Die Ironie des Schicksals-2

Die Ironie des Schicksals-2, oder wie ich das neue Jahr begruesste

Alexandr Piatkov


Nachdem ich Champagner getrunken und vom "Olivier"-Salat genascht hatte, ging ich

in den Hof und fing an, ein Feuerwerk anzuenden – allerdings von der falschen

Seite. Es knallte direkt in meinen Haenden. Ich kam komplett einbandagiert unter

einem Tropf wieder zu mir, und genau in diesem Moment musste ich dringend mal.

Ich trennte den Schlauch vom Tropf, drueckte das Gefaess an meinem Unterarm mit

dem Finger ab und stuerzte los, um eine Toilette zu suchen. Mein Instinkt hatte

mich nicht getaeuscht – selbst mit praktisch verbundenen Augen schaffte ich es

rechtzeitig!


Inspiriert und erleichtert kehrte ich ins Zimmer zurueck, bekam aber sofort einen

Schlag mit dem Gummiknueppel auf den Ruecken und wurde mit einer Handschelle ans

Bett gekettet. Allerdings nicht fuer lange: Nach wenigen Minuten wurde ein

anderer Patient mit einbandagiertem Kopf ins Zimmer gefuehrt. Ich wurde vom Bett

losgemacht, er wurde angekettet, und mir wurde befohlen, nicht unnoetig

herumzustreunen und mich nicht mehr erwischen zu lassen.


Im Halbonmachtszustand kehrte ich schliesslich in mein Zimmer zurueck. Man hatte

aber anscheinend schon einen neuen Tropf gebracht, sodass ich ihn an die bereits

in meinem Arm steckende Nadel anschliessen musste. Das Medikament wirkte sofort

und heftig; ein gesunder, tiefer Schlaf setzte ein. Doch ich schlief nicht lange:

Eine Dame fing an, mich zu wecken und zu fragen, wer ich sei und was ich hier

mache. Ich sagte, ich sei Andrej Mjagkow und wuerde einfach hier wohnen!


"Barbara Brylska" antwortete, ihr stehe der Sinn nicht nach Witzen, dies sei ihr

Bett, und verlangte, dass ich verschwinde. Ich fing an zu beweisen, dass es mein

Bett sei. Als Beweis schlug ich vor, den Nachttisch zu oeffnen, um sich zu

vergewissern, dass dort meine Apfelsinen laegen. Die Apfelsinen waren an Ort und

Stelle!


Die Dame ging, um die Dienstschwester zu rufen, und ich versank wieder in einen

tiefen Schlaf. Doch bald weckte sie mich erneut. Die Schwester konnte sie nicht

finden, aber sie hatte ein Maennerzimmer entdeckt, in dem ein Bett frei war, und

vermutete, dass ich aus diesem Zimmer stammte.


Mir war es voellig egal, wo ich schlief, und der Tropf war bereits durch. Ich zog

die Nadel heraus, ging in das besagte Zimmer und schlief wie tot ein. Ich

erwachte vor eisiger Kaelte, meine Zaehne klapperten, und ich konnte den Kopf

nicht heben – die Bandagen waren an dem Metalltisch festgefroren, auf dem ich

lag. Natuerlich war ich splitterfasernackt, und an meinem grossen Zeh war eine

Wachstuchnummer festgebunden!


Wenn es schon in der Neujahrsnacht unmoeglich gewesen war, die Dienstschwester zu

finden, waere es der Gipfel der Naivitaet gewesen, auf den Waerter einer so

traurigen Abteilung vor seiner Tuer zu warten. Aber – oh Wunder! – die Tuer

erwies sich als offen. Das Glueck war grenzenlos: In einem Schraenkchen neben der

Tuer befanden sich ein ganz passabler Mantel und eine Muetze. Ich zog mich an und

blickte in den Korridor hinaus.


Eine matte Gluehbirne beleuchtete sparsam diesen letzten – aber wie sich

herausstellte, nicht fuer alle letzten – Weg. Ich ging zum Ausgang, doch

ploetzlich ertoenten Schritte und das Gelaechter einer froehlichen Maennerrunde.

Ich wurde von Sanitaetern eingeholt, die offensichtlich das neue Jahr feierten.

Einer von ihnen klopfte mir auf die Schulter und fragte fordernd, wo ich

herumgetrieben haette.


Ich wurde von beiden Seiten unter den Armen gepackt und mitgezogen – ich dachte,

in mein Zimmer. Doch das Schicksal meinte es noch besser mit mir: Wenige Minuten

spaeter versuchte ich, die Bandagen im Gesicht zurseite schiebend, mir unter dem

wiehernden Gelaechter der Truppe nicht allzu stark verduennten Alkohol

einzufloessen. Sie fanden meinen Scherz mit der Einbandagierung extrem gelungen.

Das Fehlen einer Hose stoerte niemanden und wurde, wie mir schien, nicht einmal

bemerkt!


Ich wachte auf, weil mein Mund schrecklich trocken war. Die Augen konnte ich

nicht oeffnen, also schnupperte ich einfach. Es roch, wie seltsam es auch klingen

mag, nicht nach Karbol, sondern nach einem absolut echten Tannenbaum! Mit der

Hand beruehrte ich ploetzlich einen warmen Frauenschenkel – dieses Gefuehl konnte

man unmoeglich verwechseln. Sie murmelte: "Schlaf!"


O nein, selbst wenn Kleopatra neben mir gelegen haette, haette ich trotzdem ein

Glas Leitungswasser vorgezogen! Und ich ging in die Kueche, als ob ich von meinem

eigenen Sofa zu Hause aufgestanden waere. Das Experiment gelang, und aus dem Hahn

floss eiskaltes Wasser. Die Augen oeffneten sich: Ich war tatsaechlich in einer

Kueche. Sie erinnerte irgendwie an meine, aber nur sehr vage.


Ich trug jemandes Hose, und das war meine ganze Kleidung. Als ich den Flur

betrat, entdeckte ich den mir bereits bekannten Mantel und die Muetze, und

darunter riesige, ausgelatschte Filzstiefel mit Galoschen. "Ich muss die Beine in

die Hand nehmen" – dieser Gedanke durchzuckte mich wie ein Blitz.


Am verschlafenen Morgen des ersten Januars legte ich, ohne einem einzigen

Passanten zu begegnen, erfolgreich die halbe Stadt zurueck, kam nach Hause,

klingelte an der Tuer und stand fuenf Minuten spaeter unter der Dusche –

allerdings, im Gegensatz zu Ippolit Matveevich, ohne Mantel und Muetze!





© Copyright: Alexandr Piatkov, 2014

Uebersetzung ins Deutsche / Перевод на немецкий язык: AI-Uebersetzer (ИИ-

переводчик)

Publikationszertifikat Nr. 214011300042


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