Ohne auf einer Zeitmaschine zu warten

Ohne auf die Erfindung einer Zeitmaschine zu warten

Menschen werden geboren und bringen Gedanken hervor; dies ist alles, womit sie leben und wirken, und es ist alles, was sie fuer andere hinterlassen. Jeder dieser Gedanken – und es gibt ihrer unzaehlige – erbt nicht nur alle Eigenschaften seines Schoepfers, sondern auch das Recht der Wahl, durch das er wiederum eigene Gedanken erschafft und ihnen einen Teil seiner selbst sowie einen Teil seines Schoepfers weitergibt.
Wenn ein Gedanke auf einen anderen trifft, bringt er nicht nur einen neuen hervor, sondern gewinnt – bereichert durch neues Wissen – auch die Faehigkeit, Materie staerker als zuvor zu beseelen: angefangen beim Mikroteilchen ueber den Menschen bis hin zu weiteren Daseinsformen ... Und es ist ein Paradoxon: Irgendwann begegnet jeder Gedanke – in welcher physischen Erscheinungsform auch immer – den von ihm selbst Geschaffenen; er lebt in deren Gedanken und staunt darueber, wer oder was sich da zeigt, in welcher Gestalt, im Guten oder im Boesen, und vor allem: zu welchem Zweck – waehrend er voellig vergisst, wem diese Gedanken eigentlich entstammen –, und dicht daneben finden sich zudem die Gedanken der Gedanken wiederum anderer Gedanken, in unendlicher Folge. Wenn sich doch nur alle Gedanken an ihren Ursprung erinnern wuerden – ob schoen oder schrecklich, gross oder klein, begabt oder nicht –, und sich ihrer Wahlfreiheit bewusst waeren, ihres Rechts, durch die Verbindung zum Schoepfer aller Schoepfer ihresgleichen zu erschaffen und die Zeit fuer sich selbst wie fuer alle anderen gleichermassen zum Besseren oder Schlechteren zu wandeln: Wuerden sie dann nicht versuchen, die Welt zum Besseren zu veraendern? Sei es aus der Furcht heraus, unerwartet in einer der Parallelwelten zu erwachen, die durch die eigenen haesslichen Gedanken erschaffen wurden, und dort auf ewig gefangen zu sein; oder aus dem unbaendigen Wunsch, nicht erst auf die Erfindung einer Zeitmaschine zu warten, sondern schon jetzt alles zum Besseren zu wenden – um der Hoelle zu entkommen und ins Paradies einzutreten.


Uebersetzt aus dem russischen: Не дожидаясь создания машины времени
http://proza.ru/2018/07/29/1505


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