Drei Freunde

Michael, Thomas und Lukas kannten sich seit ihrer Kindheit.

Sie waren zw;lf Jahre alt gewesen, als sie sich zum ersten Mal geschworen hatten, niemals auseinanderzugehen.

Damals glaubten sie, dass Freundschaft st;rker sei als Zeit.

Sie wussten noch nicht, dass das Leben seine eigenen Pl;ne hatte.

Sie wuchsen in einer kleinen Stadt auf, in der jeder jeden kannte. Nach der Schule sa;en sie oft am Fluss, teilten eine Flasche Limonade und erz;hlten sich von der Zukunft.

Michael wollte Arzt werden.

Thomas wollte ein eigenes Haus bauen.

Lukas sagte immer:

„Ich will einfach gl;cklich sein.“

Die beiden anderen lachten.

„Das ist kein Beruf“, sagte Thomas.

Lukas l;chelte.

„Vielleicht ist es der schwierigste.“

Viele Jahre vergingen.

Michael wurde tats;chlich Arzt. Thomas wurde Bauingenieur. Lukas heiratete seine Jugendliebe und bekam eine Tochter.

Das Leben hatte sie in verschiedene Richtungen gef;hrt.

Aber einmal im Jahr trafen sie sich am alten Fluss.

Sie sa;en dort wie fr;her und erz;hlten sich von ihren Familien, ihrer Arbeit und den Dingen, ;ber die man nur mit alten Freunden sprechen konnte.

Dann kam ein Winter, der alles ver;nderte.

Thomas bekam einen Anruf.

Michael war schwer krank.

Er lag in einem Krankenhaus.

Thomas fuhr sofort hin.

Lukas kam einige Stunden sp;ter.

Die drei Freunde sa;en zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder in einem Zimmer.

Nur war es diesmal kein Caf; am Fluss.

Es war ein Krankenhauszimmer.

Michael war sehr schwach.

Er l;chelte trotzdem.

„Ihr seid gekommen.“

Thomas nahm seine Hand.

„Nat;rlich.“

Lukas setzte sich auf die andere Seite des Bettes.

Eine lange Zeit sagte niemand etwas.

Dann fl;sterte Michael:

„Erinnert ihr euch an unseren Schwur?“

Thomas nickte.

„Wir wollten niemals auseinandergehen.“

Michael l;chelte traurig.

„Wir haben verloren.“

„Nein“, sagte Lukas. „Wir sind immer noch hier.“

Michael sah seine beiden Freunde an.

„Vielleicht.“

Am n;chsten Morgen starb Michael.

Thomas und Lukas sa;en noch lange neben seinem Bett.

Keiner von ihnen weinte.

Nicht dort.

Erst drau;en, vor dem Krankenhaus, begann Thomas zu zittern.

Lukas legte seinen Arm um ihn.

„Er war mein Bruder“, sagte Thomas.

„Meiner auch.“

Sie standen schweigend im Schnee.

Zum ersten Mal waren sie nur noch zwei.

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Ein Jahr sp;ter trafen sich Thomas und Lukas wieder am Fluss.

Der Platz war derselbe.

Der Baum war derselbe.

Das Wasser floss wie fr;her.

Aber der dritte Platz blieb leer.

Thomas hatte eine kleine Flasche Limonade mitgebracht.

Er stellte sie auf den Boden.

Lukas sah ihn an.

„Was machst du?“

Thomas antwortete:

„Er h;tte jetzt gesagt, dass wir ohne ihn angefangen haben.“

Lukas l;chelte unter Tr;nen.

„Und dann h;tte er uns ausgelacht.“

Sie sa;en bis zum Abend dort.

Sie sprachen ;ber Michael.

;ber seine schlechten Witze.

;ber seine Tr;ume.

;ber ihre Kindheit.

Als die Sonne unterging, sagte Lukas:

„Glaubst du, dass er uns irgendwo sehen kann?“

Thomas blickte auf das Wasser.

„Ich wei; es nicht.“

Dann nahm er die Flasche.

Er ;ffnete sie.

Sie tranken zu dritt.

Zumindest f;hlte es sich f;r einen kurzen Augenblick so an.

Jahre sp;ter starb auch Thomas.

Lukas war inzwischen alt geworden.

Er ging noch einmal zum Fluss.

Langsam setzte er sich unter den alten Baum.

Neben ihm stellte er zwei Flaschen Limonade.

Eine f;r Michael.

Eine f;r Thomas.

Dann blieb er lange still.

Der Wind bewegte die Bl;tter.

Das Wasser rauschte.

Lukas schloss die Augen.

„Jetzt sind wir wieder drei“, fl;sterte er.

Er l;chelte.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren f;hlte sich die Einsamkeit nicht mehr ganz so schwer an.

Am n;chsten Morgen fand man Lukas unter dem alten Baum.

Er war friedlich eingeschlafen.

Neben ihm lagen drei leere Flaschen.

Und auf dem Boden lag ein kleines St;ck Papier.

Darauf standen nur wenige Worte:

„Wir haben uns nie verloren. Wir haben nur aufeinander gewartet.“


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