Das Raetsel der kleinen Buchstaben. Seite 1r MV

Das Raetsel der kleinen Buchstaben auf Seite 1r des Voynich-Manuskripts

Um das Voynich-Manuskript – das mehr als 600 Jahre alt ist – zu verstehen, muss man sich in einen weit gereisten Moench hineinversetzen: einen Mann, der, fasziniert von den Wundern, die er erlebt hatte, bisweilen „Mikro-Gebete“ an die Seiten seines Tagebuchs anfaegte. Er schrieb in Sprachen, die ihm seit seiner Kindheit vertraut waren, und verschluesselte sie wie ein Alchemist; denn waehrend die Menschen jener Zeit zwar auf die Heilkunst der Moenche vertrauten, fuerchteten sie zugleich die Macht ihres Wissens – wohl wissend, dass sich wahre Gelehrte nicht vor jenen beugen, denen die Geheimnisse des Universums verborgen bleiben. Das Manuskript enthaelt altslawische und oestliche Schriftzeichen, auf Reisen aufgeschnappte Woerter, Abbildungen von Naturschaetzen, pflanzenf;rmige Gelaendekarten, alchemistische Symbole sowie Beschreibungen zur Herstellung von Arzneien, Salben und alkoholischen Getraenken – ergaenzt durch astrologische Berechnungen und Darstellungen ungewoehnlicher Bauwerke und Flugobjekte jener Zeit. Die faszinierendsten Skizzen erinnern an Ansichten aus dem Weltraum. Fachleute gehen davon aus, dass derjenige, dem es gelingt, die erste Seite des Manuskripts zu entschluesseln, auch das gesamte Buch lesen kann.
Im oberen rechten Bereich dieser Seite fielen mir kleine Schriftzeichen auf – ganz aehnlich jenen, die im buddhistischen Gebet auf Seite 65r zu finden sind. Trotz ihres Alters ist die Eingangspassage erstaunlich gut erhalten geblieben – und das nach mehr als 600 Jahren! Juengsten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge stammt das Manuskript aus dem Jahr 1420. Neben den anderen Schriftzeichen finden sich auch chinesische Symbole, die als „Kyo-i“ gelesen werden und „gestattet“ oder „erlaubt“ bedeuten. Und der zweite Absatz – der mit einer Erzaehlung unter dem Namen „Long“ (was „Drache“ bedeutet oder sich auf eine Person mit dem Nachnamen „Long“ bezieht) beginnt – oeffnet sich ploetzlich mit der Abbildung eines gefluegelten Drachen; genau dieses Buch – ein vielbesprochenes – will laut Autor einfach nicht gelesen werden. Doch zun;chst beschloss ich, mich auf die kleinen, geheimnisvollen Buchstaben zu konzentrieren:

ZHOSRA

„Zho S Ra“ – Goettlicher Baum. Baum der Sonnen. Baum mit Gott.

(Von unten nach oben lesen)

Auf Russisch: ЖОСРА

«Жо С Ра» - Божественное Дерево. Древо Солнц. Древо с Богом
(Читается снизу наверх)


„Zho“ – Zho - (russ.) Жо - ist ein mythischer Baum Chinas. In der alten chinesischen Mythologie ist Zho ein heiliger Baum, der jenseits des Suedmeeres waechst – im aeussersten Westen, nahe dem Kunlun-Gebirge, zwischen den Fluessen Heishui („Schwarz“) und Qingshui („Gruen“). Er besitzt dunkelgruene Blaetter und rote, lotusartige Blueten, deren Licht die Erde erhellt. Der Legende nach liessen sich die zehn Sonnen auf der Krone des Zho-Baumes nieder, nachdem sie ihre Reise ueber den Himmel vollendet hatten. Zho ist das westliche Gegenstueck zu Fusang, dem im aeussersten Osten gelegenen Sonnenbaum (Baum des Sonnenaufgangs). Das Motiv des Zho-Baumes taucht haeufig in der chinesischen Dichtung auf (z. B. in den Werken von Qu Yuan, 4. Jh. v. Chr., und Li Bai, 8. Jh. n. Chr.).

