Frag nicht, woher ich kam

Das Foto betrachten und verstehen,
was die Erinnerung anders wissen wollte –
doch die Dinge waren, wie sie waren; vor allem das Alter
hatte seinen Tribut gefordert (wer koennte ihn mir nehmen?).

In den Winkeln der Seele, verhuellt von Jacken,
von Hemden – ob in Mode oder laengst pass; –,
unter Hosen, auf so demuetigen Schritten,
mit Haaren, die sich wie ein Karussell im Wind drehten,
allein unter Fremden – im Geiste und im Glauben –
und selbst an der Seite dessen, der Honig fuer mein Herz ist,
missverstanden nach Seide und Daunen,
unkenntlich durch das Sieb der Zeit,
in eigenen Welten – und doch ganz eigen –,
ein wanderndes, eifersuechtiges, weinendes Auge;
Aengste meidend und doch tief in ihnen befangen,
bereit, mich an die suesse Umarmung der Liebe zu klammern,
doch die Zeit nahm keine Notiz von der Bestellung…

Jahre vergingen – nicht bloss Tage – in trostlosem Fluss,
Mit fluechtigen Lichtblicken der Freude, einem wechselhaften Spiel;
Denn das Dasein war nicht allein fuer das Glueck bestimmt,
Sondern um sich selbst im Leben anderer zu erkennen.
Stets die Wahl zwischen „Gesundheit oder der Bettpfanne“ –
Ohne sich je daran zu gewoehnen – trug er seine Leiden
Zum Heiler, in den Moerser, stets in der Hoffnung,
Dass der widerstandsfaehige Lebensstaub Bestand haette;
Wie einer, der sich mitten im Meer an einen Strohhalm klammert,
Immer laenger am Krankenbett verweilend,
Sich weigernd, die Last der Trauer anzunehmen,
Verwandte Seelen durch die Geheimnisse des Geistes erkennend –
Das war die Lektion ... doch sie wagten keine Umkehr,
Waehrend er die Wahrheit sah und ihr Wesen verachtete –
Er sprach es aus ... doch keine Witwen blieben
Unter seinen Feinden zurueck, als die Waage verstummte.

„Frag nicht, woher ich kam“ –
er verschwand spurlos – ein himmlischer Parzival
(ganz im Stil Wagners), der hinter die Kulissen trat
und der Liebe genau das ueberliess, was er selbst gesucht hatte;
nun ist sie allein, doch an ihren Gedanken nagt
jener letzte Kuss – kein Kuss des Abschieds –,
und die Worte „Du hattest recht, ich stehe unter Schock“ werden zertreten
von der Vorstellung reissender Saiten;
„Geh nicht, bleib bei mir ...“, weinte sie –
Worte, die sich loesten, ohne dass eine Traene floss –
„Du bist der Einzige, den ich vermisse ...“ – sie machte aus ihrer Angst kein Hehl –
„Ich fuerchte, ich werde das Morgenrot nicht mehr erleben.“
Dann, im fruehen Morgenlicht, sangen Engel
und trugen eine letzte Stimme ins Licht;
ihr schien, als sei die ganze Welt verwaist,
doch sie allein war die Waise – als das Licht erlosch.

„Frag nicht, woher ich kam ...“
—und sie fragte nicht; er selbst verkuendete,
in welche Himmel er sich ausgeweitet,
wohin sein gefluegelter Geist sich geschwungen;
durch Offenbarung, am letzten Ankerplatz,
kam die Einsamkeit der Urspruenge an –
Urspruenge, die seine Seele staerker machten als das Leben,
staerker, als selbst seine Traeume es geahnt;
so wird das Jahr vergehen, und alles wird zurueckkehren,
doch in der feineren Gestalt edelster Gedankenformen,
wie der Hauch eines Sonnenstrahls den Schleier
nebliger, traumloser Traeume durchbricht.

14. Mai 2026

Uebersetzt aus dem russischen: Не спрашивай, откуда я явился
http://proza.ru/2026/05/21/31


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