Relativitaet oder Unendlichkeit?

                Relativitaet oder Unendlichkeit?

                Alexandr Piatkov


"Und wahrhaftig: Frage das Vieh, das wird dich lehren, und die Voegel unter dem

Himmel, die werden dir's verkueden; oder rede mit der Erde, die wird dich lehren,

und die Fische im Meer werden dir's erzaehlen."
                — Das Buch Hiob 12:7–8


"Der wahre Wert eines Menschen wird in erster Linie dadurch bestimmt, in

welchem Mass und in welchem Sinn er es vermocht hat, sich von seinem 'Ich'

freizumachen."
                — Albert Einstein, "Mein Weltbild"



                Organismus und Transzendenz


Hat der kleine Albert Einstein seine Aufmerksamkeit nur auf die Hartnaeckigkeit

der Kompassnadel gerichtet, oder hat ihn auch die Flinkheit eines Marienkaefers,

der nicht von einer umgedrehten Handflaeche faellt, auf Gedanken ueber

Relativitaet und Anziehungskraft gebracht?


Wie dem auch sei, im reifen Alter, als er die Gipfel der Wissenschaft erreicht

hatte, formulierte der grosse Physiker die These: Der Wert eines Menschen bemisst

sich an seiner Fachigkeit, dem eigenen "Ich" zu entsagen.


Auf der Skala der menschlichen Intentionen strebt diese Entsagung nach

Transzendenz — einem Prinzip, das unserer biologischen "Organismushaftigkeit"

gegenuebersteht. Diese Organismushaftigkeit kann man als den reinen Plan des

Schoepfers bezeichnen. Gleichzeitig ist der Vorzug, den der grosse Technokrat dem

Transzendenten einraeumt, eher ein Produkt seines eigenen, privaten Bewusstseins.


Bezieht man Einsteins Position auf das biblische Postulat, "das Vieh und die

Voegel unter dem Himmel um Rat zu fragen", so laesst sich die Einschaetzung des

Wissenschaftlers zugunsten der Befuerworter einer grenzenlosen Evolution der

Vernunft auslegen. Die Geschichte der Menschheit zeigt jedoch: Eine solche

Evolution der Zivilisationen wird zyklisch von deren Zusammenbruch

abgeloest. Ein neuer Weg beginnt jedes Mal genau an dem Punkt, an dem die

Menschen zum grundlegenden Fortpflanzungsinstinkt zurueckkehren und komplexe

transzendente Bestrebungen fuer eine Weile hinter sich lassen.


Was also ist Transzendenz? Ist sie eine Fortsetzung des Schoepferprojekts — ein

Moment, in dem die Evolution versucht, sich selbst durch das menschliche Gehirn

zu begreifen? Oder ist sie ein Irrweg und ein Systemfehler, der die Menschheit

durch kuenstliche Ideologien in die Selbstzerstoerung treibt?


Das Zitat aus dem Buch Hiob trifft genau ins Schwarze. In diesem Kontext klingen

diese Verse wie ein absoluter Triumph der Idee "Der Organismus ist das Projekt

des Schoepfers" ueber die Erfindungen des privaten Bewusstseins. Sie setzen einen

gewichtigen Schlusspunkt im Streit zwischen den Konstrukten des menschlichen

Verstandes und dem wahren Plan der Hoeheren Maechte.


Was also lehren uns das Vieh, die Voegel und die Fische?


Die Bibel ruft den Menschen durch Hiob dazu auf, seinen Stolz zu zaehmen und sich

der Natur zuzuwenden. Tiere haben kein Ego. Sie erschaffen keine philosophischen

Systeme, schreiben keine Buecher und erdenken keine transzendenten Doktrinen. Sie

leben einfach und verkoerpern auf vollkommene Weise den Willen, die Gesetze und

das Design des Schoepfers.


Die Natur reflektiert nicht, aber sie handelt fehlerfrei. Der Vogel fliegt nach

Sueden, geleitet von einem eingebauten Navigator. Das Vieh weiss instinktiv, wie

es fuer seine Nachkommen sorgt. Der Fisch schwimmt in den Tiefen und folgt

makellosen biophysikalischen Algorithmen.