„S“ – S — (1) S (1) [ausgesprochen *s* oder *es*]. Siehe *es*. (2) S (2) siehe auch [so] (1) und [s’], ein Verbalpraefix. Es bezeichnet: 1) eine Bewegung aus verschiedenen Richtungen auf einen einzigen Punkt hin – z. B. *skhodit’sya* (zusammenlaufen), *sblizit’(sya)* (naeherbringen/n;herkommen), *svyazat’* (zusammenbinden), *svarit’* (zwei Metallteile zusammenschweissen), *skovat’* (zusammenschmieden), *skladyvat’* (stapeln/zusammenfalten) … …

„Ra“ – Ra – die h;chste Gottheit der alten Aegypter. Der Name bedeutet „Sonne“, und Ra war der Sonnengott. Das Zentrum seines Kults war Heliopolis; dort wurde Ra mit Atum gleichgesetzt, und dort waren ihm der Phaenix, der Mnevis-Stier und der Obelisk als seine Inkarnationen geweiht. In anderen religioesen Zentren wurde Ra mit lokalen Lichtgottheiten gleichgesetzt: mit Amun (in Theben) unter dem Namen Amun-Ra, mit Chnum (in Elephantine) in der Gestalt des Chnum-Ra und mit Horus in der Gestalt des Ra-Harmachis. Besonders verbreitet war der letztgenannte Vergleich. Es sind etliche Mythen ueber diese Gottheit bekannt; abgesehen von vereinzelten Hinweisen und Anspielungen in verschiedenen religioesen Sammlungen und zahlreichen Hymnen sind sie in einem speziellen Papyrus des Museums von Turin, in Inschriften an den Grabwaenden von Koenigen der 19. und 20. Dynastie sowie an anderen Orten ueberliefert. Diese Quellen offenbaren, dass Re als Sohn des Urchaos – des Nun – galt und vor der Erschaffung der Welt gemeinsam mit den Urgottheiten in diesem verweilte. Sodann – „groesser als jener, der ihn hervorbrachte, aelter als jene, die ihn gebaren“ – trat er aus dem Nun hervor, und zwar genau an jenem Ort, an dem spaeter die grosse Stadt Hermopolis entstehen sollte; dort befahl er – durch die Macht seines Wortes –, nachdem er ueber die Moechte der Finsternis triumphiert hatte, dass Licht aus einer Lotosbluete hervorgehe. Dann brachte Ra ein Goetterpaar hervor – Schu und Tefnut –, aus dem ein weiteres Paar geboren wurde: Geb und Nut (Erde und Himmel), die Eltern des Osiris und seines G;tterkreises. Diese Gottheiten bildeten die sogenannte heliopolitanische Enneade unter der Fuehrung von Ra. Waehrend des Mittleren Reiches entwickelte sich eine erhabene Lehre, der zufolge diese acht Gottheiten eins mit ihrem Urheber waren und als Glieder des Leibes des hoechsten Gottes existierten. Von sich selbst spricht dieser Gott im 17. Kapitel des *Totenbuchs* folgendermassen: „Ich bin Atum, der Seiende, der Eine. Ich bin Ra bei seinem ersten Aufgang. Ich bin der grosse Gott, der sich selbst erschuf, der Schoepfer seines eigenen Namens: ‚Herr der Enneade‘. Ich war gestern; ich kenne das Morgen.“ Nachdem er die Welt erschaffen hatte, herrschte Ra wie ein Pharao ueber sie – es war ein goldenes Zeitalter. Dank der magischen Kraft seines geheimnisvollen Namens hatte Ra alles in seiner Gewalt. Als er alt wurde, entlockte ihm seine kluge Urenkelin Isis diesen Namen durch List; die Folge war der Ungehorsam der Menschen. Auf Anraten seines Vaters beschloss Ra, die Menschheit zu vernichten, indem er sein „Auge“ in Gestalt der Goettin Hathor entfesselte; diese richtete ein schreckliches Gemetzel an, bei dem die Menschen in ihrem eigenen Blut zu ertrinken drohten. Ra empfand Mitleid und rettete die ueberlebenden am naechsten Tag, indem er Hathor betrunken machte. Doch die Undankbarkeit der Menschen betruebte Ra, und er beschloss, sie zu verlassen und in den Himmel aufzusteigen. Nut, die Goettin des Himmels, erschien ihm in Gestalt einer Kuh, und er machte sich auf den Weg, indem er auf ihrem Ruecken ritt. Die Menschen bereuten ihr Verhalten und kamen herbei, um ihn zu verabschieden; sie bekundeten ihre Bereitschaft, seine Feinde zu erschlagen sowie Opfergaben und einen Kult zu seinen Ehren einzurichten. Schu und Tefnut uebernahmen die Herrschaft. Doch auch nach seinem Rueckzug in den Himmel hoerte Ra nicht auf, die Erde mit Segnungen zu bedenken. Jeden Tag bricht er im Osten in der Tagesbarke auf – begleitet von anderen Gottheiten –, um die Erde zu erleuchten; nach zwoelf Stunden wechselt er in die Nachtbarke, um w;hrend der zwoelf Nachtstunden die zwoelf Regionen der Unterwelt zu erhellen. Dort besiegt er die Ungeheuer der Finsternis und sucht die Goetter sowie die Verstorbenen auf – jene, die von ihm Landparzellen erhalten hatten und als seine Vasallen galten. Jeder von ihnen durfte ihn nur eine Stunde am Tag erblicken, und nur wenigen Auserwaehlten war das Privileg vergoennt, die gesamte Zeit bei dem strahlenden Gott zu verbringen und an seiner Seite in der Barke mitzufahren. Dieses Schicksal galt fuer jeden frommen Aegypter als erstrebenswert; daher ruehrt die Faelle an Hymnen zu Ehren des Gottes Re sowie dessen Darstellungen in Grabinschriften aus der Zeit des Neuen Reiches. Diese Hymnen fanden auch Eingang in das *Totenbuch* (Kapitel 15); zudem sind in den Gruebern der Koenige der 20. Dynastie fuenfundsiebzig „Lobpreisungen“ an Re ueberliefert. Auch kleine Pyramiden – auf deren vier Seiten jeweils die Sonnenbarke in verschiedenen Phasen ihrer taeglichen Reise abgebildet war, ergaenzt durch Gebete an Re unterhalb der Darstellung des knienden Verstorbenen – sollten dessen ewige Gegenwart im Licht gewaehrleisten. Ra wurde mit dem Kopf eines Falken auf einem menschlichen Koerper sowie einer Sonnenscheibe und einer Uraeusschlange auf dem Haupt dargestellt. Im Berliner Museum sind interessante Ritualpapyri zum Kult des Ra – insbesondere in seiner Gestalt als Amun-Ra von Theben – erhalten; ihre Erforschung wurde von O. E. von Lemm (*Das Ritualbuch*, 1886) eingeleitet, und sie werden derzeit publiziert. Urspruenglich waren Ra keine weiblichen Gottheiten zugeordnet – er schuf aus sich selbst heraus –, doch spaeter finden sich Goettinnen wie Iusaaset und Rat an seiner Seite. Ihr kuenstlicher Charakter zeigt sich deutlich unter anderem in ihren Darstellungen, die sie eher als Gegenstuecke zu Isis und Hathor denn als Gemahlinnen des falkenkoepfigen Lichtgottes erscheinen lassen.

