganze Pal;ste. Sie stellten Bedienstete ein. Vlad lie; sie in Ruhe; er war erwachsen geworden. Tatjana war st;ndig mit ihrem Aussehen besch;ftigt. Ihr Gesicht hatte in letzter Zeit jugendlich gestrahlt, ihre Beine waren von einem langen, leichten Rock bedeckt, doch ihre unbedeckten Arme verrieten sie. H;nde, die oben, mittig zwischen Schulter und Ellbogen, sind ein Verr;ter an einer Frau; dort konzentrieren sich die Falten. Boris und Tatjana drehten einen Film ;ber ihr vornehmes Leben an der C;te d’Azur. Und als Tatjana den Film sah, war sie entsetzt ;ber ihre eigenen H;nde. Sie ;berstrahlten die Fliesen vor dem Caf;, in dem sie so gern a;en.
Das Ufer hinter ihr war weniger erfreulich als die Falten an ihren H;nden. Tatjana beschloss, Agnes nicht mit einem solchen Film zu erfreuen, sondern in einer d;nnen Bluse mit Goldf;den zu drehen.
Agnes erhielt den Film, und sie und das Filmteam reisten an die C;te d’Azur. Nun war Tatjana bereit f;r die Dreharbeiten. Was sie tat und wof;r, ist unbekannt, doch ihre H;nde strahlten vor Jugend. Die Dreharbeiten ;ber das himmlische Leben von Tatjana Petrowna, der Witwe des Fernsehmoderators Denis Turin, wurden ein gro;er Erfolg im Fernsehen. Reiseb;ros trieben die Preise f;r die C;te d’Azur in die H;he, und Tatjana und Boris mussten sich ein bescheidenes Haus hoch in den Bergen mieten. Das ist der Preis des Ruhms!
Solange Tatjana und Boris am Mittelmeer lebten, lie;en sie Vlad in Ruhe, doch ihre R;ckkehr missfiel ihm. Ob sie verheiratet waren oder nicht, k;mmerte Vlad Turin vorerst nicht. Vlad warf Boris aus dem Haus, und dieser ging. Tatjana geriet in einen heftigen Streit mit Vlad. Sie fuhr ihren Sohn an, woraufhin er sie zweimal schubste und ihr damit klarmachte, wer das Sagen hatte. Sie trennten sich als erbitterte Feinde.
Agnessa zeigte ihm ihren Fund: Rohdiamanten. Er meinte, die Diamanten vom Dachboden w;ren eine gute Erg;nzung f;r die Entwicklung des Unternehmens. Agnessa war nicht ;berrascht; sie freute sich auf das neue Projekt. Sie hatte bereits einen Arbeitsplatz f;r den Diamantschleifer eingerichtet, wartete aber noch auf Apollons Zustimmung. Diese kam gerade noch rechtzeitig. Sie beschloss, den Schmuckdesigner zu treffen.
Der Designer zeigte Agnessa seine zahlreichen Schmuckskizzen. Er arbeitete allein und war froh, sich ihr nach langem Schweigen endlich anzuvertrauen. Er betrachtete seine Arbeit nicht als Geheimnis und freute sich ;ber das Publikum. Sie waren so vertieft in ihre Arbeit, dass sie kaum wieder zu sich kam, als seine H;nde ;ber ihre Knie glitten. Nein, sie beschloss, ihm nicht nachzugeben. Das Wichtigste an seiner Arbeit waren die Skizzen, die Gedanken auf dem Papier, die lange und m;hsame Arbeit eines K;nstlers.
Agnessa stand stolz auf, ;berreichte dem Designer einen diamantenengro;en Anh;nger f;r ihren Besuch und zeigte ihm auf seiner Zeichnung, wo er ihn platzieren k;nnte. ;bergl;cklich, verstanden zu werden, verga; der Designer die k;rperliche Zur;ckweisung. Zufrieden trennten sich ihre Wege. Agnessa kehrte mit dem Gedanken nach Hause zur;ck, selbst neue Muster zu zeichnen, und begann, neue Schmuckst;cke zu entwerfen.
Das B;ro der Firma „Blesk“ befand sich im ersten Stock des Geb;udes, der Eingang lag am Ende. Video;berwachung und ein Sicherheitssystem mit elektronischen Schl;sseln sicherten die R;umlichkeiten. F;r den Fall eines Stromausfalls war das Sicherheitssystem mit langlebigen Batterien ausgestattet. Ein Stromausfall beeintr;chtigte das Sicherheitssystem nicht. Die B;rot;r war elektronisch gesichert, und im B;ro sa; der erfahrene Wachmann Georges.
Agnessa wurde immer h;ufiger von Angst heimgesucht. Und so traf sie eine Entscheidung: Die Diamantenproduktion sollte auf Stammkunden beschr;nkt bleiben, w;hrend regul;re Besucher nur den Diamantenersatz – Zirkonium – zu sehen bekamen, den Apollon wie Diamanten schliff. Der Schmuck sollte der Entspannung dienen. Alle Tresore waren versteckt. Ruhm ist unberechenbar, und es ist verst;ndlich, dass das Unternehmen ins Visier bestimmter Personen geriet.
Bei der Firma „Blesk“ wollten viele Profit machen, was vor allem dem Ruf des Unternehmens schadete. Die Freude ;ber die Auftr;ge war keine Freude. Agnessa wollte sich mit einem Buch hinlegen und an nichts denken. Sie war m;de, und ihre Sorgen waren berechtigt. Das B;ro des Unternehmens befand sich in einem Wohnhaus. Die Wohnung ;ber dem B;ro hatte den Besitzer gewechselt; den Vormietern wurde eine gute Alternative angeboten, und sie stimmten dem Umzug zu, zumal die Maschinen, wenn auch nur Tischger;te, im Erdgeschoss in Betrieb waren.
Nachts wurde das Licht im B;ro gedimmt; in Wirklichkeit war niemand da, und diese Information wurde an die richtige Stelle im zweiten Stock weitergeleitet. Die B;rofenster waren durch elegante Sicherheitsgitter mit Alarmanlage gesichert, die man von Agnessas Wohnungsfenster aus sehen konnte.
Im zweiten Stock liefen die Vorbereitungen, um die B;rodecke aufzubrechen. Der Raum dar;ber war komplett schallisoliert. Die Stahlbetondecke bestand aus hochwertigem Material, und ein Loch musste schnell, vor allem nachts, hineingebracht werden. Die Einbrecher entfernten das Linoleum vom Boden und schnitten dann mit einem Diamantwerkzeug eine Nut um den Rand des zuk;nftigen Lochs, die sie anschlie;end von Hand erweiterten. Es gab zwei Vorschl;ge: die Decke zu sprengen oder mit mehreren Bohrern um den Rand des Lochs zu bohren. Man beschloss, beide Optionen zu verfolgen.
Sie f;llten die L;cher mit Sprengstoff und z;ndeten ihn zu Musik. Nun mussten sie nur noch mit einem Hammer auf den Boden schlagen, und das Loch war fertig. Sie lie;en eine Leiter herunter, und schlanke, flinke M;nner kletterten hinauf in das B;ro von „Blesk“. Sie ;ffneten alle Schr;nke und entdeckten Tresore – modische, kleine. Die Diebe trugen die Tresore in den ersten Stock und brachten sie noch in derselben Nacht vergn;gt weit weg vom Haus, um sie dort ;ffnen zu lassen.
Die Putzfrau war an diesem Morgen die Erste, die zur Arbeit kam. Als sie das Loch in der Decke und die weit ge;ffneten Schrankt;ren sah, rief sie die Besitzerin, Agnessa. Agnessa und Apollon kamen sofort ins B;ro gerannt. Agnessa lie; sich auf einen Stuhl fallen, lie; die Arme sinken und brach in ein fr;hliches, helles Lachen aus. Sie war erleichtert!
Die R;uber hatten die Tresore mit dem Schmuck gestohlen! Ihre Vorahnung hatte sich bewahrheitet!
Der Diamantentresor war wie ein Heizungsrohr geformt und an die Heizungsanlage geschwei;t. Die Decke war einbetoniert und mit luftigen wei;en Quadraten verziert.
Agnes war erleichtert: Was sie so lange bef;rchtet hatte, war eingetreten. Sie hatten versucht, sie auszurauben, aber die Diamanten waren nicht gefunden worden. Schlie;lich hatten sie bescheiden am Boden einer Kristallvase mit pr;chtigen Chrysanthemen gelegen.
Agnes blickte zum Himmel: Nein, kein Diamantmeteorit war vorbeigeflogen, nur die Wolken waren vom Wind gedehnt worden. Apollos Gesicht w;re noch l;nger geworden, h;tte er erfahren, was er in den Bergen gefunden hatte! Und ein gewisser Boris, der sich in einem rauen Klima aufgehalten hatte, war wieder an seinen Arbeitsplatz zur;ckgekehrt.
;berraschenderweise war er nicht v;llig ;berrascht, dass er nicht bekommen hatte, was er wollte. Apollo lachte und fragte leise: „Agnes, kann man jemanden mit gemahlenem Topas vergiften?“ „Nein, das geht nicht! Man kann jemanden nicht mit zersto;enen Diamanten vergiften! Du hast zweimal verloren. Wen wolltest du denn vergiften?“
„Boris’ Manager! Du fragst ja wirklich! Wir haben einen Tauschhandel gemacht: Ich habe ihm kleine, durchsichtige Steine gegeben, und er hat mir diese hier gegeben, aber gr;;ere! Ich wollte unbedingt gro;e Diamanten, so gro; wie Waln;sse! Man sagt ja, im Leben gewinnt derjenige mit dem gr;;eren Diamanten! Ich wollte dir doch nur helfen!“
„Apollo, Boris hat dich besiegt: Er hat Diamanten, und du hast Topase!“
„Erinnere mich blo; nicht daran! Wie er mich denn bekommen hat! Der Gouverneur der Nordregion hat Boris Topase gegeben …“
„Ihr beide habt mich doch bekommen! Ich muss eine Ladung Halsketten anfertigen, aber woraus soll ich sie machen? Woraus soll ich sie nur machen? Ich habe nat;rlich ein paar Diamanten. H;r mal, Apollo, wenn du so schlau bist, solltest du dir eine volumin;se Halskette ausdenken.“ Kann ich deine Topase haben? Ich h;tte da eine Idee f;r eine sch;ne Halskette. Mach hohle Goldkugeln, lege einen gro;en Topas in die eine, einen kleinen Diamanten in die andere. Genau das brauche ich! W;rdest du sie mir verkaufen? Von deinem Hals?
Apollo h;rte nicht zu, in seinem Kopf formte sich ein Racheplan:
„Agnes, ich nehme jedes Angebot an! Oder noch besser, sag mir, welche Dosis Diamantgift braucht Boris?“
„Weniger als die Kosten eines Auftragsmordes.“
„Gib mir den Diamantenstaub, sei ein Mann!“
„Nein, mach mich nicht zum Komplizen.“
„Aber du hast mir doch selbst gesagt, woraus man das Gift herstellen kann! Wenn du nicht helfen willst, dann lass es! Dann gib mir diese Topase, und ich gehe zu Boris f;r den zweiten Tausch!“
„Apollo, sei nicht dumm, du kannst ihn nicht t;uschen. Boris ist schlau und gerissen! Lass uns einfach schweigen und so tun, als ob wir ihm seine T;uschung geglaubt h;tten.“ „Nach dem Diamantschleifen bleibt Diamantenstaub ;brig. Kannst du ihn mir geben?“
„Kein Problem. Sofort. Wir sammeln den Diamantenstaub in einem Beh;lter. Ich nehme eure Topase daf;r.“
„Einverstanden!“, rief Apollo freudig, nahm den Beh;lter mit dem Diamantenstaub und verlie; das B;ro.
Nachdem er gegangen war, h;rte Agnessa auf, auf einen diamantbeladenen Meteoriten zu warten, und begann, den Schmuck zu skizzieren. Er w;rde vielleicht hohl sein, so gro; wie eine Walnuss, aber er w;re billiger, was die Zahl potenzieller K;ufer erh;hen w;rde.
Boris zeigte seinem Team die Diamanten, die er relativ ehrlich erworben hatte. Er bewies einmal mehr, dass sein Beitrag zum gemeinsamen Ziel deutlich gr;;er war als der der anderen und dass er nach wie vor der Wichtigste unter ihnen war. Das Boarding-Team nickte fast jedem geborgenen Diamanten respektvoll zu. Alle waren zufrieden. Man sa; um einen Tisch mit transparenter Platte, auf dem Getr;nke und Speisen in versiegelten Verpackungen standen, die eigens f;r diesen Anlass im Einkaufszentrum gekauft worden waren.
Apollo betrat das sogenannte B;ro mit einem L;cheln auf den Lippen. Alle rissen ;berrascht die Augen auf, und er stellte eine riesige Torte auf den Tisch und sagte:
„Hallo zusammen! Hier ist eine kleine Aufmerksamkeit von mir! Quasi als Dankesch;n f;r den Austausch mit Boris. Ich muss jetzt aber los und verabschiede mich!“ Apollo stellte die Torte auf den transparenten Tisch. Die Leute betrachteten die kostbare Torte, erkannten sie, freuten sich ;ber die Geste und begannen zu essen und zu trinken. Apollo st;rmte in h;chster Aufregung aus dem B;ro. Er hatte noch nie jemanden vergiftet oder get;tet, und nun stand er hier und lie; eine Torte mit dem gesamten Diamantenstaub aus dem Beh;lter zum Verzehr zur;ck! Er zitterte am ganzen K;rper.
Und alles war vergebens.
Boris bevorzugte Fleisch in versiegelter Verpackung und a; keinen Kuchen. Von den sieben Personen am Tisch a;en drei den Kuchen, und nur einer, der Dickste der Gruppe, a; ihn ganz auf. Zwei ;berlebten problemlos, weil sie es geschafft hatten, zu viel zu essen und zu trinken, und alles kam wieder heraus, als w;ren sie vergiftet worden. Aber der Dickste wurde krank. Er war der Harmloseste, er wurde f;r seine guten Taten behalten.
Der Arzt verordnete ihm f;nf Tage Fasten und acht Liter Wasser. Aber niemand dachte daran, das Essen zu analysieren. Boris wurde misstrauisch gegen;ber dem Kuchen, aber nur kurz. Gesch;ftliches lenkte ihn ab. Agnes betrat die Juwelierfirma. Boris folgte ihr in einem riesigen Wagen mit Leibw;chtern ins B;ro, die pomp;s die Fl;gel ihres Herrn imitierten. Geld f;hrt zu Geld, Diamanten zu Topasen, und er brachte eine neue Lieferung Diamanten.
„Agnes, hallo“, sagte Boris, „ich habe eine Lieferung Diamanten gebracht. Deine Aufgabe ist es, sie zu polieren und zum Gl;nzen zu bringen.“ Wei;t du, wir hatten mal einen dicken Mann, der krank wurde, und das war so seltsam! Er hat viel gegessen, ist dann an einem Kuchen erstickt und hungert jetzt.
„Was f;r ein Kuchen, den du dir nicht selbst gekauft h;ttest?“, fragte Agnessa, die ahnte, dass etwas nicht stimmte.
„Ein wundersch;ner Kuchen, Apollo hat ihn gebracht.“ Agnessa sah Boris ;berrascht an und fragte:
„Boris, hast du den Kuchen gegessen?“
„Nein, ich bin keine Naschkatze. Willst du damit sagen …“
„Ich sage gar nichts, ich nehme deine Diamanten zum Polieren mit …“ Boris blieb nicht lange im B;ro; er lieferte die Diamanten ab, und das Geld wurde auf das Firmenkonto ;berwiesen. Er sprach kaum mit Agnessa. Sie sah ihm nach und fragte sich, warum Menschen nur eine einzige Liebe hatten. Woher kam das? Und warum gab es so selten ein zweites Mal? Und ist das erste Mal historisch gesehen fast unvermeidbar? Sie dachte auch dar;ber nach, wie Boris dem Tod, den Apollo f;r ihn geplant hatte, entkommen war. Das bedeutete, dass sein Herr es wert war – und was war er wirklich wert? In ihrem Herzen hatte sich der Wunsch nach einer romantischen Begegnung mit Boris entwickelt. Was f;r eine Romanze konnte es mit einem solchen Mann geben? Nur eine: einen Diamanten zu finden.
Die Arbeit am Schleifen der Topase wurde durch einen Anruf von Zoya, Ilya Lis' Assistentin, unterbrochen:
„Agnessa, hallo! Ich habe ein Ungl;ck; mein Cousin ist unter sehr seltsamen Umst;nden krank.“
„Soll ich mit dir mitf;hlen? Oder brauche ich Hilfe?“
„Ich muss das mit jemandem besprechen. Ich habe einen Halbbruder, einen gro;en Mann, um nicht zu sagen fettleibig. Er hatte eine Schw;che – er konnte Kuchen auf einmal essen, und trotzdem trank er nicht, rauchte nicht und mochte keine Frauen. Siehst du, Agnessa, alle Indizien f;hren zu dir!“ Die Jungen sagten, Apollo habe ihnen diesen Kuchen zum Mittagessen gebracht. K;nntest du mir sagen, was einen so Allesfresser wie den dicken Mann vergiften k;nnte? Welchen Rat w;rdest du Apollo geben?
„Das ist ein schwerwiegender Vorwurf. Ich kann nur sagen, dass wir einen Beh;lter mit Diamantenstaub verloren haben.“
„Kann Diamantenstaub einen Menschen vergiften?“
„Aus Sicherheitsgr;nden m;ssen alle Abf;lle der Diamantenverarbeitung gesammelt werden. Deshalb haben wir Metallzylinder mit Deckeln. In der Antike wurden zu Pulver zermahlene Diamanten als Gift verwendet.“
„Wir m;ssen noch herausfinden, wer das wusste und den Beh;lter genommen hat. Obwohl es klar ist, dass Apollo ihn genommen und auf den Kuchen gestreut hat. Ich habe nachgesehen, und alle Zutaten auf dem Tisch wurden in einem exklusiven Kaufhaus in versiegelter Verpackung gekauft. Der Kuchen stammt aus demselben Kaufhaus, aber die Verpackung l;sst sich leicht ;ffnen und schlie;en, und die wei;e Kokosnusspulver-Glasur gl;nzt, sodass sich das Diamantenpulver leicht damit vermischen kann.“
„Gut gesagt!“ Wenn Apollo den Kuchen vergiftet h;tte, h;tte er auch Boris vergiftet, da dieser Apollo Topase statt Diamanten untergejubelt hatte.
„Jetzt ergibt alles Sinn!“, rief Zoya aus und schaltete ihr Handy aus.
Der Diamantstaub lag in einem Beh;lter und erregte die Aufmerksamkeit von Wasserkraftexperten. M;nner in ihren Machtgew;ndern tr;umten von einer unm;glichen Leistung: Diamantstaub auf alternde Wasserkraftwerke zu blasen und so ein Wunder zu vollbringen – die Erschaffung brandneuer, gigantischer Wasserkraftwerke. Sie wussten bereits, dass schon eine winzige Menge dieses Staubs die Klebeverbindungen von Aluminium verst;rkte. Was w;re, wenn ein Beh;lter mit Diamantstaub das Wasserkraftwerk wieder in seinen urspr;nglichen Zustand versetzen k;nnte? Tr;ume mussten wahr werden! Um dem bevorstehenden Ereignis mehr Glaubw;rdigkeit zu verleihen, luden sie einen Schamanen ein, der sich ;bergl;cklich zeigte. Der Schamane wiederum lud die indigenen Bewohner des Flusstals ein, durch das das gewaltige Wasserkraftwerk floss. Die einzigen, die zu diesem Spektakel nicht eingeladen waren, waren die Spezialisten f;r Wasserkraftwerke. Sie waren l;ngst in Vergessenheit geraten.
Die Einheimischen kamen regelm;;ig zum Wasserkraftwerk, um Gewichte f;r ihre Angelausr;stung zu holen. St;ndig schraubten sie Schrauben, Bolzen und Muttern ab und freuten sich ;ber die Fische, die sie im breiten Fluss fingen.
Von oben, scheinbar vom Himmel herab, wurden Pl;ne f;r Kilowattstunden Strom verk;ndet, doch die Einheimischen k;mmerten sich nicht im Geringsten darum. Die Gl;hbirnen in ihren H;usern leuchteten immer einwandfrei. Mit der Zeit verga; jeder, dass die Wasserkraftanlage vorbeugende Wartung ben;tigte, doch es gab keine Pl;ne von oben, die Anlagen abzuschalten. Eine Hydraulikeinheit machte Probleme. Wie sich herausstellte, war sie abgeschliffen worden: Das Metall war unglaublich fein, und jemand hatte Gefallen daran gefunden. Die Hydraulikeinheit war mit einem Deckel abgedeckt – und ja, abgedeckt, denn alle Bolzen waren unter Wasser verschwunden, um die Fische zu fangen.
Die Menschen ahnten nicht, wie lange es dauern w;rde, bis das Wasserkraftwerk in einem gro;en Tumult ausbrechen w;rde. Doch die Hydraulikeinheit hatte die st;ndigen St;rungen satt und war au;er Kontrolle geraten! Alles darin begann sich zu drehen, zu wirbeln, aufzusteigen und sich zu befreien, um dem Hochwasser den Weg freizumachen. So konnten die Menschen direkt an ihrem Arbeitsplatz fischen. Es erwies sich als ;u;erst n;tzliche Wasserbauanlage.
Mit Hilfe der Armee des Katastrophenschutzministeriums bew;ltigten die Menschen das Hochwasser. Und sie begannen, von der Vergangenheit zu tr;umen, davon, wie man die Wasserbauanlage so schnell wieder in ihre urspr;ngliche Position bringen k;nnte, als w;rde man eine Mutter l;sen. Und das Einfachste – die Wasserbauanlage mit Diamantstaub bestreuen. F;r eine gute Einheit ist nichts zu viel.
Kapitel 8. Enteraktion
M;nner haben ihre eigenen Spiele. Das Team namens „Enteraktion“ sa; an einem Glastisch auf schmiedeeisernen St;hlen. Die letzten Minuten bis zur Operation zur Absetzung des Regionalgouverneurs tickten. Durch das Glas konnte man die Bewegungen der Arme und Beine derjenigen beobachten, deren Handlungen oft unangemessen waren. Herr Boris sa; am Kopfende des Tisches und blickte sehns;chtig auf die Handgruppen unter dem Glas. Die Aufgabe musste in wenigen Stunden erledigt sein; Die Frist war knapp, abh;ngig von Informationen ;ber die Bewegungen des Gouverneurs.
Boris ;berpr;fte erneut die Handlungen seiner M;nner entlang der Befehlskette. Jeder erkl;rte seine Verantwortlichkeiten klar, sobald die Informationen ihr Ziel erreicht hatten. Der Gouverneur war in letzter Zeit st;ndig nerv;s gewesen; w;re er noch der Alte gewesen, h;tte er einfach Bier getrunken, aber seine Position zwang ihn zur N;chternheit.
Man fragt sich, warum es so viele Institute zur Ausbildung von Verwaltungsangestellten auf allen Ebenen gibt, wenn der Regionalchef jemand ist, der so weit von der Macht entfernt ist. Wer war denn der Gouverneur vorher? Ach, ein Taugenichts von einem dicken Mann! Er war der Star in Bierwerbespots. Die Leute liebten diese Spots, liebten den dicken Mann wegen seines naiven Gesichtsausdrucks, wegen seiner abgehackten S;tze, die man bei einem Bier fortsetzen konnte. Sein Gesicht prangte gro; auf Bussen. Auff;llige Werbeplakate verk;ndeten, dass er durch Radiosendungen abgenommen hatte. Die Leute hatten sich so sehr an das Gesicht des Schauspielers gew;hnt, dass bei seiner Nominierung zum Regionalgouverneur alle f;r den dicken Mann stimmten, weil ihn jeder kannte und Ger;chte kursierten, er sei ein Einheimischer.
Die Region tauchte in den nationalen Nachrichtensendungen der wichtigsten Fernsehsender des Landes auf; Journalisten liebten es, ;ber den dicken Mann zu berichten. Brauereien machten durch ihre Gewinne ein Verm;gen, was die Wein- und Wodkahersteller ver;rgerte. Die Bev;lkerung – die liebsten Kunden der Firmen – hatte ihr Getr;nk gewechselt! Ein Vertreter der Firma kontaktierte Boris' Team, das gro;e Fans von abgepackten Chips waren, praktisch f;r unterwegs.
Herr Boris unterhielt ein Team von st;mmigen Sumpfmonstern, die seine irren Aufgaben erledigten. Das Team war in verschiedenen privaten Sicherheitsschulen gut ausgebildet, hatte Waffenscheine und F;hrerscheine. Die n;chterne Truppe sa; an einem Glastisch, knabberte an abgepackten Chips, sp;lte sie mit Saft hinunter und zuckte nicht einmal bei dem Gedanken an dieses Essen. Nach dem Essen zerstreute sich das Team unauff;llig und ging zu seinen Autos. Alle begaben sich vor Beginn der Autobahnsperrung auf ihre zugewiesenen Parkpl;tze.
Der Regionalgouverneur war es nicht gewohnt, von fr;h bis sp;t an seinem Schreibtisch im Verwaltungsgeb;ude zu sitzen. Er kannte ;berlastung und Erholung, aber monotone, langwierige Arbeit war nichts f;r ihn. Die Cranberry-Region war riesig, und es war durchaus m;glich, f;r offizielle Angelegenheiten mit Dienstwagen zu reisen, doch er hatte keinerlei Lust, irgendwohin zu fahren. Er wollte nicht in seiner eint;nigen Region herumreisen; er sehnte sich danach, ;ber ihre Grenzen hinauszugehen, in zivilisiertere Gegenden, oder zumindest nach Hause. Er liebte es, nach Hause zu fahren, und war stolz darauf.
Boris wurde informiert, wann der Regionalgouverneur nach Hause fahren w;rde, anstatt in seine Dienstwohnung im Verwaltungsgeb;ude. Er w;hlte einen Tag und stellte ein Team zusammen. Er war in Eile, aber er erledigte Auftr;ge gern gleich beim ersten Versuch und bereitete sich sorgf;ltig vor. An jedem interessanten Punkt entlang der Route des Gouverneurs war einer von Boris' Leuten postiert. Jeder seiner Ghule konnte sein eigenes Team haben. Der Anf;hrer des Teams bezahlte seine Teammitglieder selbst aus ihm pers;nlich zugewiesenen Geldern. Ein Schneeballsystem.
Was geschah auf der Route des Gouverneurs? Ein Ghul hatte eine seltsame Substanz in den Benzintank des Gouverneurs gesch;ttet. Sie l;ste sich allm;hlich auf und brachte den Wagen nach einer gewissen Zeit zum Stehen. Die Ghule hatten die Bremsen manipuliert, sodass sie nicht pl;tzlich, sondern allm;hlich versagten. Entlang der Route, die der Wagen des Gouverneurs befuhr, wurden alle anderen Fahrzeuge von uniformierten M;nnern weggefahren. Nur Mr. Boris' Sumpfghule fuhren noch auf der Stra;e.
Der nerv;se Gouverneur fuhr zu seinem Haus mit Sauna, wo er etwas trinken und sich entspannen konnte. Seine beiden Wachen sa;en im Wagen. Der Fahrer fuhr ruhig, bis der Motor zu stottern begann, als h;tte er eine Erk;ltung. Dann schoss der Wagen los, ohne auch nur zu bremsen. Das riesige Fahrzeug raste mit Flugzeuggeschwindigkeit ;ber eine verlassene Stra;e. In einer Kurve wurde es von Boris' Wagen geschnitten – nein, nicht seinem eigenen, sondern dem seines Ghul-Teamkollegen.
Der leichte Aufprall schleuderte den Wagen des Gouverneurs seitw;rts gegen eine Betonmauer, die dort vorher nie gewesen war! Danach demontierten die Ghule eilig die Betonbl;cke und luden sie mit einem Kran auf die herannahenden Muldenkipper. Alle Autos verschwanden von der Autobahn. Nur ein Wachmann ;berlebte im Wagen des Gouverneurs. Er kam zu sich, blickte sich auf dem Friedhof um und war ;berrascht, dass der Wagen nicht explodiert war. Er versuchte, nach seinem Handy zu greifen, doch seine Hand gehorchte ihm nicht, und er verlor das Bewusstsein.
Der Verkehr in dieser Richtung war zwei Stunden lang blockiert. Zwei Stunden sp;ter fuhr ein kleiner, klappriger Wagen vorbei. Ein hagerer Mann stieg aus, betrachtete den Unfall, schl;pfte wieder hinein und fuhr davon. In seinem Dorf ging er zur Post und rief die ;rtliche Polizei an, um den Unfall zu melden. Die Stra;enarbeiter lie;en sich Zeit; der Mann sagte ihnen, es g;be keine ;berlebenden im Auto, und der Verkehr in der Gegend sei nicht besonders stark.
Bis jemand am Unfallort eintraf! Die Rettungskr;fte trafen nur langsam ein, doch als ihnen klar wurde, dass sie vor einem Auto und der Leiche des Gouverneurs der Cranberry-Region standen, nahm die Berichterstattung in den Medien von diesem Moment an Fahrt auf! Journalisten und Freunde des Gouverneurs st;rzten sich auf diese Nachricht! Was f;r ein Aufhebens!
Am Abend erschien das Bild eines Mannes, der ihrer Mutter ;hnelte, auf dem Fernsehbildschirm. Agnessa erkannte ihn. Es war der Gouverneur der Cranberry-Region. Gebannt verfolgte sie die vermeintliche Version des Todes des ber;hmten Gouverneurs, der ihrer Mutter so ;hnlich sah.