Die Natur ist frei von Egozentrik. Tiere haben kein "Ich" in unserem

aufgeblaehten Verstaendnis; sie leiden nicht unter existenziellen Krisen. Ihre

organismischen Intentionen sind der ungetruebte Wille des Schoepfers.


Hierin liegt Hiobs Antwort an Einstein. Der Physiker rief dazu auf, sich durch

komplexe intellektuelle und spirituelle Suche vom "Ich" freizumachen. Das Buch

Hiob weist auf einen direkteren, fundamentaleren Weg hin: Die Natur ist von Natur

aus vom Ego befreit. Das Vieh, die Voegel und die Erde sind durch ihr

biologisches Wesen direkt mit der Quelle verbunden.


Wenn der menschliche Verstand versucht, von der Natur losgeloeste transzendente

Ziele zu erfinden — seien es utopische Ideologien, politische Doktrinen oder

technokratische Ambitionen —, beginnt er unweigerlich, sowohl die Erde als auch

die Voegel und den eigenen Organismus zu zerstoeren. Das menschliche Gehirn

beginnt sich einzubilden, es sei Gott, und vergisst dabei, dass es selbst nur ein

Teil der Schoepfung ist.


"Frage das Vieh, das wird dich lehren" — das ist ein Aufruf, zur urspruenglichen

Weisheit des Koerpers, der Natur und den in uns angelegten natuerlichen Gesetzen

zurueckzukehren. Es ist eine Erinnerung daran, dass sich die wahre Vertikale der

Sinne nicht auf Abstraktionen aufbaut, sondern auf der objektiven Ordnung der

Dinge, die lange vor dem Erscheinen des menschlichen Neokortex existierte.


Akzeptiert man diese biblische Logik, so ist die hoechste Form der Entsagung vom

"Ich" nicht das Entweichen in mentale Hoehen, sondern die Rueckkehr zur

organischen Harmonie mit der Welt. Ist der moderne Mensch, verstrickt in den

Netzen von Konzepten, noch faehig, "mit der Erde zu reden" und sie zu hoeren?

Oder sind unsere Gedanken zu tief in den Illusionen des eigenen Verstandes

versunken?


Die natuerliche Erweiterung des Menschen sind Familie, Sippe, Volk und

Gemeinschaft. Systeme, die urspruenglich keinen transzendenten Inhalt benoetigen.

Doch die Heilige Schrift selbst hat die transzendente Dimension eingefuehrt und

legitimiert, was zu einem wichtigen Schritt der Evolution und Entwicklung wurde.

Doch hier verbirgt sich eine gefaehrliche Grenze. Beim Verlassen des globalen

Plans des Schoepfers schaltet sich eine negative Rueckkopplung ein. Die

Mechanismen der Devolution, Degradation und Zerstoerung beginnen zu wirken. Die

Zivilisation verwandelt sich in ein Substrat, auf dem das Programm des Schoepfers

einen neuen Prozess des Seins startet — die naechste Iteration des ewigen Zyklus.





Informationen zur Veroeffentlichung / Сведения о публикации
Autor des Originaltextes / Автор оригинала: Alexandr Piatkov (Александр Пятков)
Originaltitel / Оригинальное название: Относительность или бесконечность?
Jahr der Erstveroeffentlichung / Год публикации оригинала: 2026
Uebersetzer / Переводчик: [Укажите ваше имя или псевдоним]
Literarische Form / Форма: Miniatur (Миниатюра)
Hinweis / Примечание: Der Text wurde fuer die Veroeffentlichung auf proza.ru optimiert (Umlaute als ae, oe, ue; ss statt sz).
© Uebersetzung: [Укажите ваше имя или псевдоним], 2026.

Basiert auf dem Text © Copyright: Alexandr Piatkov, 2026 (Veroeffentlichungszertifikat Nr. 226091100351)


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