Briefe in das unsichtbare Reich

Ich kehre zu mir zurueck – bald, fast wie ich einst war:
weniger Schlaf im Fruehling, mehr Muehen fuer das Gute,
reiner das Haus, die Farben der Bilder lieblich –
mit ihnen schmiege ich mich an die Liebsten, in Gedanken wie Blumen.

Nach grossen Verlusten spricht das Herz vom Schmerz …
Briefe in den unsichtbaren Schatten … wen wird die Erinnerung beschenken …

Freude – der Musen Melodie – erinnert uns daran, dass es sie gibt:
die sternblaue Daemmerung, der Voegel betoerenden Sang,
den sonnigen Duft des Regens in warmer, windstiller Zeit,
und den Loewenzahn – wie ein Heiligenschein um sein Haupt –,
im rosigen Licht, inmitten der praechtigen Pracht der Wiesen,
wo die Schoenheit der ewigen Natur wie im Maerchen verzaubert,
im Einklang mit dem Lied der Wolken – als haette sie jemand erdacht –,
und die Wirklichkeit wird zur Wiege, zum Uebergang ueber die Fluten,
ganz ohne Joch und Eimer, einfach emporgestiegen …
So ist sie also, die Seele auf der Suche im Lauf der Lebensjahre.

Ein Engel breitete kuehn seine Schwingen ueber der winzigen Erde aus –
ein koerperloses Wesen, das sich wie ein Reiter in den Sattel schwang;
den Stab erhoben und das wilde Pfeifen im Ohr,
stuerzte er sich auf den Daemon des Boesen, um mutig ein Leben zu retten –
ein Symbol des Sieges aller Siege in friedlichen Weltenzeiten,
durch den Glauben der Liebe an die Vernunft des Geistes, auf ewig.

Glueck und Lob seien ihnen allen zuteil, all den Waechtern auf ihrem Posten,
auf dass jede Seele wohlbehalten vom Feld in die Heimat zurueckkehre.

Im Gedenken an all jene, die gingen und nicht heimkehrten …
Vielleicht hat ihr Engel sie gefunden und ihren Geist mit sich gefuehrt …
Die Zeiger der Uhr beruehren die Sphaeren des irdischen Daseins,
in die Ewigkeit hallen die Herzschlaege der Laeuter wider –
sie gelten jenen, durch die die Kraft hoechster Hoffnung lebt:
dass das himmlische Geschenk nicht umsonst uns zuteilwurde.
Ich kehre zu mir selbst zurueck, denn ich lebe
sowohl fuer mich als auch fuer jene, denen meine Gedanken in dieser Welt geh;ren.

Briefe in das unsichtbare Reich, Gedanken aus Licht in die Dunkelheit –
als wuerde ich sie mit Kerzenschein und dem Geist der Waerme erhellen.

5. Mai 2026

Uebersetzt aus dem russischen: Письма в незримую сень
http://proza.ru/2026/05/21/27


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