Vor Agnessa lag ein Haufen Steine, umh;llt von einem grauen Schleier. Rohe Steine. Man hatte ihr gesagt, es seien Diamanten. Sie nahm einen Aluminiumspie; und fuhr damit ;ber eine saubere Stelle eines Steins – ein metallischer Glanz blieb zur;ck. Sie seufzte und betrachtete die restlichen Steine der Lieferung. Ja, man hatte ihr reinrassige Topase untergeschoben, aber man hatte ihr gesagt, es seien Diamanten. Es war alles nur ein Spiel von Apollo. Er hielt sich f;r einen gro;en Diamantenkenner. Er flog auf eine Expedition in die Berge, kaufte eine Ladung sogenannter Diamanten und lachte sogar Agnes aus, weil sie nicht reich geworden war.
Sie brachte kein Wort der Emp;rung zustande. Was h;tte sie auch von ihm erwarten sollen? Wie h;tte sie ihm sagen sollen, dass das, was er mitgebracht hatte, alles andere als Diamanten waren, wie er gehofft hatte? Und er prahlte damit, sie billig gekauft zu haben und dass ihn niemand ;bers Ohr gehauen habe. Schlie;lich hatte er Steine mitgebracht, die in Millimetern gemessen wurden, nicht in Karat! Das Lustigste war, dass er echte Diamanten verkaufte und von dem Erl;s Topase kaufte, die aber viel gr;;er waren. Die Diamanten hatten ihm nichts gen;tzt. Er hatte die Katze im Sack gekauft. Boris hatte ihn in die Berge gelockt! Er hatte einen potenziellen Rivalen hinters Licht gef;hrt!
Boris lud Tatjana in ein elegantes Restaurant f;r zwei Personen ein. Sie sagte zu, ;berzeugt, dass sie ;ber Diamanten sprechen w;rden. Sie nahmen auf dem Balkon Platz. Er erz;hlte ihr vom Diamantenabbau, da er der Gesch;ftsf;hrer des Diamantenkonzerns Witjas im Norden war. Sie holte eine verzierte Pistole aus ihrer Handtasche. Ihre kunstvoll lackierten N;gel bildeten einen wundersch;nen Kontrast zu dem Schmuckst;ck. Ihre schmale Nase war makellos sch;n. Ihre vollen Lippen l;chelten z;rtlich und unschuldig.
Boris z;ndete sich an der mit schillernden Steinen besetzten Pistole eine Zigarette an. Das Schmuckst;ck war au;ergew;hnlich sch;n. Und er selbst war ein gutaussehender Mann mit akkurat frisiertem Haar. An seiner linken Hand trug er einen gro;en Ring mit einem schwarzen Diamanten. Er trug ein schwarzes Jackett und ein strahlend wei;es Hemd mit wei;er Krawatte. Er rauchte eine dicke Zigarre. Das Paar sa; auf dem Balkon des Hauses einer sehr ber;hmten Schauspielerin, die ein kleines Restaurant f;r zwei Personen betrieb.
Vom zehnten Stock bot sich ein weiter, nat;rlicher Blick ;ber die Stadt. Das Essen wurde von einer ber;hmten Schauspielerin serviert, deren Haar in einer volumin;sen, silberwei; gebleichten Frisur erstrahlte. Das Restaurant bot ihr ein regelm;;igeres Einkommen als ihre Filmrollen, die selten waren oder nur Nebenrollen beinhalteten, wenn eine zeitlose Sch;nheit gefragt war. Sie arbeitete nicht gern am Theater. Auf dem ger;umigen Balkon mit seinen W;nden aus antikem Holz standen ein kleiner Marmortisch und zwei St;hle. Ein fahrbarer Tisch mit Speisen und Getr;nken wurde im Balkoneingang aufgestellt.
„Tatiana, sind Sie zufrieden?“, fragte der imposante Mann die sch;ne Frau.
„Boris, ich bin zufrieden! Viele ber;hmte Schauspieler waren schon auf diesem Balkon! Aber wie kann ich beweisen, dass ich hier war?“
„Kein Problem. Ich mache ein Foto von Ihnen mit meinem Handy; es hat eine eingebaute Kamera.“ „Das ist verst;ndlich, aber ich muss neben Schauspielerin Blik fotografiert werden.“
„Wunderbar!“, sagte Boris und machte ein Foto von den beiden Frauen. Fast sofort zeigte er ihnen das Foto auf seinem Handy. Tatjana l;chelte aus einem anderen Grund: Sie war nun mit der ber;hmten Schauspielerin im selben Bild! Schauspielerin Blik l;chelte ;ber das Geld, das Boris ihr f;r ihre Teilnahme am Fotoshooting gab. Sie sah ein wundersch;nes Feuerzeug in Form einer Pistole in Tatjanas H;nden. Sie wollte sich eine Zigarette anz;nden. Sie hielt ihre Zigarette an das Feuerzeug, um sie anzuz;nden.
Tatjana dr;ckte ab. Das Portr;t der Schauspielerin fiel von der Wand zu Boden. Statt einer Flamme f;r eine Zigarette stach die Pistole mit einer Diamantkugel hervor, die das Portr;t besch;digte. Boris entschuldigte sich f;r die Nebenfunktion der Pistole, bezahlte den Schaden und verlie; eilig mit Tatjana die Wohnung.
Blik lebte schon seit einiger Zeit allein und hielt nicht einmal einen Hund. Die T;r fiel hinter den G;sten ins Schloss. Das Paar verlie; schnell das Geb;ude, stieg in ein wartendes Taxi und fuhr zu einem unbekannten Ziel. Am n;chsten Tag kamen die n;chsten G;ste zum Mittagessen mit der Schauspielerin. Sie klingelten und klopften. Niemand ;ffnete. Also gingen sie wieder.
Die Schauspielerin sa; allein da, noch immer unter Schock oder wie im Koma nach Boris' Portr;taufnahme.
Agnessa besuchte die Schauspielerin am vierten Tag. Sie hatten einen Drehtermin. Sie drehte ein Musikvideo mit einer ber;hmten Schauspielerin, die sich ;ber ihren Besuch freute. Trotz Klopfens und Klingelns blieb die T;r stumm. Agnessa rief mit ihrem Handy an, und das Telefon in der Wohnung klingelte. Agnessa ahnte, dass etwas nicht stimmte. Sie rief eine Nachbarin an, die sagte, sie habe die Schauspielerin seit einigen Tagen nicht gesehen.
Agnessa rief einen Kriminalbeamten an. Die Wohnungst;r wurde in Anwesenheit der Nachbarn aufgebrochen. Die Balkont;r stand offen, und die Schauspielerin sa; daneben, hielt eine Zigarette in der Hand und blickte in den Himmel. Auf dem Balkon waren die ;berreste zweier Personen zu sehen, die ein Festmahl genossen. Agnessa bemerkte das Glitzern eines Diamanten neben der Schauspielerin und griff schnell danach. Ilya Lvovich wollte ihr den Stein abnehmen, aber sie sagte, sie wisse, wo er benutzt worden sei.
„Ilja Lwowitsch, da war so ein Stein am Griff einer Pistole; unsere Firma hatte den Auftrag, eine Feuerzeugpistole zu verzieren.“
„Entschuldigen Sie, aber woher wissen Sie das alles? Und wenn Sie das alles wissen, haben Sie dann die G;ste der Schauspielerin vorgestellt?“
„Ich f;rchte, das war ich.“
„Ich, ich, wir m;ssen einen Arzt rufen, damit die Schauspielerin wieder zu sich kommt. Sie ist noch eine junge, liebe, sch;ne Frau. Sie haben sie doch selbst gesehen.“ Nach einer ballistischen Untersuchung erfuhr Ilja Lwowitsch, dass die Pistole mit einem au;ergew;hnlichen Geschoss abgefeuert worden war – genauer gesagt, mit einem scharfen Diamantkristall. Ilja Lwowitsch rief Agnes erneut an.
„Agnes, Lis ruft an. K;nntest du bitte so schnell wie m;glich kommen?“
Agnessa stieg ins Auto und war f;nfzehn Minuten sp;ter in seinem B;ro, wo drei andere M;nner sa;en. Sie alle musterten sie eindringlich, als w;re sie ein Engel.
„Agnesa, erz;hlen Sie mir alles, was Sie ;ber die Pistole wissen“, fragte Ilja Lwowitsch. „Oder noch besser: Ziehen Sie eine Pistole. Ich zeige Ihnen eine, die ihr ;hnelt.“ Zwei M;nner traten mit Fotos von Pistolen, die der des Detektivs sehr ;hnlich sahen, auf sie zu. Sie w;hlte zwei verbl;ffend ;hnliche Pistolen aus, allerdings ohne die Juwelen an den Griffen. Sie brachten ihr die echte Pistole, sie betrachtete sie und sagte:
„Boris hat mit der Pistole geschossen, wie Tatjana mir erz;hlt hat. Die Pistole mit Feuerzeugfunktion wurde f;r sie angefertigt; sie hatte ein doppeltes Geheimnis, das sie kannte, Boris aber nicht. Mit der Pistole konnte man Zigaretten anz;nden oder Diamantkugeln verschie;en. Die Kugeln waren aus echten Diamanten gesch;rft.“ Die Pistole konnte als Feuerzeug funktionieren: Man dr;ckte den Knopf – ein Feuerzeug – und man bet;tigte den Abzug – eine Pistole.
„Ja, eine interessante Waffe“, sagte Ilja Lwowitsch und erschien pl;tzlich mit einem Foto zweier Frauen. „W;hrend Sie zeichneten und Bilder betrachteten, kam ein Mann namens Boris herein und erz;hlte mir, dass seine Freundin Tatjana beinahe eine ber;hmte Schauspielerin get;tet h;tte. Es fiel ihm sehr schwer, zu schweigen, deshalb brachte er das Foto mit. Agnes, sehen Sie sich das Foto an. Ist das Tatjana neben der Schauspielerin?“
„Ja, das ist sie. Aber die Schauspielerin lebt, sie steht unter Schock, und die Kugel traf das Gem;lde.“
„Ausgezeichnet, aber nicht sehr gut. Wir halten Sie nicht l;nger auf, danke“, sagte Ilja Lwowitsch nachdenklich. Agnes ging und dachte, dass ihr Leben, das mit Edelsteinen verbunden war, mehr als genug Zuf;lle enthielt.
Diese Geschichte nahm eine seltsame Wendung; die Physiker griffen sie auf; auch sie waren hungrig. Als Laser erforscht wurden, konnten Physiker gut davon leben. Mit ihrer zunehmenden Verbreitung wurden sie jedoch recht teuer und verloren zeitweise an Popularit;t. Laser nutzten gez;chtete Kristalle in Stabform, beispielsweise Rubine. Auch Diamanten und ihre Derivate wurden in Lasern verwendet. Agnes wurde beauftragt, nach ihrem Entwurf eine Reihe von Kugeln aus einem gez;chteten Vollkristall herzustellen.
Ilya Lvovich w;nschte sich ein neues Auto und hatte zudem Freunde, die ihm Informationen aus der kriminellen Unterwelt entlockten. Sie fanden eine Pistole mit Diamantkugeln interessant. Die scharfen Kristallkugeln durchdrangen weiches menschliches Gewebe gut. Agnes erhielt von einem Institut St;be aus Halbedelsteinen. Diese waren sehr hart, nicht ganz diamant;hnlich, aber transparent und lie;en Licht ebenso gut durch wie Rubine. Aus diesen St;ben sollte eine Reihe von Kugeln gefertigt werden. Sie verf;gte ;ber die Maschinen, um einen solchen Auftrag zu bearbeiten, musste aber Schleifer einstellen, die je nach Bedarf arbeiteten. Der Auftrag f;r die Pistolen wurde an eine Kleinwaffenfabrik vergeben. Die neue Pistole f;r den modernen Adel wurde in elit;ren Clubs verteilt, und ihr Preis schoss in die H;he.
„Diamanten verschie;en – das ist gewagt!“, sagten die Damen und kauften die Pistole.
Apollo wanderte unter grauem Himmel und trauerte. K;lte. Regen. Wind. Sie verfolgten ihn Tag f;r Tag. Er kam aus einem warmen Land, und hier erschien ihm alles kalt. Er sehnte sich nach Sonnenschein, W;rme oder einfach nur nach Mitgef;hl in seinem Schicksal. Heute schien die Sonne. Er f;hlte sich, als ob ihn niemand liebte oder bemitleidete. Er war in einem solchen Zustand, dass es Zeit war, einen Psychiater aufzusuchen. Apollo war zu einem ern;chternden Schluss gekommen und dachte dar;ber nach. Er rief einen Arzt an, den er kannte, und beruhigte sich.
Der Himmel hatte sich in dieser Zeit kein bisschen ver;ndert, sein ewiges Grau war unver;ndert. Seine Gedanken waren frei von Melancholie. Sein Blick fiel auf den verspiegelten Tisch, der mit Diamanten ;bers;t war. Der pr;chtige Anblick ;berraschte ihn mit seiner unerwarteten Erscheinung. Soweit er sich erinnern konnte, hatte es in seinem Haus nie einen solchen Tisch gegeben. Diener waren nicht zu ;berraschungen f;hig. Agnes schon.
Apollo blickte zur T;r, die sich weder ;ffnen noch schlie;en lie;. Er schaute zur Decke, bemerkte aber die Luke nicht. Dann schlug er sich an die Stirn und sah auf den Boden unter dem Tisch. Ja, dort war die Luke mit dem Aufzug. Sie hatte ihm diesen Tisch aus dem Zimmer darunter geschickt. Das war interessant. Er ging zum Tisch, fasste den Griff an und rollte ihn zu seinem Lieblingssessel. Aus der N;he betrachtet hatten die Diamanten nichts von ihrer Sch;nheit verloren, aber sie wirkten albern und deplatziert. Der Spiegel funkelte von den Diamanten. Die Realit;t verschwand. Er war verr;ckt geworden. Mir wurde schwindelig.
Apollo erwachte in seinem Bett mit einem Horn auf der Stirn. Zwei M;nner in wei;en Kitteln sa;en neben ihm. Einer von ihnen erz;hlte, er sei bewusstlos geworden, als seine Stirn auf einen Tisch mit Diamantsplittern gefallen war. Da sie einen Splitter nicht entfernen konnten, warteten sie, bis Apollo wieder zu sich kam.
;berraschenderweise sp;rte er keinerlei Schmerzen von dem Fremdk;rper auf seiner Stirn. Er f;hlte sich wohl. Er war bester Laune. Und er war ;berrascht, als er h;rte, dass er sich einer Operation unterziehen m;sse, um den Fremdk;rper aus seinem Sch;del zu entfernen.
Apollo sprang aus dem Bett und ging zu einem gro;en Spiegel. Er sah ein Leuchten in der Mitte seiner Stirn, das seine Augen intelligent und ausdrucksstark wirken lie;. Er mochte sich selbst!
„Meine Herren! Ich will dieses Ding nicht aus meinem Sch;del entfernen lassen. Ich f;hle mich damit wohl. Und ich habe Sie nicht eingeladen!“
„Herr Apollo, es ist undenkbar, ein Diamanthorn in meiner Stirn zu lassen!“, rief der redselige Arzt.
„Sie sind frei!“ Apollo rief pomp;s aus.
Bei seinen Worten verlie;en die M;nner in wei;en Kitteln sein Zimmer, als w;ren sie vom Wind verweht worden. Apollo ber;hrte das Horn, grinste und sagte:
„Ich bin jetzt ein Einhorn! Meine Frau hat mich mit ihrem Arbeitgeber betrogen!“
Bei diesen Worten schwankte der Kronleuchter ;ber seinem Kopf und st;rzte auf ihn herab, sodass er in Metallringe und Kristallanh;nger geh;llt wurde. Er verlor erneut das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kam, sah er dieselben beiden ;rzte.
„Krank!“, sagte der Arzt scharf. „Wir haben Sie gewarnt, dass das Diamanthorn entfernt werden muss! Jetzt mussten wir Ihnen hundert Kristallfacetten herausziehen. Aber zwei der Linsen ragen wie H;rner hervor. Ich schlage vor, das Horn auf Ihrer Stirn und die H;rner auf Ihrem Kopf zu entfernen.“
Apollo war von widerspr;chlichen Impulsen erf;llt. Er sprang wieder auf und ging zum Spiegel. Da war er, aber mit Kristallh;rnern und einer gl;nzenden Stirn. Er mochte sich!
„Meine Herren Doktoren, ich mag mich! Und Sie sind frei!“
Nat;rlich wurden die ;rzte aus dem Raum geweht, entweder vom Wind oder von einer finsteren Macht. Apollo blieb allein zur;ck. Schweigend betrachtete er sich im Spiegel. Etwas D;monisches und Schillerndes umgab ihn. Ja, er hatte die B;rse l;ngst satt, das Angestelltendasein satt. Er wollte …
„Wer wolltest du sein?“, fragte Agnes, die den Raum betrat und verwirrt die H;rner an dem Mann musterte.
„Nichts“, antwortete er und ber;hrte seine H;rner. Er kratzte sich hinter dem Ohr. Er ber;hrte seine Nase. Er grinste und verschluckte sich, als er sah, wie sich eine Fallt;r im Boden ;ffnete.
Der Spiegeltisch mit den Diamanten erschien wieder im Raum. Doch Apollo r;hrte sich nicht. Pl;tzlich w;lbte sich der Spiegel vor ihm nach vorn und zerplatzte wie eine Seifenblase. Agnes stand vor ihm, umgeben von einer Wolke aus Spiegelsplittern, in ein bodenlanges Gewand geh;llt.
„Hallo!“, gurrte Agnes leise.
„Hallo!“, murmelte Apollo. „Wem verdanke ich die H;rner und das Horn?“
„Wem?“, erwiderte die Frau und betrachtete sich in dem Kleid. „Den beiden ;rzten, die ich im Haus getroffen habe“, antwortete sie. „Der eine gab dir das Horn, der andere die H;rner“, sagte sie sp;ttisch und trat n;her an Apollo heran.
Agnes riss ihm abrupt die Kristallh;rner vom Kopf.
„Wirst du ihm auch das Diamanthorn abnehmen?“, fragte Apollo und rieb sich mit beiden H;nden den Kopf.
Agnes zupfte ihm das Horn mit der Hand von der Stirn. Langsam begann Blut zu flie;en. Apollo beruhigte sich. Agnes war wieder einmal vom Pech verfolgt worden. Jemand, genauer gesagt Apollon, hatte ihr ein kostbares Armband geschenkt, das sie verloren hatte, und dann fand es der allgegenw;rtige Ilja Lwowitsch. Er jagte den Mann, der ihm so nah war. Pl;tzlich warf der Verfolgte seinem Verfolger einen kleinen Gegenstand vor die F;;e, der im Schein der Abendlaternen glitzerte.
Ilya Lvovich war wie erstarrt. Er blieb stehen und verga;, wohin er gerannt war. Er blickte hinunter, b;ckte sich und hob das Armband auf. Es war nichts Besonderes: Kleine Diamanten umgaben noch kleinere, die den gesamten Rand des Wei;goldarmbands umgaben.
„Vielleicht ist das Schmuck?“, dachte Ilja Lwowitsch. Das blendende Funkeln der kleinen Diamanten verriet ihm, dass sie echt waren. Er erinnerte sich, wie er einem Mann hinterhergerannt war; sein unregelm;;iger Atem hatte es ihm best;tigt. Er blickte in die Richtung, in die er gerannt war, aber niemand war mehr da. Er sah zur;ck und erblickte die Frau, die er verfolgt hatte. Agnes stand vom Boden auf und sah den Mann durch einen Schleier aus Tr;nen an. Er ging auf sie zu.
„Weinst du wegen eines Armbands? Hier, nimm es“, sagte Ilja Lwowitsch und reichte Agnes das funkelnde Diamantenst;ck.
„Danke!“, hauchte sie und setzte sich dann schmerzerf;llt hin. „Mein Bein tut weh.“
Ilja Lwowitsch blickte zur;ck, sah eine Bank und half dem M;dchen, wie es sich f;r einen anst;ndigen Mann geh;rte, dorthin, wo sie sich neben einer Laterne niederlie;. Sie streckte ein Bein aus, rieb sich den Kn;chel, st;hnte und griff erst dann nach dem Armband. Doch der Detektiv hatte es nicht; Er hielt es ihr hin, und in diesem Moment b;ckte sie sich, um ihr schmerzendes Bein zu ber;hren. Beide ;bersahen den dritten Mann, der Ilya Lvovich das Armband aus den H;nden riss, anstatt dem M;dchen. Er war ihnen wie ein Leopard aus dem Dunkeln gelauert und rannte nun zum zweiten Mal vor ihnen weg. Er rannte nicht in die Dunkelheit, sondern auf die Stra;e zu, wo der Wagen, mit dem er gekommen war, angehalten hatte.
Der junge Mann setzte sich ans Steuer und l;chelte den Mann auf dem R;cksitz mit einem aufgesetzten L;cheln an:
„Apollo, ich habe dein Armband“, sagte er und wirbelte es in der Luft herum.
„Gib es mir!“, rief Apollo freudig. „Fahr schnell! Wir kl;ren das sp;ter!“, rief er und f;gte leise hinzu: „Sie k;nnten uns verfolgen.“
Der Wagen verschwand in der Dunkelheit. Ilya Lvovich sah ihm nach, r;hrte sich aber nicht. Agnes h;rte auf, ;ber ihr Bein zu klagen; nun versuchte sie zu weinen, aber es kamen keine Tr;nen.
„Wer sind Sie?“, fragte sie den jungen Mann, als h;tte sie ihn noch nie zuvor gesehen.
„Ich? Ich bin freiberuflicher K;nstler, in dem Sinne, dass ich freiberuflicher Ingenieur bin.“
„Sie haben gleich gesagt, dass Sie Ingenieur sind. Bei so einem Aussehen h;tten Sie Ihre Arbeit getrost f;r sich behalten k;nnen“, sagte Agnes gedehnt, umfasste ihren Kn;chel und runzelte schmerzverzerrt die Stirn.
„Sie haben sich nichts gebrochen?“, begriff Ilja Lwowitsch pl;tzlich.
„Nein, ich habe mir nichts gebrochen. Mein Bein ist intakt, aber stark geprellt“, stellte Agnes bei sich selbst fest.
„Sie haben aufgeh;rt zu weinen. Und tut Ihnen das Armband nicht leid?“
„Warum sollte mir das Armband leidtun? Mein Mann hat es mir geschenkt, und jetzt hat mir sein Liebhaber es wieder weggenommen.“
„Ich verstehe nicht, was ist das f;r ein Mann?“
„Erz;hlen Sie mir alles!“ Wissen Sie, manchmal sind Sie der Gr;;te im Ort, aber in unserem Ort haben Sie einen Mann, den attraktivsten. Kennst du Apollo nicht? Er ist ein Diamantenj;ger. Er ist ein Schlitzohr, immer auf der Flucht, wie ein Diamantarmband. Komisch, nicht wahr? Ein Mann und ein Armband! Aber so etwas kommt vor. Er tr;gt immer Diamanten, die von feinem Diamantstaub gl;nzen. Nein, ich bin kein Experte, aber ich habe davon geh;rt.
— Komisch. Das Armband kehrte zu seiner Besitzerin zur;ck. Warum bin ich ihm hinterhergerannt? Ich dachte, dir w;re etwas gestohlen worden, und reflexartig folgte ich ihm.
„Man sollte, wenn m;glich, nach dem Gesetz leben“, dachte Agnessa Iwanowna, w;hrend sie ihrem Hobby nachging, das sie kannte und liebte. Sie hatte genug eigene Probleme, und wenn sie nicht genug hatte, erfand sie welche f;r sich und alle, die sie kannte. Die Zeit war gekommen, in der Spielfilme in Massen produziert wurden; die ;ra der Stagnation war vorbei. Die Filmausr;stung hatte sich deutlich verbessert. Die Computerbearbeitung vereinfachte viele Schritte der Filmproduktion. Die Schauspieler waren besser gekleidet und sahen auf der Leinwand besser aus als noch vor zehn Jahren.
Das Studio sch;tzte die technologischen Fortschritte im Filmbereich, und das Publikum sch;tzte das Studio. Und so, als es in der Filmwelt so gut lief, gab Agnes die Dreharbeiten auf und st;rzte sich in die Welt der Diamanten. Agnes hatte eine innere Immunit;t gegen Geschichten ;ber Diamanten entwickelt, doch die Abenteuer mit dem Mann, den sie liebte, waren ihr wertvoller als die Diamanten selbst. Sie erstarrte vor dem Fernsehbildschirm, als sie den Namen der Schriftstellerin sah: Schlie;lich hatte sie sie erst gestern im Verlag entdeckt, und nun lag sie schon unter dem Messer, gab Geld und Gesundheit f;r tr;gerische Sch;nheit aus, und das alles im Ersten Kanal. Was f;r eine B;chersammlung veranlasste sie nur zu solch einer Werbung!
Kapitel 9. Weihnachtsgirlande
Was w;re, wenn wir den Schneeball der Liebe r;ckw;rts drehen w;rden? Dieser Schneeball w;rde gr;nes Gras, Herbstlaub und Sand enthalten, mal Meeressand, mal Flusssand. In Tatjanas Jugend gab es keine Werbung f;r die Liebe. Das Fernsehen vergr;;erte seinen Schwarz-Wei;-Bildschirm nur geringf;gig und zeigte nicht alle Farben des Regenbogens. Es gab keine Taschenrechner; man rechnete mit Rechenschiebern, Abakussen und Addiermaschinen aus Metall.
Warum diese Vorrede? Nichts in ihrer Jugend lenkte Tatjana von ihrem Studium und ihrer Ausbildung ab. Sie war verknallt, aber es war eher Anziehung als Liebe. Sie war ein interessantes M;dchen mit einem langen, blonden Zopf, kl;ger und belesener als die Jungen um sie herum. Sie war k;rperlich stark durch endloses Training auf Skiern und in Jolls. Wer konnte also zu so einer Person f;hig sein?
All ihre positiven Eigenschaften schreckten die meisten Verehrer ab. Die Jungen wetteten sogar auf sie, so unersch;tterlich war sie. Diejenigen, die es mit ihrer Kraft aufnehmen konnten, waren ihr intellektuell nicht ebenb;rtig. Wer einigerma;en intelligent war, galt als k;rperlich schwach. Au;erdem war sie beinahe sch;n.
Scharenweise versuchten M;nner, sie zu erobern, doch sie scheiterten. Sie suchte sich einen nach dem anderen aus der Menge aus, aber sie war verliebt. Ihr vom Training ersch;pfter K;rper sp;rte keine besonderen Beschwerden durch die vielen Fl;ssigkeiten. Doch dann war da noch das Schicksal.
Und Tatjana fand einen jungen Mann, der gr;;er, st;rker, kl;ger, ausdauernder und erfahrener in der Liebe war. Ein Jahr lang buhlte er um sie, und es gelang ihm. Doch das Schicksal setzte dem Ganzen ein j;hes Ende. Denis war bereits eine bekannte Pers;nlichkeit im Fernsehen, und sein Zuhause lag nur wenige Bahnstationen vom Fernsehzentrum entfernt. Eine Wohnung n;her am Fernsehzentrum wurde frei. Warum also brauchte Denis die Liebe im Stadion bei der Frau eines anderen? W;hrend Denis Tatjana und ein Kind hatte, hatte Agnessa einen geliebten Mann mit abenteuerlustigen Neigungen – Apollo. Agnessa war wundersch;n: von durchschnittlicher Gr;;e, aber mit einem sehr liebenswerten Gesicht und einer femininen Figur. Frauen wie sie d;rfen nicht auf den Laufsteg; sie werden ohne jegliche Werbung abgeworben. Aber das war alles Vergangenheit, und jetzt … Agnessa setzte sich vor den Spiegel und begann, sich einzucremen. W;hrenddessen verk;ndeten die Nachrichten Folgendes, doch was genau, konnte nur angedeutet werden. Agnessa puderte ihr Gesicht, trug Lidschatten auf, t;nte Lippenstift und weckte den Besitzer ihres Hundes. Apollo schlief tief und fest. Agnessa schaltete den Computer ein, las die Nachrichten und ging dann zur Arbeit.
Und auf der Arbeit ging es in den Nachrichten um Blumen. Drei Blumen standen unter der Klimaanlage. Eine Blume mit lila Bl;ttern hatte den ganzen Winter neben einem Fenster gestanden, das regelm;;ig zum L;ften ge;ffnet wurde, und die Klimaanlage hatte ihr nichts ausgemacht. Aber zwei andere Blumen – eine Geranie und eine Calla, direkt nebeneinander und unter der Klimaanlage – konnten nicht widerstehen. Die Calla verlor all ihre Bl;tter. Doch die Geranie, stolz und allein in voller Bl;te, blieb stehen, bedeckt mit Bl;ttern wie ein feiner Pelzmantel.
Vlads Fernsehsendung erhielt eine halbe Stunde Sendezeit, in der er selbst nur etwa drei Minuten zu sehen war, doch das reichte, um seine anhaltende Popularit;t zu sichern. Er hatte mehr als genug Bewunderer.
Nach dieser guten Tat f;hlte Agnessa, als h;tte Denis ihr ihre Geizigkeit mit dem Geld in seiner Tasche verziehen. Sie hatte oft einen Tritt in den Hintern bekommen, weil sie sein Geld begehrt hatte, und dann hatten die M;nner ihn umgebracht. Es war ein Stein in ihrer Seele gewesen, und nun war er befreit. Agnessa hatte immer wieder ans Abnehmen gedacht, doch es endete stets in extremer Faulheit und einem Mangel an Kalorien in ihrer Ern;hrung. Hoch lebe die Faulheit des Abnehmprozesses!
