Die Abrechnung
;Arthur sa; am Kopfende des langen Tisches aus dunklem Mahagoni. Vor ihm lag ein einzelner, dicker Lederordner. Keine Laptops, keine Tablets, keine Powerpoint-Pr;sentationen. Heute wurde analog abgerechnet.
Die T;r ;ffnete sich, und Gregor trat ein. Er strahlte die gewohnte, leicht herablassende Eleganz aus, die ihn in den letzten zehn Jahren an die Spitze der Investmentfirma getragen hatte. Ma;anzug, das Haar perfekt zur;ckgek;mmt, ein Siegerl;cheln auf den Lippen.
;„Arthur, mein Lieber“, sagte Gregor und lie; sich locker auf einen der Lederst;hle sinken. „Sch;n, dass du Zeit hast. Aber mussten wir uns wirklich am Samstagmorgen treffen? Und warum so f;rmlich?“
Arthur antwortete nicht sofort. Er sah seinen langj;hrigen Partner an – den Mann, mit dem er die Firma aufgebaut hatte, den Mann, den er f;r seinen besten Freund gehalten hatte. Bis vor drei Wochen.
„Es geht um das Projekt Aegis, Gregor“, sagte Arthur ruhig. Seine Stimme war frei von Emotionen, ein flacher, tiefer Ton.
Gregor winkte ab. „Ach, das. Ein voller Erfolg. Die Vertr;ge sind unterschrieben, die Provisionen flie;en n;chste Woche. Wir haben es geschafft, Arthur. Wir sind saniert.“
„Du bist saniert“, korrigierte Arthur ihn leise. Er schlug den Ordner auf. „Ich habe mir die Transaktionsprotokolle der letzten f;nf Jahre angeschaut. Nicht die, die du dem Wirtschaftspr;fer gegeben hast. Die echten. Aus dem Kernsystem.“
Ein winziger Schatten huschte ;ber Gregors Gesicht, so schnell, dass man ihn fast bersehen h;tte. Doch sein L;cheln blieb starr. „Ich wei; nicht, wovon du redest. Wenn da Fehler drin sind, war das die Buchhaltung...“
"H;r auf, Gregor“, unterbrach Arthur ihn.
Kein Schreien, kein Drama. Nur eine eiskalte Feststellung. „Die Briefkastenfirma auf den Cayman Islands l;uft auf den M;dchennamen deiner Mutter. Sehr kreativ brigens. Du hast ;ber ein komplexes System von Scheinberatungen insgesamt 4,2 Millionen Euro aus dem Firmenverm;gen abgezogen. Meinem Verm;gen. Dem Verm;gen unserer Angestellten.“Die Luft im Raum schien schlagartig d;nner zu werden. Das Siegerl;cheln auf Gregors Gesicht br;ckelte, die Maske fiel. Zur;ck blieb das Gesicht eines Mannes, der in die Enge getrieben wurde. Er lehnte sich nach vorne, die Stimme nun giftig und leise.
„Und was willst du tun, Arthur? Mich anzeigen? Wenn ich untergehe, rei;e ich die Firma mit. Dann bist du genauso ruiniert wie ich. Die Presse wird uns zerfleischen. Das ;berlebst du nicht.“
Arthur blickte auf den Ordner, dann direkt in Gregors Augen. In diesem Blick lag keine Wut mehr, nur noch die tiefe Entt;uschung ;ber einen Verrat, der nicht mehr geheilt werden konnte.
„Ich habe die Firma gestern Abend an die Schmidt-Gruppe verkauft“, sagte Arthur ruhig. „F;r einen symbolischen Euro. Sie ;bernehmen alle Angestellten, alle Verbindlichkeiten – und alle Rechtsanspr;che. Die Anw;lte haben die Unterlagen bereits vor zwei Stunden an die Staatsanwaltschaft ;bergeben.“
Gregor sprang auf, sein Stuhl flog mit einem lauten Knall nach hinten. „Du hast was getan?! Du hast unser Lebenswerk vernichtet!“
„Nein“, sagte Arthur, stand langsam auf und kn;pfte sein Sakko zu. „Ich habe meines gerettet. Und deines bezahlt jetzt die Rechnung.“
Arthur nahm seinen Mantel vom Haken. Er blickte nicht noch einmal zur;ck. Als er die schwere Glast;r des B;rogeb;udes hinter sich ins Schloss fallen h;rte, f;hlte sich die k;hle Samstagmorgenluft zum ersten Mal seit Jahren wieder richtig sauber an. Die Abrechnung war vorbei.
Свидетельство о публикации №226070600739