Es wurden Materialien von Internetuebersetzern und aus Buechern verwendet.


Uebersetzung aus dem russischen:  Тайна маленьких букв Рукописи Войнича страницы 1r
http://proza.ru/2015/03/07/1917

Meine Transkripte:
Античные рукописи. Аlte Manuskripte
http://proza.ru/2023/10/27/1632
Das Geheimnis des Voynich-Buches und ich
http://proza.ru/2023/12/23/928
Das Voynich-Manuskript, fliegende Blumen und ich
http://proza.ru/2023/12/23/958
Das „Abracadabra“ auf Folio 67v2 des Voynich-Manuskripts
http://proza.ru/2023/12/23/1053
Buch der Seelen des Voynich-Manuskripts
http://proza.ru/2026/08/15/686
Das Drachensymbol auf Folio 100r des Voynich-Manuskripts (MS 408)
http://proza.ru/2023/10/20/936
Tee-Fluss anbete fuer den Geist der Pflanzen. 16V
http://proza.ru/2023/09/02/858
Badende Nymphen. Dekodierung MV 78r Manuskript
http://proza.ru/2023/12/23/1133
Der Verfasser von Manuskript 408 war Buddhist
http://proza.ru/2026/08/15/806
Das Raetsel der kleinen Buchstaben. Seite 1r MV
http://proza.ru/2026/08/15/984
Op Op Wurzeln fuer ein Heilmittel in MS 99r
http://proza.ru/2026/08/14/2035
Ueber durch Essig verursachtes Leiden: eine Notiz auf Seite MS 116v
http://proza.ru/2023/12/23/1212
Voynich-Manuskript 78r, 75v: Lebende Buecher
http://proza.ru/2023/09/03/1695





 


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