Und noch ein paar Romane mehr, die sie w;hrend dieser Faulheit und des relativen Hungerns, bekannt als „Di;t“, lesen konnte. Nat;rlich hatte Agnessa sich alle Di;ten angesehen. Die beliebtesten Di;ten waren die Kreml- und die japanische. Sie war weder im Kreml noch in Japan; sie wollte etwas Einfacheres, etwas, das sie nicht mit actionreichen Szenarien qu;lte. Es war besser, spannende Romane zu lesen, als st;ndig Hunger zu leiden.
Und dennoch begann sie abzunehmen, anstatt ihr Gewicht zu halten. Sie stellte sich den f;r ihre Blutgruppe empfohlenen Saft bereit und trank ihn. Den Rest, also die gew;hlte Di;t, behielt sie vorerst f;r sich. Nun w;rde sie ihr ganzes Leben lang mit ihrem Gewicht k;mpfen, und es k;mmerte ihn nicht, aber jetzt musste sie ihrem Gewicht ernsthafte Schl;ge versetzen.
Georges und Agnes verliebten sich entweder, oder sie waren so aneinander gew;hnt, dass sie ihre Beziehung kaum noch wahrnahmen. Sie wurde unbewusst. Georges teilte sich eine Wohnung mit seiner Familie und lernte seine lockenk;pfige Freundin Agnes in einer anderen kennen. Er war ein vielseitiger Arbeiter. Es gibt gutaussehende M;nner, die einem sofort in Erinnerung bleiben, aber niemand erinnerte sich an ihn; er wurde einfach zu einem vertrauten Gesicht auf der Arbeit.
Sie waren wie f;reinander geschaffen. Seltene Treffen in einer leeren Wohnung waren ihnen genau richtig. Doch dann begann ein anderer Mann, die Wohnung f;r sich zu beanspruchen. Um es kurz zu machen: Georges' Frau roch einen seltsamen Duft an der Kleidung ihres Mannes, und als sich die Situation wiederholte und ihre Zuneigung nachlie;, wurde sie beunruhigt. Agnes Iwanowna stellte sich eine leere Wohnung vor. Sie bot sie ihrem Mann an. Er lehnte ab. Dann fand sie einen Mann, der dringend die freie Wohnung ihres Mannes brauchte … Georges war von Natur aus ein nerv;ser Mann; er mochte es nicht, auf der Stra;e erkannt zu werden. Er trug einfach eine Kappe und zog den Schirm tief ins Gesicht. Er war so ersch;pft von der Arbeit und den Sorgen, dass er keine Kraft mehr f;r eine Frau mit lockigem Haar hatte. Er wurde einfach alt, und sie verstand es nicht. Sie suchte seine N;he, aber er rannte sowohl vor seiner Frau als auch vor Agnes davon. Er wollte allein sein. Er wollte sich hinlegen und durchs Fenster in den Himmel schauen.
Manchmal glaubt Agnes, niemand sei jemals fremdgegangen! Entweder wei; sie nicht alles, oder nicht jeder erz;hlt es ihr! Aber ;ber sich selbst wei; sie ganz sicher, dass Vergangenes vergangen ist. Wie k;nnte sie auch nicht? Sie hatte sich mit diesen drei Frauen ganz bestimmt nicht angelegt. Aber manchmal taten sie ihr Bestes, um ihr zu schaden. Sie arbeiteten zusammen, und M;nner arbeiteten auch mit ihnen.
Die Stra;e war voller Leben im Schein der Laternen der kleinen Marktst;nde. An einem Stand kaufte Agnes eine Flasche guten Wein, einen Muffin und etwas vakuumverpacktes Fleisch und ging zur Bushaltestelle. Zum Gl;ck hielt der Bus schnell an. Er bef;rderte junge M;nner und ein paar Frauen, die beide abgenutzt aussahen. Sie setzte sich auf den kalten Sitz und blickte aus dem Fenster auf die n;chtliche Stadt. Georges wartete nicht an der Bushaltestelle auf Agnes, obwohl er ihr versprochen hatte, sie abzuholen; er war nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus zu einem Date versp;tet. Sie rechnete nicht damit, dass er p;nktlich sein w;rde, und ging langsam die Stra;e entlang zu seinem Haus.
In diesem Moment wachte Apollon hellwach auf, drehte sich um und, da die Frau – seine Frau – nicht zu seinen F;;en lag, stand er auf und ging in der Wohnung umher. Agnes war nicht da. Er schaute in den Kleiderschrank: Ihr Pelzmantel war weg, ihre Tasche war weg. Er schaute aus dem Fenster: Das Auto stand noch. Apollon zog sich an und fuhr zu Georges' Haus. Er n;herte sich seinem Haus und blickte hinauf: In der K;che brannte Licht, die Vorh;nge waren zur;ckgezogen.
Agn;s traf Georges in seiner Wohnung; er war noch nicht einmal herausgekommen, um sie zu begr;;en. Sie lie;en sich in der K;che nieder. Er rauchte und ;ffnete das Oberlicht. Die kalte Luft str;mte wie eine frische Welle herein, und er zog die Vorh;nge nur selten zu.
Agn;s ging zum Fenster, zog den Vorhang zu und schien von einem Blick durchbohrt zu werden. Doch Georges ;ffnete das Fenster wieder. Agn;s setzte sich an den K;chentisch, au;er Sichtweite des Fensters des gegen;berliegenden Hauses.
Verlassen blickte Apollo zur;ck und ging entschlossen in das Haus gegen;ber. Er ging eine Etage h;her und sah vom Eingang aus Georges' Wohnung: Die erleuchtete K;che war gut zu erkennen. Auf dem Herd stand nichts zu essen. Agn;s stand auf, ignorierte das Fenster und begann, das Abendessen vorzubereiten. Die K;che gl;nzte vor unbenutzter Sauberkeit, doch ein Karton mit leeren Flaschen stand auf dem Boden – ein Zeichen daf;r, dass viel getrunken und wenig gekocht wurde.
Georges rauchte am Tisch. Er beobachtete Agn;s, wie sie in der K;che einen Braten zubereitete, und kommentierte dies. Er beschloss, noch etwas Essen auf den Tisch zu stellen und holte eine Dose Sprotten hervor. Als er die T;r ;ffnete, spritzte ein gro;er ;ltropfen auf Agnes' neuen Jeansrock. Der Fleck breitete sich zu einem verschmitzten L;cheln aus. Wein f;llte die staubigen Gl;ser.
Die Haust;rklingel ert;nte. Agnes zuckte zusammen. Georges r;hrte sich nicht. Die Klingel h;mmerte heftig, doch die T;r blieb verschlossen. Drei Minuten sp;ter war alles still. Agnes kehrte fr;h am Morgen nach Hause zur;ck. Apollo schlief.
Der n;chste Tag sollte die Fortsetzung dieser Geschichte sein. Ein dichter Blumengirlande wehte im Wind ;ber dem Eingang der X-Club-Bar. Die G;ste kamen nicht ohne Geld hierher. Sie schlenderten paarweise oder allein unter der Girlande hindurch. Agnes und Apollo sa;en an der Theke der eleganten Bar und nippten langsam an ihren Cocktails durch einen dicken Strohhalm. Pl;tzlich taumelte ein gro;er Mann in die N;he der Girlande und begann langsam zusammenzusacken. Ein kleiner Blutstropfen erschien auf seiner Stirn. Der Barkeeper dr;ckte instinktiv die 02 auf seinem Handy. Der Wachmann, ein kleiner Mann, beugte sich ;ber den Mann: Sein Puls wurde immer schw;cher.
„Krankenwagen! Er lebt noch!“, rief der Wachmann.
Der Barkeeper rief sofort einen Krankenwagen. Die ausgew;hlte Stammkundschaft des Clubs kannte den Gefallenen.
„Georges stirbt“, fl;sterte jemand. Kriminalkommissar Ilja Lwowitsch traf ein. Der Krankenwagen kam recht schnell. Die Leute im X-Club dachten, sie seien mit einer schallged;mpften Pistole angeschossen worden. Der Sanit;ter war ;berrascht, einen kleinen Punkt auf seiner Stirn unter einem Blutstropfen zu entdecken – so einem, wie man ihn bekommt, wenn man sich Blut aus dem Finger abnimmt.
„Alle stehen bleiben!“, rief Ilja Lwowitsch. Alle standen wie gel;hmt da. Jeder kannte und f;rchtete Georges; er war ein gro;er, gutaussehender Mann, der Typ, in den sich Frauen allein durch sein Aussehen verliebten. Er hatte immer Gl;ck gehabt, so schien es, und nun lag er ausgestreckt auf der Schwelle der Bar. Und dem Kommentar des Arztes nach zu urteilen, war sein Puls verschwunden. Eine schlanke, feminine Sch;nheit sprang aus einem Auto und blieb vor dem Eingang der Bar stehen.
„Oh!“, sagte sie und hielt sich die Hand vor den Mund, um einen Schrei zu unterdr;cken. Georges wurde auf eine Trage gelegt und schnell in einen Krankenwagen gebracht, der gerade auf den Notruf reagiert hatte. Die ;rzte hofften, ihn wiederbeleben zu k;nnen. Ilja Lwowitsch war ratlos: Der Sterbende hatte nur einen Nadelstich – einen Dorn auf der Stirn. Der Wirt sagte, er habe niemanden gesehen, der eine Nadel nach Georges geworfen habe.
In diesem Moment betrat eine wundersch;ne Frau die Bar. Sie trug die sch;nsten Stiefel mit hohen Abs;tzen; darin war sie fast so gro; wie Georges. Die Frau erreichte den Blumenkranz und sackte, genau wie er, an der Schwelle zusammen. Ilja Lwowitsch eilte zu ihr, aber es war zu sp;t. Sie wurde augenblicklich kalt. Ein Blutstropfen erschien auf ihrer Stirn. Erneut wurde ein Krankenwagen gerufen. Die Umstehenden beobachteten das Geschehen.
Die Sanit;ter trafen ein und eilten mit einer Trage zu der Frau. Ein gro;er Pfleger brach langsam neben ihr zusammen. Auch er hatte einen Blutstropfen auf der Stirn. Ilja Lwowitsch kam wieder zu sich und rief erneut: „Alle stehen bleiben!“ und n;herte sich langsam der Stelle, an der der Mann zusammengebrochen war. Er blickte auf, und eine leuchtende Neujahrsgirlande schwang unschuldig ;ber ihm. „Bring sie zum Auto der Opfer.“
Ilya Lvovich starrte die Girlande an. Sie schwang wie lebendig ;ber dem Eingang der Bar. „Wie kann ich sie abnehmen?“, dachte er und fragte: „Wer hat diese Girlande ;ber dem Eingang aufgeh;ngt?“
„Wir haben hier immer eine Woche vor Neujahr eine Girlande h;ngen, und sie wurde heute aufgeh;ngt“, antwortete der Barkeeper.
„Wer hat sie aufgeh;ngt?“, fragte Ilya Lvovich streng.
„Fragen Sie den Manager; das ist sein Zust;ndigkeitsbereich.“
Ilya Lvovich befragte den Manager des X-Clubs. Der Manager sagte, der Lieferant habe die Girlande gebracht und angewiesen, sie vorsichtig an den Enden aufzuh;ngen, damit man sie nicht versehentlich ber;hre, sonst w;rde sie verrutschen und nicht mehr so sch;n aussehen, wie sie ;ber dem Eingang des X-Clubs aussehen sollte. Was die L;nge der Girlande betraf, so konnte sie gar nicht anders aufgeh;ngt worden sein; ;ber dem Eingang befanden sich zwei Stellen, an denen die Enden von Weihnachtsgirlanden ;blicherweise befestigt wurden. Vermutlich wussten nur diejenigen, die sie f;r den X-Club vorbereitet hatten, wem gegen;ber die Girlande hing.
Ilya Lvovich bat den Administrator, eine Liste der Mitglieder und Angestellten des X-Clubs zu erstellen und neben jedem Eintrag die K;rpergr;;e zu notieren, sofern diese ;ber 185 Zentimeter gro; war. Der eingetroffene forensische Experte betrachtete die Girlande respektvoll: Sie musste untersucht werden. Doch wie sollten sie damit umgehen? Vorsichtig entfernten sie die Girlande mit einer Pinzette (sie war mit Klebeband befestigt) und legten sie auf ein Tablett, das der Barkeeper dem Experten reichte.
Das Ereignis in dem exklusiven Club h;tte die Seiten eines Magazins geziert, und der Titel des Artikels, „Weihnachtsgirlande“, war an Silvester Gold wert. Der Detektiv ermittelte. Die Ankunft seiner Partnerin Zoya im X-Club fiel mit der Ankunft des Lieferanten zusammen, der die Girlande gekauft hatte. Der Lieferant sah die Girlande auf einem Tablett liegen und sagte ;berrascht:
„Die habe ich nicht gekauft!“
„Ist das eine andere Girlande?“, fragte Ilja Lwowitsch.
„Ja, sie ist sehr ;hnlich. Aber diese hier ist l;nger. Meine hing an der Wand; wir schm;cken diese Wand immer, und die Girlande hing nicht ;ber dem Eingang.“
„Wollen Sie damit sagen, dass die Girlande ausgetauscht wurde?“, warf Agnessa ein.
„Ja, ganz sicher“, antwortete der Lieferant.
„Machen Sie Fotos, bevor sie sie mitnehmen.“ „sagte der Gerichtsmediziner, der im Begriff war, den Tatort zu verlassen. Die Girlande auf dem Tablett wurde zur Untersuchung mitgenommen. Zoya meldete alle Anwesenden des X-Clubs an und schickte sie mit der Bitte weg, die Stadt nicht zu verlassen, da der Vorfall schwerwiegend war und bereits drei Menschen im Sterben lagen. Die Experten untersuchten die Girlande sorgf;ltig: Die teure und modische Girlande rief keinerlei negative Gef;hle hervor. Wie und wo waren die t;dlichen Nadeln darin versteckt? Die ;ppige Girlande war so angeordnet, als best;nde sie aus Tausenden von Nadeln.
Wenn sich so viele t;dliche Nadeln in der Girlande befanden, warum hatte dann nur eine die Injektion verabreicht? Warum nicht alle auf einmal? Eine technisch perfekte Todeswaffe. Das Labor berichtete, dass in dem Blutstropfen ein starkes Gift gefunden wurde. Gegenmittel f;r dieses Gift existierten praktisch nicht. Nur eine winzige Menge des Giftes gelangte ins Blut, aber sie reichte aus, um einen Menschen zu t;ten. Dieses Arsen wird in der D;nnschichttechnologie verwendet, und erst nach zehn bis f;nfzehn Jahren zeigen die damit arbeitenden Technologen Phasenverschiebungen, die jedoch auf altersbedingte Ver;nderungen zur;ckgef;hrt werden.“ Demenz. Doch hier wurde ein neues, starkes Gift eingesetzt. Einst benutzte man vergiftete Pfeile, hier Nadeln in einem Kranz. Mehrere weitere Nadeln, sehr d;nn und spitz, wurden im Kranz gefunden, in einem respektvollen Abstand entlang der gesamten L;nge, etwa so gro; wie ein menschliches Gesicht.
Es galt nun nur noch, den Hersteller des industriell gefertigten Kranzes zu finden. Eine Kranzfabrik lie; sich ausfindig machen, doch dort arbeitete ein t;dlicher Spezialist. Wenn wir ihn doch nur finden k;nnten! Und wie viele Kr;nze hatte er schon ruiniert? Ilja Lwowitsch vermutete, dass der Kranz von jemandem aufgeh;ngt und ersetzt worden war, der die Mitglieder des X-Clubs gut kannte und mit den Traditionen des Etablissements vertraut war. Drei Menschen starben, und es stellte sich heraus, dass die Verletzten nicht gerettet worden waren. Georges und die Dame waren die interessantesten Mitglieder des X-Clubs; die anderen waren kleiner und weniger wohlhabend. Eine Woche vor diesen Ereignissen hatten der Barkeeper und Georges einen Streit gehabt, obwohl ein Barkeeper eigentlich kein Recht hatte, sich mit G;sten zu streiten. Georges, ein z;her Kerl Ein Mann kam in den X-Club, um sich zu entspannen, und seine Angebetete, eine wundersch;ne Frau, verkehrte dort ebenfalls. Es war sein Zufluchtsort.
Der Vater der Sch;nen, ein Gesch;ftsmann, erfuhr davon und bestellte den Barkeeper zu einem Gespr;ch. Er galt als inoffizielle Autorit;t der Stadt; sein Credo war es, alle unter Kontrolle zu halten, insbesondere diejenigen, deren Schicksal von ihm abhing. Der Barkeeper erhielt Anweisungen und eine Girlande aus t;dlichen Nadeln. Er h;ngte die Girlande selbst auf, als niemand sonst da war. Der Barkeeper war so eingesch;chtert, dass er Anrufe t;tigte, die ihm h;tten schaden k;nnen. Der Detektiv sp;rte dies: Der Barkeeper tat Dinge, die er nicht h;tte tun sollen, und mischte sich in Gespr;che ein, obwohl seine Stellenbeschreibung ihm Schweigen vorschrieb. Ilya Lvovich setzte sich an den Tresen neben Agnes und Apollo, nickte und bestellte Kaffee. Sie unterhielten sich, aber ihre Ohren fingen die Worte und Stimmungen der Leute auf, die kamen und gingen. Ilya Lvovich kannte die Feinheiten der Stadt. Unausgesprochene Macht. Der Zweck des X-Clubs war unbestreitbar; die Leute kamen dorthin, um ihre Gef;hle und ihr Geld loszuwerden. Die Gruppe hatte die Geschichte von Georges und der Frau bereits geh;rt, wusste aber nicht das Wichtigste: Der inoffizielle Besitzer des X-Clubs war der Vater der Toten. Agnes wollte allen erz;hlen, dass sie Georges im Steinbruch getroffen hatte, schwieg aber. Auch Apollo verschwieg ihren One-Night-Stand. Die exzentrische und nerv;se Art des Barkeepers wirkte sich negativ auf Agnes aus.
„Warum verhaften sie den Barkeeper nicht?“, fragte sie den Detektiv.
„Sie sammeln Beweise gegen ihn“, antwortete er, „oder sie wollen den Drahtzieher des Verbrechens identifizieren.“ Es ist klar, dass der Barkeeper die Girlande h;tte bewegen k;nnen, aber jemand hatte sie ihm gegeben. Es w;rde mich nicht wundern, wenn das Verbrechen ungel;st bleibt; die Mordmethode war zu raffiniert. Der Gerichtsmediziner ;bermittelte die forensischen Ergebnisse telefonisch an Ilya Lvovich.
„Gift, Nadeln, ein Blumenkranz“, wiederholte Ilja Lwowitsch nachdenklich die Worte des Gerichtsmediziners gegen;ber Agnes.
„Wir haben die Zusammensetzung der Tatwaffe identifiziert, aber was ist das Motiv?“, fragte sie.
„Liebe und das Polyeder darum herum“, antwortete er. „Wir m;ssen nach den Facetten des Polyeders suchen, und die sind normalerweise miteinander verbunden. Jetzt sollten wir den X-Club schnell verlassen!“
Ilja Lwowitsch legte das Geld auf den Tresen, nickte dem Barkeeper, Agnes und Apollo zu. Er holte seinen Mantel von der Garderobe und ging zum Auto.
„Wie wundersch;n der X-Club ist! Erst jetzt ist mir bewusst geworden“, hauchte Agnes, „wo man alle Freuden der Unterhaltung an einem Ort findet! Es ist eine Symbiose der Gen;sse! Apollo, hast du gesehen, wie der Club separate Lounges und Restaurantbereiche, Billardr;ume, ein Schwimmbad mit Sauna und einen Rouletteraum hat – und das alles in einem kompakten, zweist;ckigen Geb;ude!“ Ich sah die Liste der angebotenen Leistungen und konnte sie gar nicht alle aufz;hlen. Die Einrichtung ist fantastisch; dieses Geb;ude hat alles, und nichts wirkt fehl am Platz. Die Garderobe ist au;er Sichtweite; sie ist hinter einer Wand versteckt, wie ein Paravent. Die Bar ist sichtbar, aber nicht weiter schlimm; sie ist nicht die Hauptbar, sondern nur eine kleine Ablenkung in der N;he des Eingangs. Alles andere findet man, wenn man einem sagt, wo man hin muss. Kurz gesagt, der X-Club ist ein wahres Labor der Dienstleistungen!
„Ja, Agnes, du hast das Wesen dieses Etablissements fast erfasst. Dieser Club ist ein wahres Mysterium, was die angebotenen Dienstleistungen angeht, aber die Preise sind astronomisch! Es gibt sogar eine Striptease-B;hne, aber so etwas wie auf der Stra;e wirst du nicht finden!“
„Und das Geb;ude! Ist es alt oder wurde es so umgebaut, dass es wie fr;her aussieht?“
„Das Geb;ude ist unbezahlbar. Fr;her stand hier ein Geb;ude zur Hauptstra;e hin, und die Au;enfassade ist im altmodischen Stil gehalten, aber mit modernen Materialien. Das Geb;ude selbst wurde in den Innenhof erweitert“, antwortete Apollon. Agnes und Apollon gingen nach Hause und vermissten ihre n;chtliche Liebe.
Ilya Lvovich sa; allein im Auto, und der Gedanke schoss ihm erneut durch den Kopf: „Ich lebe wieder! Es ist klar, dass die Sicherheitsleute des Clubs nicht nur Wachmann am Eingang sind, sondern Teil eines kriminellen Netzwerks mit einem gro;en Drahtzieher. Und aus irgendeinem Grund m;gen sie Georges nicht. Die Sch;ne und der Angestellte sind Opfer des Zufalls, obwohl die Frau auch ein unvorhergesehenes Opfer gewesen sein k;nnte. Die F;den f;hren zu dem Drahtzieher. Ob es wohl noch andere solcher Etablissements in der Stadt gibt, oder harmlosere?“ So dachte Lis, w;hrend er an der Bar „X“ vorbeifuhr und pl;tzlich anhielt.
;ber dem Eingang der Bar „X“ hing eine harmlose Girlande. Niemand war in der N;he; es war ein freier Tag. Ilya Lvovich stieg aus und betrachtete die Girlanden: Es waren mehrere, senkrecht h;ngend, in verschiedenen L;ngen. Feiner, glitzernder Schnee lag darauf. „Ich kann ja nicht einfach alle Girlanden in der Stadt abrei;en“, dachte der Detektiv. Sein Blick wurde von einem Mann abgelenkt, der auf ihn zukam.
„Hey, gib mir 25 Cent! Mir ist kalt, und wenn du hier bist, bist du reich“, sagte der Mann und zupfte instinktiv an einer Girlande.
„Aua!“, schrie der Mann und fiel in den frischen Schnee. Ilya Lvovich wunderte sich nicht, dass dem Obdachlosen kalt geworden war. Die Girlande hing noch immer ruhig am Himmel. Der Detektiv erstarrte; er hatte keine Lust, die Polizei zu rufen. Er dachte nur: „Dem Besitzer von Lokal X kann nichts passiert sein! Wer hat diese Girlanden aufgeh;ngt?“ Ihm war kalt und er f;hlte sich elend. Nicht einmal 25 Cent w;rden den Obdachlosen zur;ckbringen. Ilya Lvovich stieg in sein Auto und fuhr nach Hause; er konnte es nicht ertragen, heute noch mit der Polizei zu sprechen. Er musste nachdenken … Er musste die Girlanden abnehmen! Aber wie viele hingen denn in der Stadt herum? Eine Art Bet;ubung ;berkam ihn. Er wachte auf, sein Auto stand am Stra;enrand. Er nahm sein Handy und informierte die Polizei, nicht nur telefonisch, sondern direkt auf der Wache … und dann merkte er, dass sich kaum jemand daf;r interessierte, vor allem nicht die ;rtliche Polizeistation.
Ilya Lvovich rief den Barkeeper im X-Club an und sagte:
„Barkeeper, Entschuldigung f;r die St;rung! Ich wei;, dass Sie da sind. Ich bin durch die Stadt gefahren und habe eine Bar namens ‚X‘ gesehen. Wissen Sie, wem die geh;rt?“
„Ilya Lvovich, was ist da passiert? Warum rufen Sie an?“
„Ich habe Girlanden ;ber dem Eingang gesehen, und darunter lag ein Obdachloser.“
„;berpr;fen Sie die Adresse. Der Besitzer hat f;nf Lokale, alle mit dem Buchstaben ‚X‘ im Namen.“
„Ilya Lvovich, ich verstehe. Sie werden die richtigen Leute informieren, aber ich gehe jetzt ins Bett …“
Ilya Lvovich rief die Sekret;rin des Besitzers an und gab die Information weiter. Der Besitzer, auch bekannt als Mister Spider vom Sicherheitsnetz, fragte sich, ob ihn jemand ;berlistet hatte. Er wusste von den Girlanden, die in die Stadt gebracht worden waren; er hatte eine mitgenommen, um Georges f;r seine Unversch;mtheit zu bestrafen, aber er w;rde keine weiteren Girlanden mehr dulden. Wer hatte ihn reingelegt? Die Leute w;rden den X-Clubs fernbleiben, und die waren eine lukrative Einnahmequelle.
Mister Spider rief zwei vertrauensw;rdige Sicherheitsleute zusammen. Er beauftragte sie, die Etablissements abzusuchen und alle Girlanden einzusammeln und durch normale zu ersetzen, genau wie die, die bereits hingen. Er warnte alle vor den Gefahren und mahnte sie zur Vorsicht im Umgang mit den Girlanden. Eine Stunde sp;ter erschienen die beiden und brachten einen Plastikbeh;lter voller Girlanden ins B;ro.
„Gut gemacht, Jungs, ihr k;nnt gehen!“
Herr Spider rief in der Bar an und sagte zum Barkeeper:
„Danke f;r die Information! Schlie;en Sie den Club! Morgen erz;hlen Sie allen, dass die Beerdigungen der drei Toten vom Etablissement bezahlt wurden, dass unsere Konkurrenten uns reingelegt haben.“
Dann rief Herr Spider an:
„Ilja Lwowitsch, wir haben ein Problem, kommen Sie sofort zu mir.“
Der Besitzer beschloss, sich als gut informierter, gesetzestreuer B;rger auszugeben. Ilja Lwowitsch traf etwa zehn Minuten sp;ter ein und untersuchte den Inhalt des Tanks.
„Jetzt k;nnen wir schlafen“, sagte er zum Besitzer. „Alles andere regeln wir morgen; ich nehme den Tank mit.“
Agnes und Apollo schliefen schon lange nach dem Vorfall mit der Weihnachtsbeleuchtung und ihren Gespr;chen ;ber ihr Leben. Agnes tr;umte von einem Kaleidoskop ihrer Hobbys, das kein Ende zu nehmen schien.
Was? Georges ist gestorben? Ja. So erfuhren Zoya und Ilya Lvovich, was dieser Geschichte vorausgegangen war.
Zoya untersuchte den Fall um Agnes Arkina. Und sie war nicht allein schuld. Georges hatte eindeutig etwas mit Denis Turins Tod zu tun. Doch wer Georges get;tet hatte, war nicht ganz klar. Seine Vergiftung war praktisch ein Unfall.
Zoya dachte, Georges h;tte ;berlebt, wenn er eine Per;cke getragen h;tte. Der Dorn des Weihnachtsbaums w;re keine Gefahr f;r ihn gewesen. Wer hatte den Baum aufgeh;ngt und in das Gift getaucht? Die Frage war rhetorisch. Wen wollte er damit bel;stigen? Jemanden, der Agnes wohlgesinnt war.
Apollo? Warum nicht? Das Gift am Baum stellte sich als fremdes Werk heraus, und der Fall wurde ohne Gerichtsverhandlung abgeschlossen.
Nach der Lekt;re des kurzen Romans k;nnte man meinen, dass in dieser Geschichte alles einfach und folgenlos verlaufen sei. In diesem Fall waren Zoya und Ilya Lvovich passive Beobachter, denen keine Gelegenheit gegeben wurde, ihre F;higkeiten zu entwickeln oder die Ereignisse zeitnah zu ver;ffentlichen. Nicht alles im Leben wird gr;ndlich untersucht; manchmal werden Ereignisse einfach vertuscht.
So dachte Zoya gerade, als sich die B;rot;r ;ffnete. Ilja Lwowitsch selbst stand davor.
„Zoya, ich wei;, wer an dem Ungl;ck dieser Gruppe schuld ist. Wir haben jemanden ;bersehen – Boris!“
„Hallo, Ilja Lwowitsch! Du warst ewig weg und kommst pl;tzlich zu so einer seltsamen Schlussfolgerung. Boris ist schlie;lich nur ein einfacher Arbeiter in einem Gem;selager.“
„Wei;t du noch, wie das war? Damals arbeiteten Ingenieure im Vertrieb oder sogar in der B;ckerei, n;her am Getreide. Boris ist ausgebildeter Apotheker. Er hat das Gem;selager verlassen und ist zu seiner Firma zur;ckgekehrt! Gifte sind sein Spezialgebiet; sie werden in winzigen Dosen in Medikamenten verwendet.“
„Was sollen wir mit dieser Schlussfolgerung anfangen? Apollo ist sein direkter Rivale, und was hat Georges damit zu tun?“ „Georges stand Agnes nahe. Wom;glich hat er sie gegen Boris aufgehetzt, was ihre Trennung beschleunigt hat.“
„Das ist nur eine Vermutung, kein Beweis f;r ein Mordmotiv. Und was hat Georges Boris angetan?“
„Der gutaussehende Georges hat wegen seiner Gr;;e versehentlich die Weihnachtsbeleuchtung ber;hrt. Es h;tte jedem passieren k;nnen. Boris, gedem;tigt durch die Trennung, k;nnte einfach die Wirkung des Giftes getestet haben.“
„Was hat er im X-Club gemacht? Er stand nicht auf der G;steliste.“
„Er war gar nicht im Club; er hat das Clubrestaurant mit Essen beliefert.“
„Was wird jetzt aus Boris? Er war ein gutaussehender Mann.“
„Er hat sich selbst bestraft. Er wurde fett, riesig und ist tot.“
„Ilja Lwowitsch, warum erinnerst du dich erst jetzt an ihn?“
„Ich habe einen Artikel ;ber ihn in der Zeitung gelesen; darin stand, dass die Apotheker um ihn als Erfinder trauerten. Jetzt erinnere ich mich an alles.“ Ich hoffe, du hast alles aufgeschrieben, Zoja.
