Ein Walzer der Gedanken. Doga Winterwalzer

Ich hoerte den Walzer und dachte: „Ich sollte nicht …“ – doch alles an dir rief in diesen Klaengen nach mir; da warst du – du schrittest auf mich zu, mit einer freundlichen, sanften und zugleich w;rdevollen Haltung, den Blick fest in meine Augen gerichtet. Es ist tief in der Nacht, und kein Laut stoert die Stille; ich haette einschlafen koennen, doch der Rhythmus des Walzers – vertraeumt und zugleich k;hn – weckte in mir die Hoffnung, dir wieder zu begegnen.
Schneeflocken wirbeln umher, stets zu zweit, und erinnern mich daran, dass der Walzer lebt – geboren aus einem Traum, getanzt von Meereswellen und Sonnenstrahlen, die die Liebe gefunden haben.
Auf einem verschneiten Pfad oder inmitten von Blumen gehe ich in meinen Tagtr;umen auf dich zu und sage mir: „Keine Verse sind noetig – besser, wir erleben unsere Begegnung einfach in der Wirklichkeit noch einmal...“ Doch ich konnte nicht anders; ich hielt es fest, bahnte mir mit den Schritten meiner Gedanken einen Pfad durch den Schnee zu dir und lie; die Segel des Schiffes mit einem Laecheln erstrahlen, waehrend ich auf dich zuging...
Beim Zaehlen von „Eins, zwei, drei“ nahmst du sanft meine Haende; in den folgenden Takten verschmolzen unsere Seelen – Gedanken an den Abschied blieben zurueck, als ich mit dir in die Zukunft schritt. Vom Wind getragen – wie vom Geist des Walzers von Jewgeni Doga – wurden wir zu einem beglueckenden Wintermaerchen fuer diesen und alle kommenden Sommer: nur zwei Gedanken – du und ich.
Ein Walzer der Gedanken wirbelt endlos durch den Himmel; wir reiten auf Schneeflocken – zwei Hauchgebilde eines Traums – hinab zur Erde, Blick in Blick, getragen von der Liebe auf einem Karussell aus Sonne und Wasser. Lasst uns so leben: alle Gedanken dem Himmel ueberlassend, wo Engel bis zur Morgendaemmerung kreisten und abwechselnd ein Lied der Sphaeren sangen – unvergleichlich, damals wie heute und fuer alle Zeit. Fuer manche nahm das Lied die Gestalt von Versen an, fuer andere die der Musik; doch fuer uns war es wie ein Traum: weisser als der Winter und strahlender als das Versprechen des Regenbogens – ein herbstlicher Fruehling kroente uns. Ach ja – hoch ueber dem Schnee, ueber dem vom Frost gek;ssten Wald, ueber dem seidigen, silbern bestaeubten Feld –, waehrend in unseren Gedanken ein Chopin-Walzer das Glueck wie einen Wolkenbruch in unsere Seelen goss. Wie koennte ein solcher Augenblick je vergessen werden? Wenn es keiner Worte bedarf fuer unsere Begegnung – sondern nur des Sich-Drehens im Walzer des Lebens, gleich einem Walzer der Gedanken, auf dem Weg in die Liebe.

          Winterwalzer. Eugen Doga. https://www.youtube.com/watch?v=PQzG15bmUQw


Uebersetzt aus dem russischen: Вальс мыслей. Дога. Зимний вальс
http://proza.ru/2018/01/30/266


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