Der Flug des Trolls

Der Flug des Trolls

Alexandr Piatkov



Er nagte noch ein wenig an der Schaufel mit dem Riss und vergrub sie am gewohnten

Ort. Daneben lag ein zerfleddertes Buch, aber es lohnte sich nicht einmal, es zu

verstecken – von dem urspruenglich wuchtigen Band waren nur noch Fetzen uebrig.


Nachdem er sich gekratzt hatte, blickte er durch den Bruch in der Mauer. Niemand

war zu sehen, doch irgendetwas machte ihn stutzig. Er sah sich genauer um und

bemerkte ein Teleskop, das vom Balkon des Nachbarhauses auf ihn gerichtet war. Es

war das Teleskop eines Telepathen, der sich manchmal vom Drehen der Gegenstaende

um eine eingebildete Achse ablenkte und sich der Betrachtung dessen hingab, was

um ihn herum geschah. Nun ja, ein Teleskop ist kein Zielfernrohr, dachte er und

kroch durch den Bruch.


Wie gewoehnlich sass links der alte Mann mit einer selbstgedrehten Zigarette, und

rechts im Vorgarten hatte sich der oertliche Maler mit Skizzenbuch und

Bleistiften niedergelassen. Zu keinem von beiden hatte er das grosse Beduerfnis

zu gehen. Nach einem Nieser wandte er sich dennoch dem alten Mann zu; der Rauch

war zwar etwas seltsam fuer Tabak – er roch nach verbrannten Knoblauchschossen –,

aber das gab Hoffnung auf Heilung vom chronischen Schnupfen.


Nachdem er ein paar Schritte gemacht hatte, spuerte er, dass es Zeit war, den

ersten Posten zu hinterlassen. Er scharrte ein wenig, rein symbolisch, strengte

sich an und tat das, was er tun musste – und dann moegte kommen, was wolle! Mit

den Hinterbeinen scharrte er noch ganz leicht nach und ging weiter. Aber was fuer

Gedanken verfolgten ihn heute nur? Noch keine zwei Schritte getan, musste er

schon einen weiteren Posten hinterlassen. Er schielte zum Teleskop hinueber,

aber der Telepath war scheinbar wie ueblich mit seiner Achse beschaeftigt –

Glueck gehabt! Wenn nur der Herrchen nicht auftauchte, denn der wuerde ihm fuer

diese Posten eine ordentliche Tracht Pruegel verpassen!


Aber nein, alles blieb ruhig. Nachdem er sechs oder sieben Posten hinterlassen

hatte, erreichte er schliesslich den alten Mann. Als der Alte den Geplagten sah,

bot er ihm sofort an, mal zu ziehen. Das war der Tropfen, der das Fass zum

Ueberlaufen brachte – er musste sich erbrechen! Oh, Himmel, war das vielleicht

der letzte Posten? Ja, Zeit umzukehren! Ausgelaugt und die Beine kaum noch von

der Stelle kriegend, kroch er zum Bruch zurueck.


Doch das Schicksal hielt einen entscheidenden Schlag fuer ihn bereit. Als er

durch den Bruch blickte, wurde es ihm flau im Magen; er hatte nicht einmal mehr

die Kraft, auch nur ein einziges Mal mit den Beinen zu scharren, und der letzte

Posten erwies sich als noch unbarmherzig offener als die anderen. Der Schrecken

lag darin, dass die Freundin des Herrchens das zerfledderte Buch entdeckt und es

mit tschuchonischer Pedanterie in den M;lleimer gefegt hatte!


Das war ein echtes Debakel; die rissige und bis zur Unkenntlichkeit angenagte

Schaufel blieb die einzige Nahrung fuer unseren Asketen! Wie sollte er leben?


Ploetzlich zog etwas Starkes mit einer resoluten Bewegung das fast leblose

Koerperchen in den Bruch. Ein unvorstellbar maechtiger Wirbel zog ihn in seinen

Sog, wirbelte ihn herum und hob ihn empor. Er spuerte den Flug nach oben, von der

Ueberlastung gingen ihm die Ohren zu. Oh, strahlende Hoehen, da waren sie, da war

er – der Lohn fuer die Leiden! Endlich hatten ihn auch die hoeheren Maechte

gewuerdigt! Der Glaube, sein Glaube an das Soliton hatte ihn gerettet! Nichts

ausser dem Glauben an das Soliton haette diese majestaelischen Kraefte

hervorrufen koennen!


Er sah ein helles, weisses Licht am Ende eines Tunnels. Halt, das war zu viel des

Guten, auf solch einen Ruhm war er noch nicht gefasst! Indem er sich mit allen

Gliedmassen stemmte, versuchte er, die Bewegung zu stoppen. Und tatsaechlich,

ploetzlich hoerte der Flug auf, das Gefuehl des Gluecks verfl;chtigte sich

irgendwie. Er kam zu sich und fand sich in einer Pfuetze von seinem letzten

Posten wieder.


Oh, das war der Knoblauchrauch aus der Selbstgedrehten des Alten! Oh, verdammt

sei er!




Informationen zur Ver;ffentlichung / Реквизиты публикации
Autor / Автор: Alexandr Piatkov (Александр Пятков)
Originaltitel / Оригинальное название: Полёт тролля
Datum der Erstver;ffentlichung / Дата публикации: 2013
Ver;ffentlichungszertifikat / Свидетельство о публикации: № 213092202165 (proza.ru)
;bersetzung / Перевод: KI-;bersetzer (Menschlich korrigiert und adaptiert)
Besonderheiten der Formatierung / Особенности текста: Die Umlaute (;, ;, ;) und das Eszett (;) wurden gem;ss den Anforderungen durch die entsprechenden Buchstabenkombinationen (ae, oe, ue, ss) ersetzt.


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