„Zweifeln Sie nicht daran, dass ich es konnte – ich habe alles in der Akte ‚Weihnachtsdorn‘ aufgeschrieben.“
Kapitel 10. Die Feinheiten des Alltags
Es war einmal … Agnessa Iwanowna hatte ihre eigenen Probleme zu Hause, die mit der Jugend ihrer Tochter Angelina zusammenhingen. Lange Lederjacken schmiegten sich an schlanke, zierliche Gestalten. Sanfte Wellen fielen ;ber ihre Schultern. Sch;ne Beine, in Stiefeln, blitzten zwischen Stiefeln und Jacke hervor. Lachend lie;en die M;dchen ihre teuren schwarzen Taschen fallen und begannen, ihre Lederjacken auszuziehen. Ausrufe der Freude und der Emp;rung wechselten sich ab.
Agnessa Ivanovna blieb nichts anderes ;brig, als den Flur zu verlassen und in ihr Zimmer zu gehen. Sie wusste, die M;dchen w;rden jetzt starken schwarzen Kaffee trinken und ;ber die neuesten Ereignisse in ihrem Leben plaudern. Einmal hatten sie beschlossen, ihre Haarfarben zu ;ndern. Die dunkelhaarige Angelina hatte ihre Haare wei; gebleicht, w;hrend die blonde Nonna sie schwarz gef;rbt und sich in eine Ecke des Zimmers verkrochen hatte. Sie wollte sich nicht im Spiegel ansehen. Zuerst weinte sie, dann wurde sie still und regungslos. Angelina begriff schnell, was geschehen war; sie musste in den Laden, teure Farbe kaufen und Nonnas Haare wei; f;rben. Sofort kehrte Ruhe ins Haus zur;ck, und die Stimmung aller besserte sich augenblicklich.
Bei Angelina war es anders. Als Blondine sah sie sehr attraktiv aus, aber ihr schwarzes Haar, das sie h;ufig nachgef;rbt hatte, begann zu br;chig zu werden und fiel fast an der Wurzel aus. Zu allem ;bel hatte sie einen neuen Verehrer: den Filialleiter. Angelina und Nonna hatten einst im selben Laden gearbeitet. Der Laden feierte den Geburtstag einer Mitarbeiterin mit gro;em Pomp. Die Managerin bot an, Angelina nach Hause zu fahren; sie arbeitete als Managerin.
W;hrend sie auf Angelinas R;ckkehr wartete, fesselte Agnessa Iwanownas Blick immer wieder die Mainacht vor dem Fenster. Ein Auto hielt vor dem Haus, und Angelina und ein Mann stiegen aus. Das Auto wendete, und der Mann st;rzte sich mitten auf die Stra;e auf Angelina, warf sie auf den Asphalt und setzte sich auf sie.
Angelina schrie:
„Mama, ruf die Polizei!“
Der Mann schrie:
„Ruf sie nicht!“
Agnessa rief die Polizei und erkl;rte, dass ein Mann eine Frau in der N;he des Eingangs angegriffen hatte. Die Managerin stieg in ihr Auto und fuhr weg. Angelina, untr;stlich, ging am Haus vorbei. Die Polizei traf ein. Sie nahmen sie fest und brachten sie zur Wache. So absurd ist das Leben! Angelina kam am Morgen von der Wache nach Hause; sie bekam eine Geldstrafe, die die Managerin bezahlte.
Ein Anruf. Angelinas Freundin Nonna hat Neuigkeiten.
— Angelina, wusstest du, dass ich Englischkurse besuche?
— Nein, was ist denn passiert?
— Wei;t du, ich arbeite schon als Kellnerin in einem Restaurant f;r Ausl;nder! Kellnerin! In einem Hotel …
— Nonna, warum machst du dir solche Sorgen?
— Ich habe meine Uniform waschen, st;rken und b;geln lassen! Die besteht aus einer wei;en Hose und einer tollen Bluse! Ich verdiene in einer Woche mehr Trinkgeld als sonst im Monat! Sieh nur! Und manche Leute arbeiten drei;ig Jahre lang f;r einen Staatsbetrieb und bekommen nichts. Das ist doch unversch;mt! Und du sagst, ich mache mir Sorgen?!
— Was soll ich denn tun? Studierst du denn noch?
— Ja, das Restaurant stellt nur Studentinnen mit Fremdsprachenkenntnissen ein. Ich arbeite zwei Schichten am St;ck, dann habe ich zwei frei, deshalb verpasse ich ein bisschen Uni, aber ich m;chte unbedingt mein eigenes Geld verdienen! Und meine Mutter kann mir unm;glich so viel Taschengeld geben! Agnessa wurde schnell Gro;mutter. Ihre Tochter Angelina brachte ein M;dchen, Alena, zur Welt, lebte aber nicht mit dem Vater ihrer Tochter zusammen. Um diese Zeit begann Angelinas Vater, Viktor, immer h;ufiger von zu Hause abwesend zu sein und st;ndig auf Reisen zu sein. Seine letzten Urlaube dauerten jedoch schon zwei oder drei Monate.
Angelina selbst beruhigte sich etwas. Da sie in einem Gesch;ft nicht viel verdiente, belegte sie einen kostenpflichtigen Wertpapierkurs. Der Kurs dauerte nicht l;nger als einen Monat: zwei Wochen intensives Lernen, dann Pr;fungen. Als Abschluss lernte sie in dem Kurs einen neuen Freund kennen, einen gro;en und gutaussehenden jungen Mann aus der Hauptstadt, Vlad.
Vlad besuchte sie manchmal und zog sich mit ihr in ihr Zimmer zur;ck. Sein Lieferwagen, ein Auto, das sich so sehr von den anderen unterschied, stand drau;en vor dem Fenster. Er brachte guten Champagner und Spielzeug f;r Angelinas Sohn mit. Agnessa Iwanowna bekam Vlad nie zu Gesicht. Angelina verbarrikadierte die T;r und lie; ihn herein. Nach Abschluss des Wertpapierkurses fand Angelina eine ganz andere Arbeit. Sie arbeitete als Verk;uferin an einem Kiosk. Seltsame Jahre vergingen. Sie war mit ihrem Job v;llig unzufrieden. Ihre H;nde konnten das viele Geld nicht mehr ertragen. Die Haut an ihren H;nden war v;llig zerst;rt. Angelina musste ihren Job k;ndigen und sich ganz auf die Heilung ihrer Haut konzentrieren. Sie lernte Vlad, einen gutaussehenden Mann, wieder kennen. Seine Eltern hatten gute Positionen in einem Lebensmittelverarbeitungsbetrieb. Abgepacktes H;hnerfleisch und S;cke mit Gem;se trafen in Angelinas Wohnung ein. Das Haus war voller Schmorgerichte. Angelina und Vlad zogen in ein gro;es Zimmer. Sie renovierten es, tapezierten es schwarz, und es wurde zu einer Art Abzweig eines Kohlebergwerks.
Ein Jahr sp;ter waren Angelinas H;nde wieder in einem erb;rmlichen Zustand. Sie vertrug kein Dosenfleisch mehr; sie hatte eine hartn;ckige Allergie gegen diesen jungen Mann und sein feines Essen entwickelt. Drei Monate nach seiner Abreise verschwand das Essen aus dem Haus, doch ihre zerrissene Kleidung blieb zur;ck.
Sie brauchten ein Grundeinkommen zum ;berleben. Nach einiger Zeit erholten sich Angelinas H;nde wieder und ihre wundersch;nen N;gel mit ihren vielf;ltigen Designs waren ein echter Hingucker.
Nonna hatte Neuigkeiten:
„Angelina, ich habe mir ein Auto gekauft! Ich habe meinen F;hrerschein! Ich habe als Kellnerin im Restaurant des Touristenhotels gearbeitet und mir das Auto selbst verdient!“
Nonnas Neuigkeiten am n;chsten Tag waren bescheidener. Es war das dritte Mal, dass sie Haarfarbe mit blonden Str;hnen auf der Verpackung gekauft hatte, aber sie hatte ihre Haare nicht blond gemacht. Sie nahm ihren neuesten Kauf und begann, ihn auszupacken. Alles war in Ordnung, und die Farbe war teuer. Sie zog Handschuhe an, schnappte sich eine Haarb;rste und ging ins Badezimmer. F;r solche Experimente hatte sie sich ein Handtuch ;ber die Schultern gelegt. Ich hatte mir gerade die Haare gef;rbt, als das Telefon klingelte… Sie rannte zum Telefon und warf sich dabei die Handschuhe ab… Angelina fragte:
– Nonna, habe ich dich beim Essen gest;rt? Was kaust du da?
– Kaugummi.
– Hast du Zeit zum Reden?
– Ja, ich habe mir gerade die Haare gef;rbt.
– Hast du die Farbe schon ausgewaschen?
– Nein, ich habe sie gerade erst gef;rbt.
– Wie waren deine Neujahrsferien?
– Gut. Gestern bin ich aus dem Land der Sphinx abgereist. Ich habe mich in einen Surflehrer verliebt! Siehst du, ich habe mich verliebt!
– Ein Surflehrer ist immer gef;hrlich!
– Und genau das meine ich! Ich habe meinem Freund gesagt, dass ich ihn nicht mehr liebe und bin bei meinen Eltern geblieben. Ich war ein paar Jahre mit ihm zusammen! Und heute hat er mich auf dem Handy angerufen und gesagt, ich solle zu ihm zur;ckkommen.
– Nonna, hast du deine neue Wohnung schon abbezahlt?
– Ja! Wir teilen uns eine Wohnung, 50/50. Wenn wir uns streiten, verkaufen wir die Wohnung und teilen das Geld! Ich glaube, er hat den Respekt vor mir verloren, sich an mich gew;hnt und sch;tzt mich nicht mehr. Aber er sagt immer das Gegenteil! H;tte ich den Dozenten nicht als Parf;mtester benutzen k;nnen? Vielleicht funktioniert es ja nicht f;r mich? Du verstehst das nicht! Der Typ hat sich nicht in mich verliebt! Ich schon!
Angelina hat das Gef;hl, ihre Haare seien mit der Farbe getrocknet.
„Nonna, wer wei;, vielleicht bist du ja verliebt! Ich f;hle mit dir, vielleicht klappt es ja!“
„Das hoffe ich auch.“
„So, das war’s, tsch;ss!“ Angelina rennt ins Badezimmer und sieht in den Spiegel. Ihre Haare sind zu einer r;tlichen Kruste getrocknet. Die Kruste ist r;tlich. Sie befeuchtet die Farbkruste mit Wasser, schmiert sie sich auf den Kopf, zieht eine Plastikt;te ;ber und geht fernsehen… Zwanzig Minuten sp;ter sp;lt sie die Farbe aus: Im Spiegel ist das Blond nicht mehr zu sehen. Weizenfarbenes Haar schm;ckt ihren Kopf.
Der Fr;hling kriechte durch die Fenster. Ein neuer Pelzmantel hing im Schrank. Nonna neckte Angelina nicht mit einem weiteren neuen Mantel. Ein Ledermantel, der fr;hlich im Flur hing, weckte keinen wilden Neid. Nur wenige Schritte von der Zivilisation entfernt wartete immer ein Gl;cksfall. Das Problem war nur, dass Angelinas neuer Mann, Vlad, panische Angst vor seiner Mutter hatte. Er f;rchtete sie so sehr, dass sie es unwahrscheinlich fand, dass er ihr Enkelkinder schenken w;rde. Beide waren Anh;nger einer oberfl;chlichen Reinlichkeit; seit ihrem Einzug war alles in ihrer Wohnung an seinem Platz. Die Frage dr;ngt sich auf: „Wozu braucht sie ihn dann?“ Angelina wei; es nicht, aber sie hat keine andere Wahl. Sie versucht, online einen Ersatz f;r ihn zu finden, meldet sich auf einer Dating-Seite an und hinterl;sst ihre Kontaktdaten und ein Foto. Die M;nner verbl;fften sie mit ihren Angeboten f;r normale sexuelle Beziehungen. Sie planten nicht, sich auf eine feste Beziehung einzulassen. Die Gr;;e des Bettes reichte ihnen v;llig, aber nicht, um Kinder zu bekommen.
Diese Art von Beziehung war nichts f;r sie. Sie suchte Rat bei einer alten Frau. Angelina hatte immer gedacht, die Menschen seien fr;her weiser gewesen! Die alte Frau hatte als Kind den Krieg erlebt; der Zweite Weltkrieg war durch ihr Zuhause gew;tet. Und dann, wie so viele andere: zwei Kinder von zwei V;tern und eine Reihe von Liebhabern, vor allem aber nicht wegen des Geldes.
Seht sie euch an – sie ist ein Fels in der Brandung, und doch str;mten die M;nner zu ihr. Sie arbeitet immer noch als Krankenschwester an vorderster Front, wo jeden Tag Menschen sterben. Sie arbeitet in der schwierigsten Abteilung des Krankenhauses. Sie ist eine gro;artige Frau, aber dieses Schicksal war Angelina nicht verg;nnt. Sie ist kein Fels.
Aber Angelinas Leben war ganz normal.
„Ausgezeichnet“, dachte Angelina und ging hinaus, w;hrend die Menge ihre Angelegenheiten telefonisch mit dem Inhaber seiner eigenen Firma regelte, der stets mit seinen Angestellten in Kontakt stand. Der Charme eines ganz anderen Mannes verblasste in ihren Augen, blieb aber in ihrem Herzen – Vlad war so ein faszinierender Mann“, beendete Angelina ihren Gedanken. Angelina fing Vlads Gedanken wieder auf. Er telefonierte, seine Augen folgten der Frau, die ging, doch er wusste genau, dass er sich ihr nicht n;hern konnte; jede Interaktion mit dieser Frau hing allein von ihr ab. Er legte den H;rer rechts neben seine Hand, leerte sein Weinglas, r;hrte sich aber nicht. Vlad hatte sich gerade an den Gedanken an einen neuen Besitzer gew;hnt, als er erfuhr, dass sein Hotel abgerissen werden sollte. Sie stand den st;dtischen Beh;rden im Weg. Ein Hotel ist kein Holzhaus; man kann es nicht einfach versetzen. Angelina hatte mit den Stadtverantwortlichen keine Einigung erzielt. Vlad beschloss, mit der Frau zu sprechen. Sie reagierte nicht einmal auf diese Nachricht:
„Vlad, alles bestens. Wir m;ssen nur die richtigen Leute bezahlen, dann lassen sie uns mit diesem Unsinn in Ruhe.“
„Meinst du?“ „Woher nehmt ihr das Geld?“
„Von da, wo wir es immer hernehmen. Agnessa wird nichts davon mitbekommen; soll sie doch mit ihrem Ex Schiffe bauen.“
„Angelina, du wei;t doch alles.“
„So ist es nun mal, Vlad.“ Die Stra;e war ;berraschend leer und konnte den fr;hlingshaften Kampf der Begierden nicht st;ren. Angelina und Vlad unterhielten sich weiter im Schein der untergehenden Sonne am Ufer des noch schneebedeckten Teichs.
„Angelina, was deine ehelichen Pflichten angeht: Du hast mich buchst;blich gekauft. Du hast mir ein ganzes Wohnmobil geschenkt, damit ich deinen edlen K;rper nicht bel;stige. Und nicht nur das, du hast auch noch deine Nachfolgerin abgesegnet und mich durch jemand anderen ersetzt! Das geht so nicht!“ Vlad fuhr emp;rt fort.
„Woher sollte ich denn wissen, mit wem ich da auf der Website chatte?“, entgegnete Angelina und verteidigte sich schwach.
„Du solltest wissen, dass intime Beziehungen f;r manche Menschen von gr;;ter Bedeutung sind; so sind sie nun mal. Dieses Recht der M;nner wird st;ndig verletzt, besonders beim Milit;r. S;dstaatler, deren Leben k;rzer ist, verbringen ihre besten Jahre beim Milit;r. Siehst du, zwei Jahre lang sind sie von Frauen getrennt! Und dann wundern sie sich, warum sie nicht mehr Kinder bekommen. M;nner beim Milit;r sind doppelt so aggressiv; sie sind in ihren besten Jahren und d;rfen keine M;dchen sehen.“
„Vlad, ich bin wie gel;hmt und habe nicht die Kraft, Probleme beim Milit;r zu l;sen“, sagte Angelina und ging zu ihrem Haus.
„Sie verlangen also nicht von dir, eine ganze Kompanie zu lieben; ich verlange von dir, dass du wieder meine Frau bist! Was ist denn so schwer daran, nur einen Mann zufrieden zu stellen?!“, fuhr Vlad fort.
„Wenn du eine Frau brauchst, such sie dir unter denen, f;r die Intimit;t eine berufliche Pflicht ist!“, rief Angelina und rannte zum Eingang ihres Hauses.
Vlads starker Arm hob Angelina vom Boden hoch, eine St;tze, die einer Eiskunstl;uferin auf dem Eis w;rdig gewesen w;re.
„Meine Liebe, du gehst nur mit mir nach Hause!“, sagte Vlad und schloss Angelina in seine Arme.
Sie, in seiner Umarmung, stammelte:
„Komm, wir gehen nach Hause, lass mich einfach runter.“
„Das ist was anderes! Du h;ttest mich gleich einladen sollen. Ich wei;, dass du allein wohnst“, sagte Vlad anerkennend und lie; sein Opfer wieder auf den Boden.
„Bist du nicht verr;ckt? Vielleicht bist du ja ein Serienverbrecher! Aber was k;mmert mich das schon?“, murmelte Angelina vor sich hin, w;hrend Vlad sie begleitete. „Angelina, das Leben ist wunderbar und fantastisch, und ich bin gutaussehend“, lobte sich Vlad selbst und schloss die Wohnungst;r hinter sich.
„Ich hab’s mir gemerkt, du armes kleines K;nigchen!“
Junge Leute regeln ihre Angelegenheiten selbst.
Der Sommer bringt andere Herausforderungen mit sich.
Die Welt ist nun in die Einsamkeit der Isolation gest;rzt, um ein weiteres Coronavirus zu verhindern. Die Sonne scheint vom klaren Himmel. Mehrere Packungen Buchweizen stehen im Schrank, Nudeln dr;ngen sich auf einem Regal darunter, und noch tiefer stehen Gl;ser mit Tomaten in ihrem eigenen Saft. T;glich versch;rfen die Nachrichten die Reisebeschr;nkungen im ganzen Land. Die Schwimmb;der sind geschlossen. Und das gerade rechtzeitig; der Winter war fast schneelos, und es gibt keine M;glichkeit, die riesigen Schwimmbecken mit Wasser zu f;llen.
Doch die relativ Wohlhabenden bemerkten diese Unannehmlichkeiten nicht; sie hatten gro;e H;user und private Swimmingpools. Agnes hielt sich f;r eine erfolgreiche Frau, eine Frau mit Stil und Eleganz. Sie war klein und von anmutiger Statur. Sie war zum zweiten Mal verheiratet, und zwar sehr gl;cklich. An ihren ersten Mann dachte sie kaum noch; er war zu einer unbedeutenden Episode in ihrem Leben geworden. Agnes sa; in einem Korbsessel und blickte auf seinen privaten Pool, der sich in dem gro;en Haus befand. Ihre Tochter Angelina planschte im Wasser; sie war geboren, als der Pool schon da war, und nutzte ihn deshalb als eine Art Sandkasten.
Einmal, beim ersten Klassentreffen ihres Mannes im Haus eines erfolgreichen Paares, sah Agnes deren Schlafzimmer: zwei Betten, parallel zueinander, aber mit einem angemessenen Abstand. Sp;ter schliefen sie und ihr Mann auf einem einzigen Klappsofa aus der Familieneinrichtung. Die gro;en Sessel nutzten sie zum Fernsehen oder um ihren Hobbys nachzugehen. Agnessa konnte in ihrem Sessel n;hen, stricken oder lesen. Ihr Mann konnte programmieren oder seinen traditionellen Handwerksk;nsten nachgehen. Er konnte zu Hause oder in der Werkstatt l;ten. Es gab nur eine Bedingung: Sie durfte ihren kreativen Freiraum nicht durch Gespr;che st;ren. Sie schliefen regelm;;ig miteinander, und es funktionierte, doch mit den Jahren verblassten die Leidenschaft, die Liebe. Deshalb zogen sie in zwei separate Schlafr;ume im selben Zimmer um. Nebeneinander, aber nicht zusammen.
Dieser Morgen war nichts Neues; Agnessa rannte herum und schaltete seinen Wecker aus, der immer wieder lauter klingelte. Ihr Mann wachte nicht auf, murrte aber, als sie sich dem Wecker n;herte. Ohnmacht war noch untertrieben. Einen schlafenden Mann wecken. Was konnte schlimmer sein? In letzter Zeit hatte er in Moskau gearbeitet und war f;r sie unerreichbar. Sie lebten in einem Vorort, und ihr Einkommen war niedriger als in der Hauptstadt. Sie hatte es gar nicht erst versucht, in der Innenstadt zu arbeiten, aber er hatte es gewagt. Deshalb sah sie ihn kaum. Der Mann wachte auf, nachdem seine Frau zur Arbeit gegangen war, machte sich schnell fertig und ging seinerseits zur Arbeit. An den verstreuten Gegenst;nden und dem ungemachten Bett konnte sie jede seiner Bewegungen ablesen. Er war in Eile, blickte nie zur;ck und hinterlie; ein Chaos. Kritik ignorierte er und war zutiefst beleidigt.
Am Abend hatte sich Angelina, ihre Tochter, wie ein Sommergewitter aufgerappelt und begann, ihre Mutter mit einem wahren Wortschwall zu ;berh;ufen. Im Kern ging es in ihrer Tirade darum, dass man von einer Rente unm;glich leben k;nne, dass sie immer nur wenig verdient habe und dass, da sie, die Tochter, den Gro;teil des Geldes in die letzte Renovierung der Wohnung investiert hatte, praktisch nichts mehr von ihrer Mutter in der Wohnung sei. Schrecklich. Dinge und Archive waren im Vorfeld der Renovierung und w;hrend ihrer Abwesenheit aus der Wohnung geworfen worden. Nun stand Agnessa ohne ihre Habseligkeiten da.
Die harsche Rede ihrer Tochter ;ber die drohende Armut ihrer Mutter traf sie wie ein Schlag. Was sollte sie tun? Nach 42 Jahren Arbeit stand sie pl;tzlich vor dem Nichts. Diese Wutanf;lle dauerten eine Woche an, die sie mit Herzmedikamenten ertragen konnte, bis sie schlie;lich zu dem Schluss kam, dass Agnes die Wohnung verlassen und aufs Land ziehen w;rde. Ihr Mann war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben.
Agnes litt unter ihrer eigenen Dummheit auf einer Dating-Seite. Sie war s;chtig danach geworden und sa; bald eine Stunde lang im Aufzug fest. Es war stickig im Aufzug, und die Kn;pfe lie;en sich nicht dr;cken. Der Angestellte versprach einen Fahrstuhlf;hrer, der die gestrandeten Fahrg;ste von den Eing;ngen aussteigen lassen w;rde. Sie versuchte, sich hinzuhocken und auf ihre F;;e zu setzen, aber die Luft war dort unten noch d;nner. Sie stand auf, lehnte sich an die Wand und wandte sich von der geschlossenen Aufzugst;r ab. Hin und wieder n;herte sie sich der T;r und versuchte, durch den Spalt zwischen den T;ren zu atmen, aber er war so klein, dass sie keine Luft einatmen konnte.
Geb;ckt wie Baba Jaga, kaum f;hig, ihre Beine zu bewegen, kam Agnessa im ;rtlichen Sport- und Gesundheitszentrum an. Nein, sie macht keine Werbung. Zuvor hatte sie sich einer umfassenden Computertomographie unterzogen, die ergab, dass ihr R;ckenmark in einem erb;rmlichen Zustand war. Die Kurse waren sehr teuer, aber ihre Beine waren noch teurer, und au;erdem hielten die Schmerzen an, und Medikamente halfen nicht. Seit zwei Jahren dehnte sie sich notgedrungen an Trainingsger;ten.
Versteht man jetzt, warum Agnessa neun Stockwerke hochl;uft? Es handelt sich um Muskelschw;che. Das hei;t, die Muskeln m;ssen st;ndig trainiert werden, sonst bewegen sich die Beine nicht. Kalzium und Medikamente helfen in solchen F;llen wenig; Trainingsger;te und Treppensteigen sind die beste Medizin.
Agnessa ;ffnete ihren Computer. Sie hatte genug von ihren eigenen Gedanken. Eine Online-Diskussion ;ber Schmiergelder. Schmiergelder bedeuten, dass ein anderer Job beendet wird. Oder warum das Haus nicht renoviert wird. Wenn ein Betrag X f;r die Erreichung eines Ziels bereitgestellt wird und nur 0,5X erreicht werden, gilt das Ziel als nicht erreicht. Um es zu verdeutlichen: Es gibt drei Stadtgeb;ude. In jedem Geb;ude befindet sich ein gr;;eres Bev;lkerungszentrum. Der Leiterin des Wohnungs- und Versorgungsamtes wurde ein bestimmter Betrag f;r die Renovierung der Geb;ude zugewiesen. Ihr gefiel der Betrag so gut, dass sie ihn als Schmiergeld einstrich und damit die Balkone streichen lie;. Die Balkone wurden grau. Aber wo war das Schmiergeld? Damit kaufte sich die Chefin ein ganzes Stockwerk voller Wohnungen und renovierte es bis ins kleinste Detail.
Agnessas Freundin Tatjana ist eine elegante Frau, die nie mehr als 50 Kilogramm wiegt. Sie sind fast gleich gro;, aber ihr Gewicht ist unterschiedlich. Tatjana erhielt 30 Millionen Rubel. Sie hielt sie in ihren H;nden. Agnessa kann sich eine solche Summe nicht vorstellen, aber Tatjana lie; das Geld durch ihre H;nde flie;en. Und das Geld verwandelte sich in ein Herrenhaus, und sie wurde dessen Besitzerin. Oh mein Gott! Agnessa hatte sich gar keine Gedanken dar;ber gemacht, woher die Leute so viel Geld hatten. Sie selbst konnte es unm;glich haben, aber Tatjana ganz bestimmt! Was war daran so ;berraschend?
Agnessa und Tatjana waren gleich gro;, schlank und energiegeladen. In jener fernen Zeit waren Programmierer und Physiker gefragt. Ihre Ehem;nner waren also Ingenieure. Agnessa heiratete Werewkin, und Tatjana heiratete sp;ter Lew. Sie arbeiteten ihr ganzes Leben lang. Reich konnten sie unm;glich sein. Und sie wohnten immer in verschiedenen Vierteln.
Um mit dem Gehalt zweier Ingenieure auszukommen, mussten sie ihr Leben lang asketisch leben: kein Alkohol, kein Rauchen, keine Datscha, N;hen und Stricken. Sie kauften sich nie Autos von ihrem eigenen Geld. Sie bekamen Kinder. Und als die Kinder erwachsen waren, kauften sie sich Autos. Ihre Gro;v;ter, die aus einem entwickelten Sozialismus stammten, konnten sich das nicht leisten, und wer sich damals ein Auto leisten konnte, ist l;ngst tot. Agnessa erinnerte sich an Tatjana. Sie sollte sich heute die Vorderz;hne ersetzen lassen; sie hatte es satt, auf ein strahlend wei;es L;cheln zu warten. Dann w;rde ein Abdruck genommen, und erst dann bek;me sie herausnehmbares Gebiss – das w;re ihre zweite Jugend, fast siebzig. Wie sich herausstellte, fertigten die Reichen im Wilden Westen ihr Gebiss aus Sklavenz;hnen an. Und heute, neue Technologien.
Und doch hatte Angelina eine Beziehung mit einem Oligarchen. F;nf Jahre lang liebte sie ihn, war ihm treu und ist ihm bis heute nicht untreu. Sie hat nie einen reicheren Mann kennengelernt. Angelina ist fest davon ;berzeugt, dass sie die Liebe ihres geliebten Oligarchen zur;ckgewinnen kann und muss. Deshalb l;sst sie sich eine ungew;hnliche Frisur verpassen, kauft exklusive Kleidung und Schuhe, achtet auf ihre ;ppige Figur und raucht und trinkt schwarzen Kaffee, um so die Qual ihrer Liebe zu ihm auszudr;cken.
Ein gro;er Mann mit einer wundersch;nen Baritonstimme liebte die Stra;e seit zehn Jahren. Ja, die Stra;en, die er in den damals modernsten Autos befuhr. Auf dem R;cksitz sa; immer ein riesiger Hund, der alles andere als ein Deutscher Sch;ferhund war. Angelina fuhr manchmal auf diesen Stra;en; sie hatte Autofahren gelernt, und er hatte ihr ein Auto gekauft. Doch Angelina baute innerhalb eines Monats zwei Unf;lle, und obwohl sie den Wagen beim ersten Mal reparieren konnten, versuchten sie es nicht noch einmal. Da verblasste Angelinas Liebe zur Stra;e.
Und als Angelina die Liebe zur Stra;e verloren hatte, wurden ihre Begegnungen mit dem Mann immer seltener. Sie wechselten zu leidenschaftlichen Telefongespr;chen und gaben Unsummen f;r die Anrufe aus, die letztendlich er bezahlte. Die fehlenden Telefonkontakte erm;deten sie beide. Sie verstummten, und Angelina blieb mit Zigaretten und Kaffee zur;ck. Und das war alles, was ihr an Liebe blieb.
Angelinas Vater hatte einmal vergessen, von einer anderen Frau zur;ckzukehren, und warum? Die einfachste Erkl;rung w;re, dass die Ehefrau schuld war. Aber was, wenn wir tiefer graben? Warum verschwand Angelinas Vater? Es war einmal ein Mann mit der Statur eines Vollblut-Rennpferdes, goldenen H;nden und einer jungen Frau.
Seine Tochter Angelina war ganz nach ihrem Vater gekommen. Er lie; sie nicht aufwachsen, er erlaubte ihr nicht, sich zu ;u;ern; sie war sein Alter Ego. Das Leben ist immer sch;n und schrecklich zugleich. Seine Tochter h;rte von Geburt an nicht auf ihre Mutter, ein Verhalten, das ihr Vater gef;rdert hatte. Und sie wuchs genau wie ihr Vater auf: dieselbe Gr;;e, dieselben Muttermale, dieselbe Statur, nur dass er ein Mann und sie eine Frau war.
Zu Geburtstagen wurden seltsame Blumen in durchsichtigen T;pfen verschenkt; ihre Wurzeln waren gr;n und liebten das Licht. Manche schenkten Str;u;e, andere Orchideen – sehr interessante Pflanzen. Angelina schenkte Agnes zum 8. M;rz lila Orchideen. Sie pflanzte sie sofort in einen gr;;eren Topf mit Erde um, aber die Wurzeln wuchsen trotzdem heraus.
Bald darauf traf Tatjana ein und hielt Agnes einen Vortrag ;ber den Orchideenanbau, schenkte ihr aber selbst Rosen. Nachdem Tatjana gegangen war, kam Agnes und ;berreichte ihm wei;e Orchideen in einem durchsichtigen Topf. Auch sie hielt einen Vortrag ;ber Blumenpflege. Nachdem die G;ste gegangen waren, besprach Agnes Online-Tipps zur Pflege von widerspenstigen Blumen.
Ilja Lwowitsch z;hlte in einem Atemzug alle Diademe auf, die K;niginnen in den letzten vier Jahrhunderten getragen hatten. Sch;nheit und Wert stimmen nicht immer ;berein. Manchmal sehen Aquamarin-Diademe in Platinfassung besser aus als Saphir-Diademe. Saphir eignet sich nicht immer f;r k;niglichen Schmuck.
Die Gegend war neu, es gab viele Kinder, und in fast jeder Wohnung lebten Kinder im Vorschulalter. In den 1970er-Jahren war es ;blich, dass alle Erwachsenen einer regul;ren Arbeit nachgingen. Ihr Vater arbeitete, und ihre Mutter ging wieder arbeiten, als ihr Sohn ein Jahr und sieben Monate alt war. Auch Agnes kehrte in ihren Beruf zur;ck. Als Angelina ein Jahr alt wurde, ging Agnessa wieder arbeiten, doch Angelina kam erst sechs Monate sp;ter in die Kita. Ihr Vater arbeitete damals an einer Bildungseinrichtung, und wenn ihre Mutter zur Arbeit ging, kam er nach Hause. Die Eltern winkten sich zum Abschied und trennten sich: sie zur Arbeit, er nach Hause. Angelina besuchte die Kita bereits seit ihrem anderthalbten Lebensjahr, schrie und weinte aber so laut, dass man sie von weitem h;ren konnte. Nur eine Erzieherin konnte sie beruhigen. Agnessa stand jeden Morgen um sechs Uhr auf, bereitete sich auf den Tag vor, machte sich fertig und fuhr ihre beiden Kinder zu zwei verschiedenen Kitas. Um acht Uhr musste sie auf der anderen Seite der Stadt arbeiten – alles ohne Auto, nur mit dem Bus. Agnessa war schlank und kaufte Kleidung f;r sich und ihre Kinder im Kaufhaus „Detsky Mir“, wo sie g;nstiger war. Tatjana Petrownas Sohn Wlad ging in die Schule am Ende des Hauses. Angelina war inzwischen in einen Kindergarten hinter der Schule gewechselt. Agnessa und Apollon begannen in verschiedenen Firmen zu arbeiten. Vlad, damals in der ersten Klasse, kam nach Hause und w;rmte Essen auf dem Herd f;r sich und seinen Vater auf, der in fu;l;ufiger Entfernung arbeitete, w;hrend er gleichzeitig w;hrend des Mittagessens auf seinen Sohn aufpasste.
Im Sommer vor der ersten Klasse erlebte Angelina ein Ungl;ck. Sie verbrachte den Sommer in der Datscha ihrer Gro;mutter, wo ein kleiner, mit Zement ausgekleideter Pool in den Boden eingelassen war. Sie fiel hinein und verletzte sich am Gesicht am Zement. Ihr Sehverm;gen wurde untersucht und verschlechterte sich kurzzeitig, erholte sich dann aber wieder.
So kam sie mit einem Gesicht, das noch von den Sch;rfwunden verheilt war, in die erste Klasse. Au;erdem hatte sie vor der Schule immer mit der linken Hand gezeichnet und geschrieben, doch in der Schule wurde sie gezwungen, mit der rechten Hand zu schreiben. Das war eine Qual f;r alle. Sie musste das Buchstabieren von Grund auf neu lernen.
Im Sommer nach der vierten Klasse fuhr Angelina wieder zu ihrer Gro;mutter. Diesmal gelang es ihr, sich mit einem Bleistift die Ohren stechen zu lassen; genauer gesagt, die Mutter einer Freundin hatte es getan. Doch ihre Ohren heilten nicht; st;ndig bildeten sich Kn;tchen an der R;ckseite. Die Kn;tchen wurden in einer Klinik entfernt und in einer schicken Klinik mit fl;ssigem Stickstoff ver;det. Sie musste fast nie Ohrringe tragen. Als ihre Ohren aufh;rten, wie Vulkane auszusehen, begann ihr ganzer K;rper rasant zu wachsen.
Angelina war in der neunten Klasse ein gro;es M;dchen.
Wer war schuld daran? Sie trieb Sport, bekam einen Platz an einer F;rderschule f;r olympische Sch;ler und unternahm im Sommer Wanderungen mit ihrem Sportlehrer. Heimlich fing sie an zu rauchen, aber ihre Mutter bemerkte es erst etwa f;nf Jahre sp;ter. Mit 16 wurde Angelina schwanger, doch ihre Mutter fand es erst ein paar Jahre sp;ter heraus. Warum? Ihre Mutter arbeitete ununterbrochen. Und Angelina schaffte es mit fremder Hilfe, ihre erste Schwangerschaft abzubrechen. W;hrend ihrer zweiten Schwangerschaft wechselte Angelina zur Abendschule.
In den Winterferien besuchte Angelina ihre Gro;mutter. Ein paar Monate sp;ter erz;hlte sie ihrer Mutter, dass sie im zweiten Monat schwanger sei. Sie verriet nicht, wer der Vater war. Sie war 17. Sie machte ihren Schulabschluss, aber ihre Mutter holte ihr Abitur nach.
Was geschah mit Tatjana im Alter?
Tatjana beschloss, die Chefdesignerin der Bank zu werden. Sie r;gte alle mit stolzer Miene, das Kinn elegant auf die Brust gesenkt. Sie hatte ein wunderbares Talent daf;r, jeden und alles anzul;gen, doch sie tat es ohne L;cheln und mit ernster Miene. Besonders die Verk;ufer teurer Waren waren ;berrascht. Da sie praktisch kein Geld hatte, fragte sie hochn;sig: „Warum verkaufen Sie es so billig?“
Der Verk;ufer war ;berrascht: „Ist das billig?“
„So billig kaufe ich es nicht“, erwiderte Tatjana und ging hochm;tig weiter.
Sie liebte es, aus jedem Kauf ein gro;es Aufhebens zu machen. Sie hatte Schwarzbrot in ihrer Tasche, sprach aber nur von dem St;r, den sie so liebte. Ihre N;gel waren von Diabetes eingerollt, doch sie verschlang stur t;glich ihr Lieblingseis – eine Leidenschaft, die seit ihrer Kindheit niemand hatte bremsen k;nnen. Sie f;hrte langwierige Streitereien und achtete stets darauf, dass ihre fl;chtigen Freunde nicht mit ihren Feinden sprachen. Sie ermahnte sie sofort wegen Versto;es gegen die Etikette. Im Grunde kannte sie jeder und nahm sie erst ernst, als sie mit ihrer scharfen Zunge jemanden pers;nlich vor den Kopf stie;. Ohne Hals hatte Worte Gewicht.
Sie f;hrte 50 Jahre lang ein wundervolles Leben mit ihrem Mann; er war schweigsam und l;chelte, man k;nnte ihn sogar als sch;chtern bezeichnen, selbst im Alter. Er gab kein Geld f;r sich selbst aus; er war ein geschickter Handwerker, daher f;hlte sich Tatjana bei ihm sicher. Doch selbst Mauern k;nnen einst;rzen. Tatjanas Mann erlitt einen Schlaganfall. Er lag da, bewegungsunf;hig.
Seine Frau aber erholte sich schnell, und nun war das ganze Geld in ihren H;nden, w;hrend er gel;hmt war. Manche haben Pech, andere Gl;ck. Sie hatte die Datscha v;llig vernachl;ssigt; ohne ihre Besitzerin war sie v;llig von Unkraut ;berwuchert. Tatjana k;mmerte sich um ihren bettl;gerigen Mann und begann sich zur Belohnung Kleider zu kaufen.
Ihr Herz schlug f;r alles Strahlende und Auff;llige. Ihre Kleiderschr;nke quollen ;ber vor Kleidern. Deshalb bedr;ngte sie alle, Kleider zu tragen. Sie wollte unbedingt ihr neuestes Kleid tragen, aber auch die Frauen um sie herum sollten Kleider tragen. Doch das funktionierte nicht immer. Schlimmer noch: Nachdem sie sich mit allen zerstritten hatte, gab es niemanden mehr, der ihre Garderobe zu sch;tzen wusste.
Dann starb ihr Mann und hinterlie; Ersparnisse. Tatjana sorgte, zu ihrem Verdienst, f;r ein w;rdevolles Begr;bnis ihres Mannes. Nun hatte sie Geld zum Leben und beschloss, ihr Haus zu renovieren, doch ihre Ausgaben lie;en schnell nach. Sie kaufte fortan Modeschmuck, behauptete aber vor allen, sie bes;;e Gold und Natursteine.
Madame Tatjana genoss nun ihre Freiheit; sie hatte keinen Mann mehr. Sie besa; Kleider, Schmuck und Per;cken. Ihre Stimme hatte sich weiterentwickelt, und sie begann zu Hause zu singen, damit man sie auf der Stra;e h;ren konnte. Doch das reichte Tatjana nicht. Sie kaufte sich ein Mikrofon. Nun konnte man sie ;berall auf der Stra;e h;ren.
Und dann gab es da noch die sogenannten Langlebigkeitsveranstaltungen. Dabei treffen sich ;ltere Menschen an bestimmten Orten, um ihre Talente zu pr;sentieren. Tatjana riss sich von der Bank los und wurde bei allen Langlebigkeitsveranstaltungen zu einer ber;hmten S;ngerin. Sie wurde zum Star der lokalen Szene. Sie begann, sich massieren zu lassen. Tatjanas Hals wurde l;nger. Ihre N;gel gl;nzten nach einer frischen Manik;re.
Pl;tzlich ging ihr das Geld aus. Doch der lokale Popstar fand einen Sponsor. Junge Leute wissen nicht, wo das Geld ist. Aber sie wusste, dass unter Rentnern die ;lteren die Reichen sind. Sie fand einen ;lteren Witwer, besuchte ihn regelm;;ig mit Kuchen und gewann ihn f;r sich. Er begann, Geld f;r sie auszugeben. Doch er war weit ;ber 80; ihr Sponsor war verstorben.
Tatiana war tief betr;bt ;ber seinen Tod. Aber die Welt ist nicht ohne gute Taten und Unterhaltung. Tanzen wurde in das Angebot f;r Rentner aufgenommen. Sie begann, Tanzveranstaltungen zu besuchen, und war 75. Oh, und wie sie ;ber die Tanzfl;che wirbelte! Die ;lteren Herren beachteten sie immer. Sie war stets elegant gekleidet, mit Per;cke und kurzen Haaren – sie stand einfach jedem.
Aber die ;lteren Herren, die zu Tanzveranstaltungen gehen, haben in ihrem Leben schon viel erlebt. Und oft wollen sie keine Sponsoren sein; sie suchen ;ltere Damen mit Wohnungen. Und Tatiana lebte allein in einer Wohnung. Oh, und junge Leute denken, alte Leute s;;en nur auf B;nken. Nein, jedes Alter hat seine eigenen Abenteuer.
Tatiana beendete ihren Tanz und wurde nach einem weiteren Tanz mit einem alten Mann ohnm;chtig. Man rief einen Krankenwagen; alle machten sich gro;e Sorgen um sie. Doch sie kam wieder zu sich und tanzte gleich noch einmal. Aber jetzt mochte sie einen Dichter-T;nzer. Himmel, sie schrieb ihm ein Gedicht! Vielleicht wird sie ja jetzt selbst Dichterin.
Kapitel 11. Ein erzwungenes Gest;ndnis
Agnessa will nichts Schlechtes ;ber Tatjana sagen. In ihrer Jugend arbeitete sie mit ihrem Mann zusammen. Danach ging sie nach Hause und a; Eis. Ihr Mann nahm eine Stelle in einer Mietwohnung an, verlor sein Gehalt, und nach einer Weile bekamen sie eine eigene Wohnung. So waren die fr;hen 70er-Jahre.
Vlada schickte sie in eine 24-Stunden-Kita, w;hrend sie weiterhin zu ihrem alten Job pendelte. Was kann Tatjanas Seele nicht ertragen? Was kann die Seele ;berhaupt ertragen? Vielleicht eine laufende Nase.
Angelinas Klassenkameradin war ein Jahr ;lter als sie und lag die ganze Zeit in den Wehen. Sie bekam ihre erste Tochter vor ihrem 18. Lebensjahr, dann lernte sie einen richtigen Mann kennen, und mit ihm erwartet sie bald ihr drittes Kind, ihr viertes. In einer Dreizimmerwohnung lebten etwa zehn Personen. Die Familie einer Klassenkameradin bestand aus f;nf Personen und einem weiteren Kind, das bald geboren werden sollte. Dann gab es noch die Familie ihrer Mutter mit sechs Kindern. Einige der Kinder waren bereits erwachsen und lebten nicht mehr zu Hause; der j;ngste Sohn der Mutter war im selben Alter wie der Sohn ihrer Tochter. Kurz gesagt, lebten zehn Personen in einer Dreizimmerwohnung.
Angelina hat einen engen Freund, Vlad, aber sie hat keinen Kontakt zu ihm. Au;erdem war es der Geburtstag ihrer Gro;mutter, deshalb hatte sie sich das Datum gemerkt.
Angelina hat einen engen Freund, Vlad, aber sie hat keinen Kontakt zu ihm. Gedanken…
„Meine Laune w;hrend der Renovierung ist eine Qual f;r mich; ich werde sie einfach nicht los. Das Problem ist nur: Wo finde ich einen Partner, wenn mich alle abservieren? Ich melde mich auf einer Dating-Seite an, bekomme sofort ein seltsames Angebot und melde mich sofort wieder ab. Einmal war ich einen Tag lang auf der Seite, und dann fingen sie an, mich mit konkreten Angeboten anzurufen. Was ist denn daran falsch? Ich renoviere, ihr k;nnt mich nicht einladen, und ich habe auch keine Lust mehr auf One-Night-Stands. Ich bin keine Prostituierte, nur eine arme, aber wundersch;ne Frau. Wie passt das zusammen? Das Alter macht uns ;rmer, und der alte Stolz ist noch nicht ganz verschwunden. Ich habe schon Erfahrung mit Reparaturen und Liebe, aber im Leben muss man mehr reparieren, als dass man einen S;dstaatler daf;r gebrauchen k;nnte. Unsere Beziehung ist vorbei, und ich bin allein; ich kann kein weiteres Reparaturabenteuer mehr ertragen. Aber ich sehne mich nach Liebe, selbst w;hrend der Renovierung. Mein K;rper hat sich zwar etwas erholt, aber die T;cken des Online-Datings sind…“ Furchterregend. Zum Gl;ck erinnerte ich mich an die erotischen Fotos und Webseiten, die damals ;berall im Internet auftauchten. Doch all das ist verschwunden und hat nur noch die s;;en Posen von Prominenten ;brig, die keine gute Laune machen. Mein K;rper sehnt sich nach Liebe, aber wo bekomme ich sie? Wo nur? Kurz gesagt: Selbstf;rsorge ist nicht abgeschafft. Wenn man sich um sich selbst k;mmert, sollte man sich doch auch lieben? Ein Sakrileg? Nein, der K;rper erholt sich.
Wenn ich renoviere, vergesse ich Superm;rkte und besuche nur noch L;den mit Tapeten und Farbe. Make-up und meine Haare vergesse ich. Ich verwandle mich in eine Frau mit Kopftuch. W;hrend der Renovierung verbrauche ich langsam aber sicher meine alten Lebensmittelvorr;te. Manchmal verlasse ich das Haus komplett sauber, aber ungeschminkt. Ich kaufe ein paar Materialien f;r die Renovierung, schnappe mir ein paar Lebensmittel und gehe zur;ck in mein Arbeitszimmer. Zum Spa; lasse ich mir ein paar Z;hne f;llen, und dann geht es wieder ans Renovieren. Renovieren ist Renovieren. Und wenn du mir erz;hlen willst, dass du dich nicht mal wieder richtig ausruhen und Decken streichen kannst, dann solltest du dich vor der Renovierung erst mal erholen, eine Nackenmassage g;nnen und dann – einfach mal etwas f;r dein eigenes Vergn;gen tun.“
Schneeflocken, die sich im dunkelblauen Himmel jagten, zu winzigen Schneeflocken anwuchsen und sanft zu Boden fielen. Die Gef;hle einer Frau k;nnen wie ein Schneeball wachsen, in ihren Gedanken kreisen, aber sobald sie den warmen Boden ber;hren, schmelzen sie sofort. Und warum fragt ein Mann eine Frau, was sie nicht will? Ach ja, und er kann sie nicht fragen, was sie will! Und jetzt, wie man im Fernsehen so treffend bemerkte, gibt es keine Designer oder Arbeiter mehr; es gibt Buchhalter, Anw;lte und Taxifahrer. Die j;ngere Generation nannte Julia sogar ein Arbeitstier und meinte, nur sie k;nnten 35 Jahre lang unbezahlte Arbeit leisten. ;berall um sie herum wachsen H;user, aber sie kann nicht einziehen. Wer ist sie? Niemand! Kein Verlag will sie ver;ffentlichen. Niemand will sie ver;ffentlichen, und sie wird es nie sein. Im Fernsehen gezeigt. Also, wer zwingt die Menschen, etwas Neues zu erfinden und zu entwickeln? Genau das ist es. Und der Weltraum ist in Vergessenheit geraten, aber ohne sie, die Welt und … w;re das nicht m;glich gewesen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Agnes eine Metamorphose aus Liebe und Trennung durchgemacht. Sie war 36 Jahre alt und hatte alle Freuden des weiblichen Daseins, des Schicksals, erfahren. Sie hatte einen Ehemann, doch er begann bereits zu altern und sich von ihr zu entfernen, wie der erste Liebesbote. Er hatte sie gr;ndlich an die Liebe gew;hnt, der sie sich lange und hartn;ckig widersetzt hatte, und als sie sich daran gew;hnt hatte, zog er sich in den Wald zur;ck oder schlief mit ihr wie ein Esel. Ihr Mann war ;lter als seine Frau. Doch ihre Jugend war vergangen.
In den Nachrichten war von einem Offizier der Inneren Truppen die Rede, der 9 Milliarden Rubel zu Hause versteckt hatte! Das Geld wurde in Einkaufswagen aus der Wohnung seiner Schwester getragen. Was bedeutet das? Bestechungsgelder werden nicht geizig genommen; wenn niemand kaufen will … B;cher online, das hei;t, die Leute haben kein Geld; es steckt alles in ihren Organen fest. Sollte man da nicht ;ber jeden schlecht reden?
Agnessa begann zu schreiben. Hier sind ihre Worte:
„Albtraum, Albtraum, Katze, Hockeyschl;ger, Kr;mel.“ Es war der letzte Rest Geduld, der das Ende erreichte, die Krone. Ich wachte auf und fand einen lebenden Kopf auf meinem Scho;, der mich langsam ansah und sagte: „Ich vermisse dich.“ Ich muss sagen, ich erkannte Apollon; ich habe seine Nummer noch, aber ich kann ihn nicht anrufen. Was, wenn jemand anderes am fr;hen Morgen an mich dachte? Ich kann nicht glauben, dass mich jemand braucht. Der Tag war so schnell vergangen, dass ich mir weder die Haare gek;mmt noch in den Spiegel geschaut hatte. Am Abend war mein Kopf in eine Filzdecke geh;llt. Und dann, ganz unerwartet, schmerzte mein Herz. Ein Albtraum. Die Katze lag neben mir und wollte nicht weggehen. Alles, was noch fehlte, war, einen Hockeyschl;ger aufzuheben.
Nun ja, ich habe nicht mit Apollon Hockey gespielt. Wir kannten uns schon lange, aber wir sprachen meistens ;ber die Arbeit oder einfach nur zum Spa;. Wir waren auf dem gleichen Weg; wir liebten es beide zu wandern und einen Rucksack zu tragen. Nein, Rucks;cke waren damals nicht ;blich, nur auf Wanderungen. Heutzutage tragen M;dchen Lederrucks;cke. Er trug einen Rucksack bei sich. Eine schwarze Schultertasche. Ich habe meine Taschen st;ndig gewechselt und kann mich nicht mehr genau erinnern, welche ich damals hatte. Eine helle im Sommer, eine dunkle im Winter. Manchmal trug ich sie ;ber der Schulter, manchmal ohne Henkel, einfach in der Hand.
Wenn Apollon mich vermisst h;tte, h;tte er mich ;ber soziale Medien kontaktieren oder mir schreiben k;nnen. Aber als wir zusammen waren, gab es so etwas nicht. Da stellt sich die Frage: Warum ist er in meinem Traum erschienen? Im wirklichen Leben hat er nie seinen Kopf auf meinen Scho; gelegt. Vielleicht hat sich also jemand anderes an mich erinnert? Der Traum war so lebhaft, dass er mir im Ged;chtnis geblieben ist. Ich k;nnte ewig auf Antworten online warten; normalerweise achte ich gar nicht darauf, wer mir schreibt.
Ich habe keinen Albtraum aus Schafhaar und -wolle erschaffen, sondern aus den Situationen des Lebens – in all meinen Tr;umen erscheint vor mir immer ein eiserner Vorhang. Ich bin in einem starren System gefangen, aus dem ich nicht entkommen kann. Es gibt eine Website namens „Ausland“. Ich besuchte sie zum ersten Mal, als ich mit Apollo befreundet war. Nennen wir also den Kopf, der in meinem Traum auf meinem Scho; liegt – Apollo. Welch ein goldener, flauschiger Herbst! Meine Besuche auf dieser Seite waren immer kurz und angenehm. Es ist sch;n, gleichzeitig Rente und Gehalt zu beziehen, aber mit 65 schlie;en sich die T;ren der Unternehmen fest, und ein Rentner wird einfach als Erwachsener abgetan. Alles, was bleibt, ist das Dasein, und ein Hobby wird zur Hauptbesch;ftigung. H;tte Agnes gewusst, was ihre Krankheit war, h;tte sie die Heilung l;ngst gefunden, aber es stellte sich als so einfach heraus. Ihre Beweglichkeit verschlechterte sich mit jedem Tag. Ihre Beine stachen bei jeder Bewegung vor Schmerzen; diese Schmerzen hinderten sie am Gehen; sie wanderten ihre Beine hinauf und hinunter. Wenn es Funken des Schmerzes g;be, w;rden sie st;ndig aus ihren Augen spr;hen. Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen … Ja, die ehemalige Sportlerin konnte nur noch liegen, ohne … Schmerzen. Doch sie gab nicht auf und trainierte so hart an dem Fitnessger;t, dass sich die Muskeln in ihren Beinen verschoben und die Schmerzen noch st;rker wurden. Schmerzmittel halfen nur kurz, wenn ;berhaupt. Die Wirkung der Tabletten lie; nach. Sie schleppte sich zur Arbeit und schleppte ein Bein hinter sich her. Im Bus setzte sie sich einer sehr korpulenten Frau gegen;ber, die sich den Schwei; von der Stirn wischte.
Und pl;tzlich sagte Agnes zu der Frau:
„Essen Sie kein Brot!“
„Was soll das?“, fragte die Frau w;tend und gereizt.
Agnes wusste keine Antwort, aber sie ;berlegte, warum sie das gesagt hatte. Sie erinnerte sich, dass ihr vor sieben Jahren ein Chirurg geraten hatte, kein Brot zu essen. Sie ;ffnete das Internet und ;berpr;fte erneut ihre Krankheit, ihre Ern;hrung und die Inhaltsstoffe von Brot. Alles, was blieb, war, dem Rat des Chirurgen zu folgen, was sie niemals tun w;rde. Ihre Tochter, die ihre Mutter leiden sah, schlug vor, sich ein paar trendige Vitamine zu teilen. Die Packung war so gro;, dass es am besten war, sie zu teilen. Vitamine haben eine seltsame Eigenschaft: Sie verst;rken die Schmerzen in den betroffenen Bereichen, bis diese behandelt werden. Nach der vierten Vitamintablette verschlimmerten sich die Schmerzen in ihren Beinen noch weiter. Als Agnessa die erste Bank auf der Stra;e erreichte, konnte sie nicht mehr aufstehen.
Ihr Haus ist neun Stockwerke hoch und hat zehn Eing;nge. Erstaunlicherweise leben die Menschen in solchen Geb;uden gl;cklicher als in Hochh;usern. In Hochh;usern gibt es die Aufz;ge nur in der Mitte des Geb;udes, aber in diesem Haus sind Aufzug und Treppe fast untrennbar miteinander verbunden, sodass Agnessa die Treppe benutzt. Seit drei Jahren geht sie die neun Stockwerke zu Fu;. Sie wird erkl;ren, warum. Vor etwa f;nf Jahren weigerten sich ihre Beine pl;tzlich, ihrem Verstand zu gehorchen.
Apollon Petrowitsch hatte die Lust verloren, in der Firma seiner Frau zu arbeiten; er war es leid, ihr zu gehorchen. Er konnte und wollte nicht mehr. Eine Welle der Melancholie ;berkam ihn, und er starrte in den Badezimmerspiegel, genau wie seine Frau Agnessa Iwanowna. Der Spiegel Sein Aussehen war br;chig. Er seufzte resigniert und sehnte sich nach etwas Neuem, etwas Kristallklarem, etwas Transparentem, etwas, das seine Seele zum Singen bringen w;rde. Doch seine Seele sang nicht. Die m;nnliche Nostalgie f;r vergangene Abenteuer verblasste durch Nichtgebrauch. Er beschloss, sich zurechtzumachen, stieg auf einen Hocker, griff aber ungeschickt nach der Haarfarbe und fiel hin. Ihm war ;bel, sein Herz schmerzte, und die Tr;gheit regte sich. Und niemand war zu Hause … Krankenschwester Nina und der gro;e Mann n;herten sich gleichzeitig dem Aufzug des mehrst;ckigen Geb;udes. Sie warf ihm einen kurzen Blick zu und dachte, sie h;tte Dr. Lux nie treffen sollen; so viele Geschichten waren wegen ihm passiert, dass sie sich nicht daran erinnern wollte. Hier war ihr Stockwerk. Bedauernd verlie; Nina mit dem gro;en Mann den Aufzug; er fuhr ins Stockwerk dar;ber. Schade, dass dies nicht ihr Zuhause war, sondern nur ein weiterer Besuch bei einem bettl;gerigen Patienten, sonst h;tte sie ihn wiedergetroffen. Es war so … Ganz einfach: Wir standen zusammen im Aufzug, und es f;hlte sich so gut an!
Der Patient entpuppte sich als freundlicher, ruhiger Mann. Nina gab ihm die beiden vom Arzt verschriebenen Spritzen und verlie; die Wohnung. Oben h;rte sie besorgte Stimmen, die immer lauter wurden. Nina beschloss, dass sie als Krankenschwester das Recht hatte, nachzufragen, was los war. Langsam stieg sie die Treppe zum n;chsten Stock hinauf.
Bogatyr stand neben dem M;dchen, das auf die T;r zeigte und immer wieder sagte:
„Vlad, ich gehe da nicht rein! Ich habe Angst!“
„Angelina, hast du Angst, mit mir in die Wohnung zu gehen?“
„Ich habe Angst, ich bin total ver;ngstigt!“
„Was ist passiert?“, fragte Nina. „Ich bin Krankenschwester. Ich hatte hier unten Bereitschaftsdienst.“ „Ich habe Schreie geh;rt und bin heraufgekommen, um nach Ihnen zu sehen.“ „Wenn Sie Krankenschwester sind, h;tten Sie zum n;chsten Notruf gehen sollen, wir k;mmern uns selbst darum!“, rief das M;dchen w;tend.
„Angelina, seien Sie leise! Lassen Sie das M;dchen Ihren Vater ansehen. Er k;nnte noch leben.“
„Okay, Schwester, gehen Sie in die Wohnung; er liegt in der Badewanne.“ Nina betrat die Wohnung und ging ins Badezimmer; sie kannte den Grundriss. Ein Mann lag in einer seltsamen Position auf den Fliesen neben der gusseisernen Badewanne. Sein Puls war kaum zu sp;ren. Er hielt eine T;te Waschmittel in der Hand. Es sah so aus, als h;tte er sich auf die Kante eines Hockers gestellt und das Waschmittel vom obersten Regal genommen, dabei aber das Gleichgewicht verloren und w;re gegen die gegen;berliegende Seite der Badewanne geprallt.
Alte Menschen sind f;r solche h;uslichen Unternehmungen nicht gerade die zuverl;ssigsten Begleiter. Die Krankenschwester kam auf den Treppenabsatz:
„Warum fluchen Sie? Er atmet schwach, helfen Sie mir, den Mann ins Bett zu bringen.“ Bogatyr huschte ins Badezimmer, hob vorsichtig Apollon Petrowitsch hoch, der in seinem entspannten Zustand schwer geworden war, und trug ihn m;hsam durch die schmale Badezimmert;r. Ein schwaches St;hnen entfuhr dem Verletzten.
„Fr;ulein, rufen Sie einen Krankenwagen! Ich gebe Ihrem Vater eine Spritze; das wird die Schmerzen lindern. Er hat vielleicht innere Br;che, aber keine ;u;eren Verletzungen, nur Sch;rfwunden im Gesicht.“
„Wie schade“, sagte Angelina gereizt zu Nina und w;hlte die Telefonnummer – nicht die eines Krankenwagens, sondern die von Agnessa Iwanownas Mutter.
„Mama, Papa ist im Badezimmer gest;rzt. Er lebt noch. Die Krankenschwester hat ihm eine Spritze gegeben. Bringen Sie ihn ins Krankenhaus“, sagte Angelina und legte auf. Apollon Petrowitsch schlief nach der Injektion ein. Schwester Nina verlie; die Wohnung und lie; den m;chtigen Vlad schweren Herzens zur;ck. Sie mochte ihn noch mehr; sie konnte seine Energie selbst in dieser angespannten Situation sp;ren. Sie verlie; das Geb;ude und ging zur Klinik.
Zwanzig Meter weiter holte der m;chtige Vlad sie ein:
„Fr;ulein, Sie haben Ihre Instrumente vergessen!“, sagte er und reichte Nina ihre Tasche.
„Vielen Dank f;r die Tasche!“
„Darf ich ein St;ck mit Ihnen gehen?“
„Es ist nicht weit, aber es ist sch;n, mit Ihnen zu gehen.“
„Warten sie nicht in der Wohnung mit dem Unfall auf Sie?“
„Nein, sie warten nicht. Ihr ganzes Leben ist ein Unfall. Angelina rief mich an, um meinen Vater zu bringen, aber sie lie; mich nicht in die Wohnung. Ich h;tte sie bringen und durchgehen k;nnen, aber das w;re Gewalt gewesen! Danke, dass Sie mir geholfen haben. Wie hei;en Sie?“
„Nina. Ich mochte Sie im Aufzug.“
„Wirklich?!“ Ich habe Sie sofort ins Herz geschlossen. K;nnen wir uns wiedersehen?
– Wie hei;en Sie, Herr Held?
– Ja, das bin ich! Ich bin ein gro;er Mann ohne schlechte Angewohnheiten. Mein Name ist Wlad. Wie w;re es mit einem Treffen?
– Ich bin gerade bei der Arbeit, habe aber abends Zeit.
– Wunderbar, haben Sie Hobbys?
– Ich habe keine besonderen Hobbys, daher sehe ich keinen Grund, warum wir uns treffen sollten.
– W;rde der X-Club reichen? Ich hoffe, ich bin vertrauensw;rdig? Mir wurde noch nie eine Frau weggenommen!
– Dann werden wir sehen! Ist es nicht schon zu sp;t heute Abend um acht Uhr?
– Einverstanden!, rief der Mann, drehte sich abrupt um und ging zur;ck. Agnessa Iwanowna sa; so still in ihrem Zimmer, dass Apollon Petrowitsch jegliches Realit;tsgef;hl verlor. Leise n;herte sie sich ihrem Mann und erkannte, dass er sehr krank war. Sie rief den Arzt. Schwester Nina kam mit dem Arzt. Der Arzt ;berlie; die Betreuung des Patienten der Krankenschwester und verordnete Spritzen. Nina setzte sich in einen Stuhl im Krankenzimmer und versuchte, sich die Zeit zu vertreiben. Sie war traurig. Apollon Petrowitsch hatte alles au;er seiner Gesundheit. Sie hatte nichts au;er ihrer. Nina erinnerte sich an den m;chtigen Vlad und war ;berrascht, festzustellen, dass ihr Sch;tzling ihm zum Verwechseln ;hnlich sah, obwohl sie unterschiedlich alt waren.
„Apollon Petrowitsch, entschuldigen Sie, aber haben Sie zuf;llig einen Sohn namens Vlad?“, fragte Nina ruhig. Apollon Petrowitsch wurde knallrot.
„Meine Tochter hei;t Angelina, und sie ist mit Vlad verheiratet. Aber er ist nicht mein Sohn.“
„Und ich w;rde sagen, Vlad ist Ihr Sohn. Sie und Vlad sehen sich verbl;ffend ;hnlich.“
„Machen Sie solche Witze nicht mit einem Kranken!“, rief Apollon Petrowitsch laut.
„Sie sind so krank! Sie reden schon. Und ich mag Sie wirklich.“
„Danke daf;r, mein Kind, und ich genie;e es, Frauen zu gefallen“, sagte Apollon Petrowitsch und zuckte vor einem weiteren stechenden Schmerz in seinem Herzen zusammen. Nina h;rte auf zu scherzen und gab sich eine Spritze. Beide verstummten.
„Nina“, sagte Apollon Petrowitsch erneut, „ich stehe wohl mit einem Bein im Himmel oder in der H;lle.“
„Wieso denkst du das? Du wirst ja noch leben.“
„Oh mein Gott! Ist Vlad wirklich mein Sohn?!“, rief Apollon Petrowitsch verzweifelt.
„Was ist los mit dir? Ich habe doch nur gefragt.“
„Das ist ein Verbrechen! Wenn Angelina meine Tochter und Vlad mein Sohn ist …“
„Bist du wahnsinnig geworden? Ich rufe jetzt deine Frau an.“
„Ruf sie nicht an. Lass sie es selbst herausfinden, solange sie noch lebt. Wei;t du, ich war an der Grenze stationiert, wo auch Tatjanas Vater stationiert war. Sie ist Vlads Mutter. Wir haben uns in den Bergen kennengelernt.“ Denis diente mit mir.“ Er w;re beinahe meinetwegen gestorben. Er mochte Tatjana sehr, alle dort mochten sie. Damals konnte ich lieben, ohne mir Sorgen machen zu m;ssen. Ich war stark. Wei;t du, M;dchen, ich war stark. Tatjana und ich trafen uns an einem Wochenende, wir wanderten zusammen in den Bergen. Dort gab es nichts als Berge. Dies und das. Wir umarmten uns. Wir fielen ins Gras zwischen die Felsen. In diesem Moment tauchte Denis ;ber uns auf. Er hatte Wache, und Tatjana und ich standen da, in Ungnade gefallen. Tatjana richtete sich auf, sprang auf und sch;ttelte ihr Kleid aus. Sie sah Denis an und sagte nichts. Denis war wie von Sinnen. Er rannte, wohin ihn seine Augen f;hrten. Bald h;rten wir seinen Schrei. Er st;rzte in eine Schlucht, konnte sich aber an einem Felsvorsprung festhalten und ;berlebte.
„Apollon Petrowitsch, beruhig dich, trink etwas Wasser.“
„Es gibt keine M;glichkeit, sich zu beruhigen! Nur im Jenseits.“ Und Tatjana trug immer Hosen und humpelte. Sie erz;hlte mir, sie h;tte einen Freund, er hie;e Denis. Wegen ihm st;rzte sie einmal einen Berg hinunter, aber er rettete sie. Denis versprach ihr die Ehe. Und da war ich, nutzte Tatjana aus und machte sie vor Denis zur Frau. Es ist schon seltsam, dass sie mit Denis befreundet war, aber keine Frau! Das hat mich damals wirklich ;berrascht! Ja, sie hat mir nichts erz;hlt. Tatjana humpelte damals noch, h;rte aber erst sp;ter damit auf. Sie hatte viel gelitten und immer gehofft, Denis w;rde sie heiraten. Und Tatjana gab sich mir hin, einem Ungeheuer der Menschheit. Aber ich war ein Mann, ich sehnte mich nach Liebe. Ich liebte sie einst und gestand es ihr vor meinem Tod, aber sie schwieg ihr ganzes Leben lang. Dann begann meine Frau Agnes eine Aff;re mit Denis. Alles f;hrt zum selben Ergebnis. So schlecht geht es mir.
„Verleumde dich nicht selbst“, versicherte Nina dem Kranken.
„Was brauchst du denn nicht? Wir m;ssen Bruder Vlad und Schwester Angelina trennen, damit sie nicht heiraten. Sie haben keine Kinder, Gott sei Dank.“
„Du und Tatjana solltet reden. Soll ich sie anrufen? Das w;rde mir guttun.“
„Anrufen? Nein, ich rufe selbst an, so ist es nun mal.“
Apollo suchte Tatjanas Namen auf seinem Handy und rief an. Ihre zitternde Stimme meldete sich:
„Apollo, was ist passiert?“
„Tatjana, komm zu mir, ich sterbe.“
„Mach keine Witze, ich bin unterwegs“, sagte Tatjanas Stimme, nun kr;ftiger.
Tats;chlich kam sie schnell an. Agnes, ;berrascht, lie; Tatjana passieren. Apollo bat alle, den Raum zu verlassen. „Tatjana, meine Liebe, sag mir: Ist Vlad mein Sohn?“
„Vlad ist dein Sohn, Apollon Petrowitsch!“
„Warum hast du die Kinder heiraten lassen? Es sind meine Kinder!“, rief Apollon emp;rt.
„Wolltest du, dass ich das allen erz;hle?“, fragte Tatjana sp;ttisch.
„Ach, du hast es also verheimlicht? Meine Kinder m;ssen getrennt werden. Komm schon, du Freund aus meinen schweren Zeiten, lass uns allen die Wahrheit sagen.“
„Diese Nachricht wird sich sowieso in der ganzen Welt verbreiten. Warum sagst du die Wahrheit?“
„Mir geht es nicht gut. Sieh mal, man hat mir eine Krankenschwester zugeteilt. Sie sagte, Vlad sehe mir ;hnlich.“
„Mir ist etwas Schlimmes zugesto;en.“
„Tatjana, was redest du da?! Meine Kinder sind verheiratet!!!“
„Versammelt alle und verk;ndet es!“, schrie Tatjana Petrowna w;tend. „Was hast du erwartet? Du hast mich im Stich gelassen.“
„Ich wusste nicht, dass Vlad mein Sohn ist! Du hast ihn mir nie erw;hnt. Ruf Agnes an. Wir werden es ihr sagen.“
„Ja, das muss sie wohl“, stimmte die Frau widerwillig zu.
Agnes betrat ;berrascht den Raum, als sie gerufen wurde. Die Nachricht, dass Tatjana und Apollon einen Sohn, Vlad, hatten, schockierte sie, doch sie blieb standhaft und kaute Kaugummi.
Angelina und Vlad wurden gerufen.
Als Angelina erfuhr, dass ihr Mann ihr Halbbruder war, nahm sie die Tabletten von dem Schreibtisch ihres Vaters, warf sie sich in den Mund und ging wortlos hinaus.
Vlad war ;bergl;cklich ;ber die Nachricht; er k;sste Nina sogar auf die Wange, weil sie das Familiengeheimnis gel;ftet hatte. Er lachte allen ins Gesicht und sagte scherzhaft, er w;rde nun Nina heiraten. Dann wurde er w;tend, schrie los und setzte sich pl;tzlich neben seinen Vater.
„Apollon Petrowitsch, bist du mein Vater?“
„Warum nicht?“ „Ich habe keine Kinder.“
„Sie werden Ninas sein.“
„Nina, willst du mich heiraten?“
„Kein Problem, aber ich bin ;lter als du.“
„Eltern, lernt meine Verlobte nach der Scheidung kennen“, sagte Vlad und verlie; den Raum, kam aber bald zur;ck. „Eltern, ihr schuldet mir eine Entsch;digung f;r das seelische Leid! Wo sollen Nina und ich wohnen? Angelina bleibt in der Wohnung. Und ich?“
Angelina betrat mit ausdruckslosem Gesicht den Raum.
„Angelina, was ist los?“, fragte Agnessa Iwanowna.
„Mama, ich hatte keine Zeit, die Eiwei;maske abzuwaschen. Meine Haut spannt. Ich habe sie gerade abgewaschen, aber sie spannt immer noch. Und dann noch deine Neuigkeiten. Die ;lteren haben sich losgesagt.“
„Angelina, du willst dich also von deinem Bruder scheiden lassen?“
„Verzeiht mir, meine vielen Eltern! Wo ist der Beweis, dass Wlad mein Bruder ist?“
„Angelina, es ist meine Schuld, ich habe geschwiegen“, sagte Tatjana Petrowna.
„Konntet ihr nicht einfach alle schweigen?!“, fragte Angelina w;tend.
„Angelina, lass uns scheiden lassen und ein Riesenspektakel daraus machen“, sagte Wlad.
„Wir machen ein Riesenspektakel! Scheidung! Und mit wem werde ich dann am Ende zusammen sein?“
„Tochter, komm nach Hause“, sagte Agnessa Iwanowna.
„Wo finde ich nur den Richtigen?“ Ich wei;, ich nehme Denis von Tatjana Petrowna.
„Er ist zu alt f;r dich, Angelina“, sagte Wlad leise.
„Aber er ist ein Juwel.“
Am n;chsten Tag sa; Wlad allein in der Wohnung, die er mit Angelina teilte. Er litt unter seiner neuen Situation. Er war der Sohn des ber;hmten Fernsehmoderators Denis Turin. Er war nun der Sohn von Apollon Petrowitsch Arkin. Diese Nachricht war herzzerrei;end. In der ;ffentlichkeit hatte er mit Nina den tapferen Grenadier gespielt, doch allein mit ihr war er vor Sehnsucht nach Angelina fast wahnsinnig geworden.
Vor Wlad stand eine Flasche Schnaps; er trank. Es klingelte an der T;r. Wlad ging mit einem gro;en Glas Cognac zur T;r.
„Apollon Petrowitsch, was f;hrt dich hierher?“
„Hallo Wlad, lange nicht gesehen. Stell das Glas weg und h;r auf zu trinken.“
„Was soll ich nur tun? Ich bin doch der Gesp;tt!“
„Du hast jetzt Nina!“ „Sie ist eine Einfaltspinsel und eine alte Frau im Vergleich zu Angelina.“
„Angelina ist deine Schwester.“
„Brutalismus. Bist du mein Vater oder nicht – das ist hier die Frage.“
„Ein halber Vater. Aber ich trinke nicht. Und lass das Glas stehen.“
„Willst du von denen ausgelacht werden, die mich noch nicht ausgelacht haben?“
„Ich brach in Tr;nen aus. Heirate Nina, Vlad.“
„Sie ist langweilig. Apollon Petrowitsch, wo bist du nur?“, sagte Vlad und lie; das dicke Glas Cognac stehen. Tatjana sp;rte schnell ihre Macht in der Firma „Blesk“, die Agnessa und Apollon geh;rte. Oh, wie sehr sie es liebte, alles zu dem;tigen, was von ihrer Rivalin kam. Wenn man ihre Telefongespr;che mith;rte, klang es immer so, als sei sie die Beste, die Flei;igste, und als lebten Faulpelze und Alkoholiker um sie herum. Ihr Hang, sich von ihrer besten Seite zu zeigen, kannte keine Grenzen. Was machte sie zum Beispiel in den Sommerferien? Tatjana Petrowna arbeitete mit einer Spritzpistole. Sie strich ihre Datscha selbst, innen wie au;en, worauf sie ungemein stolz war. Die Fensterl;den strich sie in drei Farben.
Eigentlich h;tte sich jemand anderes um den Garten der Datscha gek;mmert, aber sie strich alles, sogar den Zaun. Sie stritt sich regelm;;ig mit ihrer Nachbarin, aber da sie wusste, dass Streitereien keinen guten Eindruck machen, intensivierte sie ihre Beobachtung und kam zu dem Schluss, dass diese stark trank. Daher war die Nachbarin selbst schuld an dem Streit, da sie im betrunkenen Zustand hysterisch wurde, und Tatjana Petrowna war selbst in diesem Fall die Gute.
Boris wohnte nie dauerhaft bei Tatjana Petrowna. Er reiste nach Norden und kehrte manchmal, wie zu seinem St;tzpunkt, zur;ck, um Diamanten auszuliefern. Es kam ihm gelegen. Tatjana Petrowna st;rte es nicht, da Boris sie nie gro; bel;stigte. In seiner Abwesenheit hatte sie ihre Wohnung irgendwie mit der von Vlad zusammengelegt. Tatjana Petrowna, Vlad und Nina lebten nun in einer gro;en Dreizimmerwohnung.
Boris, der Manager aus dem Norden, kam mit Diamanten. Nur Nina, Vlads junge Frau, war zu Hause. W;hrend ihrer Zeit mit Vlad war sie ihm ;hnlicher geworden: Sie hatte zugenommen und ihre Arbeit aufgegeben. Tatjana Petrowna erledigte immer den gesamten Haushalt. Nina hatte nur eine Aufgabe – essen. Und das tat sie bemerkenswert gut, von morgens bis abends und von abends bis morgens. Es schien, als ;;e sie noch aus ihrer Zeit als Krankenschwester, als sie von der Hand in den Mund lebte und bereit war, jeden Befehl auszuf;hren.
Nina war mit der Katze befreundet. Beide labten sich an Tatjana Petrownas Koteletts. Es war das erste Mal, dass Boris Nina, eine Frau mit zarter Haut, aus der N;he sah. Ihre Gesichtshaut war bis zum ;u;ersten gespannt. Ihre nackten Arme waren unglaublich kr;ftig und fest. Zuhause trug sie Kniebundhosen und ein ;rmelloses T-Shirt. Ihre Beine waren st;mmig, wohlgeformt und, kurz gesagt, wundersch;n. Boris schluckte vor Staunen.
„Entschuldigen Sie, wer sind Sie?“
„Nina, Vlads Frau.“
„Ich dachte, Sie w;ren schlank.“
„Und ich dachte, ich w;re schlank, aber heute habe ich mich im Spiegel betrachtet – ich passe kaum noch hinein. Tatjana Petrowna kocht hervorragend; alles, was sie zubereitet, ist k;stlich.“
„Das stimmt, aber ich habe doch nicht zugenommen, oder?“
„Sie sind also st;ndig auf Reisen, und ich bleibe zu Hause und gehe nie irgendwohin. Vlad meinte, er brauche jemanden, der zu Hause bleibt.“
„Aha, Sie bleiben mit der Katze zu Hause. Wo ist Tatjana Petrowna?“
„Sie ist jetzt die Chefin der Firma, und Agnessa Iwanowna dreht Filme!“
„Und warum hat sie mich nicht besetzt? Fr;her hat sie mich immer als Liebhaber besetzt!“
„Und jetzt spielt Apollon Petrowitsch diese Rolle.“ Boris hielt inne und verarbeitete die Information.
„Sie hat mich abgeschrieben!“ Damit hatte ich nicht gerechnet. Sie hat schon lange keine Videos oder Filme mehr gedreht, und jetzt macht sie einen – und ohne mich! Nina, bin ich etwa nicht mehr gut genug f;r sie als Liebhaber?
—Warum nicht? Du bist ein unglaublich gutaussehender Mann!
—Magst du mich?
—Sehr!, hauchte die mollige Frau und biss in ein St;ck selbstgebackenen Kuchen. „Aber ich bin faul. Ich bin zu faul, mit Vlad zusammenzuleben. Ich werde ihn nicht betr;gen.“
—Was f;r eine Antwort! Treue aus Faulheit! Das ist ja wie ein Motto!
—So bin ich eben. Warum isst du nicht Kuchen? Fischpastete ist k;stlich!
—Gib mir den Kuchen, ich werde mit dir fett, da sie mich ja nicht ins Kino mitnehmen.
Tatjana Petrowna kam von der Arbeit nach Hause, und Nina und Boris, die Katze und das ungesp;lte Geschirr warteten schon auf sie. Vom Kuchen war nichts mehr ;brig. Sie nickte ihnen zu und legte sich hin. „—Tatjana Petrowna, bist du krank?“, fragte Nina besorgt.
„Tatjana, ist etwas passiert?“, fragte Boris, wohlgen;hrt. Sie antwortete nicht. Die Katze kletterte aufs Bett, und sie verscheuchte sie. Boris r;umte den Tisch von Essensresten ab. Er sah in die T;pfe. Sie waren leer und mit Essensresten verschmutzt. Er schaute in den K;hlschrank, aber auch der war leer. Er verlie; die Wohnung und schnappte sich seine Geldb;rse. Er hielt am n;chsten Supermarkt an und kaufte einen ganzen Einkaufswagen voll Lebensmittel. Auf dem Weg nach drau;en packte er die Eink;ufe in vier T;ten und brachte sie nach Hause. Tatjana Petrowna lag in derselben Position.
„Tatjana, ich habe Lebensmittel gekauft. Soll ich einen Arzt rufen?“ Sie sch;ttelte den Kopf.
„Boris, setz dich neben mich. Mir geht es schlecht. Mir geht es sehr schlecht!“
„Meine Liebe, wo habe ich ges;ndigt? Warum f;hlst du dich so schlecht?“
„Ich bin ein Heiliger!“
„Das wei; ich; „Du bist ja so heilig! Warum geht es dir denn so schlecht?“ „Ich wei; es nicht. Seit Agnes mich im B;ro zur;ckgelassen hat, geht es mir jeden Tag schlechter. Unglaublich, aber wahr: Ich kann nicht mehr laufen! Ich bin’s! Ich liege hier! Das Geschirr ist dreckig, und ich liege hier!“ „Nina sp;lt das Geschirr und kocht.“
„Ich habe noch nie jemanden in meinem Haus arbeiten lassen! Es ist mein Zuhause!“ „Es ist dein Zuhause, aber nicht deine Gesundheit. Bleib ruhig liegen. Wir schaffen alles. Ich gehe morgen ins B;ro.“
„Ich kann morgen nicht gehen; mein Bein macht schlapp. Es tut weh zu laufen!“ „Es ist erstaunlich, dass du ;berhaupt noch laufen kannst!“ „Das konnte ich schon immer.“ „Hat mich jemand verhext, oder ist Agnes' Job nicht meiner?“ „Sobald ich daran denke, nicht ins B;ro zu gehen“, entspannt sich mein Bein. „Sobald ich daran denke, die Chefin zu sein“, spannt sich mein Bein so fest an, dass mir die Tr;nen in die Augen steigen. „Bleib ruhig, du kommandierst mich nur herum, aber geh nicht ins B;ro.“ Ich werde Agnessa Iwanowna selbst sagen, dass es dir nicht gut geht. Sie wird schon eine Vertretung f;r dich finden.
„Werden Nina und ich zusammen zu Hause bleiben?“
„Nein, die Katze ist auch bei dir.“
„Ich halte das nicht aus!“
„Warum habt ihr die Wohnungen zusammengelegt?“ Tatjana Petrowna seufzte und ging in die K;che.
Kapitel 12. ;stliche Insel
Schneegebiete wurden im Fernsehen st;ndig aus einer recht interessanten Perspektive gezeigt: Man konnte sich nicht erinnern, dass es dort Winter gab, und man lagerte im kurzen Sommer nie Brennholz. Aus so einem Schneegebiet kam ein sehr gutaussehender und neugieriger Mann. Boris hatte Ein maskulines, wettergegerbtes Gesicht.
W;hrend seines zweimonatigen Urlaubs wirkte er bei den Dreharbeiten mit. In diesen zwei Monaten hellte sich sein Gesicht auf, seine Z;ge wurden weicher, und er ging sogar zum Sch;nheitssalon. Boris wurde immer attraktiver, und Tatjana mochte ihn schlie;lich. Unter ihren Bekannten hatte sie noch nie einen so anziehenden und charmanten Mann gesehen.
Eines Tages sa;en Tatjana Petrowna und Boris Borisowitsch in einem Caf; zusammen. Er strich ihr sanft mit seinen rauen Fingerspitzen ;ber die Finger. Die Frau sehnte sich nach diesem rauen Mann. Boris ber;hrte ihre Hand mit seinen Lippen, und eine leise Welle der Begierde durchfuhr ihren K;rper. Der Mann sp;rte die Ver;nderung in ihr; sie wehrte sich nicht, sondern gab sich ganz hin. Ein gemeinsames Abendessen brachte ihre Beziehung auf ein neues Niveau. Tatjana platzte, ohne es selbst zu merken, mit drei kurzen Worten heraus:
„Komm, wir gehen zu dir …“ Boris hatte eine Einzimmerwohnung f;r zwei Monate gemietet, und ein Mann und eine Frau kamen vorbei. Er hatte eine Flasche guten Wein dabei und deckte den Tisch. Tatjana schaute aus dem Fenster. Drau;en war ein Schulstadion zu sehen. Zwei junge Frauen schoben Kinderwagen auf dem Gel;nde. Sie wandte sich an den Mann:
„Boris, ich habe Angst.“
„Tatjana, was ist los mit dir? Alles gut! Beruhig dich. Entspann dich.“
„Mein Sohn wird mich verlieren.“
„Vlad wird dich nicht verlieren. Er ist schon erwachsen. Wir beide haben anderthalb Monate und viele Jahre verloren! Ich fahre in zwei Wochen in den Norden. Ich biete dir Wein und Bananen an …“ Er ging auf die Frau zu, umarmte sie und sagte:
„Tatjana, lass uns ein paar Schlucke trinken, zur Sicherheit und um uns aufzuheitern!“
„Komm schon, Boris, lass uns einen trinken!“
Zwei Schlucke l;sten die Anspannung in ihrem Gewissen, die sie so sehr geplagt hatte, als sie die Grenze der Liebe ;berschritten hatte. „Ich dusche kurz, bin gleich wieder da“, sagte Tatjana und verschwand im Badezimmer. Sie sah sich im Spiegel an und wusste, dass ein R;ckfall unausweichlich war.
Das Bett, zugedeckt mit einer flauschigen Decke, h;llte sie sanft ein. Drau;en wurde es dunkel. Ihre Seele erhellte sich. Die Liebe loderte auf den l;ngst erloschenen Glutresten.
Ihr Handy klingelte in ihrer Tasche:
„Mama, wo bist du? Ich habe auf der Arbeit angerufen, du bist nicht da.“
„Ich komme gleich“, sagte Tatjana zu ihrem Sohn.
„Soll ich dich nach Hause begleiten?“, fragte Boris.
„Nein, noch nicht. Ich gehe allein.“
Am n;chsten Tag tauchte Agnessa am Set auf und bot Boris eine Rolle in einem Werbespot an. Tatjana beobachtete ihre Rivalin und dachte, diese k;nnte ihr den Mann, den sie liebte, wieder einmal wegnehmen. Sie seufzte angesichts der Hoffnungslosigkeit des Widerstands. Boris lehnte das Shooting ab und sagte, sein Urlaub gehe zu Ende. Tatjana verstand das und beruhigte sich. „Ich gebe nicht auf“, dachte sie und tippte mit vertrauten Bewegungen auf die Kn;pfe der Fernbedienung.
Boris tr;umte von Tatjana, einer Frau von durchschnittlicher M;nnergr;;e, mit durchschnittlicher weiblicher Figur und einer wallenden Lockenpracht. Manchmal war sie ein lebhaftes und fr;hliches Wesen. Sie war mit einem Vater aufgewachsen, vor dem alle Angst hatten, und im Schatten seiner Macht konnte sie es sich leisten, keine Angst um sich selbst zu haben.
Angelina kaufte ein Flugticket nach Wostotschny. Sie war f;r ein Konzert an die Seefahrtschule gekommen. Was wusste sie schon? Tanzen, Schmuckdesign, von einer Tochter und einer Ehefrau versorgt werden.
Auf Wostotschny hatte sie absolut niemanden und nichts. Es wehte ein starker Wind, und sie war diesen Lebensbedingungen v;llig ungeeignet. K;lte. Wind. Schneeregen. Angelina sa; mit tr;nenden Augen im Foyer des Colleges. Attraktive junge Kadetten in Uniform gingen vorbei. Allm;hlich versiegten ihre Tr;nen. Ein junger Leutnant, ein College-Professor, trat an sie heran.
„Was ist passiert? Warum weinen Sie?“
„Alles gut, ich habe aufgeh;rt zu weinen.“
„Ihr Konzert findet bei jedem Wetter statt. Die Kadetten sind wegen des schlechten Wetters nicht zur See gefahren; alle sind hier.“
„Danke, mir geht es schon besser. Entschuldigen Sie, ich war nur kurz in Gedanken. Ich habe Kost;me, wundersch;n und leicht. K;nnten Sie mir zeigen, wo ich mich vor dem Konzert umziehen kann?“
„W;rden Sie mir gezeigt?“, fragte der Offizier, hielt den Kadetten an und ;bergab ihm die sch;ne junge Frau. Der Kadett war ;bergl;cklich beim blo;en Anblick Angelinas. So ein sch;nes M;dchen – und neben ihm! Auch der Leutnant kehrte zur;ck, fasziniert von diesem weinenden, au;ergew;hnlich sch;nen M;dchen. Gemeinsam f;hrten sie sie in die Garderobe – eine kleine Nische mit einem Spiegel. Angelina hatte ihr eigenes Konzertrepertoire; sie entwarf die leichten Kost;me f;r jeden Tanz selbst. Fr;her trat sie mit Vlad auf. Doch das Leben forderte seinen Tribut. Vlad gab das Singen auf und widmete sich stattdessen seinen Gesch;ften und der Schauspielerei. Um in Form zu bleiben, tanzte Angelina und probte neue St;cke. Vlad erlaubte ihr nicht, mit Partnern zu tanzen. Allm;hlich gew;hnte sie sich daran, allein zu tanzen und ihr eigenes Repertoire zu entwickeln. Manchmal gab sie Konzerte. Die Aula des Colleges bot allen Kadetten Platz, die ungew;hnlich ordentlich im Saal sa;en. Ihre gestreiften Kragen faszinierten sie. Das M;dchen begann, ihre Sorgen zu vergessen. Ja, was hatte sie vergessen? Vergessen, das war alles. Der Saal war voller junger Leute. Offiziere und ihre Frauen sa;en in den vorderen Reihen. Der Leutnant, der sie zur Garderobe begleitet hatte, sa; allein. Sie mochte ihn, und das w;rmte sie. Drau;en heulte der Wind. Musik von ihren CDs erf;llte den Saal. Sie tanzte zu ihren eigenen Aufnahmen, aber wie!
Angelina funkelte mit echten Diamanten, was nur wenige bemerkten. Ihre Kleider waren aus sagenhaft teuren Stoffen gefertigt, die mit winzigen Diamanten besetzt waren. Ihre Bewegungen hatte sie im Ballsaal perfektioniert. Die schlanke, durchtrainierte Blondine strahlte auf der B;hne mit ihren anmutigen Bewegungen zu exzellenter Musik. Die Gage f;r ihren Auftritt schien gering, doch das Publikum war ihr wichtiger als der Lohn. Was w;rde als N;chstes geschehen? Sie wollte nicht dar;ber nachdenken. Sie sog die Energie des Interesses der jungen M;nner an ihr auf und tanzte immer besser.
Das Publikum bewunderte ihren Tanz; es applaudierte einhellig und inspirierte die T;nzerin auf einer Insel orientalischer Wunder. Nach dem Konzert trat ein Leutnant an Angelina heran. Er strahlte vor Gl;ck, als w;ren all ihre Diamanten in ihn hineingeflossen und durch das Funkeln seiner Augen wieder hinausgegangen. Angelina l;chelte zur;ck, ihre Tr;nen verschwanden. Die Kost;me waren in ihrer Tasche. Niemand hatte sie gesehen.
„Angelina, bleiben Sie lange bei uns?“ „Bis der Flughafen wieder ;ffnet.“
„Dann bleibst du ein paar Tage. Ich hei;e Nikita.“
„Lebst du schon lange auf der Insel Wostotschny?“
„Ich bin nicht hier geboren, aber ich bin hier zur Schule gegangen. Ich habe mit Auszeichnung abgeschlossen, deshalb wurde ich als Lehrer an der Hochschule eingestellt.“
„Wei;t du alles ;ber deinen Vater?“ Ich wusste fast nichts ;ber meinen Vater, obwohl er in meiner N;he wohnte.
„Was wei; ich ;ber meinen Vater? Er hei;t Doktor Lux, genauer gesagt, er ist Doktor der Ingenieurwissenschaften. Als Teenager kam er mit einem Freund zum Studium an die Marineakademie, aber sein Freund ist von dort weggelaufen und nach Hause gegangen. Mein Vater studierte allein weiter und arbeitete nebenbei. Er lernte meine Mutter kennen, als sie gerade mit der Schule fertig war. Sie war noch nicht einmal achtzehn, als ich geboren wurde.“
„Nikita, lebt dein Vater noch?“
„Ja. Er lebt in der Stadt. Lass uns nicht mehr dar;ber reden, okay?“
Angelina lud Leutnant Nikita zu sich ein, aber was f;r eine Unterkunft? Sie z;gerte kurz und gab ihm dann die Telefonnummer ihrer Eltern. Nach Angelinas Abreise begann Nikita f;r die Reise zu sparen. Er trank keinen Alkohol, gab kein Geld aus und tr;umte davon, das bezaubernde M;dchen im Diamantkleid wiederzusehen. Er hatte sie zuerst gesehen. Angelina beschloss, an einer Seefahrtschule eine Lehrbef;higung zu erwerben, die ganz eigene sprachliche Anforderungen stellte. Sie fand einen Lehrer, lernte die Seemannssprache und bestand die Pr;fungen. Sie beherrschte die Sprache bereits, brauchte aber die entsprechenden Dokumente. Die bekam sie. Nikita lud sie von der Schule zur;ck, und sie kehrte auf die Insel Wostotschny zur;ck. Sie begannen, gemeinsam an der Schule zu unterrichten.
Das Wetter am Meer ist immer wechselhaft, aber Angelina hatte ihren geliebten Nikita nebenan. Sie war erleichtert ;ber die Nachricht, dass sie ihren eigenen Bruder geheiratet hatte. Sie lebte gern mit Nikita zusammen; sie mochte alles au;er den Unannehmlichkeiten auf der Insel, die t;glich zunahmen. Sie konnte kaum begreifen, wie sie auf der Insel Wostotschny gelandet war. Sie ;berlegte, ob sie nach Alaska ziehen sollte. Alaska war ganz in der N;he, aber ihre Heimat lag viel weiter entfernt.
Agnessa Iwanowna vermisste ihre Tochter Angelina; mehr als alles andere w;nschte sie sich, dass ihre Tochter nach Hause k;me. Sie erinnerte sich an eine andere Zeit.
Angelina hatte sich am wenigsten f;r Diamanten interessiert. Sie war ein ganz normales M;dchen geworden, hatte lustige Filme geschaut und war zu einer starken Frau herangewachsen. Doch eines Tages merkte sie, dass sie aussah wie ein ganz normales M;dchen. Und sie hatte abgenommen.
Das anmutige M;dchen wurde stumpf und tr;ge. St;ndiger Hunger raubte ihr die Kraft. Sie wollte nichts mehr tun, liebte niemanden mehr. Sie fing an zu sagen, dass sie nicht heiraten und niemals Kinder haben wolle. In tiefer Tr;gheit verlor sie weiter an Gewicht und reagierte gereizt auf jeden Versuch, sie zum Sport zu zwingen. Eine fast schon wahnhafte Tr;gheit zehrte an ihren Kr;ften, und nur noch gelegentlich ma; sie ihren schmalen Taillenumfang. Ihre Mutter nahm sie mit ans Meer, damit sie wenigstens zwischen den Quallen schwimmen konnte. Doch das Wunder blieb aus. Das M;dchen kam ans Ufer, legte sich auf eine wei;e Liege und starrte in den Sand. Dann stand sie wieder auf und ging zur;ck in ihr Zimmer, um sich hinzulegen. Sie las keine B;cher, a; kaum und lie; sich nur einmal am Tag in ein Caf; mitnehmen, wo sie die anderen G;ste mit ver;chtlichem Blick be;ugte. Niemand konnte sie zum Lachen bringen oder sie dazu bringen, die Komiker auf der Leinwand anzusehen.
Die Mutter war schwer aufgebracht. Sie nahm die zarte junge Dame mit in die Disco und setzte sie in eine dunkle Ecke. Angelina betrachtete teilnahmslos die tanzende Menge. Ihre Mutter brachte ihr einen Cocktail in einem hohen Glas und ging nach Hause. Das M;dchen hob tr;ge den Strohhalm und nippte an dem Getr;nk. Von allen Seiten prasselte ohrenbet;ubende Musik auf sie ein. Spiegelungen glitten ;ber die Veranda. Das M;dchen sa; da und blickte abweisend auf die springende Menge. Kr;ftige, gebr;unte junge M;nner und Frauen bewegten sich im Rhythmus der Musik oder sa;en an Tischen und nippten an kalten Getr;nken. Nach einer Weile kam die Mutter und brachte ihre Tochter nach Hause. Nach diesem gesellschaftlichen Ausflug schlief das M;dchen bis zum Nachmittagstee, danach fuhr sie einmal ans Meer. Langeweile, tiefe Langeweile, begleitete die Faulheit des M;dchens. Sie verliebte sich nicht … Bei Apollos Arbeit erschien ein M;dchen mit freiem Bauchnabel; es war Sommer. Dieser Bauchnabel verf;hrte Apollo. Zwischen ihnen entstand eine Anziehung, und er nahm seine neue Flamme mit in ein verlassenes Stadion. Doch das Stadion wies ihn ab. Ein ;lterer Mann wanderte mit seinem Hund umher. Der Hund pfl;ckte einen verwelkten Blumenstrau; und bellte Apollos Auto an.
Apollo erkannte, dass die Liebe im Stadion nichts f;r ihn war. Das Stadion wies ihn zur;ck. Er versp;rte kein Verlangen, keine Sehnsucht, eine Frau zu lieben, sein K;rper war wie gel;hmt. Es f;hlte sich an wie ein unsichtbarer Friedhof der Leidenschaft. Da d;mmerte es ihm: Das war gut so! Das bedeutete, Agnes hatte nur ihn, und er w;rde das M;dchen mit dem entbl;;ten Bauchnabel sicher nach Hause bringen. Apollo fuhr vom Stadion fort, fort von seiner st;ndigen Eifersucht, die pl;tzlich verschwand, weil es niemanden mehr gab, auf den Agnes eifers;chtig sein konnte. Erst jetzt verstand er das und begriff es vollends. Er fuhr das M;dchen nach Hause, entschuldigte sich f;r die lange Wartezeit, aber es musste so sein … Apollo kaufte einen Strau; frischer, duftender Blumen und kam an dem Haus an, in dem er und seine Frau schon seit einiger Zeit praktisch lebten. Agnes erblickte den Blumenstrau;, schauderte und k;sste ihn. Und pl;tzlich durchstr;mte sie ein Gef;hl der Verbundenheit! Ein Verlangen nach Liebe erwachte in ihrer Wohnung. Sie entkleideten sich, gingen duschen und stellten sich unter den Wasserstrahl. Die Liebe, schnell und leidenschaftlich, durchstr;mte ihre K;rper! Sie sp;rten, was ihnen so sehr gefehlt hatte!
„Schatz, wir bekommen eine neue Wohnung zusammen! Wir haben einen guten Auftrag bekommen, es ist viel Geld!“
„Agnes, ich m;chte schlafen.“
Am n;chsten Tag verlie; Apollo Agnes und ging zu seiner Mutter nach Hause. Sie empfing ihn mit m;;iger Freude, denn seine Gro;mutter hatte sein kleines Zimmer in Beschlag genommen und es mit Lampenrauch erf;llt. Die Gro;mutter war eine fromme Frau; sie betete unaufh;rlich, au;er im Schlaf. Der Mann musste das gr;;ere Zimmer nehmen, und seine Mutter schlief in der K;che. So viel zum Thema freier Bauch bei der Arbeit! Aber es ist ja modern.
Apollos Bitte fand Anklang:
„Agnes, sag dem M;dchen, ich will dich nicht mehr.“
„Apollo, wenn du eine feste Beziehung mit ihr hast, dann trennen wir uns.“
„Ich habe mich an dich gew;hnt.“
„Und du wirst dich auch an sie gew;hnen.“
„Agnes, sie ist so einfach gestrickt im Vergleich zu dir. Du verstehst gar nicht, wie ich bei Mama lebe. Meine Decke rutscht st;ndig runter, meine Beine passen nicht auf ihr kleines Sofa, und sie erlaubt mir nicht, ein neues zu kaufen.“
„Aber jetzt hast du ein gr;;eres Zimmer.“
„Ja, aber Mama will, dass ich in der K;che schlafe.“
„Bei uns ist es noch viel enger, und es sind noch mehr Leute da“, sagte Agnes.
„Agnes, dann komm doch zu mir. Wir schicken Oma nach Hause.“ Ihr Haus ist leer, und du und ich wohnen im gro;en Zimmer, und Mama im kleinen.
Es ist erstaunlich, wie manche Leute ihre Wohnungen und H;user verlassen und ihre engsten Verwandten bel;stigen, sodass alle ungl;cklich sind. Und das M;dchen mit dem freiliegenden Bauchnabel hatten sie ganz vergessen. In der Mittagspause schlenderten Apollo und Agnes vergn;gt in der Augustsonne am Wasser neben dem Sportclub entlang.
„Du hast abgenommen.“
„Das hast du dir nur eingebildet.“
„Aber du hast mich rausgeschmissen. Ich habe mich an dich gew;hnt. Und du nennst mich dumm! Na gut, dann wohne ich eben wieder bei Mama.“
„Aber du hast jetzt ein gro;es Zimmer.“ Das Mittagessen neigte sich dem Ende zu. Es war Zeit f;r die Arbeit. Apollo selbst fand keinen Trost in dem Gedanken, dass sie seine Einzige sein w;rde; im Allgemeinen sprach Apollo Frauen jeden Alters gleich an: „Hallo, meine Liebe!“ Er merkte sich keine Frauennamen. Unwillk;rlich begann Apollo, Agnes zu beobachten, in der Hoffnung, im richtigen Moment zuf;llig neben ihr zu sein.
Agnes Iwanowna h;tte am liebsten den Mond angeheult, weil ihr Mann ihre Liebe verraten und ihre Freundin ihre Freundschaft missbraucht hatte. Vor allem aber wollte sie heulen, weil sie v;llig allein war. Sie tr;umte, sie sei ohne den Raketenm;rser zur;ckgelassen worden, den Tatjana ihr entrissen hatte, sodass sie nur noch ihren alten M;rser und ihren Besen hatte.
So sa; sie neben dem zerbrochenen Trog, oder besser gesagt, neben dem zerbrochenen M;rser. Da begriff sie, dass ihr einziger Freund der M;rser war. Agnes l;chelte, klatschte in die H;nde, und augenblicklich flog der alte, zerbrochene M;rser zu ihr empor. Dieser M;rser hatte ihren Vorfahren gedient und war nun zur;ckgekehrt. Die frischgebackene Baba Jaga setzte sich auf einen Stuhl aus einem Eichenstumpf und zog die Beine an. Sie streckte die Arme aus, spreizte die Finger, ballte dann pl;tzlich die F;uste und streckte sie wieder durch.
„Ich gebe meine Macht und mein Wissen an Angelina weiter!“, hauchte sie. Nach diesen Worten spannte sie sich noch mehr an.
Agnes sp;rte, wie eine Kraft sie durchstr;mte, als w;rde sie vom Boden abheben.
„Ich will, dass Angelina von der Ostinsel zur;ckkehrt, solange die Vulkane noch ruhen!“
Die Vulkane und Angelina regten sich auf der Ostinsel. Sie hob den Kopf, voller Sehnsucht nach ihrer Mutter. Sie blickte aus dem Fenster; die B;ume wiegten ihre Bl;tter im Wind. Leutnant Nikita konnte Angelina nicht aufhalten.
„Wo finde ich den Baronet?“, dachte Angelina, Agnes Iwanownas erwachsene Tochter, traurig, w;hrend sie am Fenster ihres neuen Zuhauses sa;. Eine Pferdekutsche fuhr vorbei, ein offener Wagen sauste vorbei und kehrte zum Fenster der jungen Frau zur;ck.
„Hurra!“ „Sie rief und klatschte in die H;nde, als sie einen jungen Mann in dem offenen Wagen sah. Der Fahrer ;ffnete ihm die T;r. Der junge Mann ging auf die Haust;r zu, die sich vor ihm ;ffnete. Er betrat ein massives Backsteingeb;ude unbekannten Alters. Ein h;bsches M;dchen kam die offene Treppe herunter.
„Entschuldigen Sie, ich bin wohl gekommen, um Sie zu sehen“, sagte der junge Mann.
„Ah, Sie sind also der Englischlehrer?“, fragte Angelina entt;uscht.
„Ja, ich bin kein Baronet, nur ein Englischlehrer.“
„Aber Sie sind in so einer sch;nen Limousine gekommen!“
„Ihr Vater hat mir die Limousine geschickt; es ist sein neues Auto. Ich habe es auf seinen Wunsch hin Probe gefahren und war der erste Fahrgast.“
„Aha, das ist also mein Auto, und Sie sind mein Lehrer.“ „Ich bin zu faul, Englisch zu lernen, und sie wollen mich ins Meeresland schicken.“
„Also bin ich Ihre ungebetene Lehrerin, aber ich werde in diesem Haus wohnen.“ Warum muss ich Ihnen alles auf einmal erz;hlen? Zeigen sie mir mein Zimmer?
– Sicher. Aber nicht mich. Ich habe Sie nicht eingeladen!
Ein eleganter Mann trat durch die Haust;r und fragte fr;hlich:
– Tochter, wie hat Ihnen der Lehrer gefallen?
– Er m;chte sein Zimmer sehen!, antwortete Angelina.
– Wunderbar! Sein Zimmer ist neben meinem; lassen Sie sie seine Sachen dorthin bringen. Der Fahrer erschien mit einem schweren Koffer und trug ihn zum Fl;gel des Hauses. Einen Augenblick sp;ter schwang die T;r auf, und eine sch;ne Frau erschien auf der Schwelle.
– Gerade noch rechtzeitig f;r die finale Analyse. Apollon, wen haben Sie als Angelinas Lehrer ausgesucht und mir nicht gezeigt?
– Agnes, warum sind Sie so nerv;s? Da ist er – der Englischlehrer!
– Ich m;chte auch Englisch lernen!
– Um Himmels willen, selbst die ganze Klasse, er wird bei uns wohnen. Geb;ude.
– Okay, dar;ber reden wir. Und mein Auto? Apollon, wessen neues Auto ist das denn? fragte Agnes Iwanowna mit klarer Stimme.
„Das Auto teilen wir uns. Es geh;rt uns.“
„Apollo, ich will mein eigenes Auto!“
„Agnes, du solltest den Lehrer besser einteilen.“
„Ich sehe, du hast ihn in deinen Teil des Hauses aufgenommen! Was geht es mich an, wo er wohnt!“
„Aber nicht in deinem Teil des Geb;udes?“ Das neue zweist;ckige Backsteingeb;ude bestand aus Agnes Iwanownas linkem Fl;gel, Apollon Petrowitschs rechtem Fl;gel und Angelinas oberstem Stockwerk. Auf der Innenseite des Hofes, in der Mitte des Geb;udes, befand sich ein Anbau f;r die K;che, das Esszimmer und ein kleiner Gemeinschaftsraum mit hoher Decke. Apollon heuerte einen Kampfspezialisten als Leibw;chter an, der aus irgendeinem Grund Englisch sprach. Er brauchte einen Bodyguard, wollte aber niemandem erz;hlen, dass der Englischlehrer in Wirklichkeit sein pers;nlicher Leibw;chter war. Sie w;rden ihn auslachen; reich waren sie heutzutage nicht gerade. Sie hatten ein Backsteinhaus, fast schon eine Datscha am Stadtrand. Apollon hatte sich einen zweiten Wagen gekauft, was weder Neid noch Fragen aufwarf. Doch Apollon wollte seine Feigheit verbergen. Seine Tochter wollte unbedingt einen neuen Mann finden, also sollte sie die Sprache lernen, die sie bereits gut beherrschte. Wenn sie im Unterricht nicht einschlief, w;rde ihr die Sprache im Ausland n;tzlich sein, wohin er – wieder aus Angst – unbedingt wollte.
Apollon Petrowitsch hatte ein seltsames Erlebnis. Er ging zum Supermarkt, deponierte seine quadratische Aktentasche mit einigen unwichtigen Papieren in einem Schlie;fach, bummelte durch den Laden, kaufte ein paar Lebensmittel f;r zu Hause, holte seine Aktentasche aus dem Schlie;fach, bemerkte aber unter dem Gewicht des ganzen Ladens deren Gewicht nicht. Zuhause angekommen, gab er die Eink;ufe der Haush;lterin und ging in sein B;ro. Ihm blieb der Mund offen stehen, als er die Aktentasche sah. Darin befanden sich dicht geb;ndelte Geldscheine. Apollons Kiefer klappte herunter, und ein anhaltendes Gef;hl der Beklemmung ;berkam ihn. Das Geld geh;rte jemand anderem, doch er f;hlte sich sofort damit verbunden, als h;tte es schon immer ihm geh;rt. Er erz;hlte niemandem von dem Geld und ging nicht mehr in diesen Supermarkt. Stattdessen ging er zum n;chsten Fitnessstudio und entdeckte sofort Nikita, der unter einer Hantelstange lag und sie ;ber sich an den Metallst;ndern entlang bewegte. Apollon hatte einmal Englisch gelernt. Es war offensichtlich, dass die Leute oft Englisch sprachen, aber irgendetwas hatte ihn ;berkommen. Er sprach den Mann auf Englisch an, und der antwortete gelassen auf Englisch! Dann wechselten sie zu Russisch. Also lud Apollo Nikita ein, f;r ihn zu arbeiten. Das ist die ganze Geschichte – zumindest scheint es so.
Nikita, ein sehr muskul;ser Mann, ein ehemaliger Soldat mit kurzem, abstehendem Haar, beeindruckte alle, ja, er war geradezu begeistert. Apollo dachte nicht einmal daran, dass Angelina sich in den Wachmann verlieben k;nnte; er dachte nur an seine eigene Sicherheit. Erst als Nikita den n;chsten Raum eingenommen hatte, holte Apollo seinen Aktenkoffer hervor, ;ffnete ihn ein zweites Mal und schloss die T;r zu seinem B;ro.
Das Geld lastete schwer auf ihm; er hob den obersten Stapel auf, bl;tterte ihn durch und warf ihn zu Boden. Es war ein „Dummy“: Geldscheine lagen obenauf, zerrissenes Papier darin. Hastig begann er, die Stapel zu durchsuchen. Die oberste Schicht bestand aus Geldscheinen, die n;chste aus Falschgeld. Sein Interesse war erneut geweckt. Die beiden unteren Geldstapel waren echt! Echtes Geld machte die H;lfte des Koffers aus! Er ;berpr;fte es auf dem violetten Ger;t. Apollo atmete erleichtert auf, denn er bereute es bereits, Nikita eingestellt zu haben.
Ein Gegenwitz schoss ihm durch den Kopf: Er packte normale Zeitungen in den Koffer, dann das Falschgeld und die Geldpuppen obendrauf und ging damit zum Supermarkt! Schlie;lich waren seit seinem unfreiwilligen Reichtum erst 24 Stunden vergangen. Er stellte den Koffer in ein Schlie;fach – gl;cklicherweise war es leer – und ging durch den Laden.
Als Apollo an der Kasse stand, sah er aus dem Augenwinkel, dass sein Schlie;fach ge;ffnet und sein Koffer gestohlen worden war. Er sp;rte Angst, eine sehr starke Angst, und dann sp;rte er eine Hand auf seiner Schulter. Er zuckte zusammen, doch Nikita stand neben ihm. Apollo atmete erleichtert auf. Beide verlie;en den Laden und bemerkten, dass das Schlie;fach offen war. Apollo war ;berrascht, seinen Koffer in Nikitas H;nden zu sehen! Was f;r einen Streich hatte ihm das Schicksal gespielt? Erneut durchfuhr ihn ein Schauer der Angst, der seine Arme und Beine l;hmte, und er blieb stehen.
„Nikita, wo ist meine Aktentasche?“, fragte Apollo mit zitternder Stimme.
„Ich habe gesehen, dass das Schloss am Spind nicht richtig geschlossen war, also habe ich deine Aktentasche genommen, das ist alles.“
„Wie bist du denn in den Laden gekommen?“
„Ich bin dein Wachmann.“
„Tut mir leid, Nikita, mir ist etwas mulmig zumute.“
Sie kamen nach Hause.
Apollo ;ffnete die Aktentasche in seinem B;ro. Ein Schauer lief ihm ;ber den R;cken: Darin war eine Schlange! Er schlug die Aktentasche automatisch zu und st;rmte aus dem Zimmer. Nikita tauchte schnell neben ihm auf, hob die Aktentasche auf, ;ffnete sie einen Spalt und schloss sie wieder.
„Tricks!“, rief Nikita. „Was hattest du in deiner Aktentasche?“
„Papiere.“ Aber letztes Mal war viel Geld in der Aktentasche.
„Bewahrst du deine Aktentasche immer in diesem Spind auf?“
„Ja, wenn ich in dieses Kaufhaus gehe.“
„Zeig mir das Geld! Keine Sorge, ich nehme es nicht.“ Die beiden untersuchten die Geldb;ndel und pr;ften sie erneut auf F;lschungen. Das Geld war echt, und im Aktenkoffer lag eine echte Schlange. „Aber war es wirklich eine echte Schlange?“, zweifelte Nikita und ;ffnete den Koffer vorsichtig, einen Stock griffbereit. Keine Schlange im Koffer! Die M;nner sahen sich um, aber die Schlange war nirgends zu finden.
Apollo sp;hte in den Koffer und zuckte zusammen:
„Sie ist im Koffer!“
„Unm;glich! Ich habe nachgesehen!“, rief Nikita und sp;hte in die ;ffnung des Koffers; dort lag ein langer, schlaffer Ballon.
Kapitel 13. Eiche im Rampenlicht
Angelina sa; in ihrem Wohnzimmer und ;berlegte, wie sie das Geld aus Apollons B;ro bekommen sollte. Sie hatte die Aktenkoffer in den Schlie;f;chern vertauscht – genauer gesagt, nicht sie selbst, sondern ihre Assistentin Ira, die nur einen Meter entfernt arbeitete. Angelina besa; immer einen Aktenkoffer wie den von Apollon, bewahrte ihn aber in dem Kaufhaus auf, in dem sich ihre Schmuckabteilung befand. Sie war auf ungew;hnliche Weise an das Geld gekommen. Ein fl;chtender Mann hatte eine Tasche in die Schmuckabteilung geworfen, die ihr geh;rte und sich au;erhalb des Selbstbedienungsbereichs befand. Zwei Polizisten verfolgten ihn; offenbar wollte er das Geld loswerden. Und dann musste sie es dringend nach Hause schicken, ohne das Kaufhaus zu verlassen.
Angelina bat die Verk;uferin im Lager neben dem Spind, ihren Aktenkoffer sofort nach Ankunft auszutauschen. Daraufhin stahl Apollon Petrowitsch Angelinas Beute. Der Mann, der das Geld in Angelinas Abteilung abgegeben hatte, tauchte einen Tag sp;ter auf und begann seine eigenen Ermittlungen und die Suche nach der verschwundenen Tasche. Angelina war an diesem Tag nicht in der Abteilung gewesen. Ira, die Verk;uferin, spielte aus eigenem Antrieb mit Apollons Aktenkoffer herum. Der Mann fand jedoch keine Spur von seinem Geld. Alles war ruhig, abgesehen von Angelinas Wunsch, das Geld von Apollons Vater einzutreiben.
In letzter Zeit waren Apollon Petrowitsch und Nikita ;berall zusammen unterwegs. Nikita sprach, wie sich herausstellte, keine Fremdsprachen und arbeitete daher nur als Wachmann. Angelina und Nikita trafen sich an der Eingangst;r und erkannten sich! Er war derjenige, der das Geld in ihrer Abteilung abgegeben hatte. Nikita, der das Verm;gen seines Vaters geerbt hatte, wusste nicht, was er damit anfangen sollte. Nun schnappten beide wie Fische nach Luft und lie;en sich gleichzeitig in zwei Sessel im ersten Stock gegen;ber der Haust;r fallen. „Oh, endlich habe ich dich gefunden, meine kleine Verk;uferin“, begann Nikita. „Und wo ist das Geld? Ich habe dich in den Augen gesehen und dich erkannt, vorher hatte ich dich nicht wiedererkannt.“
„Bei deinem Chef! Aber ich bin keine Verk;uferin, ich bin die Inhaberin der Schmuckabteilung.“
„Apollon Petrowitsch hat Geld? Seit wann bist du Verk;uferin? Ich erinnere mich an dich als T;nzerin! Und ich dachte, er h;tte anderes Geld.“
„Er hat dein Geld. Das, das du in meiner Abteilung abgegeben hast.“
„Das hei;t also, ich nehme mein Geld und verlasse dein Haus, obwohl ich es wirklich genossen habe, bei dir zu wohnen.“
„Nikita, wo hast du denn, um es mal vorsichtig auszudr;cken, dieses Geld gestohlen?“
„Hast du die Verfolger gesehen, die mir gefolgt sind? Ich habe das Geld geerbt. Darf ich bei euch bleiben? Was f;r eine nette Familie. Ich passe jetzt in euren Teufelskreis! Und was sagt deine Mutter dazu?“ „Sie war definitiv nicht in diesen Geldkreislauf verwickelt.“ „Ich bezweifle, dass ich das Geld meines Vaters von ihr bekommen habe.“ Agnessa Iwanowna blickte auf das plaudernde Paar hinab und lauschte ihrem lauten Gespr;ch. Nikita bemerkte sie als Erster und rief: „Agnessa Iwanowna, wenn es Ihnen keine Umst;nde macht, w;rden Sie bitte herunterkommen?“
„Ja, Mama, kommen Sie her“, best;tigte Angelina seine Bitte. Agnessa Iwanowna eilte die Treppe hinunter und setzte sich auf den dritten Stuhl.
„Wor;ber redet ihr?“, fragte sie, ohne jemanden Bestimmten anzusprechen.
„Mama, wusstest du, dass Papa im Supermarkt Geld in seiner Aktentasche gefunden hat?“
„Alle hier wissen es, und auch von der Schlange, die er in seiner Aktentasche gefunden hat. Gut, dass es alle wissen“, sagte Agnessa Iwanowna. „Dann hat jeder ein reines Gewissen.“
„Mama, gib mir etwas Taschengeld, dann hast du auch ein reines Gewissen.“ „Du saugst mir mit deinen Bitten die Seele aus“, sagte meine Mutter traurig. „Du hast das Geld deines Vaters und fragst nur mich.“
„Dann werde ich jetzt auch Nikita um Geld bitten“, sagte Angelina aufrichtig.
„Angelina ist unser gr;;ter Kostenfaktor! Nikita, heirate sie, dann hast du nie wieder Geldsorgen.“
„Du wei;t ja gar nicht, wer ich bin!“, rief Nikita.
„Was wei; ich schon? Ich bin ein starker Mann; du kannst mit Angelina fertigwerden.“
„Wie sollte er mit mir fertigwerden? Er hat kein eigenes Geld, und ich will einen Baronet heiraten!“
„Und warum brauchst du einen Baronet, Angelina?“
„Es klingt wundersch;n. Ein Baronet ist ein englischer Baron mit uralter Abstammung.“
„Nikita, hast du uralte Wurzeln?“, fragte Angelina.
„Eine komische Frage: Wenn ich in dieser Welt existiere, bedeutet das, dass ich uralte Wurzeln habe.“ „Das ist logisch“, bemerkte Angelina. „Tats;chlich haben alle Menschen auf diesem Planeten uralte Wurzeln. Nikita, ich mag dich immer mehr; darf ich dich ‚Baronet Nikita‘ nennen?“
„Ich hei;e zwar Nikita, aber ich bin kein Baronet! Nein!“
„Na gut, ich glaube dir.“
Eine Dienerin, eine alleinstehende Frau namens Timofejewna, trat an die drei heran.
„Das Essen ist fertig! Aber ich schaffe diese Arbeit nicht! Oder ihr kocht selbst. Es sind zu viele Leute“, sagte sie und sah Nikita eingehend an.
„Timofejewna, beschwer dich nicht, nur eine Person mehr“, sagte Agnessa Iwanowna.
„Also bin ich auch noch ;lter geworden.“
„Okay, wir teilen die Putzarbeit auf. Ich werde wohl Ira vom Laden bitten, einmal die Woche unser Haus zu putzen“, sagte Angelina. „Das ist ja sch;n und gut“, sagte Timofejewna und ging in ihr Zimmer.
Nikita, Angelina und Agnessa Iwanowna betraten das Esszimmer und nahmen freundlich an dem gedeckten Tisch Platz. Apollon Petrowitsch war gerade bei der Arbeit.
„Nikita, du machst uns neugierig. Wer bist du? Nein, wer warst du vor uns? Au;er dass du fr;her Leutnant warst?“, fragte Agnessa.
„Ein Diamantensucher.“
„Also, meine Mutter leitet den Diamantenkonzern ‚Blesk‘!“, rief Angelina aus.
„Ich wei;. Und ich kannte Apollon Petrowitsch schon vorher.“
„Du bist also auch computerversiert? Irgendetwas stimmt hier nicht. Warum bist du nicht Diamantenverkaufsleiter geworden?“
„Apollon Petrowitsch braucht gerade einen Wachmann.“
„Das l;sst sich beheben; hast du in letzter Zeit nicht gearbeitet?“, fragte Agnessa Iwanowna.
„Es ist passiert. Ich habe meinen Job gek;ndigt und noch keinen neuen gefunden. Und dann tauchte Apollon Petrowitsch auf, wie vom Himmel gefallen. Ich wollte mich als Manager bei ihm bewerben, aber jetzt will er mich nicht einstellen. Ich habe einen Hochschulabschluss, den ich vor meiner Einberufung zum Milit;r erworben habe.“
„Nikita, du bist ja wirklich ein Baronet!“, rief Angelina aus. „Nach hiesigen Ma;st;ben sprichst du einfach kein Englisch.“
„Komisch, aber ich kenne mich mit Diamanten aus.“
„Super! Bring mir die Diamanten-Vokabular bei!“, verk;ndete Angelina begeistert.
Angelina ging in den zweiten Stock und rief sofort Apollon Petrowitsch an:
„Papa, du wei;t gar nichts! Du bist total von gestern! Wir haben einen Baronet namens Nikita!“
„Ha, ich kenne Nikita nicht! Ich kenne ihn seit seiner Geburt! Wir sind ihm schon bei Diamantenauktionen begegnet, bei denen du noch nie warst.“
„Okay, ich gehe das n;chste Mal mit, sag mir einfach Bescheid.“ Wusstest du, dass er in drei Sprachen ;ber Diamanten reden kann?!
- Was f;r ein Gl;cksgriff, den stelle ich ein.
- Er arbeitet als dein Leibw;chter!
- Ein Reservist braucht einen Leutnant als Leibw;chter? Das ist doch l;cherlich!
- Lach nur, er besch;tzt dich! Nikita ist so ein muskul;ser Mann!
- Angelina, bist du nicht in ihn verliebt?
- Ein bisschen schon! Aber woher nimmst du blo; das Geld?
- Das ist mein Problem! Ich verliere st;ndig Geld und finde es dann wieder. Wie lebt ihr denn da, in eurem neuen Haus?
- Wunderbar! Nur leider gibt es keinen Pool!
- Angelina, ich hatte doch gesagt, wir bauen ein dreist;ckiges Haus, aber nein, es ist nur zweist;ckig geworden. Wir bauen einen Pool im Anbau. Versprochen.
- Aber in einem zweist;ckigen Haus braucht man doch keinen Aufzug. Papa, ich sehe von meinem Fenster aus, dass sie am Stadion bauen. Es sieht so aus, als ob sie ein Indoor-Stadion bauen wollen, eine aufblasbare Kuppel, wie die ;ber den Delfinen. Was, wenn sie unsere Eiche f;llen?
—Nein, die Eiche werden sie nicht f;llen. Ich kaufe mir eine gef;llte, obwohl ich das eigentlich nicht will. Du machst mich wahnsinnig! Ich gehe jetzt ins Stadion und sehe nach, was da los ist.
Im verlassenen Stadion herrschte reges Treiben. Neue B;nke wurden auf den Trib;nen aufgestellt. Auf dem Fu;ballfeld wurde Kunstrasen verlegt. Die Laufbahnen waren ;bers;t mit den Teilen, aus denen die Stadionkuppel werden sollte.
Agnessa Iwanowna bemerkte Nikita und ging auf ihn zu.
—Nikita, wei;t du, was hier vor sich geht?
—Das wird das Trainingsgel;nde unserer Fu;ballmannschaft. Ich bin die Sponsorin.
—Ich verstehe das nicht. Du bist doch der Leibw;chter meines Mannes!
—Wenn es doch nur so w;re! Ich habe wegen deiner Tochter bei ihm angefangen! Agnessa Ivanovna, ich m;chte Angelina heiraten! Wissen Sie, wer ich bin?
—Ich dachte, ich w;sste es. Dem Schicksal kann man nicht entfliehen. Sie sind Dr. Lux' Sohn! Aber mich interessiert sehr, was mit der alten Eiche mit dem H;hlungsloch passiert. Eine Eiche ist ein alter Baum; am besten f;llt man sie. Nikita, wenn du meine Tochter heiraten willst, lass die alte Eiche in Ruhe. Sie ist mir so teuer wie die Erinnerung an meine ersten Diamanten.
— ;ber dem Stadion wird eine riesige Kuppel errichtet!
— Tauscht eure Kuppel gegen eine einzelne Diamant-Eiche!
— Gut, wir besprechen das mit den Designern.
— F;llen Sie die Eiche, aber geben Sie mir die St;mme mit dem H;hlungsloch. Ich werde sie lackieren und ins Firmenmuseum stellen.
— So, das w;re besser!, rief Nikita. „Wir zahlen die Strafe f;rs F;llen der Eiche sowieso!“
— Nikita, willst du f;r unseren Konzern arbeiten, Blesk?
— Teilzeit. Ich habe viel zu tun!
Agnessa Iwanowna betrachtete die Eichenbl;tter, die Baustelle des Stadions, und begriff zum ersten Mal, dass ihre romantische Liebesgeschichte in diesem Stadion ein logisches Ende gefunden hatte, dass es keine Wunder mehr geben w;rde. Sie stellte sich die Eiche wie einen gro;en Kartoffelstrauch vor, und wenn man ihn ausgrube, w;rden Diamanten in seinen Wurzeln funkeln, statt Knollen.
„Nikita, wir m;ssen diese Eiche ausrei;en!“
„Was ist denn los mit dir? Agnessa Iwanowna, du hast mich sie nicht f;llen lassen, und jetzt willst du, dass ich sie ausrei;e?!“
„Die Eiche muss schnell raus! SOFORT!“
„Okay, ich werde mein Bestes geben, aber ich muss jetzt deinen Mann von der Arbeit abholen!“
„Mein Mann schafft das schon; er ist ja ehemaliger Soldat.“
Nikita rief jemanden. Bald trafen Leute mit einer S;ge ein. Die Eiche war umgest;rzt. Sie begannen, die Wurzeln auszugraben, als wollten sie einen Weisheitszahn ziehen! Zu ihrer ;berraschung funkelte es mitten in den Wurzeln. Nikita st;rzte sich als Erste darauf, um sie aufzuheben, und die Arbeiter wurden beiseitegezogen. Versteckt in den Wurzeln befanden sich Diamanten in einem Zylinder, als h;tte jemand einst einen kleinen Eichenbaum ;ber seinem Schatz gepflanzt!
„Du bist eine Zauberin!“, hauchte Nikita entz;ckt. Den Arbeitern wurde klar, dass sie ausgenutzt worden waren und dass etwas Interessantes unter den Wurzeln hervorgeholt wurde. Sie st;rzten sich auf den Wurzelstock, um die Diamanten zu bergen. Nikita geriet mit zwei Arbeitern in einen Kampf. Die Stadionarbeiter bemerkten das Gerangel und lie;en ihre Arbeit fallen, um auf die M;nner zuzugehen. Als sie die verstreuten Diamanten sahen, versuchten sie aus reiner Neugier, sie aufzuheben, was zu einem sprunghaften Anstieg der K;mpferzahl f;hrte. Agnessa Iwanowna beobachtete den Kampf v;llig gleichg;ltig. Sie ging in Gedanken die Personen durch, die sie in einer solchen Situation anrufen k;nnte. Ihr war bewusst, dass all ihre Bekannten ;lter wurden, besonders ihr Mann, Apollon Petrowitsch. Wen sollte sie anrufen? Jeder, der k;me, w;rde einen Anteil an den Diamanten beanspruchen. Ruhig zog sie eine Pistole und feuerte in die Luft. Der Haufen M;nnerk;rper zerfiel in seine Einzelteile. ;berrascht blickten sie die Frau mit der kleinen Pistole in der Hand an.
„Meine Herren, wir haben Diamanten gefunden, die meinen Vorfahren geh;rten! Euer Streit ist daher sinnlos, aber ich werde jedem von euch einen kleinen Diamanten geben. Versteht mich nicht falsch, Diamanten bringen nicht immer Gl;ck, wie ihr gleich feststellen werdet. Nun, alle auseinander!“
Die M;nner sahen die herrische Frau an und schwiegen. Sie rief einen Arbeiter, der die Diamanten einsammeln und einzeln verteilen sollte. Nikita erholte sich vom Streit und begann selbst, die Diamanten einzusammeln, auf die die Arbeiter, gebannt von den Worten der Diamantenfrau, keinen Anspruch mehr erhoben hatten.
Angelina kam an und ging auf Agnes Iwanowna zu:
„Mama, was ist denn hier los?“
„Sie haben dein Erbe gefunden und versuchen, es einzutreiben.“
„Werde ich etwa verheiratet?“
„Wei;t du das denn noch nicht? Dein Verlobter hat sich da v;llig ;bernommen! Er ist der Sohn von Doktor Lux! Ein Graf, sozusagen!“
„Ach so, er ist also Baronet Nikita! Ich helfe ihm, die Diamanten einzutreiben.“ Die Arbeiter verbeugten sich unwillk;rlich vor Agnes Iwanowna. Sie setzte sich auf eine Bank und beobachtete Nikita und Angelina. Pl;tzlich traf sie ein Schlag auf den Kopf, und sie taumelte. Fritur riss ihr die Pistole aus der Hand und richtete sie auf Nikita und Angelina:
„Gebt mir schnell die Diamanten – dann sind alle frei!“
„Fritur, was, hast du mich nicht erkannt?“ „Habe ich euch alle erkannt?“, fragte Angelina ;berrascht. „Die Diamant-Eiche ist weg“, sagte Angelina traurig, „und Mama liegt da, regungslos. Ihr habt sie get;tet!“
„Sie hat es verdient.“ „Und halt die Klappe, sonst mach ich dich auch fertig!“ Fritur nahm Nikita und Angelina die Diamanten aus den H;nden und richtete seine Pistole auf sie. Langsam wich er von der umgest;rzten Diamanteneiche zur;ck, stolperte jedoch ;ber eine Eichenwurzel und st;rzte, von Diamanten ;bersch;ttet. Nikita kam wieder zu sich, sprang Fritur an, trat ihm die Pistole aus der Hand und ;bernahm die F;hrung. Angelina n;herte sich Agnessa Iwanowna, die kaum noch atmete. Ihre Tochter rief mit dem Handy einen Krankenwagen. Ein Arzt und die Krankenschwester Nina trafen ein. Der Arzt k;mmerte sich um Agnessa Iwanowna, deren Kr;fte schwanden.
„Angelina, mach mich los!“, schrie Fritur. „Angelina, ich liebe dich!“
„Bleib gefesselt, so bist du sicherer“, erwiderte Angelina.
„Fritur, du solltest dich sch;men, ihr deine Liebe zu gestehen!“, schrie Nikita.
„Und warum darf ich ihr meine Liebe nicht gestehen?“ Angelina sammelte alle Diamanten ein. Sie warf die Diamanten in ihre Tasche, doch niemand beachtete sie mehr.
Der Schnee fiel und schmolz. Nach dem Schlag auf den Kopf stand die Diamantenlady entweder auf und ging im Haus umher oder lie; sich auf dem Sofa vor dem Fernseher nieder und blieb liegen, bis sie wieder Kraft zum Aufstehen hatte. Die Diamanten, die sie unter der Eiche gefunden hatte, k;mmerten sie nicht. ;u;erliche Umst;nde ber;hrten sie nicht; sie waren ihr praktisch gleichg;ltig.
Sie erinnerte sich an ihre Eltern. In diesem Moment begannen starke Kopfschmerzen. Sie hatte nicht einmal Zeit, sich an Denis zu erinnern; ihr Kopf schmerzte, und sie konnte nicht an Friture und Apollo denken. Agnessa Ivanovna weigerte sich, eine Pflegekraft zu akzeptieren, doch ihr Gesundheitszustand lie; sie erkennen, dass es besser war, nicht in der Vergangenheit zu schwelgen, sondern nach Hinweisen auf die Gegenwart zu suchen. Lika, der einzige Streunerhund, streifte durchs Haus.
Als Angelina merkte, dass ihre Mutter tats;chlich gesundheitliche Probleme hatte, besuchte sie sie h;ufiger und bat sie, in das neue Haus, ins Erdgeschoss, zu ziehen. Nach einem weiteren Agnessa Ivanovna, die auf dem Sofa zusammengebrochen war, willigte ein, dauerhaft zu ihrer Tochter in deren eigene H;lfte des Hauses zu ziehen. Angelina bot ihr an, Vollzeit im Haus zu arbeiten, sofern sie st;ndig auf ihre Mutter aufpasste.
Irgendwann begriff Agnessa Iwanowna, dass sie nicht mehr lange leben w;rde, wenn sie so weiterlitt. Da kam ihr der Gedanke, dass die gef;llte Eiche mit ihren diamantenen Wurzeln sie bestrafte. Lange verharrte sie und ;berlegte, was sie tun konnte, um nicht mit der Diamanteneiche zu sterben. Sie sah sich im Spiegel an und erblickte eine v;llig graue Frau. Traurigkeit ergriff ihr Herz, und ihr fiel das Atmen schwer. Sie griff nach den Tabletten und legte sich eine unter die Zunge. Dann legte sie sich hin.
Angelina st;rmte ins Zimmer:
„Mama, stirbst du? Du siehst so blass aus! Wenn du noch lebst, sag mir, was f;r ein Kleid ich f;r die Hochzeit n;hen soll! Und welches Kleid hast du bei deiner Hochzeit mit deinem Vater getragen?“
„Das Kleid von deinem Schulabschluss. N;h dir ein Kleid.“
„Wie gro;z;gig! Warum bist du so geizig und gibst mir Geld f;r ein paar Ballkleider?“ „Ich bin es nicht gewohnt, Geld f;r Kleinigkeiten auszugeben.“
„Was f;r eine Kleinigkeit!“ Ich heirate! Wir reichen die Heiratsurkunde bei Baronet Nikita ein.
„Warum nicht Fritur?“
„Er hat dich geschlagen! Hast du das schon vergessen?“
„Ich habe nichts vergessen! Ich will nicht, dass Fritur dein Zweiter wird.“
„Ich bin noch nicht mal verheiratet, und du redest schon von einem zweiten!“
„Wie lange soll das denn noch dauern? Ich werde keine Zeit mehr haben, dich zu warnen.“
Apollon Petrowitsch betrat mit einem eleganten, leicht verzierten Spazierstock den Raum:
„Angelina, lass uns mit deiner Mutter allein! Lass uns reden!“
Angelina r;mpfte die Nase und verlie; den Raum.
„Agnes, ich wei; von der gef;llten Eiche, und ich will nicht, dass du mit ihr stirbst! Lass uns zum Nil fahren. Ich wollte schon immer mal mit dir eine Bootsfahrt auf dem Nil machen! Das Wetter ist jetzt sch;n am Nilufer!“ H;r mal, du hast einen riesigen Diamantenschatz gefunden! Und dir eine Reise verdient!
Okay, kauft die Tickets, los geht's!
Tats;chlich wirkte sich der Sinneswandel positiv auf Agnessa Iwanowna aus. Sie begann, mehr im Haus umherzugehen. Man nahm sie mit ins Gesch;ft, um Kleidung f;r die Reise zu kaufen. Sie f;hlte sich immer besser. Agnessa ging zum Friseur, f;rbte sich die Haare in ihrer gewohnten Farbe und unterzog sich mehreren kosmetischen Eingriffen. Bald flog das Paar zum Nil. Apollon Petrowitsch und Agnessa Iwanowna checkten in einem Hotel im S;den des Landes ein. Wei;e H;user mit B;gen standen in der N;he des Hotels. In der N;he befanden sich mit Fliesen verzierte Pools mit klarem, bl;ulich schimmerndem Wasser. Dattelpalmen waren ein wundersch;ner Anblick. Agnessa und Apollon wohnten in zwei angrenzenden Zimmern und gingen oft auf den wei;en Steinbalkon mit Blick aufs Meer. Manchmal unternahmen sie eine Schifffahrt, meistens aber spazierten sie einfach am Meer entlang. Das Personal strahlte Freundlichkeit aus. Der Kurort war von einer recht ansehnlichen Mauer umgeben. Eine ganze Armee bewachte die Anlage. Die Einheimischen f;hrten ein etwas einfacheres Leben; sie bauten H;user ohne Dach, die mit Matten bedeckt waren. F;r solche H;user wurden keine Steuern erhoben, w;hrend H;user mit Dach hohe Abgaben kosteten. Einheimische M;nner durften mehrere Frauen haben, aber es gab nur eine Bedingung: Jede Frau hatte ein eigenes Zimmer.
So hatte auch Agnes ein Zimmer. Die Erholung am warmen Meer hatte ihr gutgetan. Eines Tages nahm sie Apollos Stock in die Hand und sp;rte sein ungew;hnliches Gewicht. Sie untersuchte den Knauf, fand einen Knopf und ;ffnete den Stock, sah aber nur einen kleinen, leeren Hohlraum. Sie nahm an, der Stock sei aus einem schweren Material. Apollo ertappte Agnes dabei, wie sie den geschlossenen Teil des Stocks untersuchte.
„Agnes, gef;llt dir mein Stock? Sollen wir dir einen anfertigen?“ „Dein Stock ist schwer, auch wenn er sch;n ist.“
„Es liegt am Material.“
„Das dachte ich mir auch, aber ich brauche einen leichteren Stock.“
„Kein Problem, ich nehme ihn sofort!“ Apollo ging hinaus und brachte Agnes einen Spazierstock in Form eines Regenschirms mit einem Geheimfach.
Das Paar kehrte erholt und gl;cklich nach Hause zur;ck. Und nat;rlich lebten sie sich in ihrem neuen Zuhause ein. Eines Tages schlug Apollo vor:
„Agnes, sieh mal, was in unseren Spazierst;cken ist! Lass uns eine junge Eiche auf diese Diamanten pflanzen!“
Agnes lachte und willigte ein, die Eiche auf die Diamanten zu pflanzen. Das Paar pflanzte also mit Hilfe ihrer Spazierst;cke eine junge Eiche auf die Diamanten. Sie las eine seltsame Anzeige in der Zeitung: „Diamantenfinderin gesucht“. Die Unterschrift „Angelina“ verwirrte sie. Sie rief ihre Tochter an:
„Angelina, hast du etwa ein Diamantensuchb;ro er;ffnet?“ „Mama, ich suche die Diamanten selbst! Ich kenne all deine Diamantengeschichten auswendig. Ich will auch Diamanten finden!“
„Suchst du sie allein?“
„Auf keinen Fall. Nikita und ich suchen die Diamanten.“
„Ich verstehe das nicht. Nikita ist Privatdetektivin geworden?“ „Nein, Mama, du kannst uns nicht alles am Telefon erz;hlen; das ist unser Geheimnis. Komm ins Stadion. Es geh;rt Baronet Nikita; jetzt kannst du nicht mehr sagen, es sei ein vergessenes Stadion.“ Mutter und Tochter sa;en auf den VIP-Pl;tzen. Die Stadionkuppel war f;r die warmen Sommertage heruntergelassen. Agnessa Iwanowna warf einen kurzen Blick auf die junge Diamant-Eiche neben der Laufbahn. Nur noch wenige junge B;ume standen im Stadion. Um die Eiche herum hatte sich nichts ver;ndert, was bedeutete, dass die Diamanten noch da waren.
„Angelina, ich habe schon immer intuitiv nach Diamanten gesucht, angetrieben von einer unerkl;rlichen Mystik. Es war, als w;rde mich der Teufel genau dorthin f;hren, wo man damals Diamanten fand, ob gebraucht oder bereits abgebaut. Ich bin keine Geologin und habe noch nie in der Natur nach Diamanten gesucht.“
„Mama, ich habe zwar nicht dein Diamantentalent, aber ich habe den Wunsch, verlorene, harte, transparente Steine zu finden. Ich will dich nicht l;nger auf die Folter spannen: Ich werde mit einem Diamantensuchger;t nach Diamanten suchen.“ ;berrascht? Nikita trainierte gerade mit einem Ingenieur im Fitnessstudio, und die beiden kamen ins Gespr;ch. Nikita erz;hlte dem Ingenieur von ihren Diamantenabenteuern, und er war sofort begeistert von der Idee, ein Diamantensuchger;t in Form einer Sonde zu bauen. „H;r mal, was ich dir erz;hle! Sieh mal!“, sagte sie, holte eine l;ngliche Schachtel aus ihrer Handtasche und ;ffnete sie. Ein einfacher Stab, etwa anderthalbmal so lang wie ein Bleistift, mit einem kleinen Knubbel an der Spitze der Sonde kam zum Vorschein.
„Oh!“ „Dieser Zauberstab ersetzt meine mystischen Kr;fte!“, rief Agnessa Iwanowna unwillk;rlich aus.
„Ja, unter Ber;cksichtigung der Eigenschaften von Diamanten hat der Ingenieur ein Ger;t entwickelt, das einen Elektronenstrahl in einer Dampfwolke an den gew;nschten Ort sendet. Ich wei; nicht genau, was passiert, aber die LEDs am Sensor leuchten auf. Es gibt da ein paar Feinheiten, aber die sind nicht der Rede wert.“
„Angelina, ich bin bereit, dein Ger;t jetzt zu testen. Bestehe meinen Test und finde die Diamanten, ohne dieses Stadion zu verlassen.“
„Mama, wenn hier eine alte Diamant-Eiche wachsen w;rde, w;rde ich dir die Diamanten auch ohne dieses Ger;t zeigen.“
„Nur zu, Tochter“, sagte Agnessa Iwanowna und blickte zu den Elstern, die ins Stadion geflogen waren. Angelina schaltete den Diamantsensor ein, dr;ckte den Knopf, und der Griff fuhr aus. Langsam bewegte sie den Sensor um sich herum. Der Sensor blinkte nicht. Angelina stand von ihrem Stuhl auf und begann, im Stadion umherzugehen. Der Sensor reagierte nicht. Zehn Minuten sp;ter kam die Tochter zu ihrer Mutter und sagte, es g;be keine Diamanten im Stadion.
„Du irrst dich, meine Liebe!“, rief Agnessa Iwanowna selbstgef;llig. „Es gibt Diamanten innerhalb des Stadiongel;ndes, das wei; ich ganz genau!“
„Ich wiederhole: Es gibt keine Diamanten innerhalb des Stadiongel;ndes!“
„Wir werden nachsehen! Ich werde die Inkompetenz deines elektronischen Assistenten beweisen!“, rief Agnessa Iwanowna und ging auf die junge Eiche zu. „Schau mal hier!“, sagte sie und zeigte auf den Boden neben dem Baum. Angelina ging zur Eiche und richtete einen elektronischen Strahl auf die Wurzeln. Der Diamantendetektor blieb stumm.
„Dein Ger;t funktioniert nicht“, l;chelte die Mutter.
„Das Ger;t funktioniert, aber hier gibt es keine Diamanten!“, erwiderte die Tochter.
„Ruf Nikita mit einer Schaufel, lass ihn die Sache regeln“, Agnessa Iwanowna wurde langsam w;tend.
Angelina rief Nikita an und erkl;rte ihm, wo und warum er kommen m;sse.
„Ich komme nicht“, erwiderte Nikita. „Unter der Eiche liegen keine Diamanten!“
„Woher wei;t du, dass sie dort waren?“, fragte Angelina ;berrascht.
„Ich bin der Sohn meines Vaters, Dr. Lux, und er ist der Sohn seines Vaters, Lux. Eure Vorfahren haben Diamanten aus ihren Spazierst;cken unter einer jungen Eiche vergraben. Euer Vater teilte das Geheimnis mit einer Katze, und ich habe ihr vor langer Zeit einen Wanzen ans Halsband gemacht. So habe ich herausgefunden, wo die Diamanten sind. Ich musste sie nur noch ausgraben, bevor sie jemand anderes stahl.“
Angelina schaltete ihr Handy aus.
„Mama, Nikita hat die Diamanten schon l;ngst ausgegraben.“
„Der Sohn seines Vaters!“, grinste sie. „Na, dann hast du’s geschafft! Mach deine eigene Agentur auf. Wo willst du eigentlich Kunden finden?“ „Und wir arbeiten mit der ganzen Welt zusammen, ;berall auf der Welt …“
„Viel Gl;ck“, sagte Agnessa Iwanowna und versank in Erinnerungen, aber nur kurz: Ihr fiel auf, dass sie das ;bliche Handy ihrer Tochter nicht gesehen hatte.
„Angelina, wo ist dein Handy? Ich habe nicht verstanden, wie du mit Nikita gesprochen hast.“
„Das drahtlose Spionage-Set ist in den Ohrringen. Mit einem Ohrring h;rst du, was ich sage, mit dem anderen, was sie zu mir sagen, und dann ist da noch das Zifferblatt am Armband.“
„Aber dein Armband hat doch keine Ziffern!“
„Man muss einen Knopf dr;cken, dann ;ffnet sich die Abdeckung und gibt ein Bedienfeld frei. Ganz einfach.“
„Nimm mich mit; ich bin mit dem Taxi gekommen“, bat Agnessa Iwanowna.
Schon bald erreichten sie die Autobahn. Agnessas Augen weiteten sich vor Entsetzen, und sie sank in ihren Sitz. Der Wagen geriet ins Schleudern, und der Airbag l;ste aus. Der Wagen kam zum Stehen.
„Was war das denn?“, keuchte Agnessa Iwanowna.
„Ein Attentat, ganz einfach. Aber der Kreisel hat die Rollbewegung des Wagens erkannt und korrigiert, der Coriolis-Effekt trat nicht auf, und die Automatik funktionierte einwandfrei. Sieh dir jetzt die Reliefkarte an, die den Hergang zeigt. Beschleunigungsmesser …“
„Angelina, woher wei;t du das alles?“, fragte Agnessa Iwanowna ;berrascht.
Angelina antwortete nicht, sondern schaltete den Flachbildschirm des Wagens ein. Damen in diamantbesetzten Kleidern rannten auf dem Bildschirm herum, feuerten Diamantkugeln ab, z;ckten diamantbesetzte Handys und lie;en ihre Diamantuhren aufblitzen.
„Mama, wie gef;llt dir das?“, fragte Angelina. „Sieh nur, das ist ein Diamantenfeuerwerk zu deinen Ehren.“
Agnessa Iwanowna war sprachlos. Sie wusste zwar, dass die Jugend gro;e Fortschritte machte, aber nicht in diesem Ausma;!
Ilja Lwowitsch bemerkte, dass Agnes ins Visier genommen worden war. Er sah, wie ein anderes Auto versuchte, in ihres zu krachen. Er war hilflos. Doch zu seiner ;berraschung wich der Wagen der Diamantenh;ndlerin geschickt zur Seite aus und verhinderte so einen Zusammensto;. Es war, als ob jemand von oben sie besch;tzte.
Ñâèäåòåëüñòâî î ïóáëèêàöèè ¹